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erste Version: 10/2008
letzte Bearbeitung: 8/2016

VB63.

Zu wissen, was nicht erforscht und noch nicht erforschbar ist, ist wichtig

Beispielgeschichte, Kersti:
In einer Vorlesung an der Uni, erzählte der Dozent, eine Reporterin hätte gefragt, ob wissenschaftlich bewiesen sei, daß es die Aura nicht gibt. Er meinte dazu, daß diese Frau die falsche Frage gestellt hätte, man dürfe nicht fragen, ob etwas schon widerlegt sei man müsse fragen, ob es belegt sei.
Wie man an der Überschrift des Artikels schon erkennen kann, stimme ich dem guten Mann nicht zu.

Es ist uns noch nicht einmal bewußt, wie groß die weißen Flecken in unserer Wissenslandschaft sind

In alten Landkarten oder auf Globen war es üblich an den nicht erforschten Stellen der Weltkugel weiße Flecken zu lassen. In dem Augenblick wo man weiß, daß die Erde eine Kugel ist und wie groß diese ist, kann man man auch berechnen, wie groß die noch unerforschten Bereiche sind. Damit war für jeden offensichtlich, wieviel von der Erde geographisch noch nicht erforscht war.

Ein erschreckendes Phänomen beim Umgang der Menschheit mit der Wissenschaft, ist, daß Menschen, die von Wissenschaft wenig Ahnung haben - dazu zählt fast jeder, der nicht in der Forschung aktiv ist - völlig unrealistische Vorstellungen davon haben, wie wenig, das, was die Menschheit bisher erforscht hat, im Verhältnis zu dem ist, was man wissen und erforschen könnte.

Gefährlich ist diese Unbewußtheit der eigenen Unwissenheit deshalb, weil sich Menschen deshalb viel zu wenig Sorgen machen, was sie mit den mächtigen technischen Mitteln, die wir durch unsere Wissenschaften in der Hand haben, für Schaden anrichten könnten, den wir mit unserem bisherigen Wissen nicht vorhersehen können.

Die Komplexität einer Wissenschaft und ihre vermutete Wissenschaftlichkeit

Die Wissenschaft als Ganzes ist da sicherlich noch nicht so weit wie die Geographie. Wenn man sie anschaut, beobachtet man ein merkwürdiges Phänomen. Es gibt einige prinzipiell sehr einfache wissenschaftliche Forschungsbereiche wie Physik und Chemie, deren Wissenschaftlichkeit nie angezweifelt wird. Während die Chemie zeitweise niemanden mehr interessierte und dann durch die Atomphysik weiter erforscht wurde, empfinden wir die Physik als Inbegriff der Wissenschaft.

Über die Physik wurde, als Einstein zu studieren begann, gesagt, dort sei schon alles erforscht und verstanden und dann durch die Relativitätstheorie eine neue Phase eingeleitet wurde, bei der immer neue Weltbilder einander gegenübergestellt wurden, und man merkte, daß ein Weltbild oder eine Modellvorstellung immer nur ein vereinfachtes Bild der Welt oder ein vereinfachtes Modell der Welt ist - und wie jedes Modell, gibt diese Modellvorstellung das Original in einigen Punkten recht exakt wieder, in anderen ist es ungenau oder sogar falsch.

Modellbau als Analogie zur Modellvorstellung

Das ist wie bei anderen Modellen auch.

Wenn man beispielsweise von einer Dampfmaschine ein im Maßstab 1/10 verkleinertes Modell baut, hat man die Wahl entweder die Maschine in ihrer Form originalgetreu wiederszugeben oder eine funktionsfähige Dampfmaschine zu bauen, die aber anders proportioniert ist, damit sie beim Betrieb nicht kaputt geht. Das Gerät in allen Proportionen maßstabsgetreu zu verkleinern und ein funktionsfähiges Modell zu bekommen ist unmöglich. Zusätzlich wird man das Modell auch grundsätzlich vereinfachen müssen, weil kleinere Details im kleineren Maßstab nicht darstellbar sind. Will man im Maßstab 1/100 verkleinern, ist es nicht mehr möglich eine funktionierende Dampfmaschine zu bauen.

Ähnlich ist es mit Modellvorstellungen und den Mathematischen Formeln, die diese Physikalischen Modellvorstellungen nachbilden. Um nicht unendlich viel Rechenarbeit zu haben, muß man sie so vereinfachen, daß früher ein rechnender Mensch und heute ein moderner Computer den Rechenaufwand bewältigen kann. Wie bei einem Modell im Maßstab 1/10 muß man sich entscheiden, was man beibehalten will und was der Vereinfachung zum Opfer fallen darf.

Wenn also ein Physiker in der Forschung oder bei der Entwicklung technischer Geräte mit seinem Wissen arbeitet, überlegt er sich zuerst, wie genau das sein muß, was er aus dem Fundus an gesichertem Wissen für seine Arbeit braucht und wählt unter den physikalischen Formeln, die seinen Ansprüchen an Genauigkeit genügen, die einfachsten aus, um zu berechnen, was er braucht um seine Forschung zu betreiben oder seine Arbeit zu erledigen.

Die Biologie wird als nicht ganz so wissenschaftlich empfunden und ist offensichtlich in ihrer Entwicklung noch nicht so weit fortgeschritten wie die Chemie und Physik. Denn dort gibt es noch den Glauben, man können mit einem einzigen Weltbild zurechtkommen und bald wäre sicherlich alles Wesentliche erforscht.

Falsche Aussagen über nicht erforschtes

Im zusammenhang mit der wissenschaftlchen
Beispielgeschichte, Kersti:

Erfahrungsbericht Reinkarnationsforschung

Ein anderer, ärgerlicher Aspekt des Problems ist, daß bei denjenigen Themen, die beim augenblicklichen Stand der Wissenschaft noch nicht erforscht sind, frisch fröhlich Aussagen vom Typ gemacht werden:
"Es ist wissenschaftlich nicht haltbar, daß Reinkarnation existiert."

Als ich diesen Artikel 2008 zuerst schrieb, vermittelte mir die Reinkarnationsforschung, die mir bis dahin bekannt war folgenden Eindruck:
Eine solche Aussage ist nämlich hochgradig irreführend, weil das die Deutung nahelegt, die Wissenschaft hätte bewiesen, daß die Reinkarnation NICHT existiert. Tatsächlich hat die Wissenschaft aber noch keine Reinkarnationstheorie aufgestellt, und alles was es zu dem Thema an Forschung gibt, sind bestenfalls zaghafte Anfänge. Man ist sich ja noch nicht einmal ganz einig, was denn als möglicher Beweis für eine Reinkarnation zu gelten hat oder wie eine solche Theorie aussehen könnte. Man ist am experimentieren, wie man den Bereich am Besten erforscht und wie man Theorien formulieren müßte, damit sie dem wissenschaftlichen Anspruch auf Überprüfbarkeit genügen können. Dabei erforscht man Einzelphänomene wie Reinkarnationserinnerungen, Nahtodeserfahrungen, Außerkörperliche Erfahrungen und versucht herauszufinden, wie man Halluziationen und statistische Artefakte am Besten von realen Jenseitserfahrungen (falls es sie gibt) unterscheidet und das ist eine Grundbedingung für jegliche wissenschaftliche Erforschung dieses Bereichs, daß man dafür eine Lösung findet. Aber man hat kein wie auch immer geartetes allgemein anerkanntes Ergebnis, was man mit Fug und Recht als eine wissenschaftliche Theorie bezeichnen könnte und das dem Kompexitätsgrad hat, den eine "Reinkarnationstheorie" haben müßte, um diesem Namen auch nur näherungsweise gerecht zu werden.

Inzwischen habe ich mir die Forschungen zum Thema gründlicher angeschaut und dabei festgestellt, daß schon seit über hundert Jahren sinnvolle Forschung zur Reinkarnation betrieben wird und es durchaus handfeste Beweise für die Existenz der Reinkarnation gibt.
O7.A4 Kersti: Wissenschaftliche Forschung zur Reinkarnation

Da fragt sich natürlich, wie solche Fehleinschätzungen zustande kommen.

Und das heißt letztlich, daß jeder, dem Reinkarnationserinnerungen, Nahtodeserfahrungen und dergleichen im realen Leben begegnen, zwar in wissenschaftlichen Arbeiten nachlesen kann, daß sie gar nicht so selten sind, daß es aber noch kein wissenschaftlich abgesichertes Weltbild zum Thema gibt, wie wir das für Physikalische Themen haben und daß man sich selber seine eigene und wegen dem Arbeitsaufwand wissenschaftlicher Arbeit zwangsläufig unwissenschaftliche Meinung zu diesem komplexen Thema bilden muß.

Kersti

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Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, http://www.kersti.de/, Kersti_@gmx.de
Da ich es leider nie schaffe, alle Mails zu beantworten, schon mal im Voraus vielen Dank für all die netten Mails, die ich von Lesern immer bekomme.
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