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Zuerst erschienen in Zeitschrift: Idee und Bewegung, Heft 51 (Heft 3/2000)
zuerst auf dieser Internetseite vor: 26.02.2001
letzte vollständige Überarbeitung: 7/2016
letzte Brarbeitung: 8/2016

V238.

Welche Vorteile haben Gedankenkristalle? - Die Stärken und Schwächen des vernetzten Denkens

Inhalt

Übergeordneter Artikel:
V237. Kersti: Der Gedankenkristall

Inhalt des Artikels
V238.1 Kersti: Vernetzte Sachverhalte sind leicht in Gedankenkristallen darzustellen
V238.1 Kersti: Wie ein Ökosystem funktioniert, kann man sich doch leicht merken
V238.1 Kersti: Warum bekommen wir jeden Film mehrfach gezeigt?
V238.2 Kersti: Vernetztes Denken ist notwendig, um unsere Weltprobleme zu lösen
V238.3 Kersti: Einfach strukturierte Sachverhalte bieten zu wenig Anknüpfungspunkte, um sie im Gedächtnis wiederzufinden
V238.3 Kersti: Vokabeln und Geschichtszahlen: Lernaufgaben zum Verzweifeln
V238.4 Kersti: Verständigung über das Kristalldenken: Für jemanden, der sprachlich denkt, kann eine Bauanleitung für ein kompliziertes sechsdimensionales Gebilde nur Wortsalat sein
V238.3 Kersti: Es überraschte mich immer wieder, daß andere meine Gedankengänge unlogisch oder verwirrend fanden
V238. Kersti: Quellen

 
Inhalt

1. Vernetzte Sachverhalte sind leicht in Gedankenkristallen darzustellen

Es fällt mir sehr leicht, mir komplizierte Zusammenhänge einzuprägen. Normalerweise verstehe ich sie beim ersten Lesen oder Hören und habe sie dann dauerhaft im Gedächtnis.

Das liegt daran, dass komplizierte Sachverhalte viele Anknüpfungspunkte haben, wo ich sie mit dem Gedankenkristall meines bisherigen Weltbildes verknüpfen kann und daß ich sie deshalb über mehrere Verbindungslinien desjenigen Gedankenkristalls erreichen kann, der mein bisheriges Weltbild umfaßt.

Beispielgeschichte, Kersti:

Wie ein Ökosystem funktioniert, kann man sich doch leicht merken

Beispielsweise habe ich mir eine Darstellung eines vernetzten Ökosystems, die einmal in "Natur" erschienen war, um zu zeigen, wie undurchschaubar vernetzte Systeme seien, in einer Biologiestunde ein einziges mal durchgelesen.

Zwei Tage später schrieben wir darüber eine Arbeit. Ich konnte die gesamte Darstellung vollständig als Antwort auf eine der Fragen in der Arbeit wiedergeben.

Mir erschien es sehr leich nachvollziehbar, da es genau meiner Denkstruktur entsprach und sich daher leicht in meinem Kopf darstellen ließ. Ich kann ein solches Modell - wenn es ein paar mehr Angaben enthält, die zeigen, wie stark die verschiedenen Wechselwirkungen sind auch als Simulation im Kopf laufen lassen.

Auch beim merken von Filmen ist die Gedankenkristalldenkweise hilfreicher als sprachliches Denken.
Beispielgeschichte, Kersti:

Warum bekommen wir jeden Film mehrfach gezeigt?

Lange wunderte ich mich, daß wir in der Schule mit einigen Jahren Abstand jeden Film mehrfach gezeigt bekamen. Es handelte sich doch nicht um Geschichten, in die man sich hineinfühlen kann, sondern um Sachinformationen. Ich merke mir die Struktur des Filmes als Gedankenkristall unabhängig von meiner Bewertung seiner Inhalte und präge mir Filme schon beim ersten Sehen so vollständig ein, daß ich beim zweiten Sehen keine neuen Einzelheiten bemerke. Es kann dagegen sein, daß mich Jahre später irgendetwas an den Film erinnert, ich schaue mir meine Erinnerungen daran noch einmal neu an und stelle fest, daß etwas, das mir anfangs bedeutungslos erschien, doch bedeutsam ist. Manchmal ändert sich dadurch der Eindruck, den ich von dem Film hatte vollkommen. Wenn ich den Film aber ein zweites mal real-materiell anschaue, ändert das nichts.

Als ich einen Lehrer schließlich in der Berufsschule doch danach fragte, meinte er, man würde doch in Filmen jedesmal etwas Neues entdecken. Ich war überrascht. Das war mir noch nie passiert!

Während ich immer ein Problem damit hatte längere Artikel oder ein Buch zu schreiben und außerdem dazu neigte, dafür eine innere Strukturierung zu wählen, die zu komplex ist, um von meinen Mitmenschen verstanden zu werden, ging mir das Schreiben meiner Internetseite immer leicht von der Hand, weil sich die inhaltlichen Vernetzungen meines Wissens leicht durch die Verlinkung meiner Internetseite darstellen lassen.
VA238.1.3 Kersti: Ich habe das Internet noch nicht fertiggeschrieben!

 
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2. Vernetztes Denken ist notwendig, um unsere Weltprobleme zu lösen

Sowohl menschliche Gesellschaften als auch Ökosystem sind komplex miteinander vernetzte Systeme, haben also eine Struktur, die der Struktur eines Gedankenkristalls entspricht. Daher ist zur Lösung unserer Weltprobleme vernetztes Denken notwendig.
VA234.1.2.2 Kersti: Aufstieg: Komplexität von Weltbildern: Vernetztes Denken

Menschen neigen dazu, wenn sie etwas tun, bei ihrer Planung nur diejenige Wirkung ihrer Handlung zu bedenken, die sie beabsichtigen. Unbeabsichtige Nebenwirkungen übersieht man leicht und schreibt sie oft äußeren Ursachen zu, die nichts mit der eigenen Handlung zu tun hat. Lineares denken das nur eine von vielen Folgen einer Handlung bedenkt, hilft und nur weiter, so lange wir das System in dem wir leben so wenig beeinflussen könnten, daß wir die indirekten Rückwirkungen auf uns selbst nicht bedenken müssen. Wenn wir die Macht haben, das gesamte System zu kippen, müssen wir alle Vernetzungen bedenken, also vernetzt denken können. Das können heute die meisten Menschen jedoch nicht oder nicht im ausreichenden Maße, um selbst einfache Computersimulationen ökologischer Systeme zu verstehen.1., 2.

O6. 3.1.2 Vernetztes Denken
O6. 5.4 Ist es schlecht, von Hochbegabten beherrscht zu werden?

 
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3. Einfach strukturierte Sachverhalte bieten zu wenig Anknüpfungspunkte, um sie im Gedächtnis wiederzufinden

Dinge, die als einfach zu lernen gelten, kann ich mir oft sehr schwer merken.

Beispielgeschichte, Kersti:

Vokabeln und Geschichtszahlen: Lernaufgaben zum Verzweifeln

Einmal übte ich stundenlang fünf (5) Geschichtszahlen. Am nächsten Tag wußte ich davon keine einzige. Danach kam ich zu dem schluß, daß ich mir das geschichtszahlen üben sparen kann, da ja doch nichts dabei herauskommt.

Auch mit Vokabellisten lernen habe ich Probleme. Für etwa die Hälfte der Vokabeln fallen mir brauchbare Eselsbrücken oder etymologische Ableitungen (Herkunft der Wörter) ein. Den Rest kann ich mir absolut nicht merken. Wenn ich dagegen jedes unbekannte Wort am Rand des Textes übersetze, bleibt es durch den Textzusammenhang in meinem Gedächtnis.

Solche Daten haben nur wenige Anknüpfungspunkte, wo ich sie mit bestehendem Wissen in Verbindung setzen kann, daher finde ich sie nachher nicht wieder.

 
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4. Verständigung über das Kristalldenken: Für jemanden, der sprachlich denkt, kann eine Bauanleitung für ein kompliziertes sechsdimensionales Gebilde nur Wortsalat sein

Beispielgeschichte, Kersti:

Es überraschte mich immer wieder, daß andere meine Gedankengänge unlogisch oder verwirrend fanden

Es überraschte mich immer wieder, daß andere meine Gedankengänge nicht nachvollziehen konnten, sie unlogisch oder verwirrend fanden.

Ich ging dann meine Beschreibung noch einmal durch und prüfte, ob ich ihnen alle Zusammenhänge genannt hatte oder versuchte es noch einmal zu erklären - doch das Ergebnis war immer dasselbe. Sie merkten sich zwar einzelne Sätze aus meiner Erklärung, aber fügten sie nicht zu dem richtigen Gesamtbild zusammen. Ich verstand das nicht. Warum können sie nicht denken?

Sie warfen mir oft vor, daß ich mir selbst widersprechen würde, wo ich doch nur zwei Aspekte derselben Sache beschrieben hatte, die sich im Gedankenkristall vollkommen logisch ergänzten.

Ein Beispiel, wo ich so gar nicht verstanden wurde, war genau mein Gedankenkristallartikel, wie ich ihn ursprünglich für Idee und Bewegung geschrieben hatte:
O6. 3.1.3 Verständigung und andere Denkweisen: Meint er wirklich meinen Text?

Ich kam, bis ich erwachsen war, nicht auf die Idee, daß ich grundsätzlich anders denken könnte, als andere Menschen. Sprache war für mich etwas, mit dem man sich verständigt, nichts, das man zum denken verwenden kann, dazu war sie für meine Begriffe viel zu primitiv. Als mir jemand sagte, er würde tatsächlich in Worten denken, traute ich meinen Ohren nicht.
V239. Kersti: Sprachliches Denken

Alles, was ich sage, ist eine Bastelanleitung für einen Gedankenkristall. Und wenn mein Zuhörer sprachlich denkt, also alles, was ich sage aufreiht, wie Perlen auf einer Schnur, kann eine Bauanleitung für ein kompliziertes sechsdimensionales Gebilde für ihn nur Wortsalat sein.

Das ist ein weitaus größerer Unterschied als zwischen Ausschneidebögen zum Basteln eines räumlichen Papiermodells und dem fertigen Modell. Wenn ein solches Modell kompliziert genug ist, kann man auch erst erkennen, was es sein soll, wenn es schon fast fertig zusammengeklebt ist.

Mein gesamtes bisheriges Wissen ist in einem einzigen Gedankenkristall organisiert. Beim Denken sehe ich immer nur einen Teil davon scharf, aber ich kann die Verbindungslinien zu Themen die damit in Verbindung stehen, immer verfolgen.

Es gibt natürlich Sachverhalte, die sich sowohl sprachlich als auch in einem Gedankenkristall verstehen lassen. Und die kann ich auch vermitteln.

 
Inhalt

Quelle

Der Artikel beruht auf dem Abschnitt " Kersti: Welche Vorteile haben Gedankenkristalle" des ursprünglich im Herbstheft 2000 von Zeitschrift: Idee und Bewegung erschienen Artikels:
V237. Kersti: Der Gedankenkristall
von mir und wurde seit 8/2016 stark überarbeitet und erweitert.

Ich schildere, wann immer möglich, selbst erlebte Beispiele. Das tue ich nicht, weil es keine anderen gäbe, mit denen man dasselbe belegen kann, sondern weil ich die Literatur mit neuen, zusätzlichen Beispielen bereichern will.
VA272. Kersti: Wenn meine Beispiele alle von mir handeln - heißt das etwa, daß ich selbstbezogen bin?
Selbst erlebte Beispiele sind - da sie aus erster Hand sind - genauer beschrieben als Beispiele aus meiner Praxis, wo ich die Erklärungen meiner Patienten mißverstanden haben könnte und sie deshalb möglicherweise falsch wiedergeben könnte und diese sind genauer und richtiger als aus der Literatur übernommene Beispiele, da ich bei diesen die betroffene Person nicht einmal persönlich kenne und das Beispiel deshalb möglicherweise in einen falschen Kontext einordne.
V175. Kersti: Kriterien zum Bau eines realistischen Weltbildes: Realitätsnähe

Weitere Quellen waren:

Kersti


Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, http://www.kersti.de/, Kersti_@gmx.de
Da ich es leider nie schaffe, alle Mails zu beantworten, schon mal im voraus vielen Dank für all die netten Mails, die ich von Lesern immer bekomme.