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O5: Kersti: Inseltheorie: Zuwanderung, Aussterben und Evolution auf Inseln, OI5.

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erste Version: 11/2008
letzte Überarbeitung: 11/2008

O5.25

Familien und Gattungen mit vielen flugunfähigen Arten

Gallirallus


Weka, Südinselrasse (Gallirallus australis australis) und Variante der Südinselrasse, die nach Chatam eingeführt wurde (Gallirallus australis hectori) Quelle: 45.

Aussehen und Körperbau
Bei den verschiedenen Arten der Gattung Gallirallus gibt es zwei voll flugfähige Arten, die Zebraralle und die Bindenralle. Alle andere Arten der Gattung haben mehr oder weniger stark zurückgebildete Flügel. Dabei gibt es Arten wie der Weka, die sehr stark zurückgebildete Schultergürtel, Flügel, Schwänze und Flugfedern haben und andere, wie die Guamralle (Gallirallus owstoni), die beinahe noch flugfähig sind - oder es bei ihrem Aussterben waren. 34.

Je nach bevorzugten Futtersuchstrategien der Art kann der Schnabel deutlich länger oder etwas kürzer als der Kopf und gerade oder gebogen sein. 44., 45., 112., 246.

Die Rotschnabelralle ist weitgehend schwarz mit weißen Punkten an Rücken und Flügeln, weißer Brust und einem rotbraunem Fleck im Nacken. Die beiden flugfähigen Arten haben beide schwarz weiß gebändertes Gefieder an der Brust und die Bindenralle hat auch am Rücken eine Bänderung. Bei beiden Arten sind am Rücken auch braune Zeichnungselemente vorhanden. Beide haben auffallende Gesichtszeichnung. Andere Arten der Gattung wie der Weka und die Waldralle der Lord-Howe-Insel waren vollständig braun. Die oft weniger deutlich gebänderte und mehr braune Farbe vieler flugunfähiger Gattungsmitglieder wird auf Beibehaltung von Jugendmerkmalen (Neotenie) zurückgeführt. 44., 45., 64., 112., 221.

Lebensweise
Gallirallusarten ernähren sich gewöhnlich überwiegend von Wirbellosen wie Regenwürmern, Schnecken, Weichtieren, Insekten und Krebstiere, sowie kleinen Wirbeltieren wie Reptilien, Amphibien, Eier und Küken anderer Vögel, Ratten und Mäuse. Einige Arten sind Allesfresser. Reine Pflanzenfresser gibt es in der Gattung nicht. 31., 45., 58., 105., 112., 119., 177, 215., 246.

Bei der Futtersuche stochern einige Arten im Boden und graben bis zu 10cm tief nach Regenwürmern und anderen unterirdisch lebenden Tieren. Andere wühlen mit dem Schnabel im Laubstreu. Oder das Futter wird im Wasser oder an Land vom Boden aufgepickt. Einige Arten fangen auch Fluginsekten aus der Luft, indem sich vom Boden hochstrecken. 45., 58., 105., 119., 259., 292.


Chatamralle (Gallirallus modestus) Quelle: 246.


Rotschnabelralle; Tahiti-Ralle (Gallirallus pacificus) Quelle: 246.

Verbreitungsgeschichte
Von den Arten der Rallengattung Gallirallus gibt es nur zwei flugfähige Arten, die Bindenralle (Gallirallus phillipensis) und der Zebraralle (G. torquatus). In den Phillipinen, Sulawesi und Neuguinea kommen die beiden flugfähigen Arten gemeinsam vor (Sympatrie), die Bindenralle ist jedoch weiter verbreitet und kommt nach Süden bis Neuguinea und Australien, nordöstlich bis Hawaii und östlich bis Samoa vor. 34.

Die anderen 26 bisher bekannten Gallirallus-Arten sind flugunfähig und für eine Insel oder wenige nahe beieinanderliegende Inseln endemisch, die in der letzten Eiszeit wegen des damals 100-150m niedrigeren Meeresspiegels miteinander verbunden waren. Als die ersten Menschen den Pazifik besiedelten, gab es mehrere dutzend wenn nicht hunderte flugunfähige Gallirallus-Arten die über den Pazifik verteilt lebten. Die westliche Grenze des Verbreitungsgebietes liegt bei Okinawa, den Phillipinen, Halmahera und Neuseeland und im Osten reicht es bis zu den Society-Inseln und den Marquesas-Inseln. In Hawaii und Henderson gab es nach den bisher bekannten reichlichen Knochenfunden offensichtlich keine flugunfähigen Arten der Gattung. 2., 34.

Als sich die ersten Menschen - Polynesier - über die Inseln verbreiteten, führte das dazu, daß auf den besiedelten Inseln innerhalb von kürzester Zeit zwischen der Hälfte und allen einheimischen Landvogelarten ausstarben. Besonders viele der ausgestorbenen Arten waren flugunfähige, für die jeweilige Insel endemische Rallen, wie die flugunfähigen Gallirallus-Arten. Diese Bodenbrütenden Vögel waren besonders verletzlich gegenüber jagenden Menschen, Ratten, Schweinen und Hunden. 2.

Danach wurden die Inseln durch die flugfähige Bindenralle (Gallirallus phillipensis) erneut besiedelt. 281.


Dieffenbach-Ralle (Gallirallus dieffenbachii) Quelle: 246.

Arten

Die heute der Gattung Gallirallus zugeordneten Arten wurden wegen ihrer sehr unterschiedlich weit zurückgebildeten Flügel anfangs den teilweise monotypischen Gattungen Ocydromus, Habropteryx, Nesiolimnas, Cabalus, Hypotaenidia, Tricholimnas, Eulabeornis und Stictolimnas zugeordnet. Im Verlaufe der Forschung wurde klar, daß die flugunfähigen Arten wesentlich enger mit den beiden flugfähigen Arten der Gattung verwandt sind, als die auffällige Rückbildung der Flügel und des Brustbeines auf den ersten Blick nahelegte und daß Flugunfähigkeit sich evolutionär oft erstaunlich schnell entwickelt. Das führte dazu, daß die Arten unter der Gattung Gallirallus zusammengefaßt wurden. Weitergehende Zusammenlegungen, bei denen einige der Gallirallus Arten als Unterarten der Bindenralle geführt wurden oder die Gallirallus-Arten der Gattung Rallus zugeordnet wurden, da sie beide Gattungen genetisch nicht zu trennen waren, setzten sich nicht durch. 22., 31., 42., 44., 45., 246., 309.


Südsee-Sumpfhuhn (Porzana tabuensis) und Bindenralle (Gallirallus phillipensis) Quelle: 45.

Gallirallus phillipensis

O5.75 Ei vom Südinsel-Weka (Gallirallus australis) Quelle: 202.
O5.98 Bindenralle (Gallirallus phillipensis) Quelle: 45.
O5.99 Dieffenbach-Ralle (Gallirallus dieffenbachii), Quelle: 45.

O5.8 Flugunfähige Vögel, O5.24 Quellen
O5: Kersti: Inseltheorie: Zuwanderung, Aussterben und Evolution auf Inseln, OI5.
Z115. Inseln und Kontinente (alphabethisch)
Z103. Alphabetische Liste der Namen der Tiere auf latein, Z104. deutsch

Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, http://www.kersti.de/, Kersti_@gmx.de
Da ich es leider nie schaffe, alle Mails zu beantworten, schon mal im voraus vielen Dank für all die netten Mails, die ich von Lesern immer bekomme.