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VA167.

Wie bringe ich meinem Hund Gelassenheit kleinen Kläffern gegenüber bei?

Ich kenne das Problem ja von der anderen Seite - und habe es gelöst, indem ich meinem Hund klar gemacht habe, daß er seine Probleme selber lösen muß, wenn er den Streit angefangen hat. Ich bin tatsächlich weggelaufen als er einen Schäferhund angegriffen hat... Ich verteidige ihn aber gegen jeden Angriff, der von dem großen Hund ausgeht. Ich bin also in solchen Fällen immer dazwischengegangen.
Das heißt Widu konnte sich in meiner Nähe vollkomen sicher fühlen wußte aber, daß Unverschämtheiten seinerseits von niemanden toleriert wurden.
Ich weiß, die meisten Menschen sind nicht so vernünftig, ihren Hund den Ärger, den er sich selbst eingebrockt hat, auch selber ausbaden zu lassen. Das hängt damit zusammen daß sie sich nicht bewußt sind, daß ein Hund in einem solchen Streit praktisch nie richtig zubeißt.

Stell Dir einfach mal vor, dir würde ein erwachsener Mensch begegnen der Dir gerade mal bis zum Knie reicht und er würde Dir erzählen: Paß bloß auf, gleich verprügele ich Dich! - Würdest du das auch nur Ansatzweise ernst nehmen???
Oder wie gehst Du damit um, wenn Dich ein dreijähriges Kind anfährt: ich hasse Dich, ich bringe Dich um? Ich denke mal Du denkst Dir: Das Kind muß wohl ziemlich verzweifelt sein. Wenn ich freundlich mit ihm umgehe, und die Drohungen nicht ernst nehme, dann kann ich ihm vielleicht helfen, darüber hinauszuwachsen. DAS ist die Haltung, die ein so kleiner Kläffer braucht.

Er weiß nämlich ganz genau, daß er winzig klein ist und sich nicht wirklich wehren kann. Und er hat zwei ganz große Ängste:

  1. Die, daß die anderen Hunde ihn gar nicht ernst nehmen ihn wie ein Stück Dreck behandeln und ihn bei den Hundespielen nicht mitspielen lassen - und was ist ein Hundeleben ohne andere Hunde?
  2. Die, daß ein großer Hund ihn tatsächlich ernsthaft angreifen könnte - und dann kann er sich ja gar nicht richtig wehren.
Also versucht er beide Ängste hinter einer fürchterlichen Angeberei zu verstecken. - Und da sein Verhalten ja auf Angst zurückzuführen ist, wird es durch jede Drohung nur schlimmer, weil der kleine Hund dann ja noch mehr Angst hat und noch mehr Angeberei für nötig hält.

Es gibt einige große Hunde, die so kleine Hunde behandeln, als wären sie Hundebabys, freundlich, liebevoll und sehr vorsichtig, aber sie nehmen einfach keine Drohung der Kleinen ernst und bleiben bei ihrer freundlichen Haltung. Diese Hunde haben praktisch nie Probleme mit kleinen Hunden.

Diese Haltung einem Hund beizubringen dürfte ziemlich schwierig sein. Das wichtigste ist mit Sicherheit, daß Du selbst Dir bewußt wirst, daß die kleinen Hunde in Wirklichkeit nur Angst haben und daß sie schwach und wehrlos sind. Wenn Du diese Gelassenheit nicht hast, kannst du sie Deinem Hund auch nicht beibringen. - Wenn Du sie aber gefunden hast, dann fällt Dir schon etwas ein - oder Dein Hund schaut es sich einfach bei Dir ab.

Wenn ich das, was Du bisher geschrieben hat richtig deute, hattest Du bisher ja nur ein- oder zwei mal echte Probleme mit den Besitzern der Hunde - und in den restlichen Fällen war das Problem eher, daß beide Seiten wußten, daß ihre Hunde sich nicht angemessen verhalten haben - daß aber niemand eine Lösung wußte, wie man die Hunde zur Vernunft bringt?

Kersti

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Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, http://www.kersti.de/, Kersti_@gmx.de
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