F1238.

Glücklicherweise wußte der Doktorvater einen Trick, um Dieters Interesse lange genug zu wecken. Er führte ihn nämlich in seine Forschungswerkstatt

Vorgeschichte: F1236. Khar: Manchmal kam ich mir vor, als wäre ich schon 80, dabei war ich noch nicht einmal volljährig

Anna erzählt:
Den kleinen Dieter kannte ich schon von früher as er aus dem Heim zu uns gekommen ist. Er hatte dann Mirko nach Hause begleitet und dort sein Abitur gemacht, so daß das Kind jetzt schon mit seiner Doktorarbeit beschäftigt war. Natürlich merkte man bei allem was er tat, daß er noch ein Kind war und viel spielen mußte. Daher war es gar nicht so einfach ihn dazu zu bringen, daß er so viel schreibt, wie das für eine Doktorarbeit nun einmal nötig ist. Gott sei dank war es aber eine Doktorarbeit und kein Kinderbuch, so daß er so schreiben konnte, wie er selbst es verstehen würde, weil sein Doktorvater nicht weniger physikalisches Verständnis hatte als der kleine Junge, den ich zum schreiben anleitete. Nur manchmal mußte ich ihn daran erinnern, daß er keine spirituellen Fachbegriffe im Text verwenden durfte. Außerdem bemühte ich mich, daß er die Arbeit schnell fertig machte, denn es war schon zu merken, daß er begann, sich anderen Interessen zuzuwenden und wenn es einmal so weit ist, daß es sein Thema endgültig geändert hat, bekommt man ein Kind nicht mehr dazu, zu seinem vorherigen Interessengebiet zurückzukehren, um die letzte halbe Seite zu schreiben. Ich kann mich noch lebhaft erinnern, wie schwierig es gewesen war, Khar dazu zu bringen, daß er seine letzte Biologiearbeit für das Abitur schreibt. Fertig wurde sie erst kurz vor Abschluß seines Medizinstudiums und das auch nur, weil wir ihm ständig damit auf den Füßen gestanden sind.

Wir nehmen Kindern auch all die Arbeiten ab, die wir ihnen von Rechts wegen abnehmen dürfen, denn die Ausdauer eines Kindes reicht letztlich nicht, um so viel daran zu arbeiten, wie man das von Erwachsenen erwartet, trotzdem wollen wir den Kindern ja das Wissen, was sie sich erworben haben, auch zumindest in ihren Haupt-Interessengebieten bescheinigen, wenn ihre Bildung so außergewöhnlich umfassend ist wie bei Khar oder Dieter. Natürlich müssen sie, bis sie erwachsen sind, gut genug lesen und schreiben gelernt haben, um alles selber zu können, aber ich habe mir von Dieter auch mal eine halbe Seite diktieren lassen und sie ihm dann vorgelesen, als er mal wieder zu faul zum schreiben war. Es ging da um das Einleitungskapitel und die Zusammenfassung und der Junge hatte endgültig das Interesse verloren, weil er die Arbeit ja in seinem Kopf schon fertig hatte.

Die Fahrt zu seinem Doktorvater in Prag fand das Kind dann wieder spannend. Seine Ziehmutter Maira und ich mußten ihm alles erklären, was er bisher noch nicht kannte. Das war dann auch das Problem bei der mündlichen Prüfung. Das Kind war kaum dazu zu bringen, lange genug bei der Sache zu bleiben, um die Fragen zu beantworten. Glücklicherweise wußte der Doktorvater einen Trick, um sein Interesse lange genug zu wecken. Er führte ihn nämlich in seine Forschungswerkstatt und ließ ihn die Geräte dort ausprobieren, während er nebenher abfragte, was das Kind alles darüber wußte. Da Dieter viel davon noch nicht in echt gesehen hatte, erzählte er mit Begeisterung in welchen Büchern er darüber gelesen hatte und vertrat an diversen Stellen eine andere Meinung über die physikalischen Theorien als sein Doktorvater. Ich hatte den Eindruck, daß der Professor sogar an zwei Stellen seine Meinung zum Thema änderte.

Jedenfalls bekam Dieter seinen Doktor bescheinigt, sobald sein Buch gedruckt vorlag.

Kersti

Fortsetzung:
F1239. Kersti: D