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VA144.

Hundehumor

Inhalt

VA144.1 Kersti: Verhalten, das humorvoll wirkt, bei Hunden
VA144.1 Kersti: Frechheit siegt!
VA144.1 Kersti: Widu, töte, töte!
VA144.2 Kersti: Was ist Humor?
VA144.3 Kersti: Haben Hunde wirklich Humor oder ist es eine unzulässige Anthropomorphisierung, ihnen Humor zu unterstellen?
VA144. Kersti: Quellen

 
Inhalt

Verhalten, das humorvoll wirkt, bei Hunden

Beispielgeschichte, Kersti:

Widu, töte, töte!

Um den Witz der Geschichte zu verstehen, muß man wissen, daß Widu ein gutmütiger Hund war - und daß er noch nie eine Katze gebissen hat. Auch nicht die, die einfach stehengeblieben sind und ihn herankommen lassen haben. Eines Tages machte einer meiner Brüder mit ihm einen Spaziergang im Reinhardswald und begegnete dort einem Jogger. Mein Bruder zeigte auf den Jogger und in demselben Tonfall in dem wir ihn immer mit den Worten "Widu Katze, Katze!" auf - zumeist nicht vorhandene - Katzen hetzten, rief er "Widu töte, töte!" Laut bellend stürmte der Dackel auf den Jogger los und hielt nach fünf Metern an, um sich beifallsheischend nach meinem Bruder umzusehen. Der Jogger war nachher doppelt so schnell. Als mein Bruder mir die Geschichte erzählte, meinte ich kritisch: "Na jetzt weiß ich ja, warum die Erwachsenen die Jugend von heute so unmöglich findet!" aber ich konnte nicht anders als darüber zu Lachen.
Wenn man so etwas hört, fragt man sich, ob der Dackel das mitgemacht hatte weil er les lustig fand, daß ein ausgewachsener Mensch vor ihm wegrennt. Bei der Geschichte, wo er meinte, unbedingt den Weihnachtsbaum markieren zu müssen, obwohl ihm duchaus bewußt war, daß er das nicht durfte, ist das noch deutlicher.
VA11.2 Kersti: Ein echter Baum gehört markiert!

Außerdem war er durchaus in der Lage meinen Humor sehr gezielt auszunutzen und das ist nur dann wirklich erklärlich, wenn er sehr gut nachvollziehen kann, wie ich mich fühle, wenn ich lache und warum so etwas deshalb funktioniert.

Beispielgeschichte, Kersti:

Frechheit siegt!

Eines Tages stellte ich beim Einkaufen fest, daß ich die Leine vergessen hatte. Ich befahl ich meinem Dackel Widu, draußen zu warten und ging ins Geschäft. Zwar wußte ich, daß er kaum die Geduld haben würde, da zu bleiben, doch fand ich daß es ausreichte, ihn pro Forma draußen zu lassen, denn im Geschäft würde er garantiert nichts anrühren, was dort in den Regalen lag. Ein paar Minuten ging das gut. Dann kam der Hund auf den Gedanken, daß es draußen eigentlich viel zu langweilig war. Aus Hundesicht hatte die Tür des Geschäfts eine wunderbare Eigenschaft: sie öffnet von ganz alleine auch für Dackel. Also ging er hinein und schaute sich neugierig um.
"Wem gehört der Hund?" störte die Stimme einer Verkäuferin meinen Einkauf.
Ich sah nach, entdeckte - wie ich befürchtet hatte - daß es Widu war, schnappte den Dackel, brachte ihn nach draußen und hielt ihm eine Strafpredigt. Er zog den Schwanz ein, hörte sich das an und war fünf Minuten später wieder im Laden. Diesmal fiel meine Strafpredigt schon heftiger aus. Als er zum dritten mal hereinkam konnte ich schließlich nur noch lachen. Ich schwöre, er hat mich ganz frech angegrinst!

 
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Was ist Humor?

Bei Schimpansen gibt es einen Gesichtsausdruck, den die Verhaltensforscher Spielgesicht nennen. Kurz zusammengefaßt sieht es aus wie ein Lachen und sie ziehen dieses Gesicht immer, wenn sie spielen oder einander necken. Also immer dann, wenn sie einander sagen wollen: keine Angst, das ist nicht ernst, das ist nur ein Spaß.2.

Ratten geben wenn man sie kitzelt ein Schirpen im Ultraschallbereich von sich, das bei ihnen auch immer dann zu hören ist, wenn sie miteinander spielen. Von den forschern wird es deshalb ein ein Lachen gedeutet.3.

Wann lachen Menschen denn? Nun, auch wenn sie spielen, wenn sie einander necken, wenn sie sagen wollen, keine Angst, das ist nur Spiel nur Spaß, wir tun dir nicht wirklich etwas zu leide. Selbstverständlich lachen wir nicht bei jedem Spiel - wir können ja auch sagen: Wir spielen jetzt Rotkäppchen und der böse Wolf - und du bist der Wolf, deshalb mußt du ganz gefährlich aussehen. Oder wir können uns so verkleiden oder unsere Wortwahl so ändern, daß jeder weiß: keine Angst, das ist nur ein Spiel. Aber prinzipiell hat das "Spielgesicht" dieselbe soziale Funktion wie das Lachen. - Und mir ist schleierhaft, warum man es dann nicht gleich Lachen nennt.

Ich würde vermuten, die einzigen Tiere, die keinen Humor haben, sind Tiere die kein Sozialverhalten haben, weil sie einzeln leben und sich auch um ihre Kinder nicht kümmern. Jedes Säugetier braucht mindestens als Jungtier Humor, um mit seinen Geschwistern auszukommen, nur Reptilien kommen auch ohne aus. Und je gefährlicher ein Tier ist und je enger es mit seinen Artgenossen zusammenlebt, desto humorvoller muß es sein.

 
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Haben Hunde wirklich Humor oder ist es eine unzulässige Anthropomorphisierung, ihnen Humor zu unterstellen?

Der wilde Vorfahre des Hundes, der Wolf, ist eines der gefährlichsten Tiere, die es auf der Welt gibt. Nur wenige Tiere sind ihm überlegen, etwas mehr sind fähig, mit ihm gleichzuziehen. Er ist ein soziales Tier und spielt als Raubtier neben Rangkämpfen auch noch Fangen - oder Jagd, aber mit zupacken und umwerfen und angedeuteten "totschütteln" des Spielpartners. Der Wolf braucht also selbstverständlich eine Möglichkeit seinen Mitwölfen zu sagen: keine Angst, das ist nur Spiel, das ist nur ein Spaß. Ohne das, würde er ja nie wissen, ob das, was er gerade mit seinem Bruder, seinem Kind oder seiner Frau tut, nun Spiel oder lebensgefährlicher Ernst ist. Es muß also eine wölfische Entsprechung des Lachens geben, denn sonst könnte ein Wolfsrudel nicht funktionieren.

Tatsächlich gibt es ein Hundelächeln: der Hund reißt das Maul auf, ohne dabei wie beim Zähneblecken die Nase kraus zu ziehen. Für einen Menschen sieht es nicht wie ein Lächeln aus, es ist aber - wie das menschliche Lächeln - aus dem Zähnefletschen entstanden. Und wie es bei nah verwandten Menschenaffen Drohgebärden gibt, die dem menschlichen Lachen zum verwechseln ähneln, droht ein Fuchs mit demselben Gesichtsausdruck - nämlich Maulaufreißen - der für Hunde ein Lächeln ist.1., 3., 4.

Instinktiv erkennt der Mensch das Zähnefletschen des Hundes sofort als Drohung. Das Lächeln des Hundes erkennen wir dagegen meist nicht als Lächeln, sondern haben manchmal eher den Eindruck, daß der Hund irgendwie blöde aussieht weil er den Mund offenstehen läßt.

Nur wenige Hunderassen haben veränderte Gesichtsmuskeln, die ein menschlich aussehendes Lächeln hervorbringen - die Frage ist da nur, ob es sich dabei wirklich auch um ein Hundelächeln handelt oder ob diejenigen Fachleute in einem alten Hundebuch, das ich als Kind mal las, recht haben, die meinen es wäre kein Lächeln. Diese Fachleute meinen nur auch, daß Hunde gar nicht lächeln können - und das wäre mir aufgefallen.

Die Behauptung, daß ein Hund das menschliche Lächeln mit einem Zähnefletschen verwechseln würde, erscheint logisch, ist aber meiner Erfahrung nach falsch: mir ist noch KEIN Hund begegnet, der sich bei meinem Lächeln erschreckt hätte. Auch kein junger Hund. Dagegen machen viele sehr junge Hunde erst recht weiter, wenn man ihre stürmischen Annäherungsversuche lachend abwehrt.

Ich habe den Eindruck, daß Hunde unser Lächeln, ohne es zu lernen, meist instinktiv richtig mit ihrem Hundelächeln gleichsetzen.

Wenn ich die Zähne fletsche, reagiert jeder Hund völlig anders als beim Lächeln - er erkennt es als Drohung und gibt die entsprechende Unterwerfungssignale zurück.

Kersti

Quelle

VA6. Kersti: Was muß ein Hund lernen?
VA7. Kersti: Das Gefährlichste im Umgang mit Hunden ist Angst
VA8. Kersti: Was tun, wenn ein Hund angreift?
VA9. Kersti: Das Wichtigste bei der Hundeerziehung ist das Lob
VA10. Kersti: Mein Hund ist der einzige, der mich versteht
VA11. Kersti: Wieviel Sprache versteht ein Hund?
VA32. Kersti: Hunde und kleine Kinder
VA65. Kersti: Lob, Tadel und - darf man einen Hund schlagen?
VA75. Kersti: Das Gefühl, daß die Welt in Ordnung ist
VA90. Kersti: Über Briefträger und Hunde
VA102. Kersti: Kosmischer Humor
VA143. Kersti: Hundeerziehung
VA144. Kersti: Hundehumor
VA149. Kersti: Was denkt ein Hund, wenn man ihn anbellt?
VA158. Kersti: Was mache ich, wenn der Hund mehrfach einen Freund des Haushaltes oder mein jüngstes Kind beißt?
VA167. Kersti: Wie bringe ich meinem Hund Gelassenheit kleinen Kläffern gegenüber bei?
VA195. Kersti: Konkrete Erziehungstricks bei Hunden
VA196. Kersti: Was mache ich wenn mein Hund beißt?
VA208. Kersti: Hunde haben keine Hände
VB2. Kersti: Lernen ist Spiel
VB5. Kersti: Spiel macht unser Lernen realitätsbezogen
VB12. Kersti: Wahres Spiel ist anstrengend
VB83. Kersti: Wenn Fremde meinen Hund streicheln wollen, dann freut er sich zuerst aber schnappt nach kurzer Zeit zu
O4. Kersti: A7 Unterschiedliches Ausmaß des sozialen Lernens bei Hunden und Wölfen
O4. Kersti: A15 Tiere und Lügen

Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, Internetseite: http://www.kersti.de/, E-Mail an Kersti_@gmx.de