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erste Version: 2/2014
letzte Bearbeitung: 2/2014

Chronik des Aufstiegs: Weimarer Republik und Drittes Reich - Dämonenkind

F309.

Ich erzählte dem Bibliothekar, daß niemand mir Bücher gönnt

Vorgeschichte: F308. Kersti: D

Karl erzählt:
Das erste, wofür mir nach langem Grübeln eine Lösung einfällt ist das Thema Bücher. Ich weiß wo die Bibliothek ist, ich weiß, wann ich mit ziemlicher Sicherheit nicht gestört werde und ich weiß womit ich sie so richtig schockieren kann.

Ich warte also, bis das letzte nervige Dienstmädchen zu Bett gegangen ist, dann ziehe ich mir einen dicken Pullover und eine Hose über den Schlafanzug und ruhe mich est einmal zehn Minuten aus, weil ich von diesen drei Handgriffen völlig erschöpft bin.

Dann stehe ich auf, öffne die Tür, gehe drei Schritte und merke, wie wie meine Knie unter mir nachgeben wollen. Hartnäckig setze ich einen Fuß vor den anderen, bis ich bei einem kleinen Sofa bin, das in einer Fensternische steht. Erschöpft sinke ich darauf, lege mich aber nicht hin, weil ich sonst sofort eingeschlafen wäre. Die nächste Strecke ist etwas kürzer. Wenige Schritte weiter ist eine Treppenstufe, auf die ich mich setzen kann, um eine Pause zu machen. Ich zittere am ganzen Leibe vor Schwäche. Sobald das Zittern so weit nachgelassen hat, daß ich mir zutraue, daß ich wieder auf die Beine kommen könnte, ziehe ich mich am Treppengeländer hoch und gehe weiter.

Ich kann nicht sagen, wie lange ich bis zur Bibliothek gebaucht habe. Eigentlich hatte ich mir ein bestimmtes Buch vorgenommen, bevor ich aufbrach, aber als ich die letzten paar Meter zur Bibliothek nur noch krabbelte, wußte ich, daß ich keinen unnötigen Meter gehen würde. Ich setzte mich vor das erste Regal, das ich sah, nahm irgendein Buch heraus und krabbelte dann zu einem Sessel, der in der Nähe stand. Ein Stuhl wäre nicht geeignet gewesen, da ich heruntergefallen wäre, wenn ich einschliefe. Dann legte ich das Buch aufgeschlagen auf den Tisch vor dem Lesesessel, mühte mich hoch auf die Sitzfläche und war eingeschlafen, bevor ich richtig saß.

Ich muß sagen, meine Erschöpfung hatte ein Gutes: Zum ersten mal seit Tagen hinderten mich die Schmerzen nicht am Schlafen. Die Bibliothek hatte ein zweites Gutes. Es herrschte himmlische Ruhe! Erst als der Vormittag schon deutlich fortgeschritten war, weckte mich die Stimme des Bibliothekars:
"Was machst du denn hier?"
Wie jeder Satz, den ich in den letzten Tagen gehört hatte, lösten die Worte einen Kopfschmerzschub aus. Ich ignorierte das, so gut ich konnte und ging zum nächsten Teil des Plans über: Ich erzählte dem Bibliothekar, daß niemand mir Bücher gönnt, mit denen ich mich von den Schmerzen ablenken kann und wie gemein ich das finde.

Der Arzt regte sich furchtbar über meinen Ausflug auf, weil meine ganzen Füße wieder blutig waren. Die neue Haut war noch zu zart für diese Belastung gewesen. Er fand, daß ich viel zu krank für so etwas sei. Ich sagte, daß mir das durchaus bewußt sei, aber ich würde es immer wieder machen, wenn man mir keine Bücher ans Bett bringt. Hermann Göring schimpfte mit mir, weil sie deshalb das gesamte Haus durchsucht hatte und alle Angst um mich gehabt hätten. Ich grinste innerlich, versuchte mir aber nicht anmerken zu lassen, welche Schadenfreude ich bei diesem Gedanken empfand. Schließlich waren das genau dieselben Leute, die absolut nicht bereit gewesen waren, auf meine Schmerzen und mein Ruhebedürfnis Rücksicht zu nehmen.

Kersti

Fortsetzung:
F310. Kersti: D

Quelle

Erinnerung an ein eigenes früheres Leben.
V12. Kersti: Hauptfehlerquellen bei Erinnerungen an frühere Leben

EGI. Kersti: Erinnerungen aus diesem Leben, aus früheren Leben und aus feinstofflichen Welten
V231. Kersti: Frühere Leben von mir
FI13. Kersti: Inhalt: Dämonenkind

Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, https://www.kersti.de/, Kersti_@gmx.de
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