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erste Version: 8/2015
letzte Bearbeitung: 8/2015

Ägyptische Priesterleben: Ägyptische Priesterleben - Eine Schule der Hingabe

F560.

Unfaßlich! Ich hatte mich in ein zitterndes und schluchzendes Bündel Elend verwandelt und hatte keine Ahnung warum!

Vorgeschichte: F559. Kersti: D

Erigon erzählt:
Mir wurde danach Miran als neuer spiritueller Lehrer zugeteilt, diesmal, so sagte man mir, eher der brave Typ, da man der Ansicht war, daß es mir gut tun würde, auch das andere Ende des Spektrums besser kennenzulernen. Ich kam schnell zu dem Ergebnis, daß ich ihn auch sehr mochte und redete mit ihm bald genauso offen über all meine rebellischen Ideen wie mit meinem vorherigen Mentor. Ich hatte den Eindruck, daß ihn oft erschreckte, was ich alles infrage stellte, aber er schien das nicht negativ aufzunehmen.

Wie mit den Schlägen, die nicht wirklich wehtaten, suchten sie mit vielen harmlosen Tests nach Themen, wo ich einen wunden Punkt hatte. Wir entdeckten immer wieder Kleinigkeiten, wo ich überreagierte, aber nichts wirklich Gravierendes. Trotzdem bekam ich ein zunehmend durchgehendes, zunehmend tiefes Glücksgefühl, wie ich es vorher nicht gekannt hatte.

Eines Tages wurde ich in einen unterirdischen Göpel geführt - ein Gerät, wo man im Kreis gehen muß, um das Wasser ans Tageslicht zu pumpen, mit dem wir unsere Gärten bewässern. Mir wurde gesagt, daß ich den ganzen Tag hier arbeiten müsse, Mittagessen würde mir gebracht und nach dem Abendessen wäre das übliche Gespräch mit meinem spirituellen Lehrer.

Der Vorgesetzte zeigte mir den den runden Raum. Ich spannte mich vor den Zugbalken. Der Eunuch, der mich hereingebracht hatte, verabschiedete sich von mir, verriegelte die Tür von außen - und ich geriet in Panik. Ich befreite mich von dem Zugriemen rannte zur Tür und trommelte weinend an die Tür, flehte, man solle mich rauslassen und erhielt keine Reaktion. Schließlich blieb ich schluchzend vor der Tür liegen und konnte mich gar nicht wieder beruhigen. Es gelang mir beim besten Willen nicht, mich zusammenzureißen und meine Arbeit zu tun. Ich hatte fruchtbare Angst, daß man mich hier für den Rest meines Lebens alleinlassen würde und daß mich ab jetzt niemand mehr liebhaben würde.

Niemand reagierte auf meinen Protest - und ich muß den ganzen Tag weinend da gelegen haben, ehe sie kamen und mich wieder herausholten, denn draußen wurde es schon dunkel.

Ich bekam mit der Begründung, daß, wer nicht arbeitet, auch nichts zu essen bekommt, kein Abendessen und führte dann ein stundenlanges Gespräch mit meinem spirituellen Lehrer, der mich geduldig immer wieder und wieder fragte, warum ich nicht gearbeitet hatte, warum ich so in Panik geraten war, daß ich nur noch weinend an die Tür getrommelt hatte, woran mich der dunkle Raum erinnerte, und warum es so schlimm war, daß der Vorgesetzte den Raum verlassen hatte und woran mich das erinnerte. Er bewirkte damit nur, daß ich wieder diese Panik spürte und hilflos zu weinen und zu zittern begann. Ich fühlte mich auch wie ein Kleinkind und nicht wie der erwachsene Eunuch, der ich war. Aber ich hatte keine Ahnung warum ich eigentlich so verzweifelt und verängstigt gewesen war. Ich hatte mich nur so furchtbar gefühlt, daß ich buchstäblich keinen klaren Gedanken mehr hatte fassen können.

Unfaßlich! Ich hatte mich in ein zitterndes und schluchzendes Bündel Elend verwandelt und hatte keine Ahnung warum!

Mein Lehrer wies mich an, bei nächsten mal genauer darauf zu achten, was da in mir vorgeht, um herauszubekommen, womit diese irrationale Angst zu tun hat.

Am nächsten Morgen wurde ich wieder in den Raum gebracht und so lange ich mit dem Vorgesetzten zusammen war, war ich zuversichtlich, daß es doch möglich sein müsse, einen Tag lang da zu arbeiten, ohne völlig durchzudrehen. Sobald er die Tür verschloß, geriet ich wieder in Panik und konnte nicht anders als weinend gegen die Tür zu trommeln. Ich war völlig außer mir und konnte keinen klaren Gedanken fassen, bis schließlich mein spiritueller Lehrer die Tür öffnete, sich zu mir setzte, mir Wasser zu trinken gab und mich viele Stunden lang befragte, was mich an dieser Situation eigentlich in Panik versetzte. Ich kam nicht darauf. Mir fiel nichts ein, was diese Angst hätte hervorrufen können.

Irgendwann muß ich eingeschlafen sein, denn als ich erwachte, war ich wieder allein und hatte sofort wieder dieselbe panische Angst. Ich konnte wieder keinen klaren Gedanken fassen, bis mein Lehrer kam und mich stundenlang befragte, was diese Gefühle ausgelöst hattte.

Ich hatte kein Zeitgefühl und aus mir heraus keine Ahnung, wie lange ich da drin gewesen war, aber man sagte mir nachher es sei eine Woche gewesen und die letzten drei Tage sei mein Lehrer zwei mal am Tag hineingegangen, weil er annahm, wenn er mir weniger Zeit ließ in Panik zu geraten und mehr Zeit mit mir redete, käme ich vielleicht besser an die Ursache des Problems. Mir kam es vor, als wäre ich Monate oder Jahre eingesperrt gewesen.

Als sie mich herausholten, fühlte ich mich ziemlich ausgelaugt.

Mein Lehrer setzte sich zusammen mir mir stundenlang ins Freie und befragte mich wieder zu jedem Gefühl und Gedanken, der mir durch den Kopf gegangen war. Als ich das Gefühl erwähnte, drei Jahre alt zu sein, fragte er, was denn passiert war, als ich drei war und mir fiel nichts ein. Da war ich eben drei, dachte ich, da war doch nichts, was mich so hätte in Panik versetzen können.

Ich arbeitete tagsüber in den Gärten und jeden Abend befragte mich mein Lehrer ein, zwei Stunden lang, zu jedem Gefühl, jedem Gedanken, fragte mich, was war, als ich drei war, fragte mich, was schlimm an runden dunklen Räumen ist und mir fiel nichts ein. Er fragte mich, ob eigentlich diese Panikgefühl für mich inzwischen verblaßt sei oder ob ich es immer noch so lebhaft empfinden würde wie in den ersten Tagen nach der Übung, wenn ich mich darauf konzentrierte. Ich hatte nicht das Gefühl, daß diese Empfindung verblaßt war. Er erklärte mir, daß er darüber nachdachte, ob es vielleicht Sinn machte, mit mir wieder in den Göpelraum zu gehen, für ein zwei Sekunden die Tür zu schließen und dann zu schauen, ob mir mehr Details einfallen. Ich überlegte und war mir nicht sicher, aber ich war beinahe geneigt, es auszuprobieren. Wir überlegten hin und her, ob es noch etwas andere gäbe um an das Thema heranzugehen, dann entschied ich, daß ich das ausprobieren wollte. Wir verabredeten es für den nächsten Abend, nachdem derjenige, der jetzt im Göpel arbeitete, zum essen geholt wurde.

In der Nacht hatte ich einen Traum. Ich war ein kleiner Junge, vielleicht drei Jahre alt und sie wollten meine Mutter verkaufen. Schreiend klammerte ich mich an ihren Rock und wollte sie nicht gehen lassen. Ich hatte das Gefühl sterben zu müssen, wenn sie weggeht und klammerte mich mit Armen und Beinen an ihr fest, während die Erwachsenen versuchten, mich mit Gewalt loszureißen. Ich schrie aus Leibeskräften. Schließlich hatten sie mich von ihr getrennt. Ein Mann hob mich hoch, trug mich hinter das Haus, warf mich dort in die Regentonne, machte den Deckel drauf und ließ mich allein. Ich weiß nicht, wie lange ich dort hockte, gegen die Holzwände trommelte, weinte und und nach meiner Mutter rief und niemand mir antwortete. Ich weiß aber daß ich irgendwann davon aufwachte, daß meine Großmutter nach mir rief und ihr antwortete, bis sie mich fand und aus der Regentonne holte. Ich begann wieder zu weinen und sie wiegte mich in den Armen, tröstete mich, schimpfte über den Idiot, der mich in die Regentonne gesteckt hätte, weil doch jeder verstehen müsse, warum ein Kleinkind so weint, wenn man seine Mutter wegbringt. Sie erklärte mir, daß sie sich doch immer um mich kümmern würde und immer für mich da wäre. Aber ich war untröstlich. Danach trug sie mich tagelang oder wochenlang herum und ließ ich neben sich in ihrem Bett schlafen, wie ein Baby, weil ich jedesmal zu schreien begann, wenn sie mich absetzte. Nur mein Vater konnte mich auch einmal in die Arme nehmen, ohne daß ich in lautes Geschrei ausbrach.

Abends erzählte ich meinem Lehrer diesen Traum, wir entschieden, daß wir zunächst darüber reden wollten, bis mir dazu keine neuen Details einfielen.

An dem Tag wurde es deshalb nichts mehr mit dem Göpelexperiment.

Auch am nächsten Tag erschien es uns sinnvoller, zu durchdenken, was das Erlebnis mit der Regentonne für mich als Kleinkind bedeutet hatte und was es für mich als Erwachsenen bedeutet.

Danach erinnerte ich mich auch an andere Dinge von meiner Mutter, die ich ganz vergessen hatte. Beispielsweise erinnerte ich mich, daß meine Großmutter mich oft auf dem Arm hatte und mit den Worten "Mädchen, dein Sohn hat Hunger!" nach ihrer Tochter gerufen hatte. Sie kam dann auch sofort angerannt, um mir die Brust zu geben, aber sie muß noch ziemlich verspielt gewesen sein, als sie mich als Zwölfjährige zur Welt gebracht hatte, denn wenn mein Vater kam und ich mit den beiden zusammen war, mutete das für mein heutige erwachsenes Ich eher an, als würden zwei Kinder mit einer Puppe Vater Mutter Kind spielen als wenn Eltern sich um ihr Kind kümmern. Meine Großmutter behielt die halben Kinder jedenfalls neben der Arbeit immer im Auge und kümmerte sich um mich, wenn meine Eltern das Interesse verloren oder rief sie zur Ordnung, wenn das Spiel zu wild wurde.

Für die Verhältnisse, die ich kannte, war es ungewöhnlich rücksichtsvoll, daß sie meine Mutter, die normalerweise als Zwölfjährige verkauft worden wäre, drei Jahre länger behalten hatten, damit ich genug Milch hatte, so lange ich sie brauchte. Auf dem Hof meines Vaters wurde meist so ähnlich entschieden, doch bei Gesprächen mit Leuten von anderen Höfen, hatte ich von einem anderen Kind erfahren, das ebenfalls von einem Mädchen zur Welt gebracht worden war, das unerwartet früh fruchtbar gewesen war. Sie hatten die Mutter direkt nach der Geburt verkauft und das Kind war nach wenigen Wochen gestorben, weil sich niemand richtig darum gekümmert hatte.

Für meine Begriffe hatte ein Kleinkind daher guten Grund panische Angst zu haben, wenn seine Mutter verkauft wird. In meinem Fall erwies sich diese Angst als ziemlich unbegründet - meine Großmutter brachte eine Liebe und Geduld mit mir auf, die viele Mütter nicht aufbringen, mein fünfzehnjähriger Vater, der bisher Kinder haben für ein schönes neues Spiel gehalten zu haben schien, kam, als er merkte, wie sehr ich Angst hatte, plötzlich ganz verlassen zu werden, zuverlässig jeden Abend vorbei, um mit mir ein wenig zu spielen - und das unabhängig davon, wie müde er von der Tagesarbeit war, in die er ja inzwischen wie ein Erwachsener eingebunden war. Die anderen Frauen versicherten mir, daß ich doch keine Angst haben müßte, sie würden doch alle aufpassen, daß mir nichts passiert und selbst mein Großvater erkundigte sich regelmäßig, ob ich immer soch so viel weine oder ob es sich langsam bessert. Aber daß ein Kind davon einen Schock davonträgt, insbesondere wenn jemand so bescheuert ist, es auch noch in eine Regentonne zu stecken, statt es zu trösten, erschien mir durchaus der damaligen Situation angemessen.

Der Eunuch, der mir das angetan hatte, war der damalige Liebhaber meiner Großmutter gewesen, die danach nichts mehr mit ihm zu tun haben wollte.

Wie auch immer - ich als Erwachsener hatte deshalb keinen echten Grund, mich vor dunklen runden Räumen zu fürchten, schließlich war nicht die Regentonne sondern der Liebhaber meiner Großmutter schuld daran gewesen, daß ich so völlig verlassen da gehockt hatte. Und über den Verkauf meiner Mutter hatte mein Großvater entschieden. Die Regentonne war nur ein Symbol für meine Angst und vor Symbolen braucht man sich nicht zu fürchten.

Erst eine Woche später, fanden wir es sinnvoll, zu prüfen, ob von meiner Göpelpanik noch etwas übrig ist oder ob das alles war, was es zu diesem Thema zu bearbeiten gab.

Kersti

Fortsetzung:
F561. Kersti: D

Quelle

Erinnerung an ein eigenes früheres Leben.
V12. Kersti: Hauptfehlerquellen bei Erinnerungen an frühere Leben

EGI. Kersti: Erinnerungen aus diesem Leben, aus früheren Leben und aus feinstofflichen Welten
V231. Kersti: Frühere Leben von mir
FI20. Kersti: Inhalt: Eine Schule der Hingabe

Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, https://www.kersti.de/, Kersti_@gmx.de
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