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558Kersti:

Beim Aufsteigen entdeckst du, daß die Silberschlange ein Ledergeschirr trägt, an dem sein Reiter sich festhalten kann und daß es an diesem Geschirr einen Sicherungsgurt gibt, den man sich bei einem längeren Ritt wie einen Gürtel um die Hüfte schlingt, so daß man nicht herunterfallen kann.

Sobald ihr beide sicher auf ihrem Rücken liegt, gleitet die Silberschlange schneller und immer schneller vorwärts, breitet die Flügel aus, stößt sich kräftig vom Boden ab und beginnt zu flattern. Lange dauert es, bis die Schlange ein wenig Abstand vom Boden gewonnen hat. Dann fliegt sie höher und immer höher dahin. In der Ferne ist eine Felswand zu erkennen. Zuerst ist sie nur wie ein schmales, graues Band, doch je näher ihr kommt, desto gewaltiger erscheinen ihre Ausmaße. Ihr fliegt auf eine Burg die an der oberen Kante der Klippe steht zu. Kurz bevor ihr dort ankommt, kippt die Schlange nach vorne über, dann geht der Flug in ein schräg nach unten führendes, immer schneller werdendes Gleiten über. Die Schlange bremst plötzlich mitten in der Luft und beschreibt eine sehr enge Kurve auf die Felswand zu. Dir bleibt fast das Herz stehen - bis du entdeckst, daß dort eine Öffnung ist, durch die die Silberschlange mit ausgebreiteten Flügeln hineinfliegen kann. Es handelt sich um die Höhle, in der Sturmwind mit einigen anderen Silberschlangenreitern lebt.

Am nächsten Tag bringt Sturmwind dich in eine dir noch fremde Höhle weiter unten in der Felswand. Unterwegs erklärt er, wie du dich zu verhalten hast:
"Wenn Daheira, die Mutter der jungen Silberschlangen zu dir kommt, bleib ruhig sitzen. Solange du nicht wegläufst und ihre Eier nicht in Gefahr bringst, wird sie nichts tun. Bleib bei den kleineren Eiern, aus denen die Männchen schlüpfen. Sobald sie aus der Schale sind schnappst du dir die erste Silberschlange, die dir über den Weg läuft und fütterst sie so lange mit dem Fleisch aus dem Beutel, bis sie satt ist. Bewege dich langsam und bedächtig. Auch junge Silberschlangen haben Giftzähne und sie schnappen bei jeder schnellen Bewegung zu, weil sie Menschen noch nicht kennen. Hier sind die Eier."
Außer dir sind einige junge Leute in der Höhle. Alle haben weißblondes Haar und Augen von der Farbe sehr hellen Bernsteins.

Ohne viele Worte verteilen sie sich auf die ledrigen, runden Silberschlangeneier.

Nach einiger Zeit fangen die ersten Eier an, sich zu bewegen. Die Jungen zeigen aufgeregt auf eines, dessen ledrige Hülle schon ein Loch hat, laufen dorthin. Auch du schaust zu, wie das kleine Tier sich aus der Schale befreit. Plötzlich spürst du etwas kaltes, das dich von hinten berührt. Entsetzt willst du herumfahren, doch gerade noch rechtzeitig fällt dir ein, daß du dich langsam bewegen mußt. Die junge Silberschlange wirkt so hilflos, so kindlich und so vertrauensvoll, als sie dich vorsichtig mit ihrem Maul anstupst, einfach süß.

Sanft streichelst und fütterst du sie mit dem Fleisch aus deinem Beutel, bis sie satt ist. Dann nimmst du das kleine Tier auf den Arm und trägst es hinter den anderen Jungen her in einen Raum, wo ein Tisch für euch Menschen gedeckt ist. Erst als das Tierchen schon schläft, kommt dir in den Sinn, daß es absurd klingt, eine Schlange als niedlich zu bezeichnen.

Weiter in Buch 2 ("Das Volk der Silberschlangenreiter") Nr. 10


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Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, https://www.kersti.de/, Kersti_@gmx.de
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