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12/07

VA158.

Was mache ich, wenn der Hund mehrfach einen Freund des Haushaltes oder mein jüngstes Kind beißt?

Hunde glauben, Freunde des Haushaltes haben einen niedrigen Rang

Wenn ein Hund mehrfach denselben Freund gebissen hat, ohne ihn dabei ernsthaft zu verletzen, war das Beißen eine Strafe und zeigt an, daß der Hund der Ansicht ist, er hätte einen höheren Rang als der Freund und deshalb das Recht, ihn zu bestrafen, wenn er ungehorsam ist.

Die Situation in der der Freund im Haushalt ist - er muß sich als Gast nach den Gastgebern richten - wird vom Hund fehlinterpretiert, weil es in einem Wolfsrudel keine Gäste gibt, die so regelmäßig da sind, sondern häufig da sein aber manchmal auch verschwinden tun nur jüngere Wölfe (zwei oder drei Jahre), die im Rudel keine sichere Stellung haben. Deshalb denkt der Hund, er könne sich vielleicht einen höheren Rang erkämpfen als der Freund hat.

Lösung: In dem Fall muß der Freund dem Hund klar machen, wer der Herr ist - vermutlich ist es am günstigsten wenn er auf einen Hundeplatz geht. Wichtig ist, daß es eine Richtung ist, wo man lernt, sich gegen den Hund durchzusetzen und Gehorsam von ihm zu verlangen. Denn der Freund muß lernen, als Autorität aufzutreten und dem Hund klar zu machen, das er derjenige ist, der Befehle geben darf. - Und bei den Richtungen, wo von gewaltfreier Hundeerziehung gesprochen wird, kommt es manchmal vor, daß die Trainer das selbst nicht beherrschen. Das ist dann eben nicht das, was der Freund braucht.

Zuerst versucht der Hund das jüngste Kind zu besiegen

Bei Rangauseinandersetzungen kommt es nicht auf Gewalt sondern auf Autorität an. Wer sich seiner Sache sicher ist, bleibt eher ruhig, wenn er sich durchsetzt.

Du mußt dich gegen den Hund durchsetzen, Junge

In einer Familie gab es sechs Kinder als sie einen Dackel bekamen. Während der junge Hund alle älteren Kinder respektierte, hatte er sofort heraus, wer der Jüngste war: Wann immer dieser (damals 7 Jahre) etwas tat, was dem Hund nicht gefiel, hat er ihn mit den Zähnen in den Fuß oder ins Bein gekniffen. Davon war nachher allerdings nie eine Spur zu sehen. Den Eltern hat das keine großen Sorgen gemacht. Wenn der Junge sich beschwerte: "Bello1 hat mich GEBISSEN!" sagte der Vater immer nur: "Du mußt lernen, Dich gegen den Hund durchzusetzen." Eines Tages beobachtete die Mutter, wie mein kleiner Bruder zu dem Hund sagte: "Nein diesmal darfst du nicht mitkommen, denn Du hast mich gebissen." - Von da ab hat Bello den Jüngsten nie wieder gebissen.

Ob der Hund diesen Satz verstanden hat oder ob er nicht mehr versucht hat, den Jungen zu kneifen, weil er zu dem Zeitpunkt gelernt hat, wie man als Autorität auftritt, läßt sich aus dieser Geschichte nicht ersehen.

Einerseits hat Bello den Satz: "Bello hat mich GEBISSEN" durchaus öfter gehört, als er braucht, um einen neuen Befehl zu lernen, und da das immer die sofortige Reaktion auf das Kneifen war, war die Situation auch so eindeutig, daß der Hund das Wort gut gelernt haben könnte - besonders weil alle anderen Wörter im Satz ihm bekannt sind. Nach dem Motto: ""Bello" bin ich (der Hund meint das natürlich), "hat" und "mich" kenne ich ja, das sind so bedeutungslose Füllwörter, die Menschen in jeden Satz packen, also ist "gebissen" das Wort, das sagt was ich gemacht habe. - Hört man ja auch, das hat er am lautesten gesprochen!".

Andererseits war der Junge damals einfach in dem Alter, wo menschliche Kinder anfangen sich gegen andere dauerhaft durchzusetzen, also wo Menschen Rangordnungen auszubilden beginnen. Und es ist für Menschen durchaus gut, das so früh wie möglich zu lernen! Wenn das Kind wesentlich jünger gewesen wäre, hätten die Eltern den Hund bestrafen müssen, weil er eine wesentliche Regel, die in der menschlichen Familie wie im Wolfsrudel gilt, nicht beachtet hat: Kleinkinder bzw. Welpen des Rudels dürfen nicht bedroht werden und sind nicht Teil der Rangordnung sondern werden von allen Familien- bzw. Rudelmitgliedern beschützt und behütet.

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Kersti

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Übersicht: Hundeartige (Canidae), Ordnung: Raubtiere (Fissipedia), Unterklasse: Echte und höhere Säuger (Eutheria, Placentalia, Monodelphia), Klasse: Saügetiere (Mammamlia), Z98. Unterstamm: Wirbeltiere (Vertebrata), Z94. Reich: Tiere (Animalia), Domäne: Einzeller (Eukaria), Lebewesen


Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, http://www.kersti.de/, Kersti_@gmx.de
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