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O5: Kersti: Inseltheorie: Zuwanderung, Aussterben und Evolution auf Inseln, OI5.

O5.25 1. Flugunfähige Vögel auf Inseln im Pazifik: 1.1 Amerika, 1.2 Australien, 1.3 Asien, 1.4 Abgelegene Inseln

erste Version: 7/2007
letzte Überarbeitung: 12/2008

O5.76

1.4.1.2 Marianen, Abgelegene Inseln, Nordpazifik

Auf mindestens vier Inseln der Inselgrupe haben Rallen existiert, die der Guamralle ähnelten und vor der Entdeckung durch Europäer durch den Einfluß der vorher dort eingewanderten Menschen ausgestorben sind. 43.

1.4.1.2.1 Guam, Marianen, Abgelegene Inseln, Nordpazifik

Guam ist die größte und südlichste Insel der Marianen. Die Insel ist 45km lang und 13km breit. Sie hat ein gleichmäßig warmes und recht feuchtes Klima. Die nördliche Hälfte besteht aus Korallenkalk und ist von Steilufern umgeben, während die südliche Hälfte vulkanischen Ursprungs ist. Die Insel ist teilweise bewaldet, teilweise Savanne. 58

In der Vergangenheit wurden Hunde, Katzen und drei Rattenarten (Rattus exulans, R. rattus und R. norvegicus), sowie (Varanus indicus) und die Braune Nachtbaumnatter (Boiga irregularis) auf die Insel eingeführt und verwilderten dort. 328.

Die Braune Nachtbaumnatter (Boiga irregularis) wurde irgendwann vor 1968 das erste mal auf der Insel eingefangen und muß vorher dort eingeschleppt worden sein. Sie bereitete sich langsam vom Süden nach Norden aus und hatte erst 1980 die gesamte Insel dicht besiedelt. Die Insel hat durch diese Schlange nahezu alle einheimischen Vogelarten verloren und auch von den drei einheimischen Fledermäusen überlebt nur noch eine. Wieviele Reptilienarten ausgestorben sind, ist unbekannt. 59., 57. Daß die einheimischen Arten so empfindlich auf die Einführung der Schlange reagierten ist darauf zurückzuführen daß es auf der Insel keinerlei Raubtiere gab, die Vögel jagten und wenige die größere Reptilien fressen. Da die Vögel verschwunden sind, hat die Anzahl der Insekten und anderen Wirbellosen zugenommen. 57.

1.4.1.2.1.1 Guamralle (Gallirallus owstoni)

Erscheinungsbild

Die Guamralle kann höchstens 1-2m weit fliegen.

Erwachsene wiegen etwa 200g. Augenstreifen, Hals, Rücken, Rumpf Schwanz und Beine sind dunkelbraun. Die Federn an den Halsseiten haben rötliche Spitzen. Die kurzen Flügel sind dunkel mit braunen Flecken und weißen Streifen. Am unteren Teil der Brust, am Bauch, und unterm Schwanz gibt es ein Muster aus schwarzen und weißen Federn. Ein Streifen über den Augen, sowie der Bereich von der Kehle bis zur oberen Brust sind grau. Der Schnabel ist grau oder braun, die Iris rot. Der Körper ist wie bei anderen Rallen langezogen und seitlich zusammengedrückt, so daß die Tiere sich schnell durch dichte Vegetation bewegen können. Die weiblichen Tiere sehen aus wie die Männchen, sind aber etwas kleiner. Jungtiere haben für die ersten drei Wochen ein schwarzes Dunengefieder. Sie erreichen mit acht Wochen ihr volles Gewicht und können über 11 Jahre alt werden. Gefangene Tiere brüteten im Alter von fünf Monaten das erste mal. 58., 59, 328., 329.

Ernährung

Die Guamralle frißt lieber tierisches als pflanzliches Futter. Dazu gehören Schnecken, Aas, Geckos, Insekten. Die eingeführte afrikanische Schnecke (Achatina fulica) bildet einen wichtigen Anteil der Nahrung. An Pflanzen fressen sie: Samen, Palmwedel aber auch diverse Gemüse- und Obssorten. 58., 328., 329.

Sie pickt ihr Futter meist vom Boden auf, besonders Schnecken. Außerdem fängt sie tieffliegende Insekten, besonders Schmetterlinge, mit dem Schnabel aus der Luft. Indem sie sich strecken, können sie Futter erreichen, das 40cm oder mehr über dem Boden ist. Stücke von Schneckenhäusern und Korallensplittern werden aufgenommen, um die Verdauung zu unterstützen. 58., 105.

Fortpflanzung

Sie sind ab dem vierten Monat fruchtbar und brüten über das ganze Jahr verteilt, aber besonders oft während der Regenzeiten in Juli und November. In Gefangenschaft kam es vor, daß ein Paar ein zweites Gelege bebrütete während sie gleichzeit Jungtiere fütterten, die erst drei Wochen alt wahren. Es wird vermutet, daß sie mehrfach pro Jahr brüten, wie oft ist unbekannt. 58., 105., 328., 329.

In einem am Boden gebauten Nest aus Blättern und Gras mit 13cm Durchmesser, das von beiden Elterntieren gebaut wird, legt das Weibchen 2-4 Eier von 3*4cm Größe. Wie bei vielen Tieren auf früher raubtierfreien Inseln ist das Gelege kleiner als Gelege ihrer Verwandten vom Festland. Beide Elterntiere brüten abwechselnd etwa 20-21 Tage lang. Die Eier schlüpfen nicht zur gleichen Zeit. Ein Elterntier frißt die Eierschalen. 58., 328., 329.

Die 1-4, durchschnittlich aber 2 Jungtiere sind Nestflüchter und verlassen mit den Eltern innerhalb von 24 Stunden das Nest. Küken werden von den Elterntieren manchmal auf das Futter aufmerksam gemacht und picken es dann selbstständig auf, manchmalwerden sie aber auch mit gefangenen Fluginsekten gefüttert. 58., 328., 329.

Lebensraum und Verbreitungsgeschichte

Die Guamralle ist endemisch für Guam und war ursprünglich in den meisten Lebensräumen der Insel vertreten, wie Wald, Savanne, Buschland, sekundäres Grasland, Farndickichte, landwirtschaftlich genutzten Gebiete. Sie hält sich hauptsächlich an Stellen auf, wo es sowohl Büsche als auch Gras gibt. Innerhalb von Wäldern oder in Feuchtgebieten sieht man sie selten. 58., 105., 328., 329.

Da Guam vor der Besiedlung durch Menschen weitgehend bewaldet war, kann es sein, daß die Ralle nach der Besiedlung durch Menschen zuerst häufiger wurde, da ihre bevorzugten Lebensräume durch Abholzung der Hochwälder und die Bildung von Sekundären Wäldern und Gebüsch zunahmen. 328., 329.

Die Ralle war früher in Guam weit verbreitet und wurde von den Bewohnern der Insel bejagt. 1960 war der Handel mit Jungvögeln und Eiern und die Jagd auf die Vögel verboten. 1964-1976 war eine beschränkte Jagd erlaubt. Sie starb auf dem Südteil der Insel Anfang der 70ger aus, es gibt aber keinen Hinweis darauf, daß dafür die zu dem Zeitpunkt schon wieder verbotene Jagd verantwortlich sein könnte. 1981 wurden nur noch etwa 2300 Vögel im Norden der Insel gefunden. 1983 gab es nur noch zwei kleine, nicht zusammenhöngende Populationen. 1987 war die Ralle in Freiheit ausgestorben. Ursache für das Aussterben waren eingeführte Fleischfresser, besonders die Braune Baumschlange oder Braune Nachtbaumnatter (Boiga irregularis) sowie Autounfälle. 56., 57., 59., 326., 328.

In Gefangenschaft wurde die Ralle seit 1984 sehr erfolgreich gezüchtet. Seit 1987 wurde versucht auf der nahegelegenen Insel Rota die Ralle anzusiedeln. Zwischen Dezember 1989 und August 1999, wurden dort 267 in Gefangenschaft aufgezogene Rallen freigelassen. Der Erfolg der Rallen wurde dadurch verbessert, daß die verwilderten Katzen der Insel gefangen und getötet wurden. 1995 wurde die erste erfolgreiche Brut der Rallen auf Rota gemeldet. 1999 wurden fünf erfolgreiche Bruten gemeldet. 105., 327.

Seit 1995 wurden mehr als 100 Guamrallen auf Guam selbst in die Freiheit entlassen. Nachdem die Erfolge zuerst gering waren, wurden die Nachtbaumnattern durch Fallen getötet und von dem Lebensraum der Vögel ferngehalten. Seither wurden Bruterfolge gemeldet. 35., 36., 37., 56., 57., 59.

 

Abstammungsübersicht: (Gallirallus), Z108. Rallen (Rallidae), Z108. Rallen (Ralloidea), Z108. Kranichvögel (Gruiformes), Z95. (Neoaves), Z95. Neukiefer (Neognathae), Vögel (Aves),

1.4.1.2.2 Rota, Marianen, Abgelegene Inseln, Nordpazifik

1.4.1.2.2.1 Neue Art der Entenvögel (Anatidae sp.)

Auf Rota wurden Knochen einer längst ausgestorbenen flugunfähigen Ente gefunden. 43.

 

Abstammungsübersicht: Z107. Entenvögel (Anatidae), Z107. Gänse- und Entenvögel (Galloanserae), Z95. Neukiefer (Neognathae), Vögel (Aves),

1.4.1.2.2.2 (Gallirallus temptatus)

Gallirallus temptatus stammt wahrscheinlich von der Bindenralle (Gallirallus philippensis) ab und war endemisch für die Insel Rota, die zu den Marianen gehört. Die gefundenen Knochen sind aus dem Pleistozän und Holozän und zeigen, daß der Flugapparat zurückgebildet war. 258.

 

Abstammungsübersicht: (Gallirallus), Z108. Rallen (Rallidae), Z108. Rallen (Ralloidea), Z108. Kranichvögel (Gruiformes), Z95. (Neoaves), Z95. Neukiefer (Neognathae), Vögel (Aves),

1.4.1.2.3 Aguiguan, Marianen, Abgelegene Inseln, Nordpazifik

1.4.1.2.3.1 (Gallirallus pisonii)

Gallirallus pisonii stammt wahrscheinlich von der Bindenralle (Gallirallus philippensis) ab und war endemisch für die Insel Aguiguan, die zu den Marianen gehört. Die gefundenen Knochen sind aus dem Pleistozän und Holozän und zeigen, daß der Flugapparat zurückgebildet war. 258.

 

Abstammungsübersicht: (Gallirallus), Z108. Rallen (Rallidae), Z108. Rallen (Ralloidea), Z108. Kranichvögel (Gruiformes), Z95. (Neoaves), Z95. Neukiefer (Neognathae), Vögel (Aves),

1.4.1.2.4 Tinian, Marianen, Abgelegene Inseln, Nordpazifik

1.4.1.2.4.1 (Gallirallus pendiculentus)

Gallirallus pendiculentus stammt wahrscheinlich von der Bindenralle (Gallirallus philippensis) ab und war endemisch für die Insel Tinian, die zu den Marianen gehört. Die gefundenen Knochen sind aus dem Pleistozän und Holozän und zeigen, daß der Flugapparat zurückgebildet war. 258.

 

Abstammungsübersicht: (Gallirallus), Z108. Rallen (Rallidae), Z108. Rallen (Ralloidea), Z108. Kranichvögel (Gruiformes), Z95. (Neoaves), Z95. Neukiefer (Neognathae), Vögel (Aves),

1.4.1.2.5 Saipan, Marianen, Abgelegene Inseln, Nordpazifik

1.4.1.2.5.1 (Gallirallus sp.) unbeschriebene Ralle von
Auf Saipan wurden sieben Beinknochen einer bisher unbeschriebenen Ralle entdeckt, die der Guamralle ähnelte. Ob sie flugfähig war, ist unklar. 203.

 

Abstammungsübersicht: (Gallirallus), Z108. Rallen (Rallidae), Z108. Rallen (Ralloidea), Z108. Kranichvögel (Gruiformes), Z95. (Neoaves), Z95. Neukiefer (Neognathae), Vögel (Aves),

Übersicht über die Abstammung der Vögel

Vögel (Aves), Z98. Archosaurier (Archosauria), Z98. Schuppenechsen (Lepidosauria), Z98. (Romeriida, Diapsida), Z98. Schläfengrubenlose (Anapsida), Z98. Klasse: Reptilien (Reptilia), Z98. Amnioten (Amniota), Z98. Vierbeiner (Tetrapoda), Z98. Fleischflosser (Sarcoptergii), Z98. Knochenfische (Ostheichtyes), Z98. Kiefertragende (Gnathostomata), Z98. Unterstamm: Wirbeltiere (Vertebrata), Z94. Reich: Tiere (Animalia), Z12. Überreich: Mehrzeller (Metazoa), Z12. Domäne: Eukaryoten (Eukaria), Z12. Lebewesen


O5.8 Flugunfähige Vögel, O5.24 Quellen
O5: Kersti: Inseltheorie: Zuwanderung, Aussterben und Evolution auf Inseln, OI5.
Z115. Inseln und Kontinente (alphabethisch)
Z103. Alphabetische Liste der Namen der Tiere auf latein, Z104. deutsch

Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, http://www.kersti.de/, Kersti_@gmx.de
Da ich es leider nie schaffe, alle Mails zu beantworten, schon mal im voraus vielen Dank für all die netten Mails, die ich von Lesern immer bekomme.