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O5: Kersti: Inseltheorie: Zuwanderung, Aussterben und Evolution auf Inseln, OI5.
O5.8 Flugunfähige Vögel

1.2.4.0.1.2 Nordinseltakahe (Porphyrio mantelli)

erste Version: 12/07
aus O5.27 ausgegliedert: 3/2008
letzte Überarbeitung: 11/2008

1.2.4.0.2 Weka (Gallirallus australis)

Der Weka (Gallirallus australis) ist ein großer flugunfähiger Vogel, der für Neuseeland endemisch ist. 215.

Aussehen Körperbau

Die Wekaralle ist ein 53cm großer Vogel, die Männchen wiegen durchschnittlich 820g, die Weibchen sind mit durchschnittlich 700g etwas leichter. Er kommt in 4 Unterarten in Neuseeland vor.

Beim Weka ist die Entwicklung zur Flugunfähigkeit weiter fortgeschritten als beim Takahe und beim Tasmanischen Pfuhlhuhn. Das Brustbein des Wekas ist breit und flach mit einem schwach ausgeprägtem Brustbeinkamm, so daß die Flugmuskulatur kaum einen Ansatzpunkt hat. Das Schulterblatt ist im Gegensatz zum flugfähigen Purpurhuhn nahezu gerade. Der Winkel zwischen dem Coracoid (sowas wie ein zusätzliches Schlüsselbein) und dem Schulterblatt ist knapp über 90o und während er beim Purpurhuhn und nahezu allen anderen flugfähigen Arten deutlich unter 90o ist. Auch die Flügelknochen sind extrem stark zurückgebildet. 4., 45., 153.

Die Ralle hat Flügel, die so schwach entwickelt sind, daß sie flugunfähig ist. Die Handschwingen haben breite Fahnen, sind aber weich und flexibel. Die langen Armschwingen überlappen einander lose, statt eine zusammenhängene Fläche zu bilden. Wenn der Weka rennt flattert er häufig mit den Flügeln, als wolle er fliegen. Am Handgelenk befindet sich eine kräftige etwa 6mm lange Daumenkralle. 45.

Die Beine sind dagegen sehr kräftig ausgebildet, so daß die Ralle etwa so schnell rennen kann wie eine Ratte. 45.

Dennoch ist der Aufbau der Flugmuskulatur des Wekas beinahe identisch mit der eines flugfähigen Verwandten, des Amerikanischen Blässhuhns (Fulica americana). 228.

Lebensweise

Wekas können schnell rennen und gut schwimmen, obwohl sie keine Schwimmhäute haben. Vögel, die auf raubtierfreien Inseln ausgesetzt wurden, schwammen über 1km heim.

Wekas sind Allesfresser und fressen auch Eier und Küken vieler anderer Vogelarten. 215.

Buller war der Ansicht, die Südinselwekas würden zu einer ganzen Reihe getrennter Arten gehören, während er auf der Norinsel nur von einer einzigen Art ausging. Auffällig war damals auch, daß Südinselwekas auffällig zahm waren und oft den Hof oder sogar das Haus selbst einer Farm betraten. Dagegen war der Nordinselweka so scheu, daß man ihn oft nur mit Hilfe von Hunden finden konnte. 45.


Ei vom Weka (Gallirallus australis) Quelle: 202.

Bestandsentwicklung

Wekas waren häufig und weit verbreitet als die Europäer in Neuseeland ankamen. Ein Zusammenwirken von Bejagung, Lebensraumzerstörung und und vielleicht auch Vogelkrankheiten führte zu einer dramatischen Abnahme des Verbreitungsgebietes, auch wenn sie in manchen Gegenden der Südinsel noch häufig sind. 215.

Einfluß auf andere bedrohte Arten

Da Wekas Eier und Küken vieler anderer Vogelarten fressen, können sie damit für andere bedrohte Vogelarten zur Gefahr werden. Da all diese Arten schon länger als Menschen auf Neuseeland leben mit dem Weka koexistieren gilt: Der Weka ist für diese Arten als Ganzes so lange keine Bedrohung darstellt, so lange die Art eine ausreichende Population hat, um gelegentliche Verluste verkraften zu können. 215.

Da jedoch einige Arten wie Kakapo und Takahe so extrem bedroht sind, daß jeder einzelne lebende Vogel für das Überleben der Art wichtig ist, wird die zusätzliche Bedrohung durch den Weka zu einem ernsthaften Problem. Während auf den raubtierfreien Inseln kein einziger Fall bekannt wurde, wo ein Weka ein Takahenest ausgeraubt hat, wurden Spuren entdeckt, die darauf hinwiesen, daß Wekas erfolgreich Kakaponester ausgeraubt haben. Eine mögliche Erklärung hierfür ist, daß Takahes sich beim Brüten abwechseln und ihr Nest deshalb nie unbewacht ist, während der weibliche Kakapo die Jungen alleine versorgt und das Nest deshalb für längere Zeit unbewacht bleibt. 174., 215.
O5.31 1.2.4.0.1.1.4.2.2 Ein Nesträuber beim Takahe: Weka
O5.31 1.2.4.0.1.1.7.3.2 Schutz des Takahes vor Nestraub durch Wekas

Nordinselweka (Gallirallus australis greyi)

Aussehen (Gallirallus australis greyi) nach Buller

Erwachsene männliche Nordinselwekas sind auf der Oberseite rotbraun, am dunkelsten an Scheitel und Nacken. Die Farbe jeder Feder geht in der Mitte zu Schwarz über. Ein aschfarbener Überaugenstreifen weitet sich an Kehle und vorderem Hals aus und erstreckt sich über das Genick zum unteren Teil der Brust und Bauch. Die Zügel, die Seiten des Kopfes, der Hals der obere Teil der Brust die Oberseite der Flügel haben eine heller rotbraune Farbe als die Oberseite. Der untere Teil von Rücken, Rumpf und Seiten ist dunkel rotbraun. Die Flügelfedern sind dunkel grau-braun, mit rötlichbraunen Rändern. An der inneren Federfahne sind die Handschwingen hell rötlich gebändert. 45.

Länge 53,5cm, Flügelspannweite 57cm. 45.

Das erwachsene Weibchen ähnelt dem männlichen Vogel ist aber etwas dunkler und die Streifen an den Flugfedern der Flügel sind sind regelmäßiger und deutlicher ausgeprägt. Außerdem ist es mit 43cm Körperlänge kleiner als das Männchen. 45.

Verbreitung

Der Nordinselweka war früher über die gesamte Nordinsel Neuseelands verbreitet. Sein Verbreitungsgebiet und die Zahl der Tiere nahm jedoch seit mindestens 1900 erheblich ab. Inzwischen leben Nordinselwekas nur noch in einem kleinen Bereich an der Ostküste der Nordinsel, auf der Mokoia-Insel im Rotorua-See und auf 4 vorgelagerten Inseln Neuseelands. Freßfeinde der Ralle haben dazu einen Beitrag geleistet, daß der Bestand so zurückging und daß sie sich nicht wieder verbreiten konnte, ihr Einfluß reicht aber als Erklärung für den ursprünglichen Bestandrückgang nicht aus. 216.


Hinten: Weka, Nordinselrasse (Gallirallus australis greyi)
Vorne: Weka, Südinselrasse (Gallirallus australis australis), dunkle Form von der Südwestküste der Südinsel Quelle 45.

Lebensweise

Beziehung zu Menschen

Als Buller 1888 sein Buch über die Vögel Neuseelands schrieb, war die Ralle bei den Bauern sehr unbeliebt. Grund dafür waren Ereignisse wie dieses: Ein Bauer stellte regelmäßig fest, daß ihm Eier im Hühnerhof fehlten. Schließlich wollte er herausfinden, were der Dieb war und legte sich auf die lauer. Er beobachtete, wie ein Weka direkt auf ein Nest zuging, in jedes Ei ein Loch stanzte und die Eier aussaugte. 45.

Wekas entwickelten sich in dieser Zeit offensichtlich in den besiedelten Gebieten der Nordinsel zu regelrechten Kulturfolgern und waren in den Siedlungen auch durchaus häufig. 45.

Am Rande der Wälder sind Wekas gegen 1900 oft zusammen mit den Hühnern der Maoris gesehen worden. Gleichzeitig gab es eine seidenfiedrige Mutante der Hühner. Wegen der Ähnlichkeit der Federn dieser mutierten Hühner zum weichen Gefieder des Wekas, nahmen die Maoris an, es handele sich um Weka-Haushuhn-Hybriden. Diese Theorie wurde aber schon damals durch zwei voneinander unabhängige anatomische Untersuchungen dieser Hühner widerlegt. 45.

Reviere, Jungenaufzucht

Männliche Wekas haben Reviere von etwa 10ha, weibliche von 3,5ha. Die Reviere der Vögel überlappen sich untereinander und die Tiere halten sich lieber im Gebüsch und Wald als auf freiem Feld auf. Wekas brüten das ganze Jahr, am häufigsten jedoch im Sommer. Das Nest befindet sich am Boden. 47.

Bei einer im Jahr 2000 gemachten Untersuchung zogen 11 Brutpaare nur 4 Küken auf, bis sie erwachsen waren, während in derselben Zeit 13 erwachsene Tiere durch Verkehrsunfälle, Raubtiere und Fallen umkamen. Deshalb müßten dringend Schutzmaßnahmen für Wekas ergriffen werden. 47.

Wekas sind etwa so groß wie ein Haushuhn und haben als flugunfähige Vögel nur beschränkte Fähigkeiten, sich auszubreiten. Dadurch ist die Aufspaltung in Unterarten stärker ausgeprägt, als bei vergleichbar verbreiteten Vögeln, die flugfähig sind. Junge Wekas bleiben, wenn sie selbstständig geworden sind, noch eine Weile am Rande des elterlichen Reviers und wandern erst später weiter fort, um sich ein eigenes Revier zu schaffen, das bis zu 3,5 km entfernt ist. Es ist also immer noch in der Nachbarschaft des Elterlichen Reviers. 216.

Südinselweka (Gallirallus australis australis)

Aussehen

Erwachsenes Männchen: Die Oberseite ist gelbbraun, am Rücken mit einem Schwarzen fleck in der Mitte jder Feder. An der Schulter Schulter und den Flügeldecken ist die gelbbraune Grundfarbe unregelmäßig schwarz und kastanienbraun gezeichnet. 45.

Lebensweise


Weka, Südinselrasse (Gallirallus australis australis) und eine Variante der Südinselrasse, die nach Chatam eingeführt wurde (Gallirallus australis hectori) Quelle: 217.

(Gallirallus australis hectori) (von der Südinsel aus in Chatam eingeführt)

Schutz

Abstammungsübersicht

(Gallirallus), Z108. Rallen (Rallidae), Z108. Rallen (Ralloidea), Z108. Kranichvögel (Gruiformes), Z95. (Neoaves), Z95. Neukiefer (Neognathae), Vögel (Aves), Z98. Archosaurier (Archosauria), Z98. Schuppenechsen (Lepidosauria), Z98. (Romeriida, Diapsida), Z98. Schläfengrubenlose (Anapsida), Z98. Klasse: Reptilien (Reptilia), Z98. Amnioten (Amniota), Z98. Vierbeiner (Tetrapoda), Z98. Fleischflosser (Sarcoptergii), Z98. Knochenfische (Ostheichtyes), Z98. Kiefertragende (Gnathostomata), Z98. Unterstamm: Wirbeltiere (Vertebrata), Z94. Reich: Tiere (Animalia), Z12. Überreich: Mehrzeller (Metazoa), Z12. Domäne: Eukaryoten (Eukaria), Z12. Lebewesen

1.2.4.0.3 Kiwis (Apteryx)


O5.8 Flugunfähige Vögel, O5.24 Quellen
O5: Kersti: Inseltheorie: Zuwanderung, Aussterben und Evolution auf Inseln, OI5.
Z115. Inseln und Kontinente (alphabethisch)
Z103. Alphabetische Liste der Namen der Tiere auf latein, Z104. deutsch

Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, http://www.kersti.de/, Kersti_@gmx.de
Da ich es leider nie schaffe, alle Mails zu beantworten, schon mal im voraus vielen Dank für all die netten Mails, die ich von Lesern immer bekomme.