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O7.1 Kersti: Wissenschaftliche Forschungsergebnisse zu Nahtodeserfahrungen (Quellen hierzu)

erste Version: 12/2007
ausgegliedert aus O7.1: und O7.10: 8/2008
letzte Überarbeitung: 1/2009

O7.8

Der Lebensrückblick in Nahtodeserfahrungen

Als Lebensrückblick, Lebensfilm, Lebens-Reminiszenz, Lebens-Revue oder Lebensrevision wird es bezeichnet, wenn während des Nahtodeserlebnisses Ereignisse aus der eigenen Vergangenheit vor dem inneren Auge ablaufen. Diese Phase des Nahtodeserlebnisses tritt etwa in einem Drittel der Berichte über Nahtodeserfahrungen auf. 1.5, 3.1

Lebenspanoramen können Rückblicke auf ein oder zwei ausgewählte Ereignisse in der Vergangenheit sein oder es wird das gesamte Leben überschaut. Sie können in jeder Richtung zeitlich nacheinander angeordnet sein oder alle gleichzeitig zu sehen sein. Sie können realistisch und in Farbe sein oder sehr weit weg und wie ein Schwarzweißfilm ablaufen. Sie können von einer eigenartigen Zeitlosigkeit sein, in der alles sehr schnell geschieht oder sich durch das Fehlen jeglicher zeitlichen Orientierung auszeichnen. Diese Rückblicke scheinen keine sinnlosen Ansammlungen von Ereignissen zu sein, sondern veranschaulichen das Leben der Betroffenen, bringen es auf den Punkt oder ermöglichen es ihnen, es zu verstehen und bewerten. Das Urteil ist gewöhnlich ein Selbst-Urteil, meist verbunden mit Liebe und Vergebung. Die betroffenen Menschen erheben den Anspruch, daß sich ihre Lebensperspektive und ihre Werte dadurch geändert hätten, daß sie ihr Leben auf diese Weise gesehen haben. 2.42, 3.1 S.29, 3.5.2

Zeitpunkt der Lebensrevision

Lebensrückblick im Wachbewußtsein während lebensgefährlicher Situationen

Lebensrückblick im Außerkörperlichen Erlebnis

Teilweise tritt ein Lebensrückblick schon im Außerkörperlichen Erlebnis auf: 3.3 S.71

Im Tunnel als Bilder an der Wand

Durch das Lichtwesen ausgelöst

Im Jenseits, nicht durch das Lichtwesen ausgelöst

In Reinkarnationserinnerungen

Beispiel, Kersti:

Lebensrückblick in einem Bruchteil einer Sekunde

Wenn ich eines meiner früheren Leben aufarbeite, schaue ich mir die schwierigen Situationen dieses Lebens ausfährlich an, bis der mit der jeweiligen Erfahrung verbundene Schmerz und Angst und Wut entladen und aufgelöst sind. Danach ändert sich meine Einstellung zu der jeweiligen Erfahrung - sie erscheint nicht mehr vor allem Schrecklich, sondern ich beginne zu sehen, was ich daraus gelernt habe und wie ich sie in diesem Leben heute nutzen kann.

Wenn ich danach dann auch schaue, was nach diesem Leben und vor dem nächsten Leben passiert ist, taucht der Lebensrückblick als etwas auf, das nur einen Bruchteil einer Sekunde dauert. Ich nehme so etwas wie einen Kristall in die Hand, das vielleicht Walnußgröße hat, versenke meine Aufmerksamkeit hinein - das fühlt sich fast so an als würde ich den Kristall ibn den Kopf stecken oder meinen Kopf in den Kristall stecken und vergleiche es mit dem Plan, den ich mir für dieses Leben gemacht habe und der ebenfalls auf so einem Kristall ist. Obwohl dieser Rückblick nur einen Bruchteil einer Sekunde dauert, habe ich das Gefühl, mir das gesamte Leben in allen Einzelheiten angeschaut und mit dem Lebensplan verglichen zu haben. In manchen Erinnerungen schaue ich mir den Kristall nur selbst an, in anderen zeige ich ihn auch meinem Schutzengel.
V237. Kersti: Was ist ein Gedankenkristall

Danach nehme ich meist irgendeine Bewertung dieser Lebenserinnerung vor. Meist gefällt mir, wie ich mein Leben bewältigt habe. Einmal jedoch dachte ich: Oh Scheiße, da ist etwas schief gelaufen, machte mir augenblicklich einen Plan für ein neues Leben in demselben Umfeld, inkarnierte mich und versuchte das wieder in Ordnung zu bringen. Ich fragte meinen Schutzengel nicht, was er davon hielt.

Varianten: Totengericht, Lebensbuch

Manchmal wird in Nahtodeserfahrungen der Lebensfilm wurde durch eine Bewährungsprobe, eine Gerichtsszenerie oder ein Lebensbuch ersetzt. 1.6, 1.8, 1.9

Schutzengel und Heilige verteidigen den NDEr gegen die Angriffe der persönlichen Dämonen, die dem Erlebenden seine Verfehlungen vorhielten. Dabei wird das Leben des Betreffenden nicht selten aus einem Lebensbuch vorgelesen und beurteilt. Besonders typisch für die mittelalterlichen Nahtodeser ist eine Art Test in Form eines Ordals, in dem verschiedene Widerstände oder Hindernisse die ethische Reife des Erlebenden prüfen und gegebenenfalls - bei dessen Versagen - auch schon eine Art Leiden an der eigenen Schwäche induzieren. 1.9

Bewertung der Ereignisse des Lebens

Während der Lebensrückschau werden die Erlebnisse in einem Teil der Fälle auch bewertet. Das kann offensichtlich sowohl durch denjenigen der die Nahtodeserfahrung macht selbst geschehen als auch durch das Lichtwesen. Im Falle des Totengerichts kommen unterschiedliche Wesen zu Wort, die die Handlungen entweder loben oder verurteilen.

Psychologische Wirkung des Lebensfilms

Der Lebensrückblick im Nahtodeserlebnis hat eine nachweisbare therapeutische Wirkung und führt zu gesteigerter Lebenszufriedenheit mit Verringerung der Depressivität, Verbesserung sozialer Kontakte und mehr Gesundheit. Das wird durch anekdotische Hinweise, aber auch durch die bisher vorliegenden Untersuchungen zur therapeutischen Wirkung von Lebens-Reminiszenzen oder einer Lebens-Revue bestätigt. Außerdem kommen die Betroffenen besser mit sich selbst ins Reine, sind mit ihrem Leben zufriedener und haben seltener Depressionen oder Angstzustände. Sie haben weniger Angst, sind besser darin, anstehende Lebensaufgaben zu lösen und verdrängen den Tod nicht mehr so stark. Insbesondere soll ein Lebensrückblick bei Älteren mit Ego-Integrität, einem verbesserten Selbstkonzept, verbesserten kognitiven Funktionen bei Frauen korrelieren. 1.5, 1.6

So hat die Lebensrevision keine konstruktive - nicht aber eskapistische - Funktion. Nahtodeserlebnisse werden nicht nur subjektiv, sondern auch objektiv von einem erwachsenen, wenig regredierten separaten Ich erlebt, das in der Lebensrevision zu höchster ethischer Selbstbeurteilung in der Lage ist und seine Motivationen sorgfältig analysiert und hinterfragt. 1.6

Bei einer Untersuchung älterer Personen wurde festgestellt, daß bei dieser Bevölkerungsgruppe der Lebensrückblick kein Teil des Nahtodeserlebnisses ist. 1.6, 2.18

Wenn durch Psychodelische Drogen, epileptische Anfälle oder Ähnliche Ursachen Erinnerungsbruchstücke ausgelöst werden, sind das bruchstückhafte zufällige Erinnerungen die sich erheblich von dem zusammenhängenden Lebensfilm des Nahtodeserlebnisses unterscheiden. Hinzu kommt, daß sie nicht die heilende Wirkung auf die Psyche und die deutliche Änderung des Lebenswandels bewirken, die der Lebensfilm innerhalb des echten Nahtodeserlebnisses mit auslöst. Diese künstlich hervorgerufenen Nahtodeserlebnis Bruchstücke sind also nicht mit dem Nahtodeserlebnis identisch. 1.1

Psychologische Deutung: Auch in der Lebensrevision könnte sich ein verantwortliches höheres Selbst zeigen, das für das Gewissen zuständig ist und eine solch ethisch hohe Lebensbeurteilung im NDE erst ermöglicht. 1.9

Noyes Lebenffilm

Physiologie

O7.D9 Kersti: Wiedererleben von Erinnerungen durch Reizung der Gehirnrinde im Schläfenbereich

Geschichte: Totengericht versus Lebensfilm

Auch kommt es in allen Kulturen zu einer Lebensrevision, wenn auch häufig in Form eines Gerichtes bzw. einer Lesung aus einem Lebensbuch und nicht wie in modernen NDEs als filmische Lebensrevision. 1.9

Griechenland

Platon etwa 370 v. Chr. im zehnten Buch seiner Politeia:

Bericht des Kriegers "Er" vom Gericht in seiner Nahtodeserfahrung

Nachdem seine Seele aus ihm gefahren, sei er mit vielen anderen gewandelt, und sie seien an einen wunderbaren Ort gekommen, wo in der Erde zwei nahe an einander stoßende Öffnungen gewesen seien, und am Himmel gleichfalls oberhalb zwei andere ihnen gegenüber. Zwischen diesen Öffnungen seien nun Richter gesessen: diese hätten allemal, nachdem sie ihren Urteilsspruch getan, den Gerechten befohlen, den Weg rechts und durch den Himmel zu wandern, nachdem sie ihnen zuvor vorn ein Zeichen von beurteilten Taten angehängt, die Ungerechten aber hätten sie nach der Öffnung zur linken Hand, und zwar nach unten, verwiesen, und auch diese hätten ihre Zeichen, aber hinten, anhängen gehabt über alles das, was sie verübt hätten. Als nun auch er vorgekommen sei, hätten sie ihm bekannt gemacht, er müsse den Menschen ein Verkündiger des Jenseits werden, und sie hätten ihn aufgefordert, alles an diesem Orte zu hören und zu schauen. 4.18

Da habe er denn nun gesehen, wie nach der einen Öffnung in dem Himmel und nach der andern in der Erde die Seelen abgegangen seien, nachdem sie jedesmal ihren Urteilsspruch vernommen hätten, aus den beiden anderen neben jenen beiden seien aus der in der Erde Seelen hervorgekommen voll Schmutz und Staub, aus der im Himmel dagegen seien andere, von jenen verschiedene, reine Seelen herabgestiegen. Und die jedesmal ankommenden Seelen hätten den Anschein gehabt, als kämen sie von einer langen Wanderung, wären sehr vergnügt auf der bekannten Wiese angelangt und hätten wie zu einer festlichen Versammlung sich hingelagert. Die mit einander Bekannten hätten sich gegenseitig begrüßt, und die aus der Erde Angekommenen hätten bei den andern sich um die Verhältnisse des Jenseits erkundigt, und die aus dem Himmel Kommenden hätten jene gefragt, wie es bei ihnen herginge. Da hätten sie nun einander erzählt, die einen klagend und weinend, indem sie sich erinnerten, wie große und was für Leiden und Anblicke sie auf der Wanderung unter der Erde gehabt hätten, die Wanderung dauere nämlich tausend Jahre, die anderen dagegen aus dem Himmel hätten von ihrem Wohlergehen erzählt und von dem unbeschreiblich Schönen, das sie geschaut hätten. 4.18

Agypten

Die ägyptische Osiris-Tradition beschreibt ein Verlassen des Körpers, das göttlichen Licht und den Kampf Gut gegen Böse und damit der Kräfte des Lichtes gegen die der Finsternis, ein Wägen der Seele beim Totengericht, ein Weiterleben der Guten im Paradies aus herrlichen Naturlandschaften in leuchtenden Farben und eine Bestrafung der Feinde des Sonnengottes und des Osiris. 1.9

Dabei erlebte er ein Verlassen des eigenen Körpers, eine Reise, zusammen mit anderen Geistern, aus dem Dunkel ins Licht zu einem Ort des Gerichts, wo der Betreffende je nach seinen Taten zu einem Strafort oder in den Himmel geschickt wurde. 1.9

Tibet

Im Tibetanischen Buddhismus ist es das alle Ich-Anteile koordinierende und reflektierende Bewußtseinsprinzip, das als klares Licht den physischen Tod überlebt und durch sein Karma, d.h. die Summe des verantwortbaren Seins die Art des Lebens nach dem Tod bestimmt. Dieses beinhaltet alle typischen OBE-Phänomene, den Kontakt mit göttlichen und dann mit dämonischen Wesen, eine Lebensrevision bzw. einer Gerichtsszenerie und ein massives Höllen- bzw. Fegefeuerszenario. Im Gegensatz zu vielen esoterischen Interpretationen werden die positiven und negativen Sterbe-Visionen aber als Projektionen des eigenen Selbst und nicht als jenseitige Realitäten beurteilt. 1.9

Mittelalter

Auch im Mittelalter waren Nahtodeserfahrungen nicht selten. Die Konfrontation mit der eigenen Vergangenheit im Lebensfilm wurde durch eine Bewährungsprobe, eine Gerichtsszenerie oder ein Lebensbuch ersetzt, und die Rückkehr in den Körper wird meist befohlen. 1.6, 1.8, 1.9

Kersti

Quellen

Siehe: Buch: OB7. Quellen zu Nahtodeserfahrungen, Zwischenlebenszenen und außerkörperlichen Erlebnissen

O7.1 Kersti: Wissenschaftliche Forschungsergebnisse zu Nahtodeserfahrungen

Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, http://www.kersti.de/, Kersti_@gmx.de
Da ich es leider nie schaffe, alle Mails zu beantworten, schon mal im voraus vielen Dank für all die netten Mails, die ich von Lesern immer bekomme.
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