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O7.1 Kersti: Wissenschaftliche Forschungsergebnisse zu Nahtodeserfahrungen (Quellen hierzu)
O7.10 Kersti: Psychologie der Nahtodeserfahrung

ausgegliedert aus O7.10: 1/2009
letzte Überarbeitung: 1/2009

O7.32

Dreamlets von Piloten bei überhöhter Schwerkraft im Vergleich zu Nahtodeserfahrungen

Ein Phänomen, bei dem die Sauerstoffversorgung des Gehirns eine Rolle spielt, ist der so genannte G-LOC (Gravity Loss of Conciousness, deutsch: Bewußtseinsverlust durch Schwerkraft). Wenn ein Pilot mit den sehr manövrierfähigen Kampfflugzeug eine Kurve fliegt, preßt ihn die Fliehkraft mit einer Macht in den Sitz, die einem Mehrfachen der Erdschwerkraft entspricht. Vom Rummelplatz kennen wir Karusells bei denen wir in einem runden Käfig durch die Drehung des Karusells gegen die äußere Wand gedrückt werden. So ähnlich funktioniert der Mechanismus beim fliegen in einem solchen Kampfflugzeug, nur mit dem Unterschied, daß dort vielfach stärkere Kräfte am Werk sind. Eine Steigerung von normaler Schwerkraft +1g auf das neunfache dieses Wertes +9g kann beim Kurvenfliegen eines Kampfflugzeuges innerhalb von einer Sekunde erfolgen. Das fühlt sich dann so an, als wäre der Körper plötzlich neun mal so schwer. 4.13

Seit 1919 ist bekannt, daß bei Piloten, die Kampfflugzeugen erhöhter Schwerkraft ausgesetzt sind, das Herz gegen eine erhöhte Schwerkraft anpumpen muß, und deshalb das Gehirn nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Whinnery hat über einen Zeitraum von 16 Jahren eine Studie mit über 1000 G-LOCs durchgeführt. Bei +5g - fünffacher Schwerkraft - ist das Herz bei einer normalen Person leicht beeinträchtigt, während Kampfpiloten bis +9g aushalten. Derlei Bedingungen werden seit Jahrzehnten am Boden in Zentrifugen getestet. 3.3 S.238

Tunnelblick im Vergleich zur Tunnelerfahrung

Bei hoher Schwerkraft von über +9g werden zuerst die am weitesten von der versorgenden Ader entfernten Ränder der Netzhaut nicht ausreichend versorgt. Das Bild verliert vom Rand her seine Farbe und wird dan vom Rand zur Mitte hin nach und nach dunkler. Es entsteht eine Tunnelvision, manchmal auch ein völliger Visionsverlust, die auf die mangelnde Durchblutung der Retina zurückzuführen sind. Dies wird von Whinnery (1997) als ein gemeinsamer Bestandteil der G-LOC-Erfahrungen mit den Nahtodeserlebnissen beschrieben. 1.11, 3.3 S.238, 4.13

Während die Tunnelerfahrung oft auf das Außerkörperliche Erlebnis folgt und also mitten während der Nahtodeserfahrung stattfindet, tritt die Tunnelvision vor dem eigentlichen Dreamlet auf. Im Tunnelerlebnis bewegt man sich durch den Tunnel, die Tunnelvision ist lediglich eine starke Einengung des Gesichtsfeldes, also nicht mit einem Bewegungseindruck verbunden. Bei der Tunnelvision wird das Gesichtsfeld schließlich dunkel, bei der Tunnelerfahrung gelangt man durch den Tunnel in Welten, die schwer zu beschreiben sind. Die Dreamlets treten durch dieselbe Ursache ausgelöst nach dem Blackout auf, hängen aber inhaltlich nicht mit diesem zusammen. Hinzu kommt, daß der Tunnel nicht immer als dunkel wahrgenommen wird.

G-LOC-Dreamlet im Vergleich zur Jenseitserfahrung

Bei einem Durchschnittsalter von 32 Jahren dauerte das Phänomen etwa 12 (+/- 5) Sekunden, wobei es bei 70% der Personen zu Schüttelkrämpfen gekommen ist. Rund 50%, der Betroffenen erkennen ihren G-LOC nicht auf Anhieb und sind bei einer Videovorführung entsprechend erschüttert. Whinnery erklärt, dies mit einer psychologischen Notwendigkeit, das Erlebte zu unterdrücken, wobei manche ihre Erinnerungslücke durch Erdichtungen schließen wollen. Entsprechend dem Grad dieser Bewusstheit spricht Whinnery von vier G-LOC-Typen, die dabei den Grad der Blutleere widerspiegeln sollen. Nur beim intensivsten Typ würde ein Erlebnis berichtet. Whinnery bezeichnet das bei etwa 35-40% der Personen auftretende und aufzeichenbare Phänomen als dreamlet. Die Bezeichnung Dreamlet wurde gewählt, da die Einzelnen sie als nicht von Träumen unterscheidbar beschreiben, die sie während des normalen Schlafes erleben. Der einzige Unterschied ist die kurze Dauer der G-LOC-Träume im Vergleich zu Träumen während des Schlafes. Weil die Schüttelkrämpfe von den Testpersonen in das Dreamlet integriert werden, glaubt Whinnery, dass dieses kurz vor einem Zustand der völligen Unfähigkeit entsteht: dann nämlich, wenn das Bewusstsein in dieser Phase wieder zurückkehrt. Zu diesem Zeitpunkt entstehen auch die durchschnittlich vier Sekunden dauernden Schüttelkrämpfe. Noch vor dem Wiedererlangen des Bewusstseins sollen die Personen Zugriff auf ihre Erinnerungen haben, da sie Gedanken und Erlebnisse in das Dreamlet einbauen würden. Die Betroffenen beschreiben gelegentlich Ereignisse, die mit den körperlichen Zuständen kompatibel sind, etwa das Zurückziehen einer Angel beim Fischen oder die Fahrt mit einem Wagen auf einem Vergnügungspark. 3.3 S.238-239

Einige Autoren sind der Ansicht, daß Dreamlets wie die folgenden Beispiele an Nahtodeserlebnis-Sequenzen erinnern: 3.3 S.239

Tatsächlich fehlt diesen Erlebnissen alles, das typisch für Nahtodeserlebnissequenzen ist. Dafür gibt es einiges, das in Nahtodeserlebnissen nicht auftritt.

Whinnery (1997) behauptet, daß Nahtodeserlebnisse mit den Dreamlets folgende Eigenarten gemeinsam hätten: Tunnelvision und helle Lichter, das Gefühl zu treiben, angenehme Gefühle, kurze bruchstückhafte Bilder und selten das Gefühl den Körper zu verlassen. 1.11

Zur Tunnelvision habe ich mich weiter oben schon geäußert. Da sind kaum Gemeinsamkeiten zu erkennen. Helle Lichter sind im Dreamlet offensichtlich grundsätzlich Licht im irdischen Sinne - sowohl was die Farben angeht als auch, daß sie nur Licht sind und nichts anderes. Das Licht in den Paradieswelten der Nahtodeserfahrungen wird von den Erlebenden dagegen mit der Liebe gleichgesetzt. Es geht von Pflanzen, Tieren, Personen oder einem hohen Lichtwesen mit Bewußtsein aus, das heller leuchtet als die Sonne, nie von einer Sonne im irdischen Sinne. Von den Erlebnissen in den Paradieswelten und Höllenwelten unterscheidet sich das Dreamlet durch das häufige Auftreten einer Sonne. In den jenseitigen Welten finden die Betroffenen nicht einmal dann eine Sonne, wenn sie gezielt danach suchen:

Außerdem treffen die Erlebenden während des G-LOCs auf lebende Verwandte getroffen, während im Jenseits fast nur tote Personen auftauchen. Auch wurde in keinem mir bekannten Nahtodeserlebnis berichtet daß der Experiencer halb schläft, wie das im zweiten Dreamlet der Fall ist. 1.11

Hinzu kommt, daß die Erlebenden die Dreamlets als Erfahrungen beschreiben, die von nächtlichen Träumen fast nicht zu unterscheiden sind, wenn man davon absieht, daß sie kürzer sind. Die Nahtodeserlebnisse werden dagegen als Erfahrungen beschrieben wo man in einer friedlichen ruhigen Stimmung ist und sich wacher als wach fühlt.

Außerkörperliche Erfahrungen im Vergleich zur Autoskopieerfahrung im G-LOC oder im nachfolgenden Alltag

Von den außerkörperlichen Erfahrungen unterscheiden sich die Dreamlets dadurch, daß die Betroffenen in einem Körper stecken, der mit den umliegenden Gegenständen interagieren kann, indem er beispielsweise auf dem Wasser schwimmt. Dagegen kann man in Außerkörperlichen Erlebnissen durch Wände gehen und durch Gliedmaßen hindurchgreifen. Bewegungsunfähigkeit tritt in Außerkörperlichen Erfahrungen nicht auf. Außerdem ist man mit dem Bewußtsein immer nur an einer Stelle also in der Luft oder im Körper nicht beides zugleich.

In außerkörperlichen Erlebnissen treibt man weder auf dem Wasser noch im Wind, sondern man befindet sich einfach irgendwo in der Luft und wird nur durch seine eigenen Gedanken oder die Gedanken anderer Wesen bewegt. Und es gibt kein "Gefühl zu treiben", sondern die Beobachtung, daß man sich gegenüber feststehenden Gegenständen bewegt. Das eine ist ein Gefühl, das andere eine Beobachtung.

Piloten, die darin trainiert wurden, mit durch erhöhte Schwerkraft hervorgerufener Bewußtlosigkeit umzugehen, berichteten manchmal von Autoskopieerfahrungen, die von einigen Autoren mit Außerkörperlichen Erfahrungen gleichgesetzt werden. 1.1, 1.3

Ein Beispiel im Alltag, eines im Dreamlet:

Von den Außerkörperlichen Erfahrungen der Nahtodeserfahrungen unterscheiden sich beide Autoskopieerfahrungen dadurch, daß derjenige, der das Beschriebene erlebt, sich gleichzeitig im und außerhalb des Körpers erfährt, während der Betroffene im Außerkörperlichen Erlebnis immer ausschließlich außerhalb des Körpers ist.

Kersti


O7.10 Kersti: Psychologie der Nahtodeserfahrung
O7.1 Kersti: Wissenschaftliche Forschungsergebnisse zu Nahtodeserfahrungen (Quellen hierzu)

Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, http://www.kersti.de/, Kersti_@gmx.de
Da ich es leider nie schaffe, alle Mails zu beantworten, schon mal im voraus vielen Dank für all die netten Mails, die ich von Lesern immer bekomme.
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