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erste Version: 9/2004
letzte Bearbeitung: 2/2013

Gefallene Engel: Der Dunkle Fürst

FF29.

Weg der Qual

Vorgeschichte: FF28. Kersti: Der Fürst des Lichts

C'her erzählt:
"Du wirst zu Fuß gehen." teilte ich ihm mit.
Plötzlich wurde diese unmenschliche Ruhe durch etwas Wilderes durchbrochen, das ebensoschnell wieder verschwand, wie es gekommen war.

Ich versuchte zu erspüren, was es war: Zuerst Unglauben, dann Wut und schließlich Verachtung. So - er verachtete mich also. Ich war belustigt. Aber das brachte mich auf einen Gedanken.
"Einen Augenblick."
Er sah mich überrascht an, als ich blitzschnell meinen Dolch zog und ihn in das Hüftgelenk des verletzten Beines stieß. Diesmal zuckte er vor Schmerzen heftig zusammen, fing sich aber schnell wieder und warf mir dann einen kurzen Blick voll tiefster Verachtung zu.

Ja, er hatte wirklich Stolz. Das würde lustig werden. Besonders weil dieser kurze Stich einen Nerv getroffen und die Gelenkfläche verletzt hatte - das würde seine Schmerzen mindestens verdoppeln.

"Du gehst neben meinen Vorderbeinen - und ich würde dir raten, nicht zurückzufallen."
Er nickte wortlos und gehorchte, als ich im Schritt losging. Ich beobachtete seine Bewegungen aus den Augenwinkeln und amusierte mich im Stillen, daß er versuchte, nicht zu hinken. Ein hoffnungsloses Unterfangen, da sowohl das Gelenk, als auch einer der Nerven als auch die Muskeln verletzt waren.

Er gab das dann auch im Verlauf der ersten Stunde auf, weil seine Konzentration kaum reichte, um sich zu zwingen, mein Tempo mitzuhalten. Außerdem war die Wunde unter der Belastung aufgerissen und hatte wieder begonnen zu bluten.

Er kam klugerweise nicht auf den Gedanken, um eine Pause zu bitten, so daß ich die gemeine Idee, die mir dazu gekommen war, leider nicht anbringen konnte.

Dafür versuchte er zu fliehen, als das Gelände unübersichtlich wurde. Ich schoß einen Blitz nach ihm ab - und er brach mit eine Schrei zusammen. Als ich ihn dann zurückrief, gehorchte er. Sein Mißerfolg schien weder zu überraschen noch zu verunsichern. Offensichtlich hatte er damit gerechnet, es aber dennoch ausprobieren wollen.

Erst einige Stunden später, als es schon dunkel wurde, begann er langsam vor Erschöpfung zu taumeln. Immer öfter stolperte er über Bodenunebenheiten und kleine Steinchen und fiel schließlich hin.

Ich drehte mich zu ihm um, stieß mit meinem Huf genau gegen die schmerzhafteste Stelle seiner Wunde und sagte:
"Wenn du nicht gehen willst kannst du auch krabbeln."
Er schluchzte auf, warf mir wieder einen dieser Blicke voll wilder Verachtung zu, nahm sich zusammen und richtete sich mühsam wieder auf. Kaum stand er jedoch aufrecht, trat ich mit meinem Vorderhuf so fest gegen das verletzte Bein, daß er wieder zu Boden stürzte. Er schrie vor Schmerz unwillkürlich auf und tat dann wie befohlen. Da er beim Krabbeln das Bein stärker bewegen mußte als bei Gehen, tat das natürlich viel mehr weh. Er gab es in der halben Stunde, die ich ihn krabbeln ließ, völlig auf, sein Gejammere zu unterdrücken. Dazu fehlte ihm einfach die Kraft. Aber er kam auch nicht auf den Gedanken, mich um irgendetwas zu bitten.

Schließlich erlaubte ich ihm, wieder aufzustehen. Er versuchte mühsam auf die Füße zu kommen, wäre aber beinahe gleich wieder hingefallen. Diesmal stützte ich ihn ... denn wenn ich ihn den Rest des Weges hätte krabbeln lassen wollen, hätte das zu lange gedauert und bestimmt hätte er es nicht überlebt. Er warf mir daraufhin einen überraschten und erleichterten Blick zu und sagte: "Danke".
"Weitergehen." befahl ich.
Er gehorchte.

In der Gestalt, die ich mir erwählt hatte, brauchte ich viel weniger Schlaf als er - und selbst auf diesen konnte ich problemlos vier Nächte lang verzichten. Also ließ ich ihn mit diesem zerfleischtem Bein fünf Tage und vier Nächte durchmarschieren. Er gehorchte und bemühte sich verbissen, das von mir vorgegebene Tempo zu halten. Und es schien, als läge das nicht an den gelegentlichen sadistischen Strafen, die ich mir einfallen ließ, wenn er stürzte und sich nicht sofort auf die Beine mühte.

Es schien als hätte er eine unbekannte innere Kraftquelle. Bisher hatte ich noch niemanden erlebt, der so etwas tatsächlich durchgehalten hatte.

Noch viel verblüffender waren aber die Blicke, die er mir dabei immer wieder zuwarf. Je gemeiner ich zu ihm war, desto größer war die Verachtung, die er mir entgegenbrachte - und das war mir völlig unverständlich.

Ich war schließlich ein gesunder, mächtiger königlich schwarzer Zentaur - und er war ein jämmerlicher, jammernder Krüppel, mit dem ich tun konnte was mir in den Sinn kam. Worauf war er also stolz? Ich fand keine sinnvolle Antwort auf diese Frage.

Als ich ihm in meiner Halle schließlich sagte, daß wir da sind, brach er schluchzend zusammen. Als ich mir sein Gesicht deshalb neugierig betrachtete, warf er mir einen Blick so voller Verachtung zu, daß ich erschauderte.

Wie kann ein Wesen gleichzeitig so jämerlich und so stolz sein? Wie kann er mich gleichzeitig so fürchten und so verachten?

Ich beobachtete ihn, als er vor Erschöpfung einschlief, dann ließ ich meinen Zentaurenkörper mit dem Fußboden verschmelzen und zerfloß wieder in meine Hauptmasse, die den Dom bildete, in dem er den Schlaf der Erschöpfung schlief.

Kersti

Fortsetzung:
FF30. Kersti: Geraubte Erinnerung

Quelle

Erinnerung an Erlebnisse aus der geistigen Welt.
VB121. Kersti: Hauptfehlerquellen bei Channelings und anderen Methoden, Wissen aus der geistigen Welt und höheren feinstofflichen Welten zu erhalten

EGI. Kersti: Erinnerungen aus diesem Leben, aus früheren Leben und aus feinstofflichen Welten
FFI Kersti: Zeittafel: Gefallene Engel
FFI3. Kersti: Inhalt: Der Dunkle Fürst

Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, https://www.kersti.de/, Kersti_@gmx.de
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