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erste Version: 1/2013
letzte Bearbeitung: 1/2013

Reinkarnationserinnerung

F174.

Eingeweideschau

Vorgeschichte: FF143. Kersti: Ägyptische Priesterleben: Eingeweideschau

C'her'ash erzählt:

Ziehbruder der Fürstensohns

Ich war der Sohn einer Negersklavin und des Fürsten in einem kleinen Fürstentum. Meine Mutter diente als Amme für den gleichaltigen Sohn der Herrin und wie wuchsen deshalb fast wie Brüder auf. Ich verstand mich gut mit meinem Ziehbruder und war sehr traurig, als er nach einem verlorenen Krieg als zwölfjähriger als Geisel und Diplomat an den Hof des Siegers geschickt wurde. Wenn er seinen Vater besuchen kam, erzählte mein Herr mir immer, warum es ihm dort nicht gefallen hat - er wurde höflich und seinem Rang angemessen behandelt aber gleichzeitig schien ihn niemand zu mögen. Der Fürst hatte meinem jungen Herrn eine Hand voll Leibwächter mitgegeben, aber sie behandelten ihn zu sehr als Herrn und zu wenig wie ein Kind, fand ich. Ich war auch sehr unglücklich, daß er weg war, denn ich wurde plötzlich sehr viel schlechter behandelt und der Lehrer meines Halbbruders, den ich so gerne in seinem Zimmer besucht hatte und ausgefragt hatte, wurde verkauft.

Der Wahrsager und seine große Eingeweideschau

Der Vater meines Herrn holte einen Wahrsager an den Hof, der sich mit Eingeweideschau beschäftigte. Das heißt, daß er sich die Eingeweide geschlachteter Schweine ansah, um daraus die Zukunft zu deuten. Während mir die Methode albern vorkommt, sehe ich kein Problem darin, wenn man sich die Eingeweide von Tieren, die sowieso tot sind, genau ansieht. Der Wahrsager behauptete jedoch gegenüber dem Herrscher, eine Eingeweideschau wäre sehr viel besser, wenn man sie bei Menschen machen würde. Als ich das das erste mal von ihm hörte, habe ich ihm die Meinung gesagt, was dieser Mann nicht gut aufnahm.

Eines Tages - ich war damals 17 Jahre alt - holten mich Männer des Herrschers vor einem großen Fest ab und banden mich an vier Pfählen fest, so daß ich mit ausgestreckten Armen und Beinen auf dem Rücken lag. Ich ließ mir das gefallen, weil der Herrscher mich öfter für irgendwelche Kleinigkeiten, die er für für furchtbare Unverschämtheiten hielt, mit Schlägen bestrafen ließ und ich es für das Klügste hielt, das über mich ergehen zu lassen und ansonsten zu ignorieren. Ich fand es kaum vorhersehbar, worüber er sich als nächstes aufregen würde. Daher kam ich zu dem Schluß, daß er für sein Verhalten keine rationalen Gründe hatte und dachte daß ihm wohl einfach meine Nase nicht gefällt.

Zu Beginn dieses Festes kam dieser Wahrsager auf mich zu und erklärte, heute würde eine große Eingeweideschau gemacht. In dem Augenblick begriff ich was er vorhatte. Mein junger Herr sollte heute kommen und ich wünschte mir, er wäre schon da, um mir zu helfen, denn der hätte das bestimmt verhindert. Ich war schockiert, daß der Herrscher etwas dermaßen Unmenschliches billigte und gleichzeitig war ich mir sicher, daß es nichts bringen würde, wenn ich um Gnade betteln würde. Also schwieg ich.

Ich biß die Zähne zusammen, als der Wahrsager mir den Bauch aufschnitt, darin herumwühlte und seine Prophezeihungen absonderte. Dann ging er weg und ich beobachtete, wie die anderen feierten. Niemand schien das geringste Interesse daran zu haben, daß ich mit üblen Schmerzen in der Ecke des Festplatzes lag.

Langsam wurde es dunkel. Ich beobachte schweigend dieses fröhliche Fest und war schockiert, daß niemanden diese Unmenschlichkeit auch nur zu berühren schien. Sie feierten, als sei gar nichts ungewöhnliches geschehen.

Einige Hunde kamen und schnupperten in die Richtung meines offenen Bauches.
"Aus!" befahl ich scharf. Die meisten Hunde verzogen sich, sie hatten mich wohl als fast tot und deshalb eßbar eingeordnet und sich nach diesem Befehl eines besseren besonnen. Nur der gefleckte Hund, mit dem ich gespielt und den ich oft gestreichelt hatte, kam näher, leckte mir das Gesicht und legte sich dann neben mich. Er wollte mich trösten und meine Wunden lecken und da ich verboten hatte, sich dem Bauch zu nähern, leckte er mir das Gesicht. Seine Nähe war mir wirklich ein Trost.

Ich dachte, daß ich wahrscheinlich ganz schön elend sterben würde und schloß die Augen.

Ich verlor jegliche Lust, ihr etwas zu sagen

"Wo ist Xeran?" hörte ich die Stimme meines jungen Herrn nach mir fragen.
Ich öffnete die Augen, sah daß er ganz in der Nähe mit einen Jungen sprach, der nicht mit der Antwort rausrücken wollte und rief laut: "Hier!"
Der Junge verdrückte sich so schnell wie möglich, während mein Herr eilig zu mir gelaufen kam. Mein Hund versteckte sich, weil der Herr ihn immer verjagt hatte.

"Was ist los?" fragte er mich, doch bevor ich antworten konnte, sah er im Licht des Feierfeuers, daß sie mir den Bauch aufgeschnitten hatten. Sein Gesicht erstarrte vor Wut.
"Diese Barbaren!"
Ich erzählte, was geschehen war.

Mein junger Herr ließ den Arzt rufen, befreite mich von den Fesseln und ließ mich in seinem Zimmer bringen und dort in sein eigenes Bett legen. Ich hatte angenommen, daß ich diese Verletzung sowieso nicht überleben würde und war erstaunt, als der Arzt erklärte, daß es nicht sicher sei, aber ich möglicherweise wieder völlig gesund werden könnte, da mein Darm nicht verletzt sei. Während er sich um meinen aufgeschnittenen Bauch kümmerte, verlor ich schließlich die Besinnung.

Ich erwachte davon, daß mir eine Dienerin das Frühstück brachte. Sie begrüßte mich fröhlich und freundlich, doch als ich sie ansah, hatte ich ein Bild vor Augen, wie sie fröhlich mit ihrem Freund tanzte, während ich mit aufgeschnittenem Bauch in der Ecke lag. Ich verlor jegliche Lust, ihr etwas zu sagen. Mir fiel einfach nichts mehr ein, nicht einmal so einfache Worte wie "Ja", wenn ich gefragt wurde, ob sie mir noch etwas bringen soll. Auch als die Köchin kam und mir das Mittagessen brachte, erinnerte ich mich, wie sie sich bei der Eingeweideschau auf die Zehenspitzen stellte, um besser sehen zu können, wie der Wahrsager in meinem Bauch herumwühlte. Ähnlich ging es mir mit jedem, der sich in irgendeiner Form um mich kümmerte. Ich sprach mit keinem von ihnen ein Wort.

Schließlich kam der Arzt zu seiner nächsten Visite und nachdem er sich meinen Bauch angesehen und gemeint hatte, es sähe aus, als würde es gut heilen, sagte er:
"Ich habe gehört, du sprichst mit niemandem?"
Ich erklärte ihm, warum ich einfach nichts mehr zu sagen wußte. Den Arzt hatte ich beim Fest nicht gesehen. Überhaupt nicht. Aber ich fragte nicht warum, denn ich fürchtete, ich könnte ihn einfach übersehen haben. Und mit ihm mußte ich doch über die Behandlung meiner Verletzung reden!

Mein Herr kam kurz darauf herein, um mir dieselbe Frage zu stellen und ich gab ihm dieselbe Erklärung. Ich sagte ihm, daß ich mit ihm mitkommen wollte, wenn er dieses Dorf wieder verließ, um zu dem Herrscher des Nachbarlandes zurückzukehren, wo er als eine Art Geisel und als Diplomat für seinen Vater fungierte. Ich wollte nicht in diesem Dorf leben, wo niemand etwas dabei fand und niemand etwas dagegen sagte, wenn ein Mensch für eine Eingeweideschau verwendet wird.

Mein Leibwächter

Einen Tag später mußte mein junger Herr in das Nachbarland zurück, in dem er vor dem Fest gewesen war. Ich sagte ihm, daß mir das Angst machte, denn der Arzt sagte, daß ich auf dem Rücken liegen bleiben sollte, bis mein Bauch geheilt ist. Er hatte mir erklärt, daß der Bauch sonst wieder aufreißen und vielleicht nie mehr richtig heilen könnte. Außerdem könnte es passieren, daß die Därme ohne die Stütze der Bauchdecke aufreißen, wenn ich aufstehe und das überlebt man nicht. Ich erklärte meinem jungen Herrn, daß ich mich deshalb sehr hilflos und ungeschützt fühlte, denn wenn mir jemand etwas zuleide tun wollte, wäre der Versuch, mich zu wehren, genauso tödlich, wie das, was sie vorhaben könnten.
"Du hattest doch vorher nie Angst, daß Dir jemand etwas tun könnte." meinte er.
"Da hatte mich auch noch niemand für eine Eingeweideschau verwendet." erwiderte ich.
Ich sah an seiner Miene, daß er das Problem verstanden hatte und drang deshalb nicht weiter in ihn ein.

Die schwere Verletzung bewirkte, daß ich den größten Teil des Tages verschlief und erst am nächsten Morgen wieder erwachte. Ich war erstaunt, einen der Leibwächter meines jungen Herrn auf dem Fußboden neben dem Bett schlafen zu sehen. Als ich mich rührte, wachte er auch auf und ich fragte ihn, was er denn da machte.
"Der Herr hat mir gesagt ich soll bei Dir bleiben und dich beschützen, wie ich ihn beschützen würde." erklärte er.
Ich war erstaunt und erleichtert, daß mein junger Herr meine Sorgen so ernst genommen und eine Lösung gefunden hatte.
"Das erleichtert mich aber." sagte ich, denn ich dachte mir, daß allein die Geste ausreichen würde, um mich vor jeglicher dummen Idee des Wahrsagers zu schützen. Und in diesem Fall war es sehr gut, daß der vielleicht 25-jährige Leibwächter meinen Ziehbruder als Herrn behandelte und nicht als Jungen.

Der junge Mann nahm seine Aufgabe sehr ernst und blieb den ganzen Tag bei mir. Wir vertrieben uns die Zeit mit einigen Würfelspielen, die er mir beibrachte und damit, daß ich ihm die Geschichten erzählte, die ich in den Büchern der herrschaftlichen Bibliothek gelesen hatte.

Ziehbruder einer adeligen Geisel

Sobald der Arzt mir sagte, daß ich jetzt ungefährdet reisen konnte, ritt ich mit meinem Wächter zusammen zu meinem Herrn im Nachbarland. Als persönlicher Diener meines jungen Herrn konnte ich dort beinahe tun und lassen, was ich wollte. Oder anders ausgedrückt, ich konnte mir weitgehend aussuchen, welche Aufgaben ich für ihn übernehmen wollte. Ich durfte mir jedes Buch aus der herrschaftlichen Bibliothek auskleihen, da mein Herr gesagt hatte, daß ich mich für ihn um solche Dinge kümmere. Ich verstand mich gut mit der Leibwache, denen ich abends öfter Geschichten vorlas, von denen ich meinte, daß sie ihnen gefallen könnten. Insgesamt war ich bei meinem jungen Herrn sehr viel glücklicher als vorher.

Witzigerweise fragte mich mein junger Herr nach einigen Wochen, was ich denn mit den Leuten gemacht hätte, sie wären plötzlich viel netter als vorher. Meines Wissens hatte ich nichts gemacht, außer ganz normal mit ihnen zu reden. Ich habe keine Ahnung, warum sie plötzlich besser mit ihm auskamen, seit er mich zu allen Leuten schickte, die er für unangenehme Menschen hielt. Ich fand die Leute auch gar nicht so schlimm. Sie waren immerhin höflich zu mir, wenn ich im Namen meines Herrn sprach. Und nach einer Weile schienen sie mich auch alle zu mögen.

Vor der Episode mit der Eingeweideschau hatte ich mir vorgestellt, daß ich so etwas wie ein Gelehrter werden wollte. Nachher bat erklärte ich meinem Herrn, daß ich an den Kampfübungen seiner Leibwache teilnehmen wollte, um mich besser verteidigen zu können, was dazu führte, daß ich später als einer seiner Leibwächter zählte.

Kersti

Fortsetzung:
FF143. Kersti: Ägyptische Priesterleben: Eingeweideschau

Quelle

Erinnerung an ein eigenes früheres Leben.
V12. Kersti: Hauptfehlerquellen bei Erinnerungen an frühere Leben

EGI. Kersti: Erinnerungen aus diesem Leben, aus früheren Leben und aus feinstofflichen Welten
V231. Kersti: Frühere Leben von mir

Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, http://www.kersti.de/, Kersti_@gmx.de
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