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erste Version vor: 26.02.01
letzte Überarbeitung: 3/07

V228.

Für was ist man verantwortlich?

Kurz: Jeder ist für alles verantwortlich, was er geziehlt beeinflussen kann. Die größte Verantwortung trägt man unter diesen Dingen für jenes, das kein Anderer übernehmen kann.

Da ein Mensch für alles verantwortlich ist, das er geziehlt beeinflussen kann, heißt das im Endeffekt, daß jeder von uns zu einem gewissen Grade für die ganze Welt verantwortlich ist. Das heißt, unter den gegenwärtigen gesellschaftlichen Umständen, ist es absolut unmöglich, daß die wenigen, die sich darum bemühen, ihrer Verantwortung gerecht zu werden, sich um Alles, für das sie verantwortlich sind, auch kümmern. Denn es gibt ein Vielfaches mehr Mißstände, die nicht genug Menschen zu beheben suchen, als jeder von uns bewältigen kann. Wenn jeder Mensch sich bemühen würde, seiner Verantwortung gerecht zu werden, wäre es dagegen überhaupt gar kein Problem, unsere gegenwärtigen Probleme zu lösen.

Das heißt, wer seiner Verantwortung gerecht werden will, muß zuerst einmal abwägen: "Was muß ich am Dringendsten tun?". Um diese Frage zu beantworten, sind mehrere Kriterien wichtig:

  1. Kann ich es überhaupt beeinflussen?
  2. Kann ich mir bei sicher sein, daß meine gutgemeinten Versuche mehr nützen als schaden?
  3. Gibt es Dinge, um die ich mich dringender kümmern muß, da sie von niemanden anders übernommen werden können?
  4. Womit erreiche ich am Meisten?

Noch einmal einzeln:

  1. Kann ich es überhaupt beeinflussen?
    Wenn ich mir überlege, wofür ich jetzt verantwortlich bin, scheiden durch dieses Kriterium sämtliche Ereignisse aus, die in der Vergangenheit liegen. Das heißt, was vor 50 Jahren geschehen ist, fällt jetzt nicht unter meine Verantwortung, weil ich es heute nicht mehr ändern kann. (Die Schuldfrage muß getrennt davon diskutiert werden. Der Begriff Schuld bezieht sich auf die Vergangenheit, der der Verantwortung auf Gegenwart und Zukunft.) Wenn ich aber heute die Folgen eines solchen in der Vergangenheit liegenden Ereignisses mildern oder aufheben könnte, bin ich dafür verantwortlich, das auch zu tun. Unabhängig davon, ob ich daran schuld bin. Denn die Schuldigen von vor fünfzig Jahren sind heute größtenteils tot.
  2. Kann ich mir sicher sein, daß meine gutgemeinten Versuche mehr schaden als nutzen?
    Angenommen, jemand kommt als einziger zu einem nächtlichen Verkehrsunfall. Da kann es eine Reihe Probleme geben, wo es drei Wahlmöglichkeiten gibt:
    1. Wenn ich nichts tue, ist er tot.
    2. Wenn ich es falsch mache, ist er tot.
    3. Wenn ich es (ungefähr) richtig mache, kann ich ihm damit das Leben retten.
    In solchen Situationen tut man sein Bestes selbst auf die Gefahr hin, daß es falsch sein sollte.
    Dafür, daß ich es richtig mache, kann auch ich nicht immer garantieren - aber wenn jemand am Verbluten ist oder ich glaube, daß er am Verbluten sein könnte, wenn jemand nicht mehr atmet oder sein Herz nicht mehr schlägt, dann kann ich ihm nicht mehr schaden - ich kann ihm höchstens nützen. Solange derjenige, der es besser könnte, nicht in der Nähe ist, ist es im höchsten Maße unnötig, sich darüber Gedanken zu machen, was jemand leisten könnte, der die genau passende Ausbildung zu diesem Problem hat.

    In anderen Fällen gibt es drei andere Wahlmöglichkeiten:

    1. Wenn ich nichts tue, wird die Verletzung im Krankenwagen immer noch ausreichend versorgt.
    2. Wenn ich etwas falsch mache, könnte ich alles noch schlimmer machen.
    3. Wenn ich alles richtig mache, hat das praktisch keinen dauerhaften Nutzen für seine Gesundheit.
    In solchen Fällen tut man am Besten nichts, sondern überläßt es den Fachleuten. Das trifft bei einem Unfall auf Knochenbrüche und Verrenkungen zu. Den Verletzten sollte man also, wenn er nicht von selbst aufsteht, so verrenkt liegen lassen, wie er liegt. Stabile Seitenlage nur bei Bewußtlosen! (Damit ihm nichts Erbrochenes in die Lunge laufen kann, er also Luft bekommt.)
  3. Gibt es Dinge, die ich dringender tun muß, da niemand anders da ist, der sie übernehmen könnte?
    Wenn ich auf dem Weg zu einer dringenden Verabredung bei einem nächtlichen Verkersunfall auf einer einsamen Landstraße vorbeikommen sollte, ist das natürlich ein solcher Fall. Es ist einfach kein anderer da.

    Doch abgesehen davon ist das die Aufforderung, sich zuerst um sich selbst, um Nachbarn (auch um die, die man nicht ausstehen kann ;-) ), um die eigenen Kinder, um Verwandte und enge Freunde zu kümmern, bevor man "den hungernden Kindern in Afrika" dasselbe zukommen läßt. (Wenn aber in diesem Kreis niemand vernachlässigt ist, dann sind wir durchaus aufgefordert, auch für weiter entfertes die Verantwortung zu übernehmen.)

    Daß man sich zuerst um Nachbarn und andere Dinge kümmern sollte, die man täglich beobachten kann, hat einen simplen Grund: Man kann die Langzeitfolgen seiner Hilfe beobachten und auch im Vorhinein besser abschätzen, so daß die Chancen größer sind, daß der Eingriff tatsächlich eine hilfe darstellt als wenn man in einem anderen Land in eine fremde Kultur eingreift.

    Kersti

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Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, http://www.kersti.de/, Kersti_@gmx.de
Da ich es leider nie schaffe, alle Mails zu beantworten, schon mal im voraus vielen Dank für all die netten Mails, die ich von Lesern immer bekomme.