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erste Version: 10/2004
letzte Bearbeitung: 9/2014

VA195.

Konkrete Erziehungstricks bei Hunden

Mein Hund gehorcht überhaupt nie, und wenn ich dann schimpfe, wirft er sich auf den Rücken

Sich auf den Rücken werfen, ist eine ziemlich drastische Unterwerfungsgeste (wenn der Hund es nicht macht, weil man angefangen hat ihn zu streicheln und weil er auch am Bauch gestreichelt werden will). Es entspricht etwa einem um Gnade flehen.

Deshalb nehme ich an, wenn der Hund nie gehorcht, liegt es daran, daß er noch nicht einmal begriffen hat, was ein Befehl überhaupt ist und daß unterschiedliche Worte dabei eine unterschiedliche Bedeutung haben. Deshalb ist in diesem Fall jedes Schimpfen und jede Strafe noch fehl am Platze.

Bis der Hund eindeutig bewiesen hat, daß er einen Befehl beherrscht, darf man ihn nicht bestrafen, wenn er Befehlen nicht gehorcht, weil er die Strafe dann nicht verstehen kann und auch nicht weiß, was er tun müßte, um nicht bestraft zu werden.

Grundsätzlich bringt man einem Hund Befehle bei, indem man sich einen Trick ausdenkt, der dazu führt, daß der Hund automatisch tut was er soll. Man spricht den Befehl aus, macht den Trick und wenn der Hund das gewünschte getan hat, wird er gelobt. Das wiederholt man mehrfach in den folgenden Tagen und probiert zwischendurch aus, ob er den Befehl auch ohne den Trick ausführt. (Wenn er das tut muß man ihn natürlich auch ausführlich loben.) Erst wenn sicher ist, daß der Hund den Befehl sicher beherrscht, darf man anfangen ihn für Ungehorsam zu tadeln.

Tricks um Hunde zur Ausführung von Befehlen zu bewegen:

  • Sitz: Hinterteil mit der Hand herunterdrücken.
  • Rufen: den Hund herbeilocken (entweder indem man andeutet, daß man dann mit ihm spielen will, oder indem man einfach sehr freundlich und fröhlich mit ihm redet, so daß er meint, wenn er jetzt kommt wird er bestimmt gestreichelt, oder auch mit Futter locken)

Befehlswiederholung im Lob

Jedes Lob für einen ausgeführten Befehl sollte eingeleitet werden, indem man den Befehl im lobenden Tonfall wiederholt: "Braver Hund, macht sitz." - und dann weiterloben. Da es in den Instinkten eines Hundes nicht vorgesehen ist, daß ein Lob Informationen enthält, die über "Das hast du gut gemacht!" hinausgehen, dauert es relativ lange bis dem Hund auffällt, daß der Befehl ja am Anfang des Lobens wiederholt wird. Einen neuen Befehl beizubringen, dauert typischerweise drei Tage. Bis der Hund die Befehlswiederholung in jedem Lob als wesentliche Information erkennt oder überhaupt bemerkt, daß man da ja immer den Befehl wiederholt, dauert typischerweise eher ein halbes Jahr. Dennoch ist es wichtig, denn sobald er das begriffen hat, kann man diese Erkenntnis ausnutzen. Das ist wichtig, wenn man dem Hund beibringen will, daß er einige Dinge von sich aus richtig machen soll, damit er dann wenn er gelobt wird, weiß wofür.

Wenn ein Hund also immer auf dem Bürgersteig gehen soll, wird er jedesmal wenn er von sich aus auf einen Bürgersteig draufgeht gelobt: "Braver Hund geht auf dem Bürgersteig!" - Und wenn man dann irgendwann mal einen Hund, der bevor man begonnen hat ihn fürs auf den Bürgersteig gehen zu loben, gelernt hat, daß Befehle im Lob wiederholt werden, auf den Bürgersteig schicken will funktioniert auch: "Geh auf den Bürgersteig!"

Die Befehlswiederholung im Lob erschafft also einen zusätzlichen Weg, neue Befehle beizubringen.

Er kann nicht an der Leine gehen, er zieht immer nur und ich weiß nicht, was ich machen soll

Wenn er zieht einen ganz großen Schritt machen Bein in den Boden stemmen und die Leine benutzen um ihn umzuwerfen. (Man muß von der Seite ziehen, sonst klappt das nicht.)

Das tut ihm nicht weh - er fällt ja nicht von so weit oben wie ein Mensch - aber weil er dadurch noch langsamer vorankommt, als wenn er seinen Menschen voranzieht, hilft das ganz gut gegen ziehen.

Wenn ich ihn eh schon kurz habe, kann ich ihn ja nicht mehr umwerfen, weil ich mich dann selbst hinlege...

Dann würde ich mit ihm dann eher bei Fuß gehen üben.

Wenn ein Hund zu oft oder zu ungünstigen Zeiten bellt, beispielsweise Fahrradfahrer anbellt.

Wenn an einen Hund vom Bellen abbringen will, hält man ihm am besten das Maul zu. Das versteht er an sich schon als Zurechtweisung, weil Hunde wenn sie einen Jüngeren zurechtweisen, dessen Maul zwischen die Zähne nehmen. Gleichzeitig kann er dann auch schlecht bellen.

Im Falle der Fahrradfahrer, Pferden und anderen großen Wesen, ist außerdem noch denkbar, daß der Hund schlicht Angst hat, weil sie zu schnell und zu nahe an ihm vorbeifahren oder laufen. In diesem Fall nimmt man den Hund auf die vom Radfahrer abgewandte Seite, kniet nieder, legt den einen Arm um den Hals, um ihn sicher im Griff zu haben und hält ihm das Maul zu. Ein solche Verhalten wird von dem Hund als sehr Autoritär aber auch als sehr beschützend empfunden und gibt allen Beteiligten damit die Sicherheit, die sie brauchen. Dem Hund, weil Herrchen hier als starke Autorität auftritt, die sich zwischen ihn und die Gefahr stellt und ihn durch Körperkontakt beruhigt. Dem Radfahrer oder Besitzer des anderen Tiers, weil man den eigenen Hund buchständlich fest im Griff hat. Und dem Hundebesitzer, weil er den Hund und die Gefahr damit ebenfalls sicher im Griff hat.

Mein Hund ist mit einer jungen Hündin weggerannt und hat weder auf rufen noch auf Pfeifen reagiert

Weißt Du, so lange das das Problem ist - und nicht daß er hinter eine Reh herläuft - ist das eher ärgerlich als ein Problem. Irgendwann kommen sie immer zurück, weil sie schließlich nicht allein in der Wildnis leben wollen.

Wenn ein Hund auf rufen nicht kommt

Üblicherweise wird empfohlen, daß man sich verstecken soll, wenn ein Hund auf rufen nicht hört. Das ist bei jungen Hunden meist auch sehr wirkungsvoll, weil sie Angst haben, alleinzubleiben.

Wenn der Hund nicht auf rufen kommt und oft wegläuft oder tut was er will

Hinterherlaufen ist das dümmste was man tun kann - denn der Hund ist schneller und findet dann meist, daß das ein wunderbares Spiel ist, das er immer wieder haben will. Und zwei mal die Woche ein richtiger Spaziergang ist in seinen Augen nicht annähernd genug, da kannst Du Gift drauf nehmen.

Üblicherweise wird empfohlen, daß an sich verstecken soll, wenn ein Hund auf rufen nicht hört - das ist sicher einen Versuch wert, ich vermute aber, daß es bei diesem Hund so nicht funktioniert, weil er zu alt ist, weil er nichts dabei findet, sich selber außer Sichtweite zu begeben und weil er vermutlich allgemein eine zu schwache Bindung zu Menschen entwickelt hat.

Sinnvoller erscheint es mir, herauszufinden wie man dem Hund eine kleine Freude machen kann und ihn dann - möglichst, wenn er gerade nichts allzu interessantes tut - öfters anzusprechen und wenn er dann herschaut irgendetwas machen, was ihm gefällt oder was ihm interessant erscheint. Ihn mal kurz knuddeln, ein paar Schritte laufen, ein bißchen Spielen oder so. So lernt er dann, daß Befehle und reden nicht nur dazu da sind, einem Hund alles zu vermiesen, was ihm Spaß macht.

Kersti

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Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, http://www.kersti.de/, Kersti_@gmx.de
Da ich es leider nie schaffe, alle Mails zu beantworten, schon mal im voraus vielen Dank für all die netten Mails, die ich von Lesern immer bekomme.