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erste Version: 7/2009
letzte Bearbeitung: 1/2010

VB81.

Eifersucht als Überlebensinstinkt des Kleinkindes

Beispielgeschichte, Kersti:

Lebensgefährliche Eifersucht

Eine Bekannte, die kurz nach dem Krieg Erzieherin gelernt hatte, erzählte, daß sie in der Ausbildung gelernt hatte, daß man die Eifersucht von Kleinkindern durchaus ernst nehmen müsse, da es immer wieder vorkomme, daß Kinder, die noch nicht im Kindergarten sind, ihre jüngeren Geschwister umbringen.
Aus Evolutionsbiologischer Sicht wird klar, wie das zustandekommt wenn man Geschichten wie die Folgende hört:
Beispielgeschichte, Kersti:

... und immer mit etwa 2,5 Jahren starb das Kind

Eine Bekannte, die Familienforschung betrieb, stieß irgendwann auf ein merkwürdiges Phänomen. Ein sehr armes Bauernehepaar bekam alle drei Jahre ein Kind - und als es zweieinhalb war, starb es aus verschiedenen Gründen - wie irgendwelche kleineren Infekte. Erst nach einer ganze Weile fiel es ihr wie Schuppen von den Augen: Das Kind ist verhungert, nachdem es abgestillt wurde - vermutlich da die Milch der unterernährten Mutter schon während der Schwangerschaft weg blieb, obwohl das Kind noch nicht weit genug war, um mit der kargen Ernährung der Eltern zu überleben.
Wenn man zu Jäger- und Sammlervölkern wie den Kung-Buschleuten aus Australien zurückgeht, sind es nicht nur die armen Leute, die nicht ohne weiteres ein Baby und ein Kleinkind versorgen können. Hier braucht jede Mutter einen Abstand von etwa vier Jahren zwischen den Geburten, weil außer der Muttermilch keine weiteren Milchquellen - wie Kuhmilch - zur Verfügung stehen. Wenn zu früh ein neues Kind zur Welt kommt, muß eines von beiden sterben, da auch das ältere Kind noch nicht von der Nahrung der Erwachsenen leben kann und die Mutter nicht in der Lage ist, Milch für zwei Kinder zu produzieren.1.

Wenn die Eifersucht von Kleinstkindern lebensgefährlich für das jüngere Kind sein kann, liegt das also daran, daß wir Instinkte haben, die dem Kleinkind sagen, daß es lebensgefährlich ist, ein jüngeres Geschwister zu haben, das ihm die Milch wegtrinkt. Wo die Eltern ihren beiden Kindern gegenüber tatsächlich nicht fürsorglich genug sind, um diese Eifersucht zu kontrollieren oder wenn das ältere Kind tatsächlich nicht ausreichend versorgt ist, wird diese Eifersucht gefährlich, da das ältere Kind damit letztlich um sein Überleben kämpft. Während in Jäger- und Sammlervölkern eine Mutter tatsächlich keine zwei Kinder unter drei Jahren ausreichend versorgen kann, hat diese instinktive Eifersucht in Industrieländern gewöhnlich ihre Funktion verloren, denn es ist ein Fehler der Eltern, nicht ein durch das Vorhandensein des jüngere Kindes verursachtes Problem, wenn dem Älteren etwas Lebensnotwendiges fehlt. Bei uns können sogar Neugeborene ohne Muttermilch ausreichend versorgt werden.

Kersti

Quelle

  1. Marjorie Shostak: Nisa erzählt. Das Leben einer Nomadenfrau in Ostafrika. 1990 Reinbek bei Hamburg: Rowohlt. ISBN: 3 499 14978 8
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Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, http://www.kersti.de/, Kersti_@gmx.de
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