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erste Version: 12/2014
letzte Bearbeitung: 12/2014

Chronik des Aufstiegs: Weimarer Republik und Drittes Reich - Dämonenkind

F390.

Er wirkte eher wie ein junger Soldat, der sich zu sehr bemüht, alles richtig zu machen als wie ein rebellischer Jugendlicher

Vorgeschichte: F389. Kersti: D

Der vorgesetzte Offizier erzählt:
Nachdem Göring mir erklärte hatte, wie sehr die Situation mit dem Jungen in seinem Haushalt entgleist war, hatte ich mit einem rebellischen Jugendlichen gerechnet, den mal mal richtig in die Schranken weisen muß. Die Streiche, die er ständig allen spielte schienen das Bild ja zu bestätigen.

Als sich die Tür öffnete und ich den Gesichtsausdruck und das zornige Blitzen in den Augen des Jungen sah, fühlte ich mich sofort bestätigt. Doch er begrüßte mich nur höflich, genau so wie ihm der militärische Gruß erklärt worden war und nahm auf meine Aufforderung hin brav Platz. Er wirkte eher wie ein junger Soldat, der sich zu sehr bemüht, alles richtig zu machen als wie ein rebellischer Jugendlicher.

Als ich seine Körperhaltung sah, wußte ich, daß etwas nicht stimmte. Er hatte Arme und Beine eng an den Leib gezogen und saß zu bemüht aufrecht, als daß das natürlich gewirkt hätte. Es schien als hätte er sich am liebsten irgendwo verkrochen, um zu weinen und nur sein Stolz hielte ihn davon ab, das zuzugeben.

Trotzem mußte ich natürlich Klarheit haben. Jeder Soldat wußte von den Streichen dieses Jungen. Daher fragte ich in neutralem Tonfall nach den Streichen, die mir spontan als erstes einfielen. Wieder war da dieses zornige Blitzen in seinem Blick, nur deutlicher und ich zuckte innerlich zusammen, als ich diese mörderische Wut sah. So etwas hatte ich bisher nur im Krieg gesehen.
"Das habe ich tatsächlich alles getan, doch es ist trotzdem ungerecht das so zu beschreiben, denn diese Frau hat mir keine Chance gegeben, es ihr recht zu machen."
Der Junge hatte sich wieder zusammengerissen und sprach in einem völlig ruhigen und vernünftigen Ton, als er diese Antwort gab.
"Ich möchte mal an einem Beispiel erklären, was ich meine."
Der Junge erzählte wie er vergeblich versuchte, das Bett so zu machen, daß die Haushälterin es für ordentlich gemacht befand und sich schließlich bei den Dienstmädchen erkundigte, ob es gut genug sei und wie man es besser machen könne und erzählt bekam, sie würde es nie so ordentlich machen. Was mich verblüffte war jedoch seine Reaktion auf diese Erkenntnis. Er beschloß jeden Morgen einmal ordentlich sein Bett zu machen und es dann zu ignorieren wenn sie wie jeden Tag das Bettzeug aus dem Bett riß und ihn beschimpfte.

Das erklärte die Streiche natürlich nicht, sondern ließ sie nur noch unpassender erscheinen. Also fragte ich:
"Und deshalb hältst du es für passend, Görings Ehefrau übers Knie zu legen und ihr eine Tracht Prügel zu verpassen?" fragte ich.
"Nein. Das hatte einen anderen Grund. Ich habe manchmal eine mörderische Wut. Ich weiß nicht, ob Sie sich eine solche Wut überhaupt vorstellen können. Ich jedenfalls kannte solche Gefühle nicht, bevor, als ich zwölf war meine beste Freundin vor meinen Augen zu Tode gefoltert wurde. Sie wissen, daß ich danach selbst oft gefoltert wurde. In einer solchen Situation kann man es sich nicht leisten, sich seinen Gefühlen hinzugeben. Und jetzt habe ich das Problem, daß die Sorte Gefühle, die ich durch solche Gelegenheiten in mir kennengelernt habe zu den unpassensten Zeiten auftauchen."
Ich war erstaunt, daß er das von sich aus ansprach. Aus meiner Zeit im ersten Weltkrieg kannte ich so etwas. Glücklicherweise war ich nie selbst in diesem Zustand gewesen, aber ein enger Freund von mir hatte mir einmal etwas ähnliches anvertraut. Etwas später hatte ihn irgendjemand von hinten an die Schulter gefaßt, der harmlose Trick, mit dem man Freunde gerne dazu bringt sich zur falschen Seite umzudrehen. Mein Freund fuhr herum, zerschmetterte dem unglückseligen Witzbold mit einem Handkantenschlag den Kehlkopf. Danach stand er wie erstarrt da und meinte "Das wollte ich doch nicht!" Die Vorgesetzten sagten: So etwas kann passieren, wenn man im Krieg ist. Er war dafür nicht direkt bestraft worden sondern so lange immer wieder für besonders gefährliche Aufgaben eingesetzt worden, bis er irgendwann bei einem dieser Aufträge erschossen wurde. Danach wußte ich woran ich solche gefährlich aggressiven Menschen erkennen konnte und achtete immer streng darauf niemanden von ihnen von hinten anzufassen und keine Witze zu machen die aggressiv wirken könnten.
"Nun ist, daß man Worte nur mit Worten beantwortet, eine ziemlich klare Grenze die sich recht leicht beachten läßt. Wenn Görings Frau anfangen würde, mich zu schlagen, wann immer ihr das einfällt, dann weiß ich nicht, wie das enden würde. Aber wenn sie zur falschen Zeit das falsche tut, kann sie durchaus das Pech haben, daß ich reagiere wie auf einen tödlich gefährlichen Angriff und dann wäre sie tot, bevor sie wüßte was sie ausgelöst hat."
Mir lief es kalt den Rücken herunter, denn er redete nicht wie jemand der lediglich fürchtete, er könne jemanden ermorden, sondern wie jemand, der so etwas bereits getan hat.
"Daher mußte ich etwas tun, um sicherzustellen, daß es nicht so weit kommt. Und ich dachte mir wenn ich sie behandele wie ein ungezogenes Kind, das eine Tracht Prügel verdient hat, inklusive der Tatsache, daß man Kinder nicht wirklich fest schlägt, damit sie keinen Schaden nehmen, dann wirkt das gleichzeitig harmlos, erniedrigend und so lächerlich, daß sie es nie wieder versuchen wird."
Mich irritierte die Vorstellung daß ein Junge in dem Alter auf einen solchen Gedanken kommen könnte.

Da er bereit war, so offen darüber zu reden, sollte ich ihm die wesentlichen Fragen am besten direkt stellen, überlegte ich mir.
"Machst du dir denn keine Sorgen, wenn du an Kampfübungen teilnehmen sollst, daß du dann jemanden erschlagen könntest?" fragte ich.
"Nein. Ich habe mit Herrmann Göring und" - er nannte den Namen des Offiziers der ihn im Nahkampf unterrichtete - "Judo geübt und das nie auch nur annähernd als Bedrohung empfunden. Menschen die ernsthaft kämpfen und wissen, daß es um Leben und Tod geht bewegen sich völlig anders." erklärte er.
Wieder dieser sichere, ruhige Ton, der keinen Zweifel daran ließ, daß er wußte, wovon er redete.

Da er das erste mal direkt auf eine direkte Frage direkt geantwortet hatte beschloß ich wieder direkt zu fragen:
"Hast du schon einmal einen Menschen getötet?"
"Ja, das habe ich. Allerdings hatte der mich vorher angeschossen und danach anderthalb Pistolenmagazine auf mich gelehrt. Ich wundere mich heute noch, daß ich das überlebt habe und er tot ist."
"Wieviele Schüsse hast du denn abgegeben?" fragte ich.
"Einen." antwortete er.
Das beeindruckte mich, denn meist ist der bessere Kämpfer derjenige, der weniger schießt. Ich mußte aber auch seinen Charakter einordnen, daher stellte ich die nächste Frage:
"Was meinst du, hat der Mann den Tod verdient?"
"Nein. Aber er hat mir keine andere Möglichkeit gelassen. Wenn ich ihn nicht erschossen hätte, hätte er mich erschossen." antwortete er.
"Und warum hat er dann den Tod nicht verdient?"
"Weil er vor Kummer wahnsinnig war. Sie hatten seine Tochter vor meinen Augen zu Tode gefoltert, aber ihm gegenüber wurde es so dargestellt, als wäre ich der Täter." erklärte er.
Die Vorstellung daß diese halbwüchsige Junge schon solche Dinge erlebt hatte, war mir zu viel, deshalb fragte ich hier nicht weiter.

Als ich gehört hatte, daß der Junge nackt auf Bäumen herumgeklettert war, hatte ich angenommen, daß noch irgendetwas von dem Wahnsinn, der ihn befallen haben soll, übriggeblieben ist. Der Junge den ich vor mir hatte wirkte allerdings so gar nicht verrückt.
"Und warum bist Du nackt auf Bäumen herumgeklettert?" fragte ich.
"Da spielen mehrere Sachen mit hinein. Einmal bin ich Wandervogel und da wir auf unseren Wanderungen öfter an einsamen Stellen nackt gebadet haben, war der Gedanke, nackt herumzulaufen für mich nicht so abwegig wie für Sie. Außerdem habe ich nicht bedacht, daß Wachmannschaften, die die Umgebung mit Feldstechern beobachten um jeden zu sehen, der unberechtigterweise das Gelände betritt natürlich auch das Gelände selbst genauer beobachten und deshalb Dinge sehen, die anderen Menschen nicht auffallen würden. Trotzdem hätte ich das nicht gemacht, wenn ich nicht solche Schmerzen gehabt hätte. Ich kann Ihnen nicht sagen warum meine Haut wegen jeder Falte in der Kleidung wie Feuer brennt, ob es an den Drogen, den Foltern oder noch etwas anderem liegt, jedenfalls tut sie es. Und das einzige was es ein bißchen besser macht ist, wenn ich mich ausziehe. So lange ich zu schwach war um mich aus meinem Versteck zu rühren, ist das natürlich niemandem aufgefallen, aber das war mir dann halt bald zu langweilig und ich dachte halt, ich wäre allein." erklärte der Junge.
So klang das durchaus vernünftig. Andererseits....
"Warum hast du dich eigentlich im Wald versteckt?"
"Ach ich konnte einfach dieses Gezecke und Gekeife von den beiden Frauen nicht ertragen. Und im Wald war Ruhe."

Kersti

Fortsetzung:
F317. Kersti: W

Quelle

Erinnerung an ein eigenes früheres Leben.
V12. Kersti: Hauptfehlerquellen bei Erinnerungen an frühere Leben

EGI. Kersti: Erinnerungen aus diesem Leben, aus früheren Leben und aus feinstofflichen Welten
V231. Kersti: Frühere Leben von mir
FI13. Kersti: Inhalt: Dämonenkind

Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, https://www.kersti.de/, Kersti_@gmx.de
Da ich es leider nie schaffe, alle Mails zu beantworten, schon mal im Voraus vielen Dank für all die netten Mails, die ich von Lesern immer bekomme.
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