Merkwürdige Erfahrungen

E9.

Der Tag hat 24 Stunden und wenn das nicht reicht, hat er eben mehr

Ein ständiger Scherz zwischen meinem Mann und mir war, daß wir dringend eine Zeitmaschine bräuchten - aber eine die Zeit produziert. Irgendwann meinte mein Mann, daß es keine Maschine sein braucht. Eigentlich hat er ja recht - Maschinen sind ja eh nicht gut.

Die kleine Zeitreise

Es war im Wintersemester 2001/02. Der Biologisch-Anatomisch-Zellbiologische Kurs ging mit dem Repertitorium immer bis Punkt 1700Uhr. Schon nach wenigen Wochen war mir klar: Ich muß es unbedingt irgendwie schaffen, 5 Mitunten vorher mit dem Zeichnen der Pflanzen unter meinem Mikroskop fertig zu werden - dann komme ich eine ganze Stunde früher nach Hause! - Also beeilte ich mich jedesmal so sehr ich konnte - und es war wie verhext: Ich bekam mein Blatt nie vor 1700Uhr fertig. Mist.

Eines Tages - es war wieder Dienstag, wieder dieser Kurs - und als ich durch das Unigebäude nach draußen ging, entdeckte ich mein übliches wöchendliches Ärgernis: Es war Punkt 1700Uhr. Mist, Mist, Mist!

Ich ging zur Straßenbahn, stieg in die nächste, die kam, holte mein Buch heraus und las die 20 Minuten, die die Bahn brauchte, um von Oberzwehren in die Innenstadt zu gelangen. Am Rathaus schaute ich in der vagen Hoffnung, daß die Straßenbahn wie irre gerast sein und doch noch rechtzeitig gekommen sein könnte, auf die Uhr. 1624. Eigentlich müßte es doch eine Stunde später sein? Oder? Ich traute meinen Augen nicht. Dann dachte, ich mir, daß die Uhr an der Kreuzung sicherlich um eine Stunde falsch geht. Ich fuhr also zwei Haltestellen weiter bis zum Stern, stieg dort - wie jeden Tag - aus und schaute auf die dortige Uhr. 1627. Nein, ich mußte mich irren. Ich ging zur Bushaltestelle und schaute auf den Plan. Nur für den Fall, daß die Uhr doch richtig ging, wollte ich wissen, in welchen Bus ich denn dann steigen könnte. Um die Zeit fuhren sie noch halbstündlich, das hieß, ich wäre dann anderthalb Stunden früher zuhause als normalerweise, wenn ich 1700 die Uni verlasse. Einen Versuch war es wert. Ich wartete auf den Bus, stieg ein, fuhr heim und schaute zu Hause noch einmal nach, ob es wirklich noch so früh war. War es. Aber erklären konnte ich mir das nicht.

Ich glaube, das ist mir sogar drei mal passiert.

Kersti

9/07

Nachbemerkung

Überraschenderweise versuchte ein Leser dieses Erlebnis mit meinem schlechten Zeitgefühl zu erklären - nur habe ich halt wirklich ein schlechtes Zeitgefühl: In dieser Zeitgeschichte fand mein Zeitgefühl dann ja auch alles ganz normal. Es meinte daß ich völlig normal viel Zeit in dieser verhexten Straßenbahn gesteckt und gelesen habe.

Überhaupt verlasse ich mich nie darauf, daß mein Zeitgefühl mit seiner Vorstellung richtig liegt. Es überrascht mich nicht im geringsten, wenn ich das Gefühl hatte, eine halbe Stunde etwas zu tun und dann sind fünf Stunden vorbei oder umgekehrt. Oder wenn ich vermute, es könnte Mittwoch sein und tatsächlich ist es schon Donnerstag. Alles völlig normal. Ich habe mir angewöhnt, wo es wichtig ist, immer auf die Uhr zu schauen und mir für wichtige Termine immer den Wecker zu stellen auch wenn sie Mittags sind. Ich kenne ja mein Zeitgefühl.

Aber wenn die Uhren mir sagen, daß ich eine Stunde in der Zeit zurückgereist bin, dann bin ich schon verblüfft. Und egal wie schlecht mein Zeitgefühl ist - dafür daß die Zeit laut Uhren rückwärts gelaufen ist, und daß die Uni vorher und der Bus nach dieser kleinen Zeitreise sich an diese vermaledeiten Uhren gehalten haben - dafür kann mein schlechtes Zeitgefühl keine Erklärung bieten.

Wenn überhaupt wird umgekehrt ein Schuh draus - vielleicht habe ich ja gar kein schlechtes Zeitgefühl sondern bringe gewohnheitsmäßig unbewußt die reale Zeit mit meiner magischen Kraft durcheinander, damit sie mir ein wenig besser in den Kram paßt.

Kersti

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