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erste Version zwischen dem 15.02.2000 und dem 01.05.2000
letzte vollständige Überarbeitung: 7/2016
letzte Bearbeitung: 7/2016

V13.

Ich würde mir nie die Mühe machen, etwas zu kritisieren, was ich schlecht finde

Beispielgeschichte, Kersti:

Eine Kritik für die faszinierenste Geschichte des Fancines

Der neue Sternenkristall ist gekommen. Es ist ein Heft mit Geschichten über die von Marion Zimmer-Bradley (MZB) erfundene Welt Darkover, mit von deutschen Fans geschriebenen Geschichten.

Ich lese mir die Geschichten durch, die formal von sehr unterschiedlicher Qualität sind - teilweise sehr gut formuliert, technisch perfekt, teilweise die erste Geschichte eines blutigen Anfängers. Wie es halt kommt. Auch ich habe meine Anfängerfehler im Sternenkristall veröffentlicht.

Ebenso unterschiedlich sind die Geschichten. Viele sind nicht besonders origineller Abklatsch anderer Geschichten, die von MZB in ihren Darkover-Anthologien veröffentlicht wurden. Einer, dessen gesamtes Geschreibe - auch die inhaltlichen Artikel die er immer im Relays schreibt - zeigt, daß er wohl mit dem Leben nicht zurechtkommt, schreibt regelmäßig Geschichten, die absolut nicht auf den Punkt kommen. Hier ist auch wieder eine.

Eine jedoch fasziniert mich. Sie läßt mich nicht wieder los. Eine Geschichte von einem Menschenkind, das ein Katzenwesen findet. Sie geht mir einfach nicht aus dem Kopf. Sie fasziniert mich, ich lese sie wieder und wieder, weil sie so schön ist. Leider würde so etwas in keinem Buch veröffentlicht. Es ist eine Geschichte voller Anfängerfehler.

Ich frage die Autorin, ob sie gerne eine Kritik für ihre Geschichte haben will.

Ich kritisiere nichts, was ich schlecht finde. Ich kritisiere nichts, was ich unwesentlich finde. Ich schreibe nur solchen Autoren eine Kritik, die mir etwas vorgelegt haben, was ich wirklich faszinierend und gut finde. Es kommt halt nur nicht richtig rüber.

Bei Sachtexten ist die Frage, welcher Text eine Kritik verdient oder erfordert komplexer. Einen Sachtext, der durch und durch schlecht ist, läßt man sang und klanglos unter den Tisch fallen. Es gibt jedoch verschiedene Gründe, warum ein Text eine Kritik wert sein könnten.

  • Der Text ist ein idealtypisches Beispiel für einen weit verbreiteten Gedankenfehler und kann deshalb gut als Aufhänger für die Korrektur dieses Fehlers dienen.
  • Eine Person, ein Verein oder die Vertreter einer Meinung haben eine hohe gesellschaftliche Wirksamkeit und eine Widerlegung der Fehler in ihrer Meinung ist deshalb notwendig
  • Der Text hat ein hohes inhaltliches Niveau und erfüllt die Ansprüche die an wissenschaftliche Texte gestellt werden müssen, ungewöhnlich perfekt
  • Der Text behandelt ein Thema, das wichtig ist, um unsere Weltprobleme zu lösen
  • Der Text hat für mich eine hohe persönliche Relevanz
Wenn ich mehrere Texte zur Auswahl habe, die ich kritisieren könnte, um einen bestimmten Fehler zu illustrieren, ist es immer am klügsten, entweder den hochwertigsten verfügbaren Text auszuwählen, oder aber alles, was an diesen Texten gut ist, zusammenzufassen, um darauf eine Kritik aufzubauen. Ich will schließlich nicht diejenigen Leser überzeugen, die sowieso mit mir einer Meinung sind, sondern die, die bis jetzt noch anderer Meinung sind. Das wird mir nie gelingen, wenn ich die besten Argumente für deren eigene Meinung nicht zur Kenntnis nehme.

Daher brauche ich möglichst jedes gute Argument und jeden guten Beleg, den es für die fremde Meinung gibt, und alle diese Belege muß ich in mein eigenes Modell so einordnen, daß sie damit mindestens so gut erklärt sind wie durch das Modell, das hinter der Gegenmeinung steht. Wenn ich eine schlechte und unvollständige Vorlage benutze, kann ich daher nicht wirksam kritisieren.

Genau aus diesem Grund ist jede Kritik an fremden Texten, wenn sie von mir kommt, auch ein implizites Kompliment an den Autor des kritisierten Textes.

Kersti

V17. Kersti: Brief über angemessenen Umgang mit Verleumdungen
V58. Kersti: Absolute Wahrheit?
V108. Kersti: Kritik: Was betreffen mich die Fehler anderer Leute?
V115. Kersti: Was mich an Darkover am Meisten faszinierte
V140. Kersti: Die zerstörerische Arroganz der herrschenden Meinung
V150. Kersti: Den Fachleuten vertrauen?
V165. Kersti: Meinungsfreiheit - ein Luxus ?
V168. Kersti: Meckerrunde
V172. Kersti: Ein echt guter Rat
V173. Kersti: Was ist Gewissen?
V176. Kersti: Standpunkte
V194. Kersti: Was unterscheidet eine Gehirnwäsche von einem Dazulernen?
V224. Kersti: Warum gerade diese Links?
V243. Kersti: Ist die Schulmedizin wirklich so schlecht, wie das hier auf meiner Internetseite erscheint?
V244. Kersti: Warum Vertreter von Außenseitermeinungen besser informiert sind, als Vertreter weit verbreiteter Meinungen
V248. Kersti: Spielverderber - oder - Wer sind die Guten?
V277. Kersti: Das Prinzip der Narrenfreiheit
V285. Kersti: Keine Liebe ohne "Nein"
V294. Kersti: Warum Außenseitermeinungen für Fachleute schwerer zu verstehen sind als für Laien

Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, http://www.kersti.de/, Kersti_@gmx.de
Da ich es leider nie schaffe, alle Mails zu beantworten, schon mal im voraus vielen Dank für all die netten Mails, die ich von Lesern immer bekomme.