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letzte vollständige Überarbeitung: 1-2/2017
letzte Bearbeitung: 2/2017

VA71.

Getreideanbau, Ökologie und menschliche Ernährung

Inhalt

Übergeordnete Artikel:
V6. Kersti: Gesunde Ernährung
Dieser Artikel:
VA71.1 Kersti: Geschichte des Getreideanbaus und der Getreidenutzung
VA71.1.1 Kersti: Aßen Jäger- und Sammlervölker Getreide?
VA71.1.2 Kersti: Landnutzung in der späten Steinzeit (Neolithikum): Gute Ernten durch Brandrodung
VA71.1.3 Kersti: Landnutzung von der Bronzezeit bis zur frühen Neuzeit: Dreifelderwirtschaft mit Mistdüngung
VA71.1.4 Kersti: Von den letzten Jahren der Steinzeit bis heute: immer bessere Pflüge
VA71.1.5 Kersti: Getreideanbau zerstört den Mutterboden
VA71.2 Kersti: Gesundheit und Getreide
VA71.2.1 Kersti: "Ohne Vollkorn kann man sich nicht ausreichend ernähren." oder "Vollkorngetreide ist so ungesund - da ist selbst Weißmehl besser"?
VA71.2.2 Kersti: Getreideanbau und die Gesundheit der Menschen: Bauern hungern länger
VA71.2.3 Kersti: Das Auszugsmehl: Ernährungssünde des Industriezeitalters
VA71.2. Kersti: Text
VA71. Kersti: Quellen

 
Inhalt

1. Geschichte des Getreideanbaus und der Getreidenutzung

Anmerkung: Als Bauern bezeichne ich im folgenden Text Personen deren Nahrungsmittel, wie das traditionell bei Bauern üblich war, zum weitaus größten Teil vom eigenen Land stammen. Diese Aussagen gelten nicht für die Bauern des Industriezeitalters, die letztlich industrielle Nahrungsmittelproduktion betreiben.

1.1 Aßen Jäger- und Sammlervölker Getreide?

In " Buch: Ethisch Essen mit Fleisch" schrieb Autor: Lierre Keith "Es existierte gar kein Getreide, bevor die Menschen vor höchstens 12 000 Jahren einjährige Gräser domestizierten" 5. S.9. Diese Aussage ist zwar wahr, da man nur domestizierte Gräser als Getreide bezeichnet, aber gleichzeitig auch grob irreführend, denn selbstverständlich existierten die Wildformen besagter Gräser und anfangs waren waren die domestizierten Formen den wilden Gräsern noch zum Verwechseln ähnlich. Daneben haben Menschen schon, bevor sie diese einjährigen Gräser domestiziert haben, deren wildwachsende Ahnen gegessen, sonst wären sie nicht auf den Gedanken gekommen, daß es sich lohnen könnte, sie zu domestizieren. Man kann also annehmen, daß Menschen Grassamen schon lange gegessen haben, bevor sie begonnen haben, Getreide anzubauen.

Wie hoch der Anteil der Grassamen an der Ernährung der Jäger- und Sammlervölker war, weiß ich nicht wirklich. Das dürfte aber auch je nach Jahreszeit und Lebensraum sehr unterschiedlich gewesen sein. Er kann aber bei weitem nicht so groß gewesen sein, wie er heute ist, denn das typische Jäger- und Sammlervolk nutzt etwa tausend verschiedene Pflanzenarten für seine Ernährung. Der typische mittelalterliche Bauer nutzte sicher weniger als fünfzig Arten, von denen wir die meisten noch heute als Getreide, Obst und Gemüse kennen. Neben den Wildformen der Getreide wurden von den Jäger- und Sammlervölkern zweifellos auch andere Grassamen (mit Ausnahme von (Lolium temulentum) bringen im deutschen Sprachraum alle einheimischen Gräser eßbare Samen hervor6. S.28), Samen anderer Pflanzen und Speicherwurzeln von Pflanzen gegessen, um an Stärke als Nahrungsmittel zu kommen.

Die Wildformen unserer Getreide unterschieden sich von den heutigen Kulturformen auf dieselbe grundsätzliche Weise wie sich auch unser heutiges Obst und Gemüse von den zugehörigen Wildformen unterscheidet. Sie waren eßbar, aber in Abwehrstoffe gegen Freßfeinde wie Menschen, in Schale und Keim investierte die wilde Pflanze mehr als unser heutiges Getreide das tut. Unser heutiger Weizen hat größere Samen, die einen höheren Anteil an Stärke enthalten, als das bei den wilden Gräsern, von denen er abstammt, der Fall war. Ergebnis: Mehr Kalorien, weniger Ballaststoffe, weniger andere wertgebende Inhaltsstoffe als die Wildform.

 
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1.2 Landnutzung in der späten Steinzeit (Neolithikum): Gute Ernten durch Brandrodung

Der letzte Abschnitt der Steinzeit ist die Jungsteinzeit, in der die ersten Menschen seßhaft wurden. In den Jahren 11000 - 3500 v. Chr. entwickelten sich nach und nach die Grundzüge der Landwirtschaft. In der Zeit von 10.000 – 9000 v. Chr., domestizierten Menschen, die keine Keramik nutzten (Präkeramisches Neolithikum A und B) im Vorderen Orient die wilden Weizenarten Einkorn (Triticum monococcum) und Emmer (Triticum dicoccum) sowie Gerste (Hordeum vulgare) 9000 – 7000 v. Chr. wurden auch Hülsenfrüchte wie Linse (Lens esculenta), Erbse (Pisum sativum), Kichererbse (Cicer arietinum) und möglicherweise auch die Bohne (Vicia faba), sowie Ziege (Wildform: Capra aegagrus) und Schaf (Wildform: Ovis orientalis) domestiziert. 9.

Das Rind wurde spätestens 6000 v. Chr. domestiziert und erreichte zusammen mit der Landwirtschaft der Linienbandkeramik-Kultur 5500 v. Chr. Mitteleuropa. Die Rinder wurden relativ früh auch gemolken aber erst beim Übergang zur Bronzezeit als Zugtiere eingesetzt. Man kann also davon ausgehen, daß die Landwirtschaft der Jungsteinzeit ohne Zugoxen und die noch später domestizierten Pferde und Esel auskommen mußte, die man hätte vor den Pflug spannen können, daher wurden Felder in der Steinzeit nicht gepflügt. 9.

In der ersten Phase der Jungsteinzeit in Mitteleuropa wurde Ackerbau nur in Lößlandschaften betrieben, da diese besonders fruchtbar waren. Der Ackerbau löste überall, wo er als Wirtschaftsform eingeführt wurde, eine Bevölkerungsexplosion aus, denn die Agrarproduktion ermöglichte es den Menschen, pro Flächeneinheit mehr Nahrung bereitzustellen, als es durch Jagd oder durch das bloße Sammeln von Pflanzenteilen möglich war. Bevölkerungswachstum hielt so lange an, bis alle geeigneten Lößstandorte für den Ackerbau erschlossen waren. 10.

In der jüngeren Steinzeit kamen etwa 30 Unkrautarten vor, meist Arten, deren Samen in der Höhe der Getreideähren reifen, und die mit den Getreideähren bei der Ernte abgeschnitten wurden. 11.

Die Ackerbauform der Jungsteinzeit fällt unter den Begriff der Urwechselwirtschaft12.. In der Landwirtschaft der Jungsteinzeit wurden zunächst die Bäume auf dem geplanten Feld gefällt, dann das Feld abgebrannt und für zwei Ernten bebaut, ohne das Feld zu flügen, da ja noch keine Zugtiere für den Pflug zur Verfügung standen. Dadurch daß die Felder abgebrannt worden waren, wuchs dort praktisch kein Unkraut während das Getreide durch die Asche gut gedüngt war, der Boden der schwarzen Fläche wärmer war und eine sinnvolle Wasserversorgung sichergestellt war. Nach diesen zwei Jahren wären mögliche Ernten oft geringer gewesen als die Menge des ausgesäten Korns und waren deshalb nicht mehr praktikabel. Daher wurde das nächste Feldstück abgebrannt und besät. Nach frühestens zehn Jahren kann dasselbe Stück Feld erneut abgebrannt und besät werden. Allen anderen Feldbauverfahren war dieses Verfahren, wenn man die Möglichkeiten der Steinzeitbauern zugrundelegt, weit überlegen, da hohe Ernten mit wenig Aufwand zu erreichen waren. 6.

Diese Form des Feldbaus endete etwa mit Beginn der Bronzezeit an einigen Orten. Das geschah jedoch nicht überall gleichzeitig. Bis zum Beginn des Frühmittelalters war der Ackerbau in Form der Urwechselwirtschaft in Europa noch weit verbreitet12.. Da im Siegerland für die Metallverhüttung viel Holz gebraucht wurde, wurde hier bis weit in die Neuzeit hinein ein dem jungsteinzeitlichen Ackerbau ähnliches Verfahren betrieben, das sich Haubergswirtschaft nannte. Ein solcher Hauberg war im Besitz einer Genossenschaft, die ihn in 16 bis 20 Schläge aufteilte, von denen in jedem Jahr einer geschlagen wurde. Zunächst wurde das Holz geerntet und zur Holzkohlegewinnung genutzt, den Eichen aber nur die Äste abgeschlagen, da die Eichenrinde im Mai, nachdem der Saft gestiegen war, abgeschält und zur Gewinnung von Gerberlohe genutzt wurde und deren Stämme daher erst nach der aussat des Getreides gefällt und zu Holzkohle verarbeitet wurden. Der Boden wurde abgebrannt und mit Holzpflügen gepflügt umd das Wurzelwerk der Bäume nicht zu schädigen. Nachdem zwei Jahre lang Roggen auf den Feldern angebaut worden waren, ließ man sie brach liegen, bis der Jungwuchs hoch genug war, daß man das Vieh auf die Flächen treiben konnte, um das Land als Waldweise zu nutzen, bis nach 16-20 Jahren erneut Holz geschlagen und Reiser und Unterholz durch Brandroung in düngende Asche verwandelt wurde. 7. S.292; 8. S.16

Gegen Ende des 4. Jahrtausends vor Christus - also ungefähr zu der Zeit, als Ochsengespanne als Zugtiere aufkamen, wurden die die Jungmoränenlandschaften für den Ackerbau erschlossen. Es wurden sandreiche Standorte in Norddeutschland und schwerere und fruchtbare Böden im Alpenvorland, im Osten der Jütischen Halbinsel und in Mecklenburg unter den Pflug genommen. 10.

 
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1.3 Getreide und Hackfruchtanbau von der Bronzezeit bis zur frühen Neuzeit: Dreifelderwirtschaft mit Mistdüngung

An besonders dafür geeigneten Standorten trat die Dreifelderwirtschaft, also eine Landnutzungsform, bei der die Felder zwei Jahre lang bebaut und ein Jahr lang brachliegen gelassen wurden schon gegen Ende der Jungsteinzeit auf, also zu der Zeit, als begonnen wurde, mit Zugochsen zu pflügen6.. Seit dem Frühmittelalter setzte sich diese Wirtschaftsform zunehmend flächendeckend durch12..

Außerhalb der Feldflur gab es ausgedehnte Hutewälder6.1, in die das Vieh getrieben wurde, während es die Nacht in kleinen Gehegen oder im Stall verbrachte. Hutewälter wurden meist als dreischichtige wälder bewirtschaftet. In der Oberen baumschicht wurden vor allem Eichen gefördert, da sie gutes wetterfestes Bauholz und Eicheln für die Schweinemast lieferten. Die Strauchschicht diente der Brennholznutzung. Nach der Brennholznutzung wurden Bodenfeuer gelegt, um eine Krautschicht zu erhalten, die besser als Viefutter geeignet war. 6.

Das Vieh war für den Ackerbau notwendig, weil der Mist bei der Dreifelderwirtschaft nötig ist um die Bodenfruchtbarkeit der Felder so weit aufrecht zu erhalten daß eine dauerhafte Bewirtschaftung möglich ist. Die Ställe dienten dazu, die Mistdüngung effektiver zu gestalten, das Vieh selbst brauchte die Ställe nicht. Der Nährstofftransfer von den Wäldern auf die Felder, der durch die Mistdüngung zustande kam führte auf lange Sicht zur Verheidung der Wälder, da die Wälder immer nährstoffärmer wurden. Dies wurde weiter begünstigt, wenn in armen Gegenden das Stroh der Felder als Viehfutter und Laub der Bäume als Einstreu in den Ställen verwendet und mit dem Mist auf die Felder aufgebracht wurde. Bei der Plaggenwirtschaft, die im Flachland westlich der Weser verbreitet war, wurde die obere Bodenschicht (sogenannte Plaggen) der Heide abgetragen, abgeplaggt, um die Felder damit zu düngen und deshalb auf das Brachejahr der Dreifelderwirtschaft verzichten zu können. 6., 12.

Dinkel (Triticum spelta) lösten den Nacktweizen gegen Ende der Jungsteinzeit als Hauptbrotfrucht ab. In der späten Bronzezeit kamen Dinkel, Spelzgerste (Hordeum vulgare ssp. vulgare), Hirsen (Panicum miliaceum und Setaria italica) hinzu die auch in der Eisenzeit und teilweise darüber hinaus die größte wirtschaftliche Bedeutung hatten. Roggen und Hafer kamen ab dem Mittelalter hinzu. Die Veränderungen bei den Kulturpflanzenspektren sind durch geringere Verfügbarkeit von Bodennährstoffen im Ackerbau trotz Mistdüngung zu erklären. Hier dürfte vor allem die vom Weizen bekannte sinkende Verfügbarkeit bei zunehmender Versauerung von Bedeutung gewesen sein. 6.

 
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1.4 Von den letzten Jahren der Steinzeit bis heute: immer bessere Pflüge

In der ersten Phase der Jungsteinzeit in Mitteleuropa wurde Ackerbau nur in Lößlandschaften betrieben, da diese besonders fruchtbar waren. Gegen Ende des 4. Jahrtausends vor Christus - also ungefähr zu der Zeit, als Ochsengespanne als Zugtiere aufkamen, wurden die die Jungmoränenlandschaften für den Ackerbau erschlossen. Es wurden sandreiche Standorte in Norddeutschland und schwerere und fruchtbare Böden im Alpenvorland, im Osten der Jütischen Halbinsel und in Mecklenburg unter den Pflug genommen. Zur damaligen Zeit wurde mit einem Hakenpflug gepflügt. 10.

Erst als in der Bronzezeit Metallgeräte zur Verfügung standen, konnten wieder neue Gebiete nutzbar gemacht werden. Etwa ab 2000 vor Christus wurden Schwemmlehme in Tälern der Kalkgebirge gepflügt, die nur mit wenigen scharfkantigen Steinen durchsetzt sind. Die metallenen Bodenbearbeitungsgeräte waren nicht mehr so empfindlich wie ihre Vorläufer in der Steinzeit und zersprangen nicht, wenn sie auf einen Stein stießen. Sehr flachgründige und sehr steinige Flächen konnte man damit aber noch nicht pflügen. 10.

Etwa im 8. Jahrhunder vor Christus kam Eisen als Rohstoff auf, so daß die Pflüge und Hacken haltbar genug waren um die schweren Böden der See- und Fluschmarschen zu bearbeiten. Auch un Silikatgebirgen, wie dem Hunsrück und der Eifel, konnten Ackerflächen angelegt werden. In römischer Zeit geschah das im Schwäbi- schen Wald, aber erst im Mittelalter vielerorts im Harz, im Erzgebirge, im Böhmer- und im Schwarzwald. 10.

 
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1.5 Zerstört Getreideanbau den Mutterboden?

In " Buch: Ethisch Essen mit Fleisch" schrieb Autor: Lierre Keith "Die Kultur des Pflügens hat in Kanada 90% des ursprünglichen Mutterbodens zerstört. Tatsache ist, daß das verschwinden der Ackerkrume mit der globalen Erwärmung als Umweltrisiko konkurriert." Lierre Keith erwähnt Kanada, die amerikanische Prärie, . 5. S.10

Stimmt das? Grundsätzlich ja. Wann immer man Getreide anbaut, muß zuvor sichergestellt werden, daß auf dem Boden gerade nichts anderes wächst, damit die Getreidesämlinge eine Chance haben, sich durchzusetzen. Das führt dazu, daß der Boden vorübergehend nicht mehr durch Wurzelwerk festgehalten wird und weggespült oder weggeweht werden kann.

Wie ich oben beim steinzeitlichen Getreideanbau schrieb, reichen zwei Jahre Getreide auf abgebrannten Feldflächen damit kein sinnvoller Getreideanbau ohne pflügen mehr möglich ist und wenn nach zehn Jahren erneut Brandrodung betrieben wird ist der Wald wesentlich lichter als vor Beginn dieser Urwechsechselwirtschaft. Es gibt in diesen Wäldern Mutterboden, der nach einer gewissen Zeit nicht mehr erkennbar abnimmt, weil die Abstände zwischen den Getreideanbauphasen so gewählt werden, daß sich ein neuer Anbau lohnt, doch die Mutterbodenschicht ist deutlich dünner als vor Beginn dieser Bewirtschaftungsform.

 
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2. Gesundheit un Getreide

2.1 "Ohne Vollkorn kann man sich nicht ausreichend ernähren." oder "Vollkorngetreide ist so ungesund - da ist selbst Weißmehl besser"?

Jäger und Sammler essen gejagte Tiere, gesammelte Kleintiere und wilde Pflanzen. Wie ich oben schon schrieb, unterscheiden sich die domestizieten Getreidesorten zunehmend von ihren wilden Verwandten, indem sie größere Körner mit einem höheren Stärkeanteil erzeugen. Dieses stärkereiche Getreide dient als regelmäßig gegessene Grundlage der Ernährung. Insgesamt kann man davon ausgehen, daß die Nahrung der Bauern stärkereicher ist als die der Jäger- und Sammlervölker. Wie hoch der Getreideanteil an der Ernährung ist, ist unterschiedlich, da es davon abhängt, wie hoch der Anteil an durch Ackerbau nutzbarem Land an der Gesamtlandfläche ist.

"Ohne Vollkorn kann man sich nicht ausreichend ernähren." oder "Vollkorngetreide ist so ungesund - da ist selbst Weißmehl besser"?
Beide Aussagen habe ich schon gelesen - und für beide wurden so ernsthafte Gründe und Erfahrungen angeführt, daß ich sie nicht so einfach als falsch beiseiteschieben kann. - Aber - was stimmt nun?

Keiner der beiden Sätze stimmt völlig. Wenn man in der Ernährung eine nennenswerte Menge Mehl zu sich nimmt, sollte es Vollkornmehl sein. Aber es gibt durchaus Ernährungsformen, die ohne Vollkorngetreide vollkommen ausreichend und ausgewogen sind.

Doch es gibt Menschen die - besonders bei Morbus Crohn - größere Mengen Stärke und Getreideprodukte nicht gut vertragen und durch eine Stärkearme Ernährung geheilt werden können1.. Viele andere Krankheiten lassen sich nachweislich heilen, indem man im Rahmen einer Vollwerternährung Vollkornmehl statt Auszugsmehlen nimmt2., 3., 4. S.189ff

Die Lösung des Rätsels besteht - wie so oft - darin, daß nicht alle Menschen gleich sind. Und auch das ist schon lange bekannt.

Tatsache ist, daß daß Vollkorngetreide einige Vitamine und dergleichen enthält, die der menschliche Körper braucht, und daß man daran Mangel leidet, wenn man Vollkornmehl durch Weißmehl ersetzt2., 3., 4. S.189ff. Tatsache ist auch, daß viele Menschen durchaus gesund bleiben, wenn sie sich mit erheblichen Mengen Vollkornmehl ernähren. Andere Menschen werden bei derselben Ernährung krank, weil sie Vollkornmehl nur in geringeren Mengen vertragen1..

Auch das ist schon lange bekannt - vor hundert Jahren erkannte man die Menschen, die Vollkornmehl schlecht vertragen an ihrem Aussehen und der Neigung zu bestimmten Krankheiten. Man sagte, daß sie eine lymphatische Konstitution hätten, zählte Getreidebreie zu den schleimbildenden Nahrungsmitteln, die Menschen mit lymphatischer Kontitution nicht vertragen. D'Adamo dagegen erkennt Ernährungsbedürfnisse an der Blutgruppe.

Es gibt natürlich auch noch eine andere denkbare Erklärung: Vielleicht ist Stärke für einige nur dann gesund, wenn man sie gut kaut und das Brot so lange im Mund behält, bis sie nahezu vollständig in ihre Einzelzuckerbausteine zerlegt ist. Dann wird sie im Darm schneller aufgenommen und Darmbakterien finden weniger Nahrung. Vielleicht sind es in Wirklichkeit Darmbakterien, die bei Morbus Crohn die Darmwand angreifen. In dem Fall hängt es von geringfügigen Unterschieden in der Ernährung ab, welche Bakterien die Oberhand behalten - schädliche oder nützliche.

Abgesehen davon gibt es natürlich auch von allem ein zuviel - wenn ein Mensch morgens Müsli oder frischen Griesbrei, mittags Nudeln, Graupen, Pfannkuchen oder Getreidebreie und abends Brot ißt, und das täglich über Jahre hinweg, dann ist höchstwahrscheinlich der Getreideanteil an der Ernährung zu groß, auch wenn alles aus Vollkornmehl hergestellt wurde - und das ist auch nicht gesund.

 
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2.2 Getreideanbau und die Gesundheit der Menschen: Bauern hungern länger

Der zweite Unterschied in der Ernährung zwischen Jägern und Sammlern einerseits und Bauern andererseits ist wesentlich weniger offensichtlich: in einer Bauernbevölkerung hungern wesentlich mehr Menschen wesentlich größere Teile ihres Lebens, während sie gleichzeitig wesentlich länger arbeiten. Dies hängt mit zwei Faktoren zusammen. Der eine hat damit zu tun, daß Menschen sich grundsätzlich recht schnell vermehren, bis sie die Grenzen der biologischen Tragfähigkeit ihres Landes erreicht haben. Das zweite ist: direkt nach der Ernte weiß die Hausfrau genau, wie viel Getreide sie bis zur nächsten Ernte zur Verfügung haben wird. Sie teilt für die Familie dieses Getreide so ein, daß es das ganze Jahr reicht, um zu überleben. Wenn es das ganze Jahr reicht um satt zu werden, gut, wenn es dazu nicht reicht, wird die Familie das ganze Jahr über Hunger haben - es sei denn natürlich, man könnte zusätzliches Getreide dazukaufen, weil man dazuverdienen kann. Wenn man aber dazuverdienen kann, werden sich die Menschen wieder vermehren, bis ein erheblicher Teil von ihnen sein gesamtes Leben unterernährt ist. Da Bauern auch im Umfeld ihres Wohnortes sammeln, verdrängen sie die Jäger- und Sammlervölker aus allen Gegenden, die sie besiedeln können. Wenn die Ernte erheblich schlechter ist als normal, steht im allgemeinen auch nicht im Totenschein daß sie verhungert sind, sondern sie sterben an allen möglichen Infektionskrankheiten, weil sie über einen langen Zeitraum zu schlecht ernährt sind.

Um das zu illustrieren, möchte ich hier zwei Beispiele bringen, die mir meine Schwester Uta aus ihrer Familienforschung erzählt hat.

Immer mit ungefähr zweieinhalb Jahren starb das Kind

Meine Schwester erzählte, daß sie sich bei einer Familie, die zu unseren Vorfahren zählte immer gewundert hatte, warum sie alle paar Jahre ein Kind bekamen, das dann immer mit ungefähr zweieinhalb Jahren starb.
"Irgendwann fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Immer ein halbes Jahr später kam nämlich das nächste Kind zur Welt. Zu der Zeit wird bei der Mutter die Milch versiegt sein und das Kind wird von dem was die Eltern mit ihrem zu kleinen Hof essen, nicht haben leben können, weil das Verdauungssystem noch nicht ausgereift genug war, um mit der Ernährung der Erwachsenen zurechtzukommen." beendete sie die Geschichte.

Ich wunderte mich, warum in einem Jahr so viele Leute an Gehirnfieber und anderen seltsamen Krankheiten starben

Mit diesen Worten begann meine Schwester über etwas, daß ihr beim aufstellen eines Ortsfamilienbuches auffiel zu erzählen. Sie hatte sich beim durchsehen des Kirchenbuches lange gewundert, woran das wohl liegen mochte, bis ihr irgendwann bewußt wurde, daß ungefähr in denselben Jahren in Irland die Kartoffelfäule war. Sie nahm daher an, daß die vielen seltsamen Krankheiten darauf zurückzuführen waren, daß die Kartoffelfäule in diesem Jahr zu einer schlechten Ernte in dem Dorf geführt hatte und daß die Leute letztlich verhungert waren, auch wenn "verhungert" nicht im Totenschein stand.
Jäger und Sammler legen weniger Vorräte an. Da sie von Lagerplatz zu Lagerplatz reisen, können sie nur wenig mitnehmen, werden ihre Winterlager daher an Stellen angelegt haben, wo sich in der Nähe im Herbst gut ein ausreichender Wintervorrat ernten läßt und eben nur für den Winter Vorräte gesammelt haben. Ist der Wintervorrat knapp, hungern sie höchstens den Winter, den Rest des Jahres können sie sich ausreichend ernähren. Jäger- und Sammler verhungern nicht häufiger als Bauern, aber sie leiden nicht ein ganzes Leben lang nahezu pausenlos Hunger, ohne gleich zu verhungern. Sie haben immer jedes Jahr einige Monate in denen sie regelmäßig satt werden.

Das bedeutet aber nicht zwangsläufig daß arme Bauern krank sein müssen. Im Gegenteil sind gerade einige Gruppen mit armen, dauernd unterernährten Bauern den Ernährungsforschern als besonders gesund aufgefallen, so die Hunza.

Angehörige von Jäger- und Sammlervölker sind die meiste Zeit ihres Lebens ausreichend ernährt, stehen aber manchmal mehrfach in ihrem leben kurz vor dem Verhungern und haben meist eine gute Gesundheit. Arme Bauern sind oft ein ganzes Leben lang unterernährt, haben aber manchmal trotzdem eine gute Gesundheit. Merke: Unterernährt ist nicht gleich Fehlernährt und ist bis zu gewissen Grenzen durchaus mit Gesundheit vereinbar.

 
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Das Auszugsmehl: Ernährungssünde des Industriezeitalters

Unsere instinktive und biologische Austattung rechnet nicht damit, daß wir jemals in die Situation kommen könnten, daß wir zu viel stärke oder Zucker zur Verfügung haben könnten, während Vitamine, Mineralstoffe und andere essentielle Nahrungsbestandteile nicht in ausreichender Menge zu finden sind. So etwas kann einem Angehörigen eines Jäger- und Sammlervolkes nicht dauerhaft gelingen und ist für den Bauern der vom eigenen Land und eigenen Produkten lebt, schwer zu erreichen und mit so viel arbeit verbunden, daß er die Randschichten des Mehls nur für den Sonntagskuchen aussieben wird.

Da es ein zu viel daran in der natur nicht wirlich gibt, ziehen wir Zucker- und Stärkereiche Produkte Produkten vor, die arm daran sind.

Kersti

Quelle

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