F1130.

"Muß ich Angst vor dem schreienden Tier haben oder frißt das nur Bretter?"

Vorgeschichte: F1023. Der Arzt: Warum verdrängte Dirk meine Erklärung, daß es sich um Flashbacks handelt, gegen die Schmerzmittel nicht helfen?

Dirk erzählt:
Eines der Dinge, mit denen ich Geron entlastete war, daß ich strikt darauf achtete, mit jedem der Jugendlichen, die sich um die Besessenen kümmerten, zusätzlich zu meiner eigenen Schicht bei den Besessenen, täglich ein Gespräch zu führen. Das war natürlich einfach zu viel Arbeit. Zuhause bei Khar teilten sich drei ältere Ritter diese Aufgabe und man merkte ihnen trotzdem an, daß es sie anstrengte, das zusätzlich zu den Schichten bei den Besessenen machen zu müssen.

Ich wollte nicht, daß Geron das machen mußte, also zwang ich mich, das durchzuhalten. Na ja, fast. Es gab ganze Tage, die ich schlichtweg verschlafen habe, weil das so anstrengend war. Aber ich merkte, daß es letztlich schon funktionierte, denn Geron sagte mir, daß er endlich Zeit hatte, täglich irgendetwas Schönes zu machen. Das hatte er behauptet, aber es stimmte nicht. Er hat diejenige Hälfte der Tage übersehen, die er völlig verschlafen hat und er war auch immer noch nicht wirklich in der Zeit orientiert, weil er immer noch so viel in den Höllen arbeitete. Eigentlich hätte er in den Dämonenkäfig gehört, aber das ging absolut nicht, weil alle ihn brauchten.

Trotzdem kamen zwar seltsame Bemerkungen von seiner Dämonenmannschaft, aber das war auch alles.

Um das mit den seltsamen Bemerkungen mal zu illustrieren:
Ich war mit Geron in die Werkstatt gegangen, um dort ein Modell für ein Gerät zu bauen, was wir brauchten. Jemand schnitt mit der Kreissäge Bretter für einen neuen Stall, den wir bauten, um einen alten zu ersetzen, der langsam so baufällig wurde, daß wir ihn nur noch als Geräteschuppen verwenden wollten. Plötzlich sagte Geron - oder genauer gesagt, der Dämon, der gerade im Körper war:
"Muß ich Angst vor dem schreienden Tier haben oder frißt das nur Bretter?"
"So lange du keinen Kurs für den Umgang mit der Kreissäge hast, gehst du nicht in den Verschlag, wo sie steht, ist das klar?"
"Ja das ist klar. Wenn ein Zaun so groß ist wie ein Kind und nur innen Türklinken hat, darf ich da nicht rein. Aber was ist das für ein Tier und warum brüllt es immer so? Hat es Schmerzen?"
"Das ist kein Tier sondern ein Werkzeug, das Menschen gebaut haben." begann ich und erklärte dem Dämon - ich hatte ihn als den technikinteressierten C'her'amar erkannt - grob wie eine Kreissäge funktioniert und wo man genaue Erklärungen zu dieser Technik findet, wenn man das ganz genau wissen will. Außerdem erklärte ich ihm, daß das kein Schreien ist, sondern etwas so Ähnliches wie das Geräusch, das wir beim kauen machen und daß es nur deshalb so laut ist, weil das Holz so schnell zerkleinert wird.

Ich war sehr froh, daß ich Erklärungen für Dämonen finden schon bei Khar geübt hatte, sonst hätte es mich sehr überfordert, das immer nebenher machen zu müssen, wenn ich Geron eigentlich dabei hatte, weil wir zusammen etwas arbeiten wollten. Der Dämon, der dann vorne war, beherrschte, wenn Geron einfach mittendrin verschwand, die Arbeit an sich, war dann aber bei allem anderen, was ihm begegnete, völlig ahnungslos.

In dem Fall habe ich das vergrößerte Modell für ein Funkgerät, das wir haben wollten, zusammen mit dem Dämon gebaut und Geron kam erst zurück, als es fertig war und machte dann drei Vorschläge, wie man das sehr viel kleiner machen konnte, indem man einfach Bauteile einsparte. Ich rätselte, wie es kam, daß C'her'amar ein kompliziertes Funkgerät bauen konnte, während er eine Kreissäge nicht einmal als Maschine erkannte. Daß anhand der Bretterverschläge und der Türen erklärt wurde, daß die Dämonen sich bitteschön von den Maschinen fernhalten sollten, wo die Kleinkinder nicht dran durften, war mal wieder typisch.

Geron selbst war mal wieder in irgendeine Hölle abberufen worden, weil er dort gebraucht wurde, um einen Streit zu schlichten, der dabei war, völlig zu eskalieren.

Kersti

Fortsetzung:
F1131. Kersti: D

Quelle

Erinnerung an ein eigenes früheres Leben.
V12. Kersti: Hauptfehlerquellen bei Erinnerungen an frühere Leben