Hauptseite  /   Suche und Links  /   Philosophie und Autorin dieser Seite


O5: Kersti: Inseltheorie: Zuwanderung, Aussterben und Evolution auf Inseln, OI5.

1/05

O5.8

Ergänzung zu

1.3.2.4 Weil die Großen nicht so leicht übers Meer kommen: Aus Zwergen werden Riesen

Vögel

Gewicht und Flügelfläche: Abschätzung der idealen Größe zum Fliegen

Wenn man einen 10 cm großen Vogel mit 10g Gewicht maßstabsgerecht auf einen Meter vergrößtert (Höhe mal 10), verhundertfacht sich die Tragfläche der Flügel (Fläche: 10*10=100), während sich das Gewicht vertausendfacht (Volumen (l) *Dichte (kg/l) Volumen: 10*10*10=1000). Wenn man annimmt daß der 10cm große Vogel 10cm Flügelspannweite zum Fliegen gebraucht hätte, bräuchte der 1m große Vogel dann 3,16m Flügelspannweite und würde 1kg wiegen, um genausogut fliegen zu können.

Um das Anschaulicher zu machen hier ein paar Beispiele für Vögel, ihr Gewicht und ihre Flügelspannweite:
Die Blaumeise ist 11,9cm lang, wiegt aber 11-12g und hat eine Flügelspannweite von 19cm, der Zaunkönig ist ein 10cm langer Vogel mit einer Flügelspannweite von 16cm und einem Gewicht von 8,3g-11,8g. Beide Vögel haben bekanntlich kein Problem bei Windstille zu fliegen.

Der Albatros hat eine Flügelspannweite von ca. 3m, wiegt 3kg und ist ca. 1m lang, das entspricht also etwa unserem oben gerechneten Beispiel. Er kann schlecht aus eigener Kraft bei Windstille fliegen, ist aber ein sehr guter Segler. Die Graugans, die etwa genausogroß ist, hat nur eine Flügelspannweite von 1,70m und wiegt ca. 3 kg. Wer sie beobachtet, weiß daß ihr Flug deutlich schwerfälliger wirkt als der unserer kleinen Gartenvögel, obwohl sie ein Zugvogel ist, der bis nach Afrika fliegt.

Wie diese Beispiele zeigen haben kleine Vögel im Verhältnis zur Flügelfläche ein geringeres Gewicht. Aber der Unterschied ist nicht so groß, wie man aufgrund der Rechnung oben erwarten würde.

Aus diesem Grund ist anzunehmen, daß kleine Vögel durch Stürme durchschnittlich weiter über das Meer zu abgelegenen Inseln verschleppt werden können als große.

Das ist natürlich nur teilweise richtig, da sehr kleine Vögel auch schneller erfrieren oder verhungern (sie verbrauchen so viel Fett, um sich warmzuhalten, daß sie verhungern) weil die Körperoberfläche wenn man einen Vogel entsprechend verkleinert nur mit dem Quadrat abnimmt, während die Körpermasse in dem die Energie(VA180. Definition Eso) gespeichert ist, mit dem Volumen abnimmt. Deshalb ist es sehr unwahrscheinlich daß ein Kolibri weit übers Meer verschleppt wird, ohne zu erfrieren oder zu verhungern.

Die am weitesten ziehenden Zugvögel, wie Storch, Albatros und Schwalben sind zwischen 18cm und 1m groß und wiegen höchstens etwa 3kg. Der optimale Kompromiß zwischen Auskühlungsschutz und der Größe für ideale Flugfähigkeit liegt also zwischen diesen beiden Größen. Um sie genauer festzustellen bräuchte man eine größere Erde oder ein anderes Abschätzungsverfahren. Vögel dieser Größenordnung können deshalb auch auf die abgelegendsten Inseln der Erde gelangen.

Zwar gibt es noch größere Vögel, die fliegen können, wie der Harpagornis mit ca. 12kg Gewicht und 3m Flügelspannweite, und der Höckerschwan (ca. 12kg, 1,80m lang, Spannweite 2,60m), doch Zugvögel sind sie nicht, da Reisen um die halbe Erde ihnen zu viel Kraft kosten würden. Noch deutlich schwerere Vögel, wie Strauße (100kg, 2,5m hoch, 2m lang), Moas (bis 250kg) und Elefantenvögel (bis 500kg) sind durchweg flugunfähig.

Da größere abgelegene Inseln wie Neuseeland, Hawaii, Madagaskar meist natürlicherweise nicht von großen Säugetieren bewohnt sind, bieten sich hier oft Lebensräume für Vögel, die größer als 1m sind und mehr als 3kg wiegen und die Stelle von Grasfressern oder Raubtieren im Ökosystem einnehmen. Das erklärt die Entstehung von Laufvogelarten wie den Folgenden aus ursprünglich flugfähigen und wesentlich kleineren Ahnen.
O5.21 Elefantenvögel oder Madagaskarstrauße (Aepyornithiformes)
O5.21 Moas (Dinornithiformes)
O5.21 Moa-Nalos (Chelychelynechen quassus, Thambetochen spp., Ptaiochen pau)
O5.21 Hawaii-Gänse (Branta spp.)

Haast's Adler oder Riesenadler (Harpagornis moorei)

Der Haast's Adler (Harpagornis moorei) war mit ca. 3m Flügelspannweite und 12kg Gewicht der größte Adler den es je gab. Vor der Ankunft der Maoris lebte er auf Neuseeland und ernährte sich von den dortigen Moas.
O5.21 Moas (Dinornithiformes)

Sein nächster lebender Verwandter ist der nur 1kg schwere australische Zwergadler (Hiraaetus morphnoides)

 

Übersicht: Überfamilie: Greifvögel (Falconioidea), Ordnung: Schreitvögel (Ciconiiformes), Neognathae, Vögel (Aves), Z98. Unterstamm: Wirbeltiere (Vertebrata), Z94. Reich: Tiere (Animalia), Domäne: Einzeller (Eukaria), Lebewesen

Quellen


O5: Kersti: Inseltheorie: Zuwanderung, Aussterben und Evolution auf Inseln, OI5.
Z115. Inseln und Kontinente (alphabethisch)
Z103. Alphabetische Liste der Namen der Tiere auf latein, Z104. deutsch

Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, http://www.kersti.de/, Kersti_@gmx.de
Da ich es leider nie schaffe, alle Mails zu beantworten, schon mal im voraus vielen Dank für all die netten Mails, die ich von Lesern immer bekomme.