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O5: Kersti: Inseltheorie: Zuwanderung, Aussterben und Evolution auf Inseln, OI5.

Zurück: O5.74 1.2.1.1 Tasmanisches Pfuhlhuhn (Gallinula mortierii) von 1.2.1 Tasmanien

ausgegliedert aus O5.25: 2/2009
letzte Überarbeitung: 2/2009

O5.75

1.2.2 Neukaledonien, Australien, Pazifik

1.2.2.1 Kagu (Rhynochetus jubatus)
Gewicht: 860g

Der Kagu ist ein Vogel, der ausschließlich in den dichten Bergwäldern von Neukaledonien lebt. Er besiedelt unterschiedliche, meist feuchte Waldtypen und breitet sich während der feuchten Jahreszeit manchmal in Buschland mit geschlossem Blätterdach aus. 94.

Jedes Paar besitzt ein Revier von 10-28ha. Die Reviere überlappen sich nicht. Je nach Jahreszeit werden unterschiedliche Teile des Reviers bevorzugt benutzt. Außerhalb der Brutsaison leben die Elternvögel getrennt im gemeinsamen Revier. 18.

Die Tiere ernähren sich von Würmern, Schnecken und Eidechsen. In Gefangenschaft werden die Vögel über dreißig Jahre alt, in Freiheit erreichen sie ein Alter von mindestens 15 Jahren. 94.

Eier werden das ganze Jahr gelegt, am häufigsten aber im Juli. Meist wird nur ein Ei pro Jahr gelegt, das aber ersetzt wird, wenn das Jungtier nicht schlüpft. Beide Eltern brüten abwechselnd für 34-35 Tage und füttern danach die Jungtiere 3,5-4 Monate lang. Kagus bilden kleine Familiengruppen mit dem Elternpaar, einem Küken und mehreren Halbwüchsigen. Jungtiere bleiben oft für Jahre bei den Eltern und beteiligen sich an der Aufzucht der Geschwister. 18.

Kagus sind in der Nähe von Menschen seltener als in abgelegenen Gebieten. Dafür sind unter anderem jagende Hunde verantwortlich 19., 20.. Diese Gefahr nimmt zu, da der Wald durch Holzabfuhr besser für Hunde und Jäger zugänglich gemacht wird. Gelegentlich fressen verwilderte Schweine Eier. Küken, die weniger als drei Wochen alt sind, haben eine hohe Sterblichkeit und sind stark durch Ratten und Katzen gefährdet. Da die Waldfläche aufgrund von Bergbau, Feuern und Erosion abnimmt sind die Vögel durch Lebensraumverlust gefährdet. 94.

Die größte Population mit der höchsten Besiedlungsdichte findet sich im Parc Provincial Rivière Bleue wo sich die Zahl der Tiere in der letzten Zeit vergrößert hat und 1998 etwa 300 Tiere umfaßte. 1991-1992 wies eine andere Untersuchung auf der gesamten Insel insgesamt 491 erwachsene Tiere anhand ihrer Rufe nach, davon 82% auf dem südlichen Teil der Insel. Diese Zahl unterschätzt aber vermutlich die wirkliche Zahl der Tiere. Außerhalb von Rivière Bleue nimmt die Zahl der Tiere ab, die meisten Populationen bestehen aus weniger als vier Tieren und einige davon sind inzwischen erloschen. Seit 1978 werden die Vögel erfolgreich in Gefangenschaft gezüchtet. 94.

Die nächsten Verwandten des Kagus lebten weit über die Erde verstreut. Sie gehören den Gattungen Messelornis, Eurypyga und Aptornis an. Ein fossiler Vogel der Gattung Messelornis wurde in Deutschland in der Grube Messel gefunden. Diese Fossilie etwa 50 Mio Jahre alt. Eurypygas helias (engl. Sunbittern) lebt in zentralen Südamerika und ist ein sehr schlechter Flieger. Die beiden Arten der Gattung Aptornis lebten in Neuseeland und waren flugunfähig. Diese Arten sind vermutlich die Überreste einer viel größeren Gruppe an Vögeln, die sich nicht gegen die moderneren Vogelarten durchsetzen konnten. Das große ehemalige Verbreitungsgebiet erreichten sie, also nicht etwa fliegend, sondern sie verbreiteten sich, bevor die Kontinente durch die Kontinentalverschiebung getrennt hatten und als Neuseeland und Neukaledonien noch zu Australien gehörten, über die Erde. 95., 115.


Vor 175 Mio Jahren


Vor 70 Mio Jahren

 

Übersicht: Familie: Kagus (Rhynochetidae), Z108. Kranichvögel (Gruiformes), Z95. (Neoaves), Z95. Neukiefer (Neognathae), Vögel (Aves),

1.2.2.2 Neukaledonien-Waldralle, Pelzralle (Gallirallus lafresnayanus)
Die Neukaledonien-Waldralle (Gallirallus lafresnayanus) ist eine große braune flugunfähige oder fast flugunfähige Ralle, die durch 17 Belegexemplare bekannt wurde, die zwischen 1860 und 1890 in Neukaledonien und auf der nahegelegenen "Ile des Pins" gefangen wurden. 108.

Sie ist knapp 46cm lang, ähnelt dem Weka und der Lord-Howe-Waldralle und hat einen langen, dünnen nach unten gebogenen Schnabel. Der Schwanz ist sehr unauffällig und weniger gut, die Flügel besser entwickelt als bei der Lord-Howe-Waldralle (Gallirallus sylvestris), außerdem hat sie flaumigeres, zerschlisseneres Gefieder. 3., 21., 44., 45., 112.

Der Scheitel der Ralle ist dunkelgrau und geht in das Schokoladenbraun des Hinterhalses über. Die Zügel sind dunkelbraun. Sie hat einen hellbraunen Überaugenstreifen. Wangen und Kehle sind hellgrau, Ohrdecken braun. Der Rücken hat eine verwaschene braungraue Farbe, die auf den Schultern in oliv und zum Bürzel hin in schwarzbraun übergeht. Die Unterseite ist dunkelgrau und geht auf der Brust in ein verwaschenes Braun über. Die Flanken und Unterschwanzdecken sind schokoladenbraun. 112.

Die Jungvögel haben einen mit orangebraunem Fleck am Vorderhals und unterscheiden sich von den Altvögeln durch nahezu schwarzen Rücken und Halsseiten, eine schieferschwarze Unterseite und schiefergraue Kehle und Kopf. 112.

Die Ralle ist nachtaktiv. Sie bewegt sich sehr gewandt und schnellaufend fort und kann klettern und springen wie eine Katze. Bei Gefahr versteckt sie sich in Bodenvertiefungen oder Spalten und stellt sich tot. Sie brütet in Bodenvertiefungen. Sie ernährt sich vermutlich von verschiedenen Wirbellosen Tieren. 21., 45., 112.

Die Ralle bewohnt immergrüne Wälder die ähnlichen ökologischen Ansprüchen genügten, wie sie der Kagu hat. Die Vögel wurden historisch von Meereshöhe bis zu 1 000m Höhe beobachtet. Die heutigen ungesicherten Beobachtungen stammen ausschließlich aus unzugänglichen Bergwäldern. Das ist vermutlich darauf zurückzuführen, daß es dort weniger eingeführte Ratten, Hunde und Katzen gibt. 108.

Die Ralle war 1882 noch weit verbreitet auf der Insel aber sehr selten. Ob sie heute noch existiert, ist unklar, weil der letzte sichere Nachweis des Vogels von 1890 stammt, doch in den 60er Jahren und 1984 wurden immer wieder unbestätigte Beobachtungen des Vogels gemeldet. Es ist deshalb vorstellbar, daß die Ralle in unzugänglichen Bergwäldern in geringer Anzahl überlebt hat. 21., 45., 108.

 

Abstammungsübersicht: (Gallirallus), Z108. Rallen (Rallidae), Z108. Rallen (Ralloidea), Z108. Kranichvögel (Gruiformes), Z95. (Neoaves), Z95. Neukiefer (Neognathae), Vögel (Aves),

1.2.2.3 (Sylviornis neocaledoniae)
Sylviornis neocaledoniae war ein großer flugunfähiger Vogel, der zu den Großfußhühnern (Megapodiidae) gehört. Er lebte zusammen mit einer zweiten Megapodenart auf Neukaledonien und der nahegelegene Ile of Pines, mindestens bis vor etwa 3000 Jahren die ersten Menschen dort siedelten. Das ist bekannt, weil seine Überreste in den Ablagerungen menschlicher Siedlungsplätze gefunden wurden. 116.

Sylviornis neocaledoniae wurde ursprünglich für einen Ratiten gehalten, bis eine vollständigere Sammlung an Knochen belegte, daß es sich um einen Großfußhuhn handelte. Das wurde allerdings ebenfalls angezweifelt, da er sich erheblich von anderen Großfußhühnern unterscheidet. 116., 118.

Er war etwa 1.20-1.60 m groß und wog 40 kg. 116.

Es wird angenommen daß Sylviornis die über 400 10-50m breiten und 50-80cm hohen Erdhügel baute, die in Neukaledonien als "tumuli" bekannt sind, um darin seine Eier auszubrüten. Das Material wurde in der direkten Umgebung gesammelt und besteht aus kleinen Steinchen und Erde, und einer Art Zement. 116., 117.

Er nahm möglicherweise eine ähnliche ökologische Nische ein, wie die Moa-Nalos (Thambetochenini) der Hawaiiinseln.

O5.68 1.4.1.1.3.6 Moa-Nalos (Thambetochenini)

 

Abstammungsübersicht: 102. (Sylviornis) 102. Hühnervögel und Verwandte (Gallomorphae) Z95. Gänse- und Enten-, Hühnervögel (Galloanserae), Z95. Neukiefer (Neognathae), Vögel (Aves),

1.2.2.4 Neukaledonisches Purpurhuhn (Porphyrio kukwiedei)

Das Neukaledonische Purpurhuhn (Porphyrio kukwiedei) ist eine sehr große flugunfähige Purpurhuhnart die den Takahes (P. mantelli und P. hochstetteri) und wahrscheinlich auch Porphyrio coerulescens von Réunion sehr ähnelte. 31., 34.

1.2.3 Lord-Howe-Insel, Australien, Pazifik

1.2.3.1 Lord-Howe-Waldralle (Gallirallus sylvestris)
1.2.3.2 Lord Howe Purpurhuhn (Porphyrio albus)

Übersicht über die Abstammung der Vögel

Vögel (Aves), Z98. Archosaurier (Archosauria), Z98. Schuppenechsen (Lepidosauria), Z98. (Romeriida, Diapsida), Z98. Schläfengrubenlose (Anapsida), Z98. Klasse: Reptilien (Reptilia), Z98. Amnioten (Amniota), Z98. Vierbeiner (Tetrapoda), Z98. Fleischflosser (Sarcoptergii), Z98. Knochenfische (Ostheichtyes), Z98. Kiefertragende (Gnathostomata), Z98. Unterstamm: Wirbeltiere (Vertebrata), Z94. Reich: Tiere (Animalia), Z12. Überreich: Mehrzeller (Metazoa), Z12. Domäne: Eukaryoten (Eukaria), Z12. Lebewesen


O5.8 Flugunfähige Vögel, O5.24 Quellen
O5: Kersti: Inseltheorie: Zuwanderung, Aussterben und Evolution auf Inseln, OI5.
Z115. Inseln und Kontinente (alphabethisch)
Z103. Alphabetische Liste der Namen der Tiere auf latein, Z104. deutsch

Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, http://www.kersti.de/, Kersti_@gmx.de
Da ich es leider nie schaffe, alle Mails zu beantworten, schon mal im voraus vielen Dank für all die netten Mails, die ich von Lesern immer bekomme.