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O7.1 Kersti: Wissenschaftliche Forschungsergebnisse zu Nahtodeserfahrungen (Quellen hierzu)

erste Version: 12/2007
ausgegliedert aus O7.9: 1/2009
letzte Überarbeitung: 9/2009

O7.19

Für die Nahtodeserfahrung zuständige Gehirnbereiche

Gehirnbereiche, die nötig sind, um Nahtodeserfahrungen zu verarbeiten

Warum Bereiche der Großhirnrinde bei der Verarbeitung der Nahtodeserfahrungen beteiligt sein müssen

Da im Nahtodeserlebnis die Identität/das Ich erhalten, Wahrnehmung kategorisiert, episodische Langzeit-Gedächtnisfunktionen aktiviert, ethisch bewertet und ein personaler und extrapersonaler Raum und damit eine kognitive stabile Umwelt geschaffen werden, ist eine Beteiligung des parietalen, temporalen und (prä)frontalen (Assoziations-)Cortex anzunehmen. Die schon während des Nahtodeserlebnisses erfolgende Bewertung der Bedeutung des Nahtodeserlebnisses benötigt beispielsweise neben dem Cortex das Raphe- und das Locus-coeruleus-, das Gedächtnis- und das limbische System, den präfrontalen Cortex, das cholinerge System des basalen Vorderhirns sowie die thalamischen Kerne. 1.6, 1.8, 1.11

Die im Nahtodeserlebnis erfolgende Aktivierung des semantischen Gedächtnisses und der Objektidentifizierung, aber auch der Luzidtraumcharakter des NDEs sprechen ebenfalls für eine Aktivierung großer Bereiche corticaler Strukturen. Auch die Musikwahrnehmung und deren Bewertung im Nahtodeserlebnis benötigen den Gyrus temporalis posterior superior der rechten und das Planum temporale des linken Temporallappens. Selbst das Träumen wird primär im Frontalhirn generiert, da ein Ausfall des mittleren und unteren Frontallappens (in beiden Hirnhälften) zu einem sofortigen Traumausfall führt. 1.6, 1.11

Funktionen des Schläfenlappens, die seine Beteiligung an der Nahtodeserfahrung nahelegen

Morse und Kollegen haben ein Modell vorgeschlagen, das auf dem Neurotransmitter Serotonin basiert und die Schritte bis zur Auslösung von Nahtod-Erfahrungen erklären soll. Dabei wird dem Schläfenlappen, auch Temporallappen genannt, eine zentrale Bedeutung beigemessen. Das auch als Schläfenlappen bekannte Großhirnareal beherbergt mit Amygdala und Hippocampus zwei wichtige Bestandteile des limbischen Systems, bei denen vieles darauf hindeutet, daß sie an der Nahtodeserfahrung beteiligt sind. 1.6, 3.3 S.243

Im Koma zeigt eine erhöhte P300-Amplitude im EEG internes Orientierungsverhalten und einen Gedächtnisabgleich an. Das führt dazu daß das Acetylcholin-übertragende Transmittersystem in der Formatio reticularis eine Überwachheit hervorruft, die vor allem das untere vordere Vorderhirn (Nucleus basalis) aktiviert. Durch diese Aktivitätssteigerung im Gehirn kommt es bei künstlich ausgelösten Hypoxien zur dissoziierten Enthemmung und damit Aktivierung bestimmeter Teile der Gehirnrinde und darunterliegebereiche Bereiche, insbesondere Teile des Limbischen Systems im Bereich der Schläfen, die weniger empfindlich auf Sauerstoffmangel und zu viel Kohlendioxid reagieren. 1.6, 1.9
O7.74 Kersti: Sauerstoffmangel als denkbare Ursache Nahtodeserfahrung

Verschiedene Nahtodeserfahrungs-Qualitäten wie traumhafte Zustände, lebhafte sicht- oder hörbare Halluzinationen, das Gefühl, das erlebte sei persönlich sehr bedeutsam, starke Gefühle, das spüren von Schwingungen, Schwebegefühle, Außerkörperliche Erlebnisse, plötzliche Erkenntnisse, mystische und religiöse Erlebnisse, plötzlichen Auftauchen längst vergessener Erinnerungen i. S. von Lebensfilm-Bruchstücken und Traumsequenzen können durch künstliche oder spontane elektrische Entladungen der Schläfenlappen hevorgerufen werden. Sie beziehen wie auch die Nahtodeserlebnisse das ganze Selbst-Gefühl der Person mit ein. Bei ihnen wird eine kosmische Bedeutsamkeit empfunden und sie haben einen starken Einfluß auf das spätere Verhalten, Erleben und das Glaubenssystem der durch diese Erfahrungen betroffenen Personen. Bei künstlicher elektrischer Reizung des Schläfenlappens und durch epileptische Anfällen können Tunnelerlebnisse ausgelöst werden. 1.1, 1.6, 1.8, 1.10, 1.11, 3.3 S.44

Dissoziative Erfahrungen - zu denen Nahtodeserlebnisse und Außerkörperliche Erlebnisse zählen - führen zu einer gesteigerten oder auffälligen Aktivität des Temporallappens. Patienten mit PTLE-(Possible Temporal Lobe Epilepsy)Symptomen berichten dementsprechend vermehrt von subjektiven paranormalen und kosmisch-mystischen Erlebnissen sowie von Außerkörperlichen Erlebnissen. 1.6, 1.9

Dementsprechend entwickeln Patienten mit einer Schläfenlappen-Epilepsie unter LSD-Einfluß deutlich mehr Veränderungen der Wahrnehmung, wenn der Krampffokus in der rechten (anstatt in der linken) Gehirnhälfte sitzt und es kommt bei Schläfenlappenepilepsie häufiger zu optischen Halluzinationen, wenn der Herd in der nicht-dominanten - das ist meistens die rechte - Gehirnhälfte liegt. 1.6, 1.9

Bezug zur Drogenerfahrung: Die NMDA-Rezeptoren finden sich im Schläfenlappen

LSD wirkt über eine Herabsetzung der Serotonin-Konzentration, deren Abfall die LSD-Wirkung fördert und deren Anstieg sie hemmt. Dabei soll LSD die inhibitorische Wirkung des Nucleus raphe (dorsalis) aufheben, der wiederum mit seinen Axonen das Frontalhirn und den Temporallappen hemmt, so daß LSD Entladungen im Temporallappen bewirken kann, die zu Nahtodeserlebnisähnlichen Erfahrungen führen. Die gleiche Wirkung haben experimentell alle Halluzinogene auf den Nucleus raphe medialis, dessen Nervenfasern das limbische Vorderhirn beeinflussen. 1.6

Auch die Nahtodeserlebnis-Auswirkungen ließen sich so erklären: Eine Ausschaltung der hemmenden serotonergen Einflüsse auf das temporolimbische System soll über einen kindling-Effekt dessen Erregbarkeit langfristig erhöhen. Insbesondere die Ausschaltung der Serotonin-Freisetzung in den Pypramidenzellen des Hippocampus soll für religiöse Erlebnisse und Ekstase-Erfahrungen wichtig sein. Eine Aufhebung der serotonergen Hemmung der CA3-Zellen des Hippocampus wird auch für Amphetamine, Kokain, Halluzinogene und Ketamin angenommen, die alle NDE-Elemente produzieren können. 1.6

Serotonerge Fasern des Nucleus raphe dorsalis stehen mit der Griseum centrale in Verbindung. Das ist der Ort mit höchster Endorphin-Konzentrationen im Gehirn. Serotonin spielt außerdem eine Rolle bei der Reduktion der Schmerzwahrnehmung unter Streß. Eine Erhöhung des Co2-Gehaltes im Blut kann zu Sauerstoffmangel führen und einige Elemente von Nahtodeserlebnissen hervorrufen. Auch das soll über eine Beeinflussung der Serotonin-Aktivität geschehen. 1.6

Die euphorisch/psychedelische Wirkung von LSD hängt vom rechten Temporallappen ab. Nach chirurgischer Entfernung des Schläfenlappens können selbst starke Halluzinogene wie LSD keine visuellen Erscheinungen mehr auslösen. 1.6, 3.3 S.44

Einzelne Phänomene

O7.B0 Kersti: Außerkörperliche Erlebnisse durch Reizung der Gehirnrinde im Schläfenbereich
O7.D9 Kersti: Wiedererleben von Erinnerungen durch Reizung der Gehirnrinde im Schläfenbereich
O7.E0 Kersti: Mystische Gefühle und ihr Zusammenhang mit tiefergelegenen Schichten des Temporallappens
O7.E1 Kersti: Hippocampus und Hypermnesie - Warum Nahtodeserfahrungen so lebhaft erinnert werden
Musik

Das Nahtodeserlebnis unterscheidet sich in einigen Punkten deutlich von einer Schläfenlappenepilepsie, hat aber auch einige Ähnlichkeiten

Nahtodeserlebnisse treten ähnlich plötzlich wie ein epileptischer Anfall auf und haben auch eine anfallsartig kurze Dauer. Das spricht für eine Art epileptoider (=epilepsieähnlich) Entladung, die zu einer sehr schnellen Entwicklung von Bildern oder Halluzinationen führt. Nahtodeserlebnisse sicher keine (temporalen) Epilepsien, da sie sich von diesen in vielem unterscheiden. So sond bei außerkörperlichen Erlebnissen im EEG keine epileptoiden Potentiale vorhanden. 1.6, 1.10

Während epileptischer Anfälle aller Art, besondere aber solcher des Schläfenlappens, fällt die Leistungsfähigkeit beim logischen Denken und beim Erinnern deutlich ab, während das Nahtodeserlebnis zu einer eine enorme Steigerung derselben führt. Tatsächlich zeigen sich während induzierter Außerkörperlichen Erlebnissen in entsprechenden EEG-Ableitungen keine epileptoiden Potentiale. 1.6

Psychose ist die Bezeichnung für verschiedene Formen psychischer Erkrankungen, die einen starken Abbau der Persönlichkeit zur Folge haben. Schläfenlappenepilepsie weist oft psychotische Züge auf. Nahtodeserfahrungen tragen dagegen zur gesunden Weiterentwicklung der Persönlichkeit bei. 1.6

Bei epileptischen Anfällen des Schläfenlappens treten bizarre Körperwahrnehmungsstörungen, Gefühle der Furcht und und automatische Bewegungen auf. Hinzu kommen Schmerzen, Krämpfe, Schwindel und abrupte Gefühlsausbrüchen oder déjà-vus, sowie manchmal auch (gesteigerten) sexuelle Empfindungen. All das kommt in Nahtodeserlebnissen nicht vor. Schließlich sind die optischen Halluzinationen im Rahmen von Schläfenlappenepilepsien im Gegensatz zu den komplexen Bildern von Nahtodeserlebnissen eher bizarr und fragmentarisch, und die typischen Geruchs- und Geschmackshalluzinationen zu Beginn eines solchen Anfalls fehlen im Nahtodeserlebnis völlig. 1.6

Mit ihren gelegentlich Nahtodeserfahrungs-ähnlichen Symptomen liefern Epilepsien Hinweise darauf welche Hirnareale beim Nahtodeserlebnis eine Rolle spielen. Insgesamt ist ein epileptischer Anfall des Schläfenlappens eine ungeordnet auftretende Störung bestimmter Areale des temporolimbischen Systems. Dagegen deutet die Symptomatik der Nahtodeserlebnisse auf eine äußerst genau gesteuerte Aktivation derselben Gehirnbereiche hin. 1.6, 1.10

Nachgewiesene Zusammenhänge zwischen Nahtodeserfahrung und Gehirn

Viele Nahtodeserfahrungen finden zu einem Zeitpunkt statt, wo das Gehirn solche Leistungen nicht bringen kann

Viele Nahtodeserfahrungen finden zu einem Zeitpunkt statt, wo das Gehirn solche Leistungen nicht bringen kann
O7.72 Kersti: Nahtodeserfahrungen bei Bewußtlosigkeit bis hin zum Nullinien EEG

Verspätete Erinnerungen

Bei Lommel wurden mehrere Betroffene erwähnt, die bei der ersten Befragung kurz nach der Wiederbelebung Störungen des Kurzzeitgedächtnisses hatten und sich deshalb an keine Nahtodeserfahrung erinnern konnten, aber bei der zweiten, zwei Jahre späteren Befragung von einem Nahtodeserlebnis berichteten, das sie damals hatten. Das läßt es denkbar erscheinen, daß Erinnerungen an Nahtoderfahrungen nicht während der Erfahrung ins Gehirn gelangen sondern erst danach. 1.1

Nachweise für NTE und Temporallappen

Menschen, die Nahtodeserlebnisse hatten, zeigen mehr Anzeichen von ungewöhnlichen Symptomen, die durch den Schläfenlappen verursacht werden, als die, die in vergleichbaren Situationen keine Nahtodeserfahrung hatten. Es ist jedoch unklar, ob das die Ursache oder die Folge des Nahtodeserlebnisses ist. 1.3

  • Deutung: Die Nahtodeserfahrung, wie wir sie berichtet bekommen, wird oft erst nach der Krise vom Gehirn verarbeitet

    Kersti


    O7.1 Kersti: Wissenschaftliche Forschungsergebnisse zu Nahtodeserfahrungen (Quellen hierzu)

    Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, http://www.kersti.de/, Kersti_@gmx.de
    Da ich es leider nie schaffe, alle Mails zu beantworten, schon mal im voraus vielen Dank für all die netten Mails, die ich von Lesern immer bekomme.
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