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erste Version zwischen dem 01.05.2000 und dem 07.06.2000
letzte Überarbeitung: 6/06

V79.

Ehre und Treue

Es erscheint vielleicht merkwürdig, daß ich in einer Zeit, wo jeder das Wort Ehre mit den Nationalsozialisten und den unter ihrem Regime begangenen Verbrechen in Verbindung bringt, über Ehre schreibe. Und doch muß es einmal gesagt werden:
Ohne einen Begriff für Ehre bleibt kein Mensch einer guten Sache in schwierigen Zeiten treu.

Denn was auch immer auf Erden besteht,
besteht durch Ehre und Treue.
Wer heute die alte Pflicht verrät,
verrät morgen die neue.

(von Adalbert Stifter)

Es gibt natürlich sehr fragwürdige Ehrbegriffe.

Wenn jemand meint: Es ist unter meiner Würde, mit einer Putzfrau zu sprechen, so liegt dem zweifellos ein fragwürdiger Ehrbegriff zugrunde. Denn eine Putzfrau ist erstens ein Mensch, der zweitens mit einer notwendigen Arbeit seinen Lebensunterhalt verdient. Dafür verdient sie Achtung. Abgesehen davon sollte uns jeder Mensch heilig sein.

Eine andere krankhafte Ehrvorstellung beruht darauf, daß viele Menschen meinen, ihre Ehre wäre vom Handeln anderer abhängig. In den Bereich fällt beispielsweise die Vorstellung, daß eine Frau ihre Ehre verlieren würde, wenn sie vergewaltigt wird. Blödsinn: Der einzige, dessen Ehre dadurch berührt wird, ist derjenige, der dieses Verbrechen begangen hat. Trotzdem lohnt es sich natürlich, sich Gedanken zu machen, wie man sich vor solchen Verbrechen schützen kann, statt darüber zu jammern, wie schlecht doch die Welt sei.

Es werden zweifellos jedem noch weitaus fragwürdigere Ehrvorstellungen einfallen, wenn er ein wenig darüber nachdenkt.

Ehre im positiven Sinne ist immer mit dem Gewissen verbunden:
Es ist unter meiner Würde, gegen mein Gewissen zu handeln. Es ist unter meiner Würde, Unrecht mit Unrecht zu vergelten.

Der Begriff Ehre besagt schlicht, daß unsere Handeln unsere eigene Persönlichkeit, uns selbst beeinflußt. Deshalb lohnt es, sich selbst treu zu bleiben, selbst wenn es dafür keinen sichtbaren Lohn gibt.

So viele Weichen,
so viele Kreuzungen,
so viele Lichter,
so viele Signale
und doch treu bleiben
meinem Weg,
mir selbst,
dem Ziel
und dir.

Es ist die Treue,
die mich
und dich
zum Ziele führt.

(Duc de La Rochefoucauld, (1613 - 1680))

Selbstverständlich gibt es viele Menschen, die das Wort Ehre nicht benutzen und dennoch einer guten Sache treu bleiben. Sie benutzen schlicht andere Worte, um das zu umschreiben, was ich als Ehre bezeichne.

Kersti

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Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, http://www.kersti.de/, Kersti_@gmx.de
Da ich es leider nie schaffe, alle Mails zu beantworten, schon mal im voraus vielen Dank für all die netten Mails, die ich von Lesern immer bekomme.