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erste Version: 2/2005
letzte Bearbeitung: 12/2014

VA209.

Verwechseln Hunde die menschliche Familie mit einem Wolfsrudel?

Viele Ratschläge zur Hundeerziehung werden damit begründet, daß Wölfe das ja auch so machen würden. Manche dieser Ratschläge erscheinen mir sehr vernünftig andere ziemlich lächerlich.

Um zu begreifen, welche Ratschläge vernünftig und welche lächerlich sind, muß man sich bewußt machen, daß der Hund zwar sehr viele Verhaltensweisen, die ursprünglich entstanden sind, weil Wölfe, die Vorfahren der Hunde, sie im Rudel brauchten, jetzt benutzen, um sich mit der menschlichen Familie abzustimmen, in der sie leben. Und das funktioniert sehr gut, weil Menschen und Hunde sich im Sozialverhalten angeborenermaßen sehr ähnlich sind.

Aber Hunde verwechseln ihre Menschen nicht mit einem Wolfsrudel. Sie wissen sehr wohl, daß Menschen - so lieb sie auch sein mögen - keine Hunde sind und sich deshalb in vielem anders verhalten und anders denken als Hunde. Und daß sie deshalb nicht als Paarungspartner in Betracht kommen.

Hunde wissen auch, daß Menschen sich nicht für Gerüche interessieren - und deshalb macht es wenig Sinn, ihnen das mit erhobenen Bein pinkeln zu verbieten - das tun sie, um anderen Hunden Nachrichten zukommen zu lassen - und sofern sich kein Mensch da einmischt, kommen sie auch nicht auf den Gedanken, daß das irgendetwas an ihrer Rangfolge gegenüber Menschen ändern könnte.

In anderen Fällen ist es dagegen sinnvoll die typische Kommunikation von Hunden oder Wölfen untereinander nachzuahmen. Wenn ich wollte, daß mein Hund schnell auf ein Verbot reagiert, habe ich ihn beispielsweise angeknurrt oder ein Knurren in die Stimme gemischt. Wenn ich schimpfe, ist die Reaktion langsamer, man merkt, daß der Hund erst mal das Schimpfen seiner Bedeutung zuordnen muß.

Instinkte spielen eine ganz große Rolle dabei, welche Art von Befehlen einem Tier logisch und vernünftig erscheinen und welche nicht. Befehle, die seiner instinktiven Grundstuktur entsprechen, erscheinen dem Hund von vorneherein vernünftig und wenn man in der richtigen Situation den instinktiv passenden Befehl gibt wird der Hund den Befehl leicht verstehen, schnell lernen und seinen Sinn völlig einsehen - damit meine ich nicht, daß der Hund den Sinn des Befehls durchdenkt und versteht, sondern daß er das Gefühl hat daß er richtig ist, weil ein anderer Hund an dieser Stelle von ihm dasselbe erwartet hätte.

Nun gibt es aber im menschlichen Leben einiges, das ein Wolfsrudel so überhaupt nicht kennt. Es gibt im Lebensumfeld der Wölfe das eigene Rudel, das in seiner Organisation etwa einer menschlichen Großfamilie entspricht und Nachbarrudel, mit denen Beziehungen gepflegt werden, wie auch wir sie mit Nachbarn pflegen. Es gibt keine Organisationsstruktur die einem Dorf, einem Landkreis oder gar einem Staat entsprechen. Es gibt keine großen Verwaltungsstukturen, keine Post, keinen Fernhandel.

Daher versteht ein Hund nichts, das man nur verstehen kann, wenn man einen groben Begriff davon hat wie ein Staat funktioniert. Die Funktion des Briefträgers ist einem Hund beispielsweise völlig unverständlich. Meint der Hund, daß sein Besitzer den Inhalt der Post nicht mag, schiebt der das der Bosheit des Briefträgers in die Schuhe. Bringt der Briefträger erwünschte Geschenke, meint der Hund der Briefträger wäre ein netter Mensch. Vor alle verletzt der Briefträger aber ständig die Reviergrenze ohne zu fragen. Unverschämtheit!
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Kersti

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Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, http://www.kersti.de/, Kersti_@gmx.de
Da ich es leider nie schaffe, alle Mails zu beantworten, schon mal im voraus vielen Dank für all die netten Mails, die ich von Lesern immer bekomme.