F1233.

Mirko hat eine Verdrängung, massiv wie eine Burgmauer. Warum sonst nimmt er nicht zu Kenntnis, daß er dieselben Dinge erkennt, wie die Überfliegertypen

Vorgeschichte: F1232. Takumondo: Ich kam zu dem Schluß, daß Mirko eine große Seele in einem Körper war, durch den sie sich nicht richtig ausdrücken konnte

Khar erzählt:
Ein halbes Jahr nach dem schweren Angriff, nach dem wir aus unserem Zuhause hatten fliehen müssen, hatte ich das Gefühl, daß alles auch ohne unsere Helfer von verbündeten Organisationen wieder funktionieren würde, ohne daß wir uns überarbeiten. Es war also Zeit, die Helfer von den anderen Standorten wieder heimzuschicken.

Wir luden die Angehören der verschiedenen Organisation zu einem Treffen ein, bei dem ich berichtete, was wir getan hatten und wie wir weiterzuarbeiten gedachten. Daß sich einige kleine Jungen angefunden hatten, die mit den Helfern als deren Adoptivkinder an die anderen Standorte zurückkehren würden und dort wahrscheinlich in einigen Jahren Führungspositionen einnehmen würden, erwähnte ich nicht, weil ich wußte, daß das - außer vielleicht Mirko - fast niemand nachvollziehen kann.

Mirko war nämlich, nachdem ich Dieter, den hochbegabten kleinen Jungen seiner Klasse zugeteilt hatte, bei mir aufgekreuzt und hatte mir erklärt, daß er gar nicht verstehen konnte, warum all diese Überfliegertypen sich an ihn dranhängen. Erst ich, dann der Japaner und jetzt auch noch dieser kleine Junge. Ich sagte ihm, daß er das nur noch nicht verstanden hätte, weil er nicht bereit sei, sich selber zu erkennen, eine Antwort bei der er selbst mit Nachhilfe nicht bereit war, zu verstehen, was ich ihm damit sagen wollte.

Selbstverständlich hätte er den Dieter gar nicht als Überfliegertyp erkennen können, wenn er nicht dieselbe überragende Begabung in sich schlummern hätte. Man kann keine umfassenden Gedanken eines kleinen Kindes, das noch nicht lernen kann, wie man dümmeren etwas erklärt, verstehen, wenn man nicht dieselbe Intelligenz mitbringt. Ich weiß nicht, was Mirko daran hindert, seine Gedanken in Worte zu fassen und voll ins Bewußtsein zu holen, sonst hätte ich das bereits geheilt, aber er bekam immerhin genug von seinem feinstofflichen Verständnis ins Bewußtsein, daß es ihm gelang, den kleinen Jungen so zu führen, daß er verständlich erklärt, was er sieht und das hätte ihm nicht gelingen können, wenn er es nicht vorher schon verstanden hatte.

Außer Mirko hatte niemand erkannt, daß der kleine Junge tatsächlich die Geschichte des Universums erzählt hatte. Die anderen hatten das einfach für eine Art Märchen gehalten. Sie waren noch zu weit am Anfang ihrer Ausbildung, um den Beweisen begegnet zu sein, die ihnen hätten verraten können, daß die Welt wirklich so ist, aber jetzt hatten sie einen Rahmen, indem sie die kommenden Erfahrungen würden einordnen können. Wahrscheinlich verstehen sie dann als alte Opas, daß der kleine Junge die reine Wahrheit erzählt hat.

Außerdem hat Mirko eine Verdrängung, die so massiv ist wie die Mauern einer Burg. Mindestens mehrere Meter dick. Anders kann ich mir nicht erklären, warum er partout nicht zu Kenntnis nehmen will, daß er regelmäßig Dinge erkennt, die außer ihm nur die Überfliegertypen erkennen, die sich aus völlig unverständlichen Gründen an ihn dranhängen.

Manchmal will man halt auch verstanden werden.

Kersti

Fortsetzung:
F1225. Tharos: Khar hatte halbes Jahr nach dieser nicht näher bezeichneten Katastrophe zu einem Treffen eingeladen, bei dem er endlich erklärte, was los war