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erste Version zwischen dem 01.05.2000 und dem 07.06.2000
letzte Überarbeitung: 2/06

V35.

Warum es in der Naturheilkunde wenig placebokontrollierten Doppelblindstudien gibt

Beim Stichwort "vaccination" (engl. für Impfung) ergaben sich über zehntausend Treffer. Ich schränkte auf deutsche Sprache ein, dann waren es über 1000. Auch eine Einschränkung auf randomisierte Doppelblindstudien führte nicht zu einer deutlich geringeren Menge an Artikeln.

Nicola Clausius (B103.) suchte mit folgenden Methoden:

  • online in der Medline
  • komplementärmedizinischen Datenbanken: AMED, CISCOM, HomInform, Woodward Foundation, CCRH und im Dokumentationszentrum der Manufakturen Boiron und Dolisos,
  • schrieb an alle Hersteller homöopathischer Arzeneimittel, die in der Liste Pharmaindex aufgeführt sind
  • Kontakte zu Autoren, Wissenschaftlern und Industrie
  • Durchsicht von Übersichtsartikeln, Büchern, "abstrakts", Konferenzberichten
  • Durchsicht der Bibliographien gefundener Primärstudien
Durch diese intensive Suche fand er nur 169 kontrollierte Studien über Homöopathie, davon waren 64 placebokontrolliert und randomisiert und/oder doppelblind. Gemeint sind alle Mittel die homöopathisch potenziert wurden.

Es gibt zwar deutlich weniger Heilpraktiker als Ärzte - doch behandeln schätzungsweise 80% der Heilpraktiker auch mit Homöopathie. Viele von ihnen behandeln jeden Patienten bei jeder Erkrankung begleitend zu den anderen Therapien auch mit homöopathischen Mitteln. Außerdem führt etwa 1% der Ärzte Homöopathie als Zusatzbezeichnung.

Deshalb hätte sicher so mancher Arzt gemeint, es müsse darüber vielleicht ein zehntel der Studien geben, die es über Impfungen gibt und Studien über Homöopathie müßten genauso leicht zu finden sein wie die über Impfungen - also allein bei der Medline so ungefähr 1000. Das ist ganz offensichtlich nicht der Fall.

Für die meisten naturheilkundlichen Richtungen ist es noch wesentlich schwerer, vernünftige Studien darüber zu finden, da alle anderen Methoden (außer Ernährung) seltener angewandt werden und weniger bekannt sind als Homöopathie.

Oft liest man die Behauptung, Naturheilkundliche Methoden wären eben doch nicht so leicht beweisbar, wie immer behauptet würde. Dem allerdings kann ich nicht zustimmen: ihre Wirksamkeit ist meist durchaus Beweisbar, oft sogar leicht beweisbar. - Allerdings können diejenigen, die sie anwenden oder daran verdienen nicht das Geld aufbringen, diese Beweisführung so oft zu wiederholen und so unübersehbar zu publizieren, wie das bei schulmedizinischen Methoden üblich ist.

Zu allen weiter verbreiteten Methoden gibt es zumindest eines, wenn nicht mehrere wirklich gute Bücher, die eine ansehnliche Anzahl von Beweisen für den Nutzen der betreffenden Methode enthalten. Erfahrungsgemäß ist es aber sehr schwierig, diese Bücher zu finden: meist wurden sie vom Autor selbst privat publiziert und in vielen Fällen sind sie nicht einmal im Verzeichnis lieferbarer Bücher eingetragen, so daß man sie nur an der Privatadresse des Autors erhalten kann. Außerdem wurden zu derselben Methode oft zig Bücher veröffentlicht, die behaupten die Methode zu erklären, jedoch so oberflächlich sind, daß man nichts damit anfangen kann, falls man Beweise oder Warnungen vor eventuellen Nebenwirkungen will. (Die sind bei Naturheilkundlichen Methoden allgemein geringer, da es für den Arzt oder Heilpraktiker ein beträchtliches Riesiko darstellt, eine nicht anerkannte Methode anzuwenden, die häufige und gefährliche Nebenwirkungen hat. Selbst wenn es die tatsächlich beste verfügbare Methode wäre, um die betreffende Krankheit zu heilen, würden die meisten Gutachter das vor Gericht überzeugt leugnen, da es ihnen meist nicht bekannt ist. Aus diesem Grund haben Außenseitermethoden mit erheblichen Nebenwirkungen kaum Chancen von Heilpraktikern aufgegriffen und erhalten zu werden.)

Doppelblindstudien bieten eine besondere Schwierigkeit: Stellen Sie sich vor, sie kämen zu einem Heilpraktiker, der sie fragt, ob sie bereit wären an einer placebokontrollierten Doppelblindstudie teilzunehmen. (Placebo: Pille ohne Wirkstoffe) Er hätte mit einer neuen Methode zwei mal aufsehenserregende Erfolge gehabt und wolle nun wissenschaftlich korrekt überprüfen, ob es wirklich an dieser Methode lag. Von der Zusammensetzung des Medikamentes her, ließe sich mit ziemlicher Sicherheit sagen, daß es keine gravierenden Nebenwirkungen hervorrufen kann. Sie müßten aber voll dafür bezahlen, da der Heilpraktiker von seiner Arbeit leben muß und die Medikamente wenig kosten. Würden Sie sich darauf einlassen? Oder würden Sie darauf bestehen, das richtige Medikament zu bekommen, wenn Sie schon bezahlen?

Hinzu kommt, daß der Heilpraktiker vorher nicht Medizin studiert hat und deshalb sich die Fachkompetenz, eine solche Studie korrekt zu erstellen auf eigene Faust erarbeiten müßte. Außerdem kann er dergleichen selbstverständlich auch nicht als Diplom- oder Doktorarbeit einreichen.

Anders ist es in der Schulmedizin: Ärzte haben mindestens studiert und sind deshalb durchschnittlich für wissenschaftliche Arbeit besser ausgebildet als Heilprakter. Arzeneimittelfirmen als Sponsoren, Doktortitel und zusätzliche Forscherpreise als Belohnung für erfolgreiche Forscher, Bezahlung der Behandlungen durch die Krankenkassen und Patienten, die den Stationen eines Krankenhauses nach Krankheiten sortiert zugewiesen werden, bieten die notwendigen voraussetzungen für viele solch teure Studien.

Kersti

V3. Kersti: Impfungen und Homöopathie
V5. Kersti: Braucht Schulmedizin keine Beweise?
V22. Kersti: Sektenstrukturen in der normalen Gesellschaft
V32. Kersti: Heilpraktiker sind realtistischer als Ärzte
V34. Kersti: Medizin: Bitte informiert euch...
V69. Kersti: Wie häufig sind Impfschäden?
V150. Kersti: Den Fachleuten vertrauen?
V230. Kersti: Kriterien zum Bau eines realistischen Weltbildes: Repräsentative Ergebnisse und Ausnahmen
V243. Kersti: Ist die Schulmedizin wirklich so schlecht, wie das hier auf meiner Internetseite erscheint?
V244. Kersti: Warum Vertreter von Außenseitermeinungen besser informiert sind, als Vertreter weit verbreiteter Meinungen
V292. Kersti: Populärwissenschaftliche Bücher?
V293. Kersti: Ist es verboten, Heilungsversprechen zu geben?
V294. Kersti: Warum Außenseitermeinungen für Fachleute schwerer zu verstehen sind als für Laien
V310. Kersti: Gibt es einen Krebserreger?
VA16. Kersti: Wissenschaft als Sekte
VA17. Kersti: Einzelne Heilmethoden
VA20. Kersti: Warum manche Ärzte explodieren, wenn sie von Naturheilkunde hören
VA43. Kersti: Randomisierte Doppelblindstudien - braucht man noch andere Methoden in der Medizin?
VA49. Kersti: Literaturrecherche nach wissenschaftlich fundierter Literatur
VA56. Kersti: Ist Homöopathie Wirkung ohne Wirkstoff?
VA81. Kersti: Haben Viren vielleicht gar nichts mit Krankheiten zu tun?
VA83. Kersti: Aids: manchmal liest man auch seltsame Behauptungen...
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VA107. Kersti: Gesundheit
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VA178. Kersti: Der Unterschied zwischen "schlecht recherchiert" und "nicht allwissend sein"
VA193. Kersti: Kann Homöopathie überhaupt wirken? - Da ist doch nichts drin!
VB6. Kersti: Wer beweist mir den Nutzen von Impfungen?
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VB18. Kersti: Eiweißüberernährung, Ursache vieler Zivilisationskrankheiten
VB30. Kersti: Heilpflanzen sind sicherer als schulmedizinische Medikamente
VB31. Kersti: Medizin - Religion oder Wissenschaft?

Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, http://www.kersti.de/, Kersti_@gmx.de
Da ich es leider nie schaffe, alle Mails zu beantworten, schon mal im voraus vielen Dank für all die netten Mails, die ich von Lesern immer bekomme.