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erste Version vor: 26.02.01
letzte Überarbeitung: 3/07

V251.

Die Kunst, vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr zu sehen, am Beispiel der Ernährung erklärt

Bei Diskussionen im Usenet tritt gelegentlich ein Phänomen auf, daß wirklich erstaunlich ist: Wer den Ratschlag erteilt, bei gleich welcher Krankheit auf eine gesunde Ernährung zu achten und dabei auf Bücher verweist, die die alten Ergebnisse der Ernährungsforschung für Fachleute und interessierte Laien zusammenfassen, bekommt vorgehalten, daß diese alten Ergebnisse doch nur aus populärwissenschaftlichen Büchern stammen würden, daß er lügen würde, daß er keine Heilversprechen machen dürfe, daß das ja alles in der Form wissenschaftlich nicht erwiesen wäre, richtige Forschung würde die Einzelheiten des Stoffwechsels erforschen und nicht so oberflächlich sein. Und bei letzterem, als ich das erste mal las, wollte ich zuerst nicht glauben, daß das ernst gemeint war. - Doch die betreffende Person hat dasselbe noch einmal wiederholt, in einem Zusammenhang, in dem eindeutig war, daß sie wirklich der Ansicht war, daß Forschung nur dann ernstzunehmen sei, wenn sie sich auf die Einzelheiten konzentriert.

Und - dieser Gedanke ist falsch. Wissenschaft ist nur solange ernstzunehmen, so lange sie sich des Allgemeinem bewußt bleibt.

Das erste, und grundlegenste, was erforscht wurde und werden mußte ist die Frage, bei welchen Arten der Ernährung Menschen (und Tiere) gesund oder krank werden. Es wurde bewiesen, daß gesunde Ernährung ein so wichtiger Faktor im Leben ist, daß bei einer gesunden und ausreichenden Ernährung nahezu alle Krankheiten bis zur Bedeutungslosigkeit selten werden. (Es sei denn andere schwere Gründe sprechen dagegen. Auch Mutationen im Erbgut sind selten.) Das wurde anhand Demographischer Studien an verschiedenen Völkern aber auch innerhalb einer geschlossenen Population, anhand von Versuchen ins Schulen, Kindergärten, Irrenanstalten, Gefängnissen, mit Tierversuchen und einer großen Anzahl Selbstversuchen bewiesen.

Der nächste Schritt der Forschung war schon weit weniger grundlegend: es wurde erforscht, welche Bestandteile in der Ernährung wichtig sind (Eiweiße, Fette, Kohlehydrate, Mineralstoffe, Vitamine, Spurenelemente) und dann kam die Verstoffwechselung der Nahrung an die Reihe. So gehört es sich auch.

Aus welchen Bestandteilen sich die Nahrung zusammensetzt, ist nur exakt so lange wichtig, solange wir uns bewußt bleiben, daß Ernährung für unsere Gesundheit wichtig ist und wie wichtig sie ist. Wie die Nahrung verstoffwechselt wird, ist nur so lange für uns wichtig, so lange uns bewußt ist, wie wichtig unsere Nahrung für uns ist. Die alten Forschungen, die beweisen wie wichtig unsere Ernährung ist, sind und bleiben das Grundlegende. Die späteren Forschungen, die erklären, warum die Ernährung genau so wirkt, wie sie wirkt, sind und bleiben Kleinkram, der nur für diejenigen von Bedeutung ist, die sich beruflich damit auseinandersetzen.

Wer aber neue Ernährungsforschungsergebnisse betrachtet, ohne sich der älteren grundlegenden Forschungsergebnisse bewußt zu sein, übt sich in der Kunst, den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr zu sehen.

Kersti

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Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, http://www.kersti.de/, Kersti_@gmx.de
Da ich es leider nie schaffe, alle Mails zu beantworten, schon mal im voraus vielen Dank für all die netten Mails, die ich von Lesern immer bekomme.