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O7.1 Kersti: Wissenschaftliche Forschungsergebnisse zu Nahtodeserfahrungen (Quellen hierzu)
O7.10 Kersti: Psychologie der Nahtodeserfahrung

ausgegliedert aus O7.10: 1/2009
letzte Bearbeitung: 10/2010

O7.37

Nah-Todeserfahrungen sind keine Psychosen

Handelt es sich bei der Nahtodeserfahrung um so etwas Ähnliches wie Schizophrenie?

Unter der Vielzahl der Psychosen dürfte die Schizophrenie die bekannteste sein. Sie ist durch folgende Symptome gekennzeichnet:
  1. Das Ich-Bewußtsein ist gestört, so daß die eigene Person, Körperteile, Gedanken oder Gefühle als fremd- oder von außen gesteuert erlebt werden.
  2. Das Denken ist sprunghaft, bruchstückhaft und zerfahren. Der Kranke verwendet eigenartige, sinnlose Wörter und Ausdrücke oder bekannten Wörtern wird eine neue Bedeutung unterlegt.
  3. Gefühlsäußerungen und Mimik wirken gekünstelt oder verflacht. Die gefühlsmäßigen Beziehungen zur Außenwelt sind kühl und anklammernd zugleich. Oft gerät der Schizophrene in die Isolation und kann zu niemandem mehr eine sinnvolle Beziehung herstellen.
  4. Wahrnehmungsstörungen: Es treten akustische Halluzinationen, Stimmen hören und Wahnideen wie beispielsweise Verfolgungswahn auf. Bei einem schizophrenen Schub wird der Kranke von Stimmen und einem wüsten Durcheinander bruchstückhafter Gedanken gequält, die die Persönlichkeit so sehr schwächen, daß der gesamte weitere Verlauf der Krankheit meist ungünstig ist. Häufig findet man auch schrittweise sich verschlimmernde Apathie, Bewegungsstörungen oder eine katatone Erregung vor.
Bei der paranoiden Schizophrenie stehen Wahn und Halluzinationen im Vordergrund. 3.1 S.121

Schizophrenie kann zu Verzerrungen des Denkens und der Wahrnehmung führen, hierbei handelt es sich jedoch um ein die ganze Persönlichkeit durchdringendes Muster an zwischenmenschlichen Defiziten, das bei Menschen mit Nahtodeserlebnissen nicht vorhanden ist. 1.11, 2.25, 3.1 S.121-122

Sind die Gespräche der Nahtodeserlebnisse akustische Halluzinationen beispielsweise im Rahmen einer Schizophrenie?

Wenn man bedenkt, daß das reden mit Toten oder religiösen Figuren als Hallzuninationen gedeutet werden könnten und die gesamte Erfahrung, wenn sie religiös gedeutet wird für einen religiösen Wahn gehalten werden könnte, könnte man annehmen, daß ein Nahtodeserlebnis etwas so ähnliches wie paranoide Shizophrenie ist.

Einige Leute berichten, daß sie seit ihrer Nahtodeserfahrungen in ihrem Inneren Stimmen hören.
O7.58 Kersti: Stimmen hören nach Nahtodeserlebnissen
Bei Stimmen in und nach Nahtodeserlebnissen handelt es sich um sinnvolle Worte, nicht um unverständliches Kauderwelsch, wie das bei der Shizophrenie der Fall ist. Während es mit der Fähigkeit der Schizophrenen, ihren Platz in der Gesellschaft auszufüllen, meist bergab geht, ändern Rückkehrer aus Todesnähe ihr Verhalten in sinnvoller Weise in Richtung von freundlicherem Umgang mit anderen Menschen. Die Wahrnehmungen in den Höllen- und Paradieswelten erscheinen uns hier zwar ungewöhnlich, doch sind die dortigen Erlebnisse eine logisch zusammenhängende Erfahrung, mit der die Betroffenen so vernünftig oder unvernünftig umgehen wie Menschen das mit Alltagsereignissen tun. Das Todesnähe-Erlebnis ist ein in sich schlüssiges Erlebnis, das Anfang und Ende hat und sich positiv auf das eigene Leben auswirkt. Bei der Schizophrenie dagegen kommt es zu unzusammenhängendem, sinnentleertem Erleben, das lange Zeit manchmal das ganze Leben - anhalten kann und den Kranken belastet. 3.1 S.121-123

Hier folgt ein Teil eines Gesprächs, das in einer Nervenheilanstalt mit einer achtundfünfzigjährigen, chronisch schizophrenen Patientin geführt wurde. Darin versucht der Arzt herauszufinden, was sie in ihrem Leben durchgemacht hat und was in ihrem Kopf vor sich geht. Es ist kurzer Ausschnitt aus einem sehr viel längeren Gespräch, der zeigt, wie Schizophrene über ihre Stimmen sprechen.

Eine schizophrene Patientin

Arzt: Guten Tag. Ich möchte gern erfahren, was Sie zu uns führt. Warum sind Sie hier?
Helen: Ich weiß nicht, warum sie mich hergebracht haben.
Arzt: Was fehlt Ihnen? Bedrückt Sie irgend etwas?
Helen: Ich weiß, daß die mir Radiowellen ins Gehirn schicken. .. Die Frequenz kommt aus einer anderen Welt...
Arzt: Wer macht das?
Helen: Ich weiß nicht, wer. Sie sind bestimmt zweitausend Kilometer weit weg. Aber sie senden mir die ganze Zeit Botschaften ins Hirn. Ach bitte, rufen Sie doch den FBI an, und sagen Sie, sie sollen herkommen. Es ist nicht mehr auszuhalten, sie senden die ganze Zeit in meinen Kopf.
Arzt: Senden Sie auch jetzt?
Helen: Ja, ja.
Arzt: Sie hören sie jetzt?
Helen: Ja.
Arzt: Also jetzt im Augenblick hören Sie Stimmen?
Helen: Ja.
Arzt: Können Sie mir sagen, was die Stimmen sagen?
Helen: Nein, genau kann ich nicht sagen, was die reden.
Arzt: Sind es Männer- oder Frauenstimmen?
Helen: (Hält inne, um zu horchen und zu überlegen.) Das weiß ich einfach nicht. 3.1 S.122-123

Und hier nun im Kontrast dazu ein Auszug aus einem Interview mit Alice, einer sechzigjährigen Frau, die während der Wiederbelebung nach einem Herzstillstand ein klassisches Todesnähe-Erlebnis hatte.

Eine Rückkehrerin aus Todesnähe

Arzt: Sie haben gesagt, nachdem Sie sich in Ihrem Krankenzimmer von Ihrem Körper getrennt hatten, konnten Sie die Ärzte und Schwestern sehen, die versuchten, Ihr Herz wieder in Gang zu bringen, und Sie konnten verstehen, was sie sagten.
Alice: Ja, das konnte ich. Aber ich konnte sie nicht auf mich aufmerksam machen. Für sie war es, als ob ich überhaupt nicht da wäre.
Arzt: Können Sie mir sagen, woher Sie wußten, was die Menschen im Raum sagten? Ich meine, haben Sie ihre Stimmen gehört, oder war es eher wie...
Alice: Nein, ihre Stimmen habe ich nicht gehört. Man hört die Stimmen nicht, so wie ich Sie jetzt höre. Ich kann mich nicht erinnern, mit meinen Ohren irgend etwas gehört zu haben. Nein, man versteht die Anwesenden ganz ohne Worte. Ich verstand, was mein Arzt dachte. Ich fühlte, wie besorgt er um mich war und wie er dachte: "Jetzt wird sie gleich sterben." Er wollte sagen: "Rufen Sie mal lieber die Familie an, denn sie stirbt gleich." Ich wußte, das er das sagen würde. Es war aber nicht so, daß ich seine Stimme gehört hätte. Außerdem glaube ich, daß ich zu der Zeit überhaupt nichts hätte hören können. Ich war tot. Ich schnappte irgendwie auf, was er dachte.
Arzt: Hat der Arzt gesagt, jemand solle Ihre Familie anrufen? Wissen Sie das?
Alice: Ja, das hat er. Ich habe mit meinem Arzt lange über dieses Erlebnis gesprochen, und er wußte nicht, was er davon halten sollte. Verschiedene Sachen mußte ich ihm mehrmals erzählen, und er schüttelte ein ums andere Mal den Kopf. Er sagte, alles, was ich ihm von den Ereignissen bei meiner Wiederbelebung berichtete, sei wahr, aber er könne einfach nicht verstehen, woher ich das wisse, denn seiner Meinung nach war ich zu der Zeit ja tot.
Arzt: Er hat also Ihre Familie angerufen? Oder jemand anderen darum gebeten?
Alice: Ja, er sagte mir, daß er das tat, genauso, wie ich es mitgekriegt hatte. Und er bestätigte auch noch andere Dinge, die ich beobachtet hatte.
Arzt: Sie meinen aber, es war nicht das gleiche wie Hören?
Alice: Nein, eher eine Art Gedankenlesen. Ich konnte sehen, wie sie beim Sprechen den Mund bewegten, aber ich kann mich nicht entsinnen, ihre Stimmen gehört zu haben. Es war eher eine Art Verstehen. Direktes Verstehen, was sie dachten.

Der Interviewer bat Alice um genauere Einzelheiten über ihr Todesnähe-Erlebnis, in dem sie sich, nach der Passage durch einen Tunnel, in Gegenwart von Mutter, Vater und Schwester wiederfand, die alle schon vor vielen Jahren gestorben waren. 3.1 S.125

Arzt: Sie glauben also, daß Sie in diesem Licht auch mit einigen Ihrer verstorbenen Verwandten zusammenkamen.
Alice: Ja. Mit meinem Vater, der schon in den dreißiger Jahren gestorben ist, 1932 muß das gewesen sein. Auch meine Mutter war da, sie ist 1949 gestorben. Meine Schwester starb etwa 1970.
Arzt: Sie sagten, daß Sie sich mit ihnen auf irgend eine Weise verständigt haben?
Alice: O ja. Ich spürte ganz viel Liebe. Zwischen uns strömte Liebe hin und her. Ich wußte, was meine Eltern und meine Schwester im Herzen empfanden. Sie sagten mir auch, daß ich zurückgehen müsse. Sie wußten, daß ich eigentlich noch gar nicht dort sein sollte. Sie sagten mir, ich müsse zurück und mein Leben zu Ende leben.
Arzt: Hmmm. Wissen Sie, was sie damit meinten?
Alice: Nein, ich habe nie herausbekommen, warum ich nicht dort bleiben durfte. Aber ich nehme an, daß sie das besser wußten als ich. Ich weiß immer noch nicht, warum ich zurück mußte.
Arzt: Wie Sie sagen, haben Ihre Angehörigen Sie zurückgeschickt. Haben Sie das irgendwie gehört?
Alice: Nein, Herr Doktor. Auch da war es nicht so. Dort drüben braucht man keine Worte. Man erkennt unmittelbar, was in den anderen vorgeht, und sie spüren es genauso. Besser kann ich es wirklich nicht sagen.
3.1 S.126

Eine Nahtoderfahrung wirkt eher als Wachstumsanstoß, der zu höherer Lebensfreude und -erfüllung führt. Psychotische Anfälle bringen dagegen meist Depressionen und Verzweiflung mit sich.3.1 S.126

Die meiste Zeit verstehen sie nicht, was die Stimmen sagen. Sie sind zu weit entfernt, verzerrt oder klingen vielleicht wie entferntes Donnergrollen. Können die Patienten die Stimmen verstehen, machen sie meist feindselige Bemerkungen über die Kranken oder über die Menschen in ihrer Umgebung. Wenn die Patienten die Stimmen hören, wenden sie immer wieder den Kopf und drehen Augen und Ohren in Richtung der Unterhaltung. Das zeigt, daß es sich bei den Stimmen um akustische Halluzinationen handelt. 3.1 S.122

Dagegen sind die Stimmen in Nahtodeserfahrungen oft in dem Sinne keine Stimmen sondern es findet eine gedankliche Kommunikation statt die mit einem gegenseitigen Mitfühlen verbunden ist. Man weiß also genau, was im Anderen vorgeht.

Haben Schizophrene Körpergrenzstörungen etwas mit dem außerkörperlichen Erlebnis zu tun?

Bei der Schizophrenie gibt es die sogenannten schizophrenen Körpergrenzstörungen. Typisch für Schizophrene ist eine verzerrte Wahrnehmung der Wirklichkeit, die sich in Halluzinationen, in Täuschungen und in krankhaft selbstbezogenem Denken äußert. Dagegen ist die Wirklichkeitswahrnehmung im Außerkörperlichen Erlebnis intakt und Anzeichen für andere geistige Krankheiten fehlen ebenso. Während die schizophrene Wahrnehmungsverzerrung chronisch und unter den Patienten variabel ist, handelt es sich beim Außerkörperlichen Erlebnis um ein kurzzeitiges Ereignis. Im Gegensatz zu dessen Experiencer hat der Schizophrene oft Schwierigkeiten, den eigenen Körper zu lokalisieren. Das Außerkörperliche Erlebnis hilft dem Erlebenden zu einer integrierteren und gesunderen Persönlichkeit zu werden, während der Schizophrene dazu neigt, sich als verrückt zu fühlen und dadurch in große Panik oder psychotische Angst zu geraten. 3.3 S.217

Blackmore befragte 71 Personen mit einer Krankengeschichte, in der Schizophrenie vorkam, sowie eine Kontrollgruppe von 40 Personen, ob sie eine außerkörperliche Erfahrung gehabt hätten. Während viel mehr Schizophrene (42%) als nicht Betroffene (13%) die Frage nach Außerkörperlichen Erfahrungen mit Ja beantworteten, zeigte eine ausführlichere Befragung zu der Art dieser Erfahrung, daß typische Außerkörperliche Erfahrungen (14% / 13%) bei beiden Gruppen etwa gleich häufig sind. Daher besteht kein Anlaß, typische außerkörperliche Erfahrungen als Symptome von Schizophrenie zu werten. 16.16

Kersti


O7.10 Kersti: Psychologie der Nahtodeserfahrung
O7.1 Kersti: Wissenschaftliche Forschungsergebnisse zu Nahtodeserfahrungen (Quellen hierzu)

Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, http://www.kersti.de/, Kersti_@gmx.de
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