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O5: Kersti: Inseltheorie: Zuwanderung, Aussterben und Evolution auf Inseln, OI5.

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ausgegliedert aus O5.25: 2/2009
letzte Überarbeitung: 2/2009

O5.73

1.1.2.1.1 Flugunfähiger Kormoran (Phalacrocorax harrisi)

Körperbau
Der Flugunfähige Kormoran (Phalacrocorax harrisi) ist ein 97cm langer, schwarzbrauner Vogel mit einzelnen verstreuten weißen Federn an Gesicht und Hals. Er hat eine graue Gesichtshaut und schwarze Füße und Beine. Da die Männchen 4kg und die Weibchen 2,7kg wiegen, sind flugunfähge Kormorane etwa doppelt (1,6-2,2 mal) so schwer, wie ihre flugfähigen Verwandten. Der Größenunterschied zwischen den Geschlechtern ist stärker ausgeprägt als bei allen anderen Kormoranen. 10., 123., 229., 235.

Ihre Flügel sind dagegen mit etwa 18cm (19cm Männchen, 17cm Weibchen) kürzer als die aller anderen Kormorane. Dabei sind sowohl die Flügelknochen als auch die Federn in ihrer Länge reduziert. Der Brustbeinkamm fehlt fast vollständig. 10., 235.

Die meisten Brustmuskeln, die die Flügel bewegen, sind beim wesentlich größeren Flugunfähigen Kormoran absolut oder wenigstens relativ zur Körpergröße kleiner als bei der Pinselscharbe (Phalacrocorax penicillatus). Der Brustmuskel Musculus pectoralis major hat bei den meisten Vogelarten nur zwei Schichten der Hauptteil nennt sich M. pect. major proprius und senkt den Flügel, der zweite Teil nennt sich M. pect. major lateralis und hebt den Flügel. Bei großen auf Segelflug spezialisierten Vogelarten kommt eine weitere Schicht Musculus pectoralis major profundus hinzu, die beim Flugunfähigen Kormoran trotz seiner verkleinerten Brustmuskulatur und seiner völligen Flugunfähigkeit erhalten geblieben ist. 10., 235., 316.

Die Schwungfedern der Flügel sind etwa halb so lang wie die der flugfähigen Verwandten und die Breite beider Fahnen ist wesentlich symmetrischer, ihre Spitzen stärker gerundet und deshalb für den Flug schlechter geeignet. Die Flügel wirken unordentlich, da oft einzelne Federn mittendrin fehlen oder bei der Mauser nicht ersetzt werden. Das Körpergefieder ist viel weicher und dicker als das flugfähiger Kormorane. 235.


O5.10: Zur Übersicht zu den Galápagosinseln


Flugunfähiger Kormoran (Phalacrocorax harrisi)

Krankheitserreger
Eine Untersuchung zum Vorhandensein von Antikörpern gegen verbreitete Erreger von Vogelkrankheiten, zeigte, daß keiner der untersuchten Flugunfähigen Kormorane zu einem der von den Galapagosinseln bekannten Erreger Antikörper bildetete. Das legt die Vermutung nahe, daß das nicht auf ein Nichtvorhandensein von Krankheitserregern in der Population sondern auf ein wenig ausgeprägtes Immunsystem zurückzuführen ist. 131.

Lebensweise
Die Flügelfedern lassen Wasser ein (kaum geölt), dadurch liegt der Kormoran beim Schwimmen tief im Wasser, nur Kopf und Hals schauen heraus. Das macht sie zu bessere Tauchern. Dagegen macht das Öl die Körperfedern wasserweisend und hält sie dadurch trocken. Der Flugunfähige Kormoran taucht mit am Körper angelegten Flügeln und verwendet seine Beine als Antrieb, die kräftiger und größer sind als bei anderen Kormoranen. 235., 230.

Flugunfähige Kormorane sind sehr seßhaft und ziehen im Laufe ihres Lebens nie weiter als 2km von dem Ort weg, an dem sie geschlüpft sind231.. Sie schwimmen kaum weiter als 90 m von Küste weg235..

Der Flugunfähige Kormoran lebt an flachen Stellen, wo kaltes Wasser mit vielen Tieren, die als Nahrung dienen können an die Oberfläche strömt. Sie jagen dort am Gewässergrund vorhandene Tiere. Die geringe Verbreitung und Populationsgröße des Flugunfähigen Kormorans ist wahrscheinlich eine Folge seiner Anpassung an diese Gewässer, an denen Futter stets reichlich zu finden ist. Dadurch sind auch Verhalten und Erfolg bei der Brut bestimmt. Die Populationsgröße wird hauptsächlich durch die bregrenzte Verfügbarkeit der Nahrung beschränkt, die das Überleben der Jungtiere stärker gefährdet als das der Eltern. 11., 12., 13, 229., 231., O5.13 1.4

Nahrung: Aalartige, Fische und Kraken. 234.

Balz und Brut
Die Balz der Kormorane beginnt damit, daß die Tiere im Wasser parallel nebeneinander herschwimmen und dabei den Hals so stark in schlangenform einkrümmen, daß der Schnabel den Kropf (Hals) berührt. Sie krächzen gelegentlich und von Zeit zu Zeit richtet sich einer auf und schüttelt sich. Nach 20 bis 80 Minuten führt das Männchen das Weibchen zum Ufer. Am Ufer wirft das Männchen den Kopf hoch, so daß der Schnabel zum Himmel zeigt und läd das Weibchen damit zum herankommen ein. Anschließend verbeugt er sich tief und weist mit der Schnabelspitze auf den Boden, dabei hält es oft Nestmaterial im Schnabel und baut es in den Nestwall ein. O5.13 1.4

Flugunfähige Kormorane nisten in kleinen Kolonien an den Stränden der Inseln. Das Nest ist ein Haufen aus Stöcken und Meerespflanzen. Weibchen können bis zu drei mal pro Jahr brüten. Dabei schwankt die Zahl der Bruten je nach Verfügbarkeit der Futtertiere zwischen gar keiner und drei. Eier werden zu jeder Jahreszeit gelegt, am meisten jedoch in den Monaten April bis November, wenn die Meerestemperaturen am geringsten sind und deshalb am meisten Futter zur verfügung steht. Es gibt zwei Häufigkeitsspitzen, eine im April bis Juni, eine zweite Häufigkeitsspitze liegt im Oktober. Beide Eltern brüten und kümmern sich um die Jungtiere. Die Flugunfähigen Kormorane suchen sich in fast 90% der Fälle für jede Brut einen neuen Partner. Das Weibchen verläßt die Jungen, wenn sie fast unabhängig sind und versucht eine zweite Brut zu beginnen. Das Männchen übernimmt dann den Rest der Brutpflege und kommt deshalb seltener zum brüten als ein Weibchen. Während von den zwei bis drei Eiern pro Brut gewöhnlich nur ein Jungtier überlebt, werden einmal erwachsene Vögel meist sehr alt. 11., 12., 13, 229., 231., 233., 235., 236., O5.13 1.4

Bestandsentwicklung
El Niño nennt man das Auftreten ungewöhnlicher, nicht zyklischer, veränderter Strömungen zur Weihnachtszeit im ozeanographisch-meteorologischen System des äquatorialen Pazifiks, die zur Erwärmung des Meerwassers und zum ausbleiben von Fischschwärmen führen.

1972 war das Meerwasser an den Brutplätzen des Flugunfähigen Kormorans durch den Einfluß des El Nino ungewöhnlich warm, was dazu führte daß weniger Nahrung zur Verfügung stand. Der Bruterfolg war in diesem Jahr mit durchschnittlich 0,15 aufgezogenen Jungtieren pro brütendem Paar wesentlich geringer als in anderen Jahren, in denen pro Brutpaar durchschnittlich 0,66 Jungtiere heranwachsen. Es gab in diesem Jahr keine Paare die zum ersten mal eine Brut versuchten und es wurden allgemein wesentlich weniger Brutversuche unternommen, als in anderen Jahren. Von den halbwüchsigen Jungvögeln überlebte ein geringerer Teil als in anderen Jahren, während das Überleben der Alttiere nicht beeinflußt war. 231.

Der El Nino von 1982-83 war der bis dahin schwerste bekannte des Pazifischen Ozeans. Flugunfähige Kormorane brüteten in dieser Zeit nicht, die Kormoranpopulation verringerte sich in dieser Zeit um 49%, zwischen Juli 1983 und September 1984 erholte sich die Kormoranpopulation. 1992 gab es wieder etwa 800 Paare. 232., 235.

 

Abstammungsübersicht: Gattung: Kormorane, Scharben (Phalacrocorax), Familie: Kormorane, Scharben (Phalacrocoracidae), Ordnung: Ruderfüßler (Pelecaniformes), Vögel (Aves), Z98. Archosaurier (Archosauria), Z98. Schuppenechsen (Lepidosauria), Z98. (Romeriida, Diapsida), Z98. Schläfengrubenlose (Anapsida), Z98. Klasse: Reptilien (Reptilia), Z98. Amnioten (Amniota), Z98. Vierbeiner (Tetrapoda), Z98. Fleischflosser (Sarcoptergii), Z98. Knochenfische (Ostheichtyes), Z98. Kiefertragende (Gnathostomata), Z98. Unterstamm: Wirbeltiere (Vertebrata), Z94. Reich: Tiere (Animalia), Z12. Überreich: Mehrzeller (Metazoa), Z12. Domäne: Eukaryoten (Eukaria), Z12. Lebewesen

O5.25 1.2.1 Flugunfähige Vögel auf Tasmanien

O5.74 1.2.1.1 Tasmanisches Pfuhlhuhn (Gallinula mortierii)


O5.8 Flugunfähige Vögel, O5.24 Quellen
O5: Kersti: Inseltheorie: Zuwanderung, Aussterben und Evolution auf Inseln, OI5.
Z115. Inseln und Kontinente (alphabethisch)
Z103. Alphabetische Liste der Namen der Tiere auf latein, Z104. deutsch

Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, http://www.kersti.de/, Kersti_@gmx.de
Da ich es leider nie schaffe, alle Mails zu beantworten, schon mal im voraus vielen Dank für all die netten Mails, die ich von Lesern immer bekomme.