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Zuerst erschienen in Idee und Bewegung Heft 45 (Heft 4/1999)
zuerst auf dieser Internetseite zwischen dem 15.02.2000 und dem 01.05.2000
letzte vollständige Überarbeitung: 7-9/2016
letzte Bearbeitung: 11/2016

V7.

Vollwerternährung: Möglichst frisch, möglichst roh, möglichst unverarbeitet

Inhalt

Übergeordneter Artikel:
V6. Kersti: Gesunde Ernährung
Dieser Artikel:
V7.1 Kersti: Einführung: Vollwertkost: Möglichst frisch, möglichst roh, möglichst unverarbeitet
V7.2 Kersti: Warum die Nahrung möglichst frisch sein sollte
V7.3 Kersti: Rohkost
V7.4 Kersti: Wenn Mikroorganismen zur Herstellung von Nahrungsmitteln eingesetzt werden
V7.5 Kersti: Verarbeitete Nahrungsmittel
V7.6 Kersti: Naturvölker - oder - wer sich nicht über das Vollwertprinzip Gedanken machen muß
V7. Kersti: Quellen

 
Inhalt

1. Einführung: Vollwertkost: Möglichst frisch, möglichst roh, möglichst unverarbeitet

Wenn man vollständig beschreiben wollte, was man alles wissen muß, um zu wissen welche Ernährung für welchen Menschen genau wie beschaffen sein muß, müßte man - auch dann wenn man alle Wiederholungen rausstreicht - immer noch diverse Bücher schreiben. Das ist definitiv mehr, als der normale Mensch lesen möchte, um keine groben Fehler zu machen. Daher ist das Vollwertprinzip auch keine vollständige Antwort auf die Frage, wie man sich ernährt, sondern es sagt uns in einem Satz, wie man die wichtigsten Fehler vermeidet, den Menschen machen, die ihre Nahrung fast durchgehend in Geschäften und Restaurants kaufen.

"Möglichst frisch, möglichst, roh, möglichst unverarbeitet" ist die kürzest mögliche Formel, auf die man das Kernprinzip der Vollwertkost der gesunden Ernährung zusammenfassen kann. Wenn man sich an diesen Grundsatz hält und dabei eine vielfältige, biologisch richtig angebaute und auf die eigenen persönlichen Bedürfnisse abgestimmte Kost zu sich nimmt, kann man davon ausgehen, daß die eigene Ernährung auch gesund ist.1.-12.

Wie jede Faustregel ist diese Formel natürlich - obwohl sie grundsätzlich richtig ist - eine grobe Vereinfachung, die vieles vernachlässigt. Es ist nicht so, daß jeder Teil unserer Ernährung frisch, roh und unverarbeitet sein muß. Manches, was wir essen, wäre roh oder unverarbeitet auch giftig. Doch wenn zu wenig unserer Nahrung frisch, roh und unverarbeitet ist, bekommt der Körper nicht alles, was er an Nährstoffen braucht, weil vieles bei Erhitzung zerfällt und durch die üblichen Verarbeitungsvorgänge aus der Nahrung entfernt wird.

Eine Übersicht, wie ungefähr welche Lebensmittel nach dem Vollwertprinzip eingeordnet werden, bietet folgende Tabelle.

gesund... ...ungesund
Rohkost natürlich Rohkost zerkleinert fermentativ verändert erhitzt konserviert präpariert
Ölsaaten, Mandeln, Nüsse, Oliven kaltgepreßte Öle, zerkleinerte Ölsaaten gebratene kaltgepreßte Pflanzenöle zweimalgekochte Speisen raffinierte Öle (heißgepreßte Öle), Margarinen
Getreide Keimlinge Vollkornmehl, Schrote, frischgepreßte Flocken Breie, ungekocht aus Vollkornmehl Gebäck und gekochte Breie aus Vollkorn Dauerbackwaren aus Vollkornmehl, Kaffee Nudeln, geschälter Reis, Grieß, Weiß-, Graumehl (Auszugsmehl aus Roggen), Stärke, Gebäck aus diesen Mehlen
Früchte und Honig Obstsalate, naturtrübe Säfte Gärsäfte, Gärgetränke, Wein, Bier gekochtes Obst, Fruchtkonserven, Marmeladen weißer -, brauner -, Malz-, Trauben-, Milchzucker, Rüben-, Ahornsirup, Ursüße... Süßigkeiten, Kunstwein, Extrakte
Gemüse, frische Kräuter Salate aus Gemüse Gärgemüse, Sauerkraut gekochtes Gemüse, Tees Gemüsekonserven Aromastoffe, Fermente, Wuchsstoffe, Destillate
Milch frisches Gehacktes, Schlagsahne, Butter Quark, Käse, Gärmilch, Schabefleisch gebratenes oder gekochtes Fleisch, gekochte Milch, Fisch, Brühe Büchsenfleisch, Kondensmilch, H-Milch Weizengluten, Säuglingsnahrung, Trockenmilch, Kaffeeweißer
frisches Quellwasser Leitungswasser Leitungswasser Gekochtes Leitungswasser, Meersalz, unraffiniertes Salz mit allen Spurenelementen Mineralwasser destilliertes Wasser, raffiniertes Salz, Vitaminpräparate

 

Während es nicht sinnvoll ist, sich seine Nahrung aus lauter isolierten Einzelnährstoffen und Nahrungsergänzungsmitteln zusammenzustellen, weil das teurer ist als eine normale gesunde Ernährung und man normalerweise bei einer solchen Vorgehensweise irgendetwas übersehen wird und sich in irgendwelche Mangelzustände hineinmanövriert, ist es trotzdem sinnvoll, wenn man einen deutlichen Mangel an einem bestimmten Vitamin oder Mineralstoff festgestellt hat, dann auch das entsprechende Präparat einzunehmen.
V9.3 Kersti: Vitamin C und der scheußlich - oder verlockend - künstliche Geschmack
Isolate lassen sich gezielt als Medikamente einsetzen und sie sind, wenn man genau das einnimmt, was fehlt auch der Gesundheit zuträglich, aber wesentlich sinnvoller ist es, eine Ernährungsform zu finden, wo ein solcher Mangel gar nicht erst entsteht.

 
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2. Warum die Nahrung möglichst frisch sein sollte

Pflanzen sollten möglichst kurz nach der Ernte verwendet und möglichst kurz vor dem essen zubereitet werden, da sie dann den höchsten Vitalstoffgehalt haben.

2.1 Zerkleinern zerstört den Schutz der Pflanze gegen Freßfeinde wie Bakterien, Insekten oder Säugetiere

Lebende Pflanzen, deren keimfähige Samen und Speicherorgane schützen sich gegen Freßfeinde wie Mikroorganismen und Schädlinge. Auch bei ganzen Früchten und Gemüse ist dieser Schutz noch eine Weile vorhanden. So gehen Mehlwürmer an Vollkornmehl, nicht aber an ganze Getreidekörner.

Durch zerkleinern vergrößert sich auch die Oberfläche von Lebensmitteln, so daß Bakterien leichter angreifen können.

 
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2.2 Möglichst frisch: Wir bestehen aus Fleisch, daher sind die Bakterien, die auf Fleisch wachsen für uns besonders gefährlich

Bakterien, die Menschen gefährlich sind, finden sich am häufigsten im Fleisch, das in seiner Zusammensetzung dem Menschen am ähnlichsten ist, dessen Körper ja auch zu erheblichen Teilen aus Fleisch besteht. Fleisch sollte, damit Bakterien möglichst nicht daran kommen werden, möglichst frisch genossen und kühl gelagert werden. Aber auch bei anderen Nahrungsmitteln, die nicht standartmäßig mit Bakterien verändert werden ist es sinnvoll sie möglichst frisch zu essen.

 
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2.3 Zerkleinern: Wirkstoffe werden schnell abgebaut

Werden Pflanzen zerkleinert, zerfällt innerhalb weniger Stunden ein erheblicher Teil ihrer Vitamine und Enzyme.

 
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2.4 Haltbare Nahrungsmittel und warum nicht alles frisch sein muß

 
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2.5 Gifte in zu frischen Nahrungsmitteln

Zu den Freßfeinden der Pflanzen gehören aber auch Säugetiere wie wir Menschen und auch gegen sie enthalten Pflanzen Abwehrstoffe und wehren sich mit Dornen und Stacheln gegen das Gefressenwerden. Einige wenige einheimische Pflanzen sind schon in sehr geringen Mengen tödlich giftig.
VB195. Kersti: Bebilderte Liste der gefährlich giftigen Pflanzen
Auch Pflanzen, die grundsätzlich als Lebensmittel gelten, können ungekocht oder wenn man zu viel davon ißt giftig sein.
V9. Kersti: Ein paar Geschichten über Bitterstoffe: wie uns die Intuition vor Vergiftungen schützt
Einer dieser Schutzstoffe ist die Blausäure, mit der beispielsweise Walnüsse sich gegen Freßfeinde schützen. Ich habe einmal gehört, daß ein Mensch, der zu viele zu frische Walnüsse noch in der grünen Schale direkt unter dem Baum aufgesammelt und gegessen hatte, danach vorübergehend Empfindungsstörungen in den Händen hatte. Wenn man wartet, bis die grünen Schalen um die eigentliche Walnuss herum von allein zerfallen sind, geschieht das so nicht.

 
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3. Rohkost

3.1 Rohes Fleisch und Rohmilch im Vergleich zur Kochkost

Beispielgeschichte, Francis Marion Pottenger:

Pottengers Katzen konnten keine 4 Generationen lang von gekochtem Fleisch leben

Pottenger benutzte Katzen ursprünglich für Tierversuche. Als das Sanatorium, das ihm das gekochte Fleisch für sein Katzenfutter lieferte nicht mehr genug Fleischreste hatte, suchte er sich einen weiteren Lieferanten, der ihm rohes Fleisch lieferte. Pottenger stellte fest, daß die Katzen, die rohes Fleisch zu sich nahmen, die Experimente wesentlich besser vertrugen. Daraufhin ging er der Frage, woran das lag 1932-1942 mit Katzenfütterungsversuchen21.1 nach.

Bei Fütterung mit rohem Fleisch und roher Milch kam es zu normaler Skelettbildung, bei gekochtem Fleisch zu Veränderungen am Gebiß. In der zweiten Generation gab es Schädelmißbildungen und verformte Gebisse. In der dritten Generation waren die Veränderungen noch stärker. Die ersten Früh- und Totgeburten ganzer Würfe traten schon auf, wenn lediglich die Mutter selbst ausschließlich gekochtes Futter erhielt, mit jeder Generation wurden die Totgeburten häufiger. Eine vierte Generation gab es nicht, denn keine der Katzen der dritten Generation bekam noch lebenden Nachwuchs. Bei Übergang zu Rohnahrung wurden die Veränderungen erst nach vier weiteren Generationen zurückgebildet.

Pottenger machte natürlich keine vergleichbar strengen Versuche mit Menschen, aber er konnte je nach Ernährungslage von Menschen ähnliche Fehlbildungen bei menschlichen Kindern feststellen, die sich bei gesunder Ernährung die sich bei gesunder Ernährung, bei der Tiere artgerecht ernährt (Weidehaltung von Kühen) und gehalten wurden teilweise zurückbildeten. 21.

Daß es sich aber um Probleme mit dem Eiweiß und nicht um Vitaminmangel handelt, fand Kollath heraus:
Beispielgeschichte, Kersti:

Kollath: Kasein bei 40 oder 74 Grad?

Ursprünglich machte Kollath seine Versuche zur Vitaminwirkung mit Kasein das bei 74 Grad Celisius mit Alkohol extrahiert worden war. Als dieses Kasein einmal nicht zur Verfügung stand, machte er diese Versuche mit Kasein das bei 40 Grad mit Äther extrahiert worden war und stellte fest, daß es seinen Versuchstieren damit erheblich besser ging. Daraufhin machte er gezielte Experimente um beides zu verghleichen, die diesen eindruck bestätigten und kam zu dem schluß daß einiges, was er auf Vitaminmangel zurückgeführt hatte, offensichtlich auf einen Mangel an Hitzelabilen eiweißbestandteilen zurückzuführen war. 23. S.74
In diversen Internetforen fand ich die Behauptung, daß man Eiweiße beliebig kochen könne, da die Aminosäuren erst bei viel höheren Temperaturen zerfallen würden. Autor: Marianne Niederer vertrat in ihrem Buch ebenfalls die Ansicht, durch Hitze denaturiertes Fleisch würde sich chemisch nicht von nicht erhitztem Fleisch unterscheiden und begründete dadurch, daß der geringere Wert dieses Eiweißes daher etwas mit Ordnung und Biophotonen zu tun haben müßte23. S.74. Mir erschien diese Argumentation nicht mit meinem halb bewußten biochemisch-atomphysikalischen Wissen vereinbar, daher suchte ich weiter nach und fand in einem Lehrbuch zur Lebensmittelchemie die Information, daß zwar nicht die Aminosäure an sich zerstört wird, daß sich aber Lysin, eine der essentiellen Aminosäuren, die der Körper nicht selber herstellen kann, sich beim erhitzen so mit anderen Stoffen (z. B. Milchzucker, Asparagin, Glutamin) verbindet, daß unser Verdauungssystem die Aminosäure mangels geeigneter Verdauungsenzyme, um diese Bindungen aufspalten zu können, nicht mehr verwerten kann22. S. 181ff.

Abgesehen davon erhalten wir aus tierischen Produkten nicht nur Aminosäuren sondern beispielsweise auch Fette, Vitamine und Mineralstoffe, so daß es nicht reicht, isoliert nur die Aminosöuren zu betrachten.

 
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Rohkost und reine Rohkost

Durch Erhitzen werden Vitamine und Enzyme zerstört. Einige Vitamine, verkraften eine Erhitzung auf etwa hundert Grad, werden aber bei höheren Temperaturen zerstört. Eiweiß wird denaturiert und dadurch entwertet. Kochwasser sollte mitverwertet werden, da viele Vitamine und Mineralstoffe darein übergehen.

Ein zweites Erhitzen führt zu weiteren erheblichen Einbußen wertgebender Inhaltsstoffe.

V279. Kersti: Reine Rohkost?

 
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4. Wenn Mikroorganismen zur Herstellung von Nahrungsmitteln eingesetzt werden

Wenn man ein Lehrbuch der Mikrobiologie wie " Buch: Brock Mikrobiologie"20. und ein Lehrbuch der Genetik wie " Buch: Seyffert"18. durchliest, bleibt als eine wesentliche Erkenntnis hängen, daß Bakterien sich zwar wegen ihrer kurzen Generationsfolgen und der relativ häufigen Kopierfehler der DNS-Replikasen im Verlaufe der Evolution vergleichsweise schnell völlig neue Eigenarten und Fähigkeiten entwickeln, daß die einzelne Bakterie aber sehr beschränkt in ihren Möglichkeiten, sich auf andere Lebensbedingungen umzustellen, ist, da sie nur sehr wenige Gene besitzt. Daher gibt es Bakterien, die in heißen Quellen leben und andere, die im ewigen Eis der Antarktis und Arktis leben. Es gibt Bakterien, die chemoautotroph von energiereichen anorganischen Verbindungen in Tiefseegräben leben, und andere, die Photoautotroph vom Sonnenlicht im Meer leben. Es gibt Bakterien die andere Bakterien fressen und andere die als Parasiten oder Symbionten in anderen Pflanzen, Tieren und Pilzen leben. Aber die einzelne Bakterie ist wenig anpassungsfähig was andere Lebensweisen und andere Lebensräume angeht.

Bakterien, die Menschen gefährlich werde, finden sich am häufigsten im Fleisch, das in seiner Zusammensetzung dem Menschen am ähnlichsten ist, dessen Körper ja auch zu erheblichen Teilen aus Fleisch besteht. Wir stecken und eher beim Schwein als beim Rind an Krankheiten an, die das Verdauungsystem betreffen, weil das Verdauungssystem des Schweins uns ähnlicher ist. Wie immer bei Faustregeln gibt es auch hier Ausnahmen: Für Tuberkulose war beispielsweise lange Zeit die Milch tuberkulosekranker Kühe die Hauptansteckungsquelle.

Es gibt andere Nahrungsmittel, auf denen sich normalerweise keine ungesunden Bakterien entwickeln. Wenn man Milch von natürlich ernährten Kühen stehen läßt, wird sie sauer. Tut man diese Sauermilch in ein Tuch und läßt sie abtropfen erhält man Frischkäse. Läßt man diesen reifen, entsteht daraus älterer Käse. Wirklich gefährliche Bakterien siedeln sich meist nicht an. Dasselbe auch mit Mehl. Vermischt man Mehl mit Wasser und läßt es stehen, entsteht Sauerteig, den man zum Backen verwenden kann. Die hier angesiedelten Bakterien sind für Menschen normalerweise nicht gefährlich.

Ein Kuchen aus Weißmehl wird durch Hefe mit Vitaminen und Enzymen angereichert. Bei Vollkornmehl verbraucht die Hefe aber auch einige Vitamine und Enzyme.

 
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5. Verarbeitete Nahrungsmittel

Durch raffinieren (wie bei Zucker), ausmahlen (wie bei Weißmehl) oder destillieren werden nahezu alle Vitamine, Mineralstoffe und Enzyme zerstört oder entfernt. Deshalb sollte man solche Produkte nicht essen oder trinken.

 
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Weißmehl

VA71. Kersti: "Ohne Getreide kann man sich nicht ausreichend ernähren." oder "Vollkorngetreide ist so ungesund - da ist selbst Weißmehl besser"?

 
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gehärtete Fette

V252. Kersti: Fischöl, Margarine und Eiweißmastkrankheiten
VB23. Kersti: Nicht Fett macht fett
VA72. Kersti: Was machen Transfette in der Butter?

 
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Raffiniertes Salz

VA64. Kersti: Die Sache mit dem Salz
V9.3 Kersti: Salzgeschichten

 
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Zucker

 
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6. Naturvölker - oder - wer sich nicht über das Vollwertprinzip Gedanken machen muß

6.1 Warum Faulheit naturnah lebende Menschen dazu bringt, sich vollwertig zu ernähren

Wenn Menschen jedes Nahrungsmittel, was sie in verarbeiteter Form haben wollen, zuerst eigenhändig selbst verarbeiten müssen, werden sie nur in Ausnahmefällen Gesundheitsprobleme bekommen, weil sie das Vollkornprinzip nicht beachten. Das liegt daran, daß die unverarbeitete Nahrung mit viel weniger Arbeit verfügbar ist und man daher, wann immer man will daher leicht das Obst und Gemüse, Milch, Eier und Kleintiere unverarbeitet und roh essen kann. Es ist unter diesen Umständen bequem, sich von unverarbeiter Rohkost zu ernähren, daher kommt es nicht zu Fehlernährung wegen Mißachtung des Vollwertprinzips, wenn der Heißhunger uns mitteilt, daß das Rohe und Unverarbeitete gerade benötigt würde.
V6.2 Kersti: Auf den eigenen Körper hören

Normalerweise leiden Menschen die, wenn sie verarbeitete Nahrungsmittel haben wollen, diese selber verarbeiten müssen in Notzeiten nicht unter Fehlernährung, sondern unter Unterernährung. Sie fangen in Notzeiten an, die Schädlinge, die Nadeln und die Rinde von Bäumen, das Unkraut aus Garten, Wald und Feld, sowie Mäuse, Ratten, Vögel und ihre Eier zu essen. Sie sind dadurch oft ausreichend mit Vitaminen, Essentiellen Fett- und Aminosäuren, Mineralstoffen und Spurenelementen versorgt, werden aber einfach nicht satt, weil ihre Nahrung zu wenig Fett, Eiweiß und Kohlehydrate enthält und deshalb einen zu geringen Brennwert hat.

Unterernährung war in der Geschichte weit verbreitet und häufig, da Menschen sich sehr schnell so weit vermehren, daß sie mit der vorhandenen Lebensweise auf dem vorhandenen Land gerade noch überleben können. Wenn dann ein, zwei Jahre lang eine schlechtere Ernte kommt, sterben die Menschen wie Fliegen an Infektionskrankheiten. Der Mensch ist deshalb eher daran angepaßt mit Unterernährung fertigzuwerden, als daran, mit Fehlernährung oder Überernährung klarzukommen.

 
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6.2 Wann selbst relativ natürlich lebende Menschen Probleme bekommen

Ausnahmen von dieser Faustregel gibt es vor allem aus folgenden Gründen:
  • Vorhersehbare längere Notzeiten, in denen nur haltbar gemachte Nahrungsmittel zur Verfügung stehen, wie Beispielsweise lange Winter in unseren Breiten
  • Im Lebensraum der betroffenen Menschen stehen bestimmte Nährstoffe nicht zur Verfügung, weil dem Boden gewisse Mineralien fehlen
Beispielgeschichte, Kersti:

Scharbockskraut und Skorbut

Skorbut ist eine Vitamin-C-Mangelkrankheit, die vor allem nach besonders harten Wintern und auf langen Schiffsreisen auftrat, bei denen die Menschen wochen- bis Monatelang nahezu kein Vitamin C zu sich nehmen konnten.15.

Eine der Pflichtveranstaltungen im Biologiestudium waren die Exkursionen, in denen uns unser Botanikprofessor die Pflanzen in der Natur zeigte. Bei einer dieser Exkursionen machte uns Professor Weising im Wald auf eine gelbblühende Pflanze aufmerksam und erklärte uns, daß es sich hierbei um das Scharbockskraut (Ficaria verna, Syn.: Ranunculus ficaria) handeln würde. Der Name wäre von Scharbock, einer anderen Bezeichnung für die Vitaminmangelkrankheit Skorbut abgeleitet, da das Kraut früher gegessen worden sei, um Skorbut zu behandeln.13.

Unter Ranunculus ficaria fand ich einige Jahre später in meinem Buch zu eßbaren Kräutern die Bemerkung: "Die überlieferte Verwendung ist kritisch zu betrachten. Alle Pflanzenteile, besonders Wurzelstock und Brutknöllchen können auch Erbrechen und Durchfall auslösen14. S.277." Na, dachte ich mir, dann bedeutet der Name wohl doch eher "Nur wer Skorbut hat, ißt Scharbockskraut"!

Wieder etwas später siedelte das Scharbockskraut sich in meinem Garten an. Da wurde mir dann auch klar, warum ausgerechnet Scharbockskraut zur Behandlung von Skorbut verwendet wurde: es zählt zu den Kräutern, die im Frühjahr mit als erste aus dem Boden kommen und geerntet werden können. Daher landete es im frühen Frühjahr auch bei mir mit in den Kräutern für meinen Kräuterschmand. Gesundheitliche Probleme hat es in den geringen Mengen, die ich jeweils verwendete, nicht hervorgerufen.
VA240.3.2 Kersti: Kräuterschmand, Kräuterquark und seine Verwendung
Ich habe in der heutigen Zeit natürlich keinen so schwerwiegenden Vitamin C Mangel, daß ich Skorbut bekommen könnte, doch im Winter habe ich schon manchmal das Gefühl, daß mir irgendetwas fehlt, das ich nicht in ausreichender Menge aus dem gekauften Gemüse bekomme und es hat sich offensichtlich durchaus auch um Vitamin C gehandelt.
V9.3 Kersti: Vitamin C und der scheußlich - oder verlockend - künstliche Geschmack
Dieses Gefühl, irgendwovon nicht genug zu bekommen, ist auch der Grund warum ich im Winter so viel Zeit damit verbringe, Kräuter in meinem Garten zu sammeln, obwohl nicht viel da ist und es im Vergleich zum Erfolg unangemessen lange dauert.


Scharbockskraut (Ficaria verna)16.

 
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6.3 Zivilisationskrankheiten: Wann Menschen regelmäßig wegen Nichtbeachtung des Vollwertprinzipes Probleme bekommen

Autor: Samuel Hahnemann(1755-1843) schrieb vor zweihundert Jahren im " Buch: Die chronischen Krankheiten", daß arme Menschen wesentlich gesünder seien, als reiche.17. Heutzutage ist es genau umgekehrt. Wohlhabende Menschen, die beim essen nicht aufs Geld sehen müssen, sind gesünder als ärmere Menschen. Woran das liegt, wird deutlich, was damals und was heute für wen die bequemste Ernährung war.

Die Industrialisierung begann in Deutschland zwischen 1815 und 1835. Erst in den 1840ger Jahren setzte die industrielle Revolution endgültig ein und viele Menschen aus den unteren Schichten fanden eine Arbeit in Industriebetrieben.19. Hahnemanns Leben spielte also zu einem erheblichen Teil vor Beginn der Industrialisierung und endete, bevor die industrielle Revolution stattfand.

Vor der Industrialisierung kann man davon ausgehen, daß die allermeisten armen Menschen in Dörfern und vergleichsweise kleinen Städten lebten. Wer ein eigenes Haus oder eine kleine eigene Hütte hatte, hatte wohl zumindest einen kleinen Garten, wer das nicht hatte, hatte die Natur in Reichweite, um seine Nahrung über wilde Kräuter und Beeren zu ergänzen. Wer zu arm war, um sich genug essen zu kaufen, um davon satt zu werden, wird daher seine Nahrung immer über wilde Pflanzen und Kleintiere wie Insekten, Wildvogeleier und Mäuse, die nicht dem Jagdrecht unterliegen, ergänzt haben. Nur einigermaßen wohlhabende Leute konnten sich leisten, alles Essen, das sie brauchten kaufen und deshalb Gefahr laufen, zu wenig frisches, rohes und unverarbeitetes zu sich zu nehmen.

Mit der Industrialisierung änderte sich das allmählich. Nach und nach wurde bei dem ärmeren Teil der Bevölkerung der Anteil derjenigen immer größer, die in großen Mietshäusern ohne eigenen Garten lebten, dabei gleichzeitig lange Arbeitszeiten, geringes Gehalt und wenig Zugang zur Natur hatten.

Heute ist die billigste Nahrung stark verarbeitet und häufig bereits vor dem Kauf erhitzt worden. Wer am Ende des Monats kein Geld mehr hat, ißt üblicherweise Nudeln mit Pamp und ähnlich stark verarbeitete Nahrungsmittel, die vieles, was der Mensch braucht nicht enthalten. Wenn man mehr Geld hat, ist es bequem, sich das essen entweder als Fertignahrungsmittel wie Tütensuppen, gefrorene Fertigpizza, Konserven zu kaufen und vor dem Essen mal schnell in die Mikrowelle zu tun.

Eine Ernährung mit ausreichend frischen und rohen Anteilen erfordert mehr Überlegung, mehr Arbeit, mehr Geld als eine richtig ungesunde Ernährung. Es ist aber nicht völlig unmöglich, sich auch von Sozialhilfe einigermaßen gesund zu ernähren, wenn man sich sehr darum bemüht.

 
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Quellen

Achtung: Bei der Weiterverwendung von Bildern, müssen unbedingt die Lizenzbedingungen beachtet werden, da manche Photographen und Künstler sonst Honararrechnungen verschicken. Am einfachsten geschieht das, indem man die Angaben zum jeweiligen Bild aus diesen Quellenangaben mit übernimmt.


Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, http://www.kersti.de/, Kersti_@gmx.de
Da ich es leider nie schaffe, alle Mails zu beantworten, schon mal im voraus vielen Dank für all die netten Mails, die ich von Lesern immer bekomme.