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erste Version: 8/2010
letzte Bearbeitung: 12/2016

VB109.

Helsing hat keine rechte Einstellung, ist aber auf die Propaganda des Dritten Reiches zu angeblichen Verschwörungen der Juden gegen Deutsche hereingefallen

Inhalt

VB109.1 Kersti: Einführung
VB109.2 Kersti: Ist Helsing Rassist?
VB109.2.1 Kersti: Rasse und Rassismus
VB109.2.1 Kersti: Rassismusdefinition von Wikipedia
VB109.2.2 Kersti: Sieht Helsing die Juden als Rasse?
VB109.2.2 Kersti: Ausschnitt aus einem Text zu Helsing in der Holocaustreferenz
VB109.2.2 Kersti: Ausschnitt aus einem Text zu Helsing in der Holocaustreferenz
VB109.2.3 Kersti: Hält Helsing die Juden in ihrer Gesamtheit für schuldig, schlechter als andere Menschen oder fordert er, daß gegen sie als Volk, Religion oder Rasse vorgegangen werden soll?
VB109.2.3 Kersti: Auszug aus den Geheimgesellschaften S. 262
VB109.2.3 Kersti: Auszug aus den Geheimgesellschaften S. 263
VB109.2.4 Kersti: Schlußfolgerung: Helsing zitiert irrtümlicherweise gefälschte und fiktive Darstellungen von angeblichen jüdischen Rassisten, äußert aber keine eigenen rassistischen Ansichten
VB109.3 Kersti: Fordert Helsing dazu auf, gegen die Juden vorzugehen?
VB109.3.1 Kersti: Unterstellung durch die Holocaustreferenz: Helsing erklärt die Juden zu einer satanistischen Sekte
VB109.3.1 Kersti: Ausschnitt aus einem Text zu Helsing in der Holocaustreferenz
VB109.3.2 Kersti: Zitat Seite 32: Keine eigene Deutung, sondern Daten aus einer anonymen Quelle
VB109.3.3 Kersti: Zitat S. 106: Noch deutlicher kann man sich nicht distanzieren
VB109.3.3 Kersti: Auszug aus den Geheimgesellschaften S. 105-107
VB109.4 Kersti: Helsing und Verschwörungstheorien aus rechtsextremer Propaganda
VB109.4.1 Kersti: Hitlers Ratschläge zur Propaganda
VB109.4.2 Kersti: Helsing ist auf die überlieferte Propaganda des dritten Reiches - und der Revisionisten hereingefallen
VB109.4.3 Kersti: Wer sind die Verschwörungstheoretiker?
VB109.4.4 Kersti: Warum Helsing für mich so schwer zu widerlegen war
VB109.4.5 Kersti: Die scheinbaren Beweise für Verschwörungstheorien findet man auf der Straße
VB109.5 Kersti: Helsings Zielsetzungen
VB109.5.1 Kersti: Welche Lösungen lehnt Helsing ab
VB109.5.2 Kersti: Was schlägt Helsing für Lösungen vor
VB109.5.3 Kersti: Schlußfolgerung: Helsing is politisch eher links rechts einzuordnen
VB109.5.3 Kersti: Definition aus dem Wikipedia-Artikel zu Rechtsextremismus
VB109.6 Kersti: Die Gefahren der Lügenpropaganda
VB109.6.1 Kersti: Was der Aufklärung über das Dritte Reich fehlte, als ich eine Jugendliche war
VB109.6.2 Kersti: Lügenpropaganda wirkt volksverhetzend
VB109.6.3 Kersti: Helsings Bücher wurden zu recht, jedoch mit einer falschen und gefährlichen Begründung verboten
VB109. Kersti: Quellen

 
Inhalt

1. Einführung

Helsing stellt in seinen Büchern irrtümlicherweise Teile der Propaganda des dritten Reiches als zutreffend dar. Die betreffenden Propagandawerke wurden damals benutzt, um den Holcaust gegen die Juden zu rechtfertigen und können deshalb auch heute noch volksverhetzerisch wirken, wenn sie durch Helsings Bücher bekannt gemacht werden.

Nichtsdestotrotz hatte Helsing offensichtlich keine volksverhetzerische Absicht und ist auch nicht politisch rechts ausgerichtet.

In der Buchbesprechung zu "Die Akte Helsing" schrieb ich über die Geheimgesellschaften von Helsing:

"Da ich das Buch, von dem in jenem Buch die Rede ist, kenne, ist mir die Vermutung, daß es sich dabei um ein rechtsradikales Werk handeln könne, nicht nachvollziehbar." 2.
Verschwörungstheorien erschienen mir früher überzeugend. In meinem frühesten Artikel zu Verschwörungstheorien distanzierte ich mich dabei ausdrücklich von jeder bekannten Liste von möglichen Verschwörern, da ich die Informationslage für zu unsicher hielt, um auch nur eine davon zu glauben:
V31. Kersti: Stimmt mein Buch über Verschwörungstheorien?
inzwischen denke ich, daß dieselben Fakten sich anders besser erklären lassen.
VA232. Kersti: Wie entstanden die Verschwörungstheorien - und inwiefern sind sie realtistisch?
Kurz zusammengefaßt wirken hier zwei Phänomene zusammen: Einerseits fehlt den meisten Menschen die Erfahrung, wie es ist, wenn man sich Argument für Argument prüft, so gut man kann und sich daraus eine eigene Meinung bildet, die mit keiner zuvor gelesenen Meinung weitgehend übereinstimmt und ihnen fehlt damit das Bewußtsein dafür, daß es Menschen gibt, die nicht ganze Weltbilder von anderen übernehmen. Das zweite Phänomen ist Ausgrenzung und Mobbing und seine Rückwirkung auf die Gemobbten in einen größeren Rahmen übersetzt: Menschen die Schlimmes erlebt haben, verhalten sich aus Sicht derjenigen, die keine solchen Erfahrungen haben, seltsam und nicht nachvollziehbar und das wird dann als Anlaß zu weiterer Ausgrenzung genommen. Im Falle der Verschwörungstheorien wird der Ausgegrenzte gleichzeitig als Sündenbock für die gesamtgesellschaftlichen Probleme verwendet.

 
Inhalt

2. Ist Helsing Rassist?

2.1 Rasse und Rassismus

Rassismusdefinition von Wikipedia:
Rassismus deutet "Rasse" in der einfachsten, biologistischen Bedeutung als grundsätzlichen bestimmenden Faktor menschlicher Fähigkeiten und Eigenschaften. Der Begriff Rassismus entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der kritischen Auseinandersetzung mit auf Rassentheorien basierenden politischen Konzepten. In anthropologischen Theorien über den Zusammenhang von Kultur und rassischer Beschaffenheit wurde der biologische Begriff der Rasse mit dem ethnisch-soziologischen Begriff "Volk" vermengt.

Rassismus zielt dabei nicht auf subjektiv wahrgenommene Eigenschaften einer Gruppe, sondern stellt deren Gleichrangigkeit und im Extremfall die Existenz der anderen in Frage. Rassische Diskriminierung versucht typischerweise, auf (projizierte) phänotypische und davon abgeleitete persönliche Unterschiede zu verweisen.7.

Anmerkung: Daß hier "Rasse" als bezeichnung gewählt wird, beruht auf einem biologisch Veralteten Verständnis des Wortes. Als Rasse werten heute Formen einer Arbt bezeichneet die gezielt durch künstliche Zuchtwahl gezüchtet wurden. Da es so etwas unter Menschen nicht gibt, wäre hier der Begriff "Unterart" korrekt. Für den folgenden Text wird also das Wort Rasse im Sinne von unterart verwendet.

 
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2.2 Sieht Helsing die Juden als Rasse?

Aussagen, die von seinen Gegnern als Rassismus interpretiert wurden, gibt es bei Helsing nur zu den Juden. Dabei stellt sich die Frage: Glaubt Helsing überhaupt, daß die Juden eine Rasse seien?

Ausschnitt aus einem Text zu Helsing in der Holocaustreferenz

Auf Seite 43 schreibt van Helsing über Logen, die
... aus der rein jüdischen B'nai B'rith Loge hervorgegangen sind, der wiederum nur reinrassige Juden angehören

van Helsing, Geheimgesellschaften 2, S. 43

Die Nazis haben die Angehörigen der jüdischen Religionsgemeinschaft als Rasse betrachtet und ermordet. Van Helsing stellt sich in die geistige Tradition des Nationalsozialismus, wenn er das Judentum ebenfalls als Rasse betrachtet - denn es gibt so wenig eine jüdische Rasse, wie es eine katholische oder protestantische Rasse gibt.
Dieser Absatz enthält einen groben Interpretationsfehler. Indem Helsing diesen Satz geschrieben hat, macht er keine Aussage über seinen eigenen Standpunkt zu der Frage, ob Juden eine Rasse sind oder nicht, sondern darüber, wie die B'nai B'rith Loge das sieht, über ihr Selbstverständnis. Allerdings suchte ich auf der Internetseite dieser Loge irgendeinen Hinweis darauf, daß ihre Aufnahmekriterien etwas mit "reinrassig" zu tun hätten vergeblich und bei ihren Jobangeboten preisen sie zwar an, daß ihre Angestellten neben bezahltem Urlaub auch die jüdischen Feste frei kriegen - doch fand ich keine Beschränkung der Jobangebote auf Juden. Von daher hat Helsing das sicherlich so irgendwo gelesen, gehört und scheinbare Beweise dafür vorgelegt bekommen, aber ob es stimmt, bezweifele ich. Außerdem ist es kein Verbrechen, wenn einer Minderheit einen privaten Schutzraum für sich schafft. Schlimm ist es wenn die Mehrheit eine Minderheit ausgrenzt, weil das die Lebensbedingungen der Betroffenen erheblich einschränkt. B'nai B'rith International scheint ursprünglich eine Art Versicherung für Juden gewesen zu sein und ist jetzt eine Caritative Organisation. 9.

Ausschnitt aus einem Text zu Helsing in der Holocaustreferenz

In diese Rassenlehre gehört auch die Überzeugung, dass ein Jude ein Jude bleibt, selbst wenn er die Religion wechselt. Und wenn ein Jude das Glaubensbekenntnis wechselt, dann tut er dies natürlich nicht aus innerer Überzeugung oder aus den Zwängen, aus denen andere Menschen zu solchen Entscheidungen kommen. Wenn ein Jude den Glauben wechselt, dann kann dies nur irgendwelchen finsteren Zielen dienen, denn
ein geheimer Jude ist ein Jude, der im Auftrag der Rabbiner zur Tarnung eine andere Religion annimmt.

van Helsing, Geheimgesellschaften 2, S. 168

Dieses Zitat enthält überhaupt keine Angabe darüber, ob an dieser Stelle "Jude" als Rasse oder Religion betrachtet wird. Denn auch jemand, der "Jude" als Religion betrachtet, kann zur Tarnung eine andere Religion annehmen, auch wenn er seinen eigenem Selbstverständnis nach Jude ist.

Stellen, wo Helsing die Ansichten anderer darüber, daß Juden eine Rasse seien wiedergibt, ohne sich eindeutig davon zu distanzieren, lassen sich in "Geheimgesellschaften II" noch mehrere finden. Stellen in denen Helsing klar sagt, daß er meint, daß Juden eine Rasse seien, sucht man vergeblich. Helsing nennt auch Eigenarten der angeblichen Verschwörung aber keine typischen Eigenarten von Juden als Rasse.

Auf Seite 285, wo er Varianten der goldenen Regel in verschiedenen Religionen aufzählt, wird die jüdische Religion unterschiedslos zwischen den anderen Religionen genannt.4. S.285

Mein Gesamteindruck zum Thema Juden und Rasse: Helsing hat das Thema nicht interessiert, weil es für seine Ausführungen unerheblich ist, ob sie eine Rasse, eine Religion, ein Volk sind oder nichts davon. So lange die angeblichen Verschwörer sich selbst fälschlicherweise für die wahren Vertreter der Judenheit halten, funktioniert der jüdische Teil seiner Verschwörungstheorien. Helsing erklärt, was die Verschwörer seiner Meinung nach denken und tun, er identifiziert sich jedoch nicht mit dem von ihm referierten Weltbild, in dem Juden etwas Besseres seien.

 
Inhalt

2.3 Hält Helsing die Juden in ihrer Gesamtheit für schuldig, schlechter als andere Menschen oder fordert er, daß gegen sie als Volk, Religion oder Rasse vorgegangen werden soll?

Helsing distanziert sich ausdrücklich von der Vorstellung, alle Juden oder die Juden als Volk oder Religion wären schuld:

Auszug aus den Geheimgesellschaften S. 262

Manch ein Historiker hat sich selbst schon im Netz der Verstrickungen gefangen und seine eigene Ursachensetzung und Verantwortung auf die Zionisten oder Juden übertragen. Oder manch christlicher Nachforscher ging auf die Freimaurer los und glaubte, die wären an allem schuld. Auch sind nicht alle Mitglieder der Familie Rothschild der Ideologie der Weltherrschaft verfallen. Also nicht über einen Kamm scheren! Sinn und Zweck dieses Buches war es NICHT irgendeine Tätergruppe festzunageln, sondern das Prinzip und die Vorgehensweise zu erkennen und entsprechend nun die Lösungsmöglichkeiten zu betrachten.

Also hier noch einmal deutlich:
Die Illuminati gehören keiner Religion, Partei, Nation oder sonstiger Gruppierung an, haben diese jedoch als Deckmantel benutzt. Deshalb sei hier noch einmal bemerkt, daß dieses Spiel zigtausend Jahre vor den Personen, die in diesem Buch erwähnt sind, begonnen hatte und auch nicht mit ihnen enden wird. 4.

Kurz darauf zitiert er Rüggeberg und stimmt ihm im weiteren Text zu:

Auszug aus den Geheimgesellschaften S. 263

Rüggeberg schreibt dazu:
"RUDOLF STEINER hat schon vor 1920 darauf hingewiesen, daß die Namen der höchsten Mitglieder von Okkulten Geheimgesellschaften überhaupt nie in den Mitgliederlisten auftauchen. ..."
("Geheimpolitik", S.195)
4.
Das heißt, Helsing ist der Ansicht, daß die wahren Schuldigen uns nicht greifbar sind.

 
Inhalt

2.4 Schlußfolgerung: Helsing zitiert irrtümlicherweise gefälschte und fiktive Darstellungen von angeblichen jüdischen Rassisten, äußert aber keine eigenen rassistischen Ansichten

Insgesamt kann man sagen, es gibt keinen Hinweis, daß Helsing selbst den Unterschied zwischen menschlichen Rassen eine wesentliche Bedeutung zuweist. Er wertet auch keine Rasse im Vergleich zu anderen ab, und wenn er die Juden als Gesamtheit betrachtet, behandelt er sie als Religion und nicht als Rasse.

Dagegen vermutet er bei einer geheimen Weltverschwörung, die aus meiner Sicht nicht existiert, sondern ein Produkt gefälschter Propaganda ist, daß die Verschwörer Rassisten seien, die die Juden für die Herrenrasse halten würden.

Interessant ist daß die Propaganda des dritten Reiches den Juden damit genau die rassistischen Vorstellungen zu sich selbst unterstellt hat, die die Nationalsozialisten selber offiziell bezüglich der eigenen Rasse - bzw. der angeblichen Arier vertraten.

 
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3. Fordert Helsing dazu auf, gegen die Juden vorzugehen?

3.1 Unterstellung durch die Holocaustreferenz: Helsing erklärt die juden zu einer Satanistischen Sekte

Ausschnitt aus einem Text zu Helsing in der Holocaustreferenz

Van Helsing nimmt für sich in Anspruch, weder rechtsextremistische noch antisemitische Ideen zu verbreiten. In beiden Bänden der Geheimgesellschaften gelingt jedoch anhand zahlreicher Beispiele mühelos der Nachweis, dass dies reine Schutzbehauptungen sind, die nicht der Wahrheit entsprechen.
"Ihr habt den Teufel zum Vater"

Der hier zitierte Ausspruch aus Johannes 8, 44 erfreut sich bei Rechtsextremisten großer Beliebtheit. Van Helsing setzt diesen Ausspruch auf Seite 32 ein und kommentiert:

Überdies nannten die Juden ihren Gott nie Vater, sondern "JAHWE" und "EL SHADDAI". El Schaddai aber war der Scheitan, das hieß "der verworfene Engel"!
van Helsing, Geheimgesellschaften 1, S. 32
(alle Hervorh. van Helsing)
Damit wird gleich auf den ersten Seiten des Buches das gesamte Judentum zu einer satanistischen Sekte deklariert, die "Scheitan" in der Gestalt Jahwes anbetet. Van Helsing fügt an dieser Stelle keine Fußnote ein und verweist auf kein anderes Werk, es handelt sich hier also um seine eigene Deutung. Diese Definition gleich zu Anfang des Buches kann man nur als grundlegende Anweisung an die Leser verstehen, dass überall dort, wo später im Buch von Satanismus die Rede ist, dieser Kontext zu berücksichtigen sei.

Etwas später kommt van Helsing noch einmal auf diese Bibelstelle zurück. Nachdem er Johannes 8,30-45 zitiert hat, fährt er fort:

Viele Leute fragen heute noch so naiv: Warum ging Hitler denn gerade gegen die Juden vor? Ich hoffe, dass dies Ihnen die letzten Zeilen verdeutlicht haben.
van Helsing, Geheimgesellschaften 1, S. 106
Also tragen die Juden selbst die Schuld an der Verfolgung durch Hitlers Verbrecherbande - welcher alte oder neue Nazi würde das nicht freudig unterschreiben? 3.
Wenn man das so liest, könnte man sich wirklich fragen, warum mir Helsing nicht Volksverhetzerisch vorkam. Wenn man Helsings Originaltext liest, sieht das ganz anders aus.

 
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3.2 Zitat Seite 32: Keine eigene Deutung, sondern Daten aus einer anonymen Quelle

Die Stelle auf Seite 32 ist ein Ausschnitt aus einem Bericht über die geheime Geschichte der Templer, von denen Helsing annimmt, daß sie in Jerusalem bei den Kreuzzügen Teile der Berichte jüdischer Spione über Jesus gefunden hätten, die belegt hätten, daß die Bibel massiv verfälscht worden sei. Da damals daraus kein Verbrechen entstanden ist, sondern dieser Fund laut Helsing dazu geführt haben soll, daß die Templer sich nicht an dem blutigen Kreuzzug gegen die Katharer beteiligt hätten, sah er an der dortigen Stelle wohl keine Notwendigkeit, sich von rechten Standpunkten zu distanzieren, wie er das an diversen anderen Stellen des Buches tat.

Helsing behauptet hier ausdrücklich, die geheime Überlieferung der Templer über ihre eigene Geschichte wiederzugeben. Damit ist die Behauptung "Van Helsing fügt an dieser Stelle keine Fußnote ein und verweist auf kein anderes Werk, es handelt sich hier also um seine eigene Deutung." schlicht gelogen - er hat mit seinem Verweis auf die geheime Überlieferung der Templer durchaus - sehr vage - auf ein anderes Werk verwiesen, das geht nämlich auch ohne Fußnote - auf die angebliche geheime Überlieferung der Templer. Außerdem hat er nicht die Bibelstelle an sich gedeutet, sondern nur gesagt, daß sie eine Parallele zu dem anderen Werk bietet.

Helsings Quelle hierfür war höchstwahrscheinlich derselbe Mensch, von dem auch die Isais-Dokumentensammlung I bis IV ursprünglich stammt, die von der Andromeda-Buchhandlung herausgegeben wurde und etwa 500 Blatt umfaßt. Diese Quellensammlung beschreibt ausführlich diese angebliche Templerüberlieferung. Dort ist beschrieben, daß Jahwe ein ehemaliger Großengel gewesen sein soll, der verworfen wurde und die Juden benutzte, um seine Zwecke zu erreichen. Der Böse in der Geschichte ist Jahwe - die Juden selbst werden nicht besonders negativ beschrieben. Die Isais-Dokumentensammlung enthält mehrere angebliche "Originalevangelien" und ein angebliches Evangelium der Markioniten. Es gibt kein zuverlässig als echt einzustufendes Evangelium der Marcioniten. Die Standpunkte der Marcioniten sind uns nur aus den Schriften ihrer Gegner bekannt. Wenn es eine solche Templerüberlieferung geben sollte und das Originaldokument nicht erhalten ist, ist es unmöglich, sicher nachzuweisen, ob diese Überlieferung echt oder gefälscht ist. Außerdem beschäftigt die Isais-Dokumentensammlung sich mit Ufos im dritten Reich.5.

Die Besitzerin der Andromeda-Buchhandlung sah Beweise, daß der ihr persönlich bekannte Autor über sein Privatleben gelogen hat, hielt aber seine Schriften für echt.6. Ich zweifle auch seine Schriften an, auch wenn er, falls seine Geschichte echt wäre, guten Grund gehabt hätte, nicht zu viel über sein Privatleben zu verraten.

 
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3.3 Zitat S. 106: Noch deutlicher kann man sich nicht distanzieren

Die Stelle, an der Helsing über das dritte Reich spricht, enthält dagegen deutliche Distanzierungen von der im dritten Reich üblichen Sichtweise.

Auszug aus den Geheimgesellschaften S. 105-107

"Die Herren vom schwarzen Stein", die 1221 aus der Marcionischen Templergesellschaft hervorgingen und von Hubertus Koch geführt wurden, hatten sich zum Ziel gesetzt, das Böse in der Welt zu bekämpfen und das Lichtreich Christi mit aufzubauen. Diese zu bekämpfende finstere Macht hat sich im sogenannten "Alten Testament" der Bibel als "Gott" durch Moses und andere Medien offenbaren lassen, beginnend mit den Worten Jahwes an Abraham: hebräisch: "Ani ha El Schaddai", übersetzt: Ich bin der El Schaddai - der "Verworfene Großengel (Schaddai El) - der Satan". Mit dieser Erkenntnis waren für Sebottendorf die Fronten geklärt: Der Schaddai, der alttestamentarische Gott, ist der Verderber, der Widersacher Gottes. Seine Anhängerschaft dient daher der Zerstörung der Erde, der Natur, der Menschen. Und die Anhängerschaft waren die Hebräer - das jüdische Volk.

Dies erklärte Jesus im Johannes-Evangelium 8:30-45 auch ohne Umschweife. Jesus spricht dort zu den Juden: »Sie (die Juden) sagten zu ihm: »Abraham ist unser Vater. Jesus antwortete ihnen: Wenn ihr Abrahams Kinder seid, dann müßtet ihr auch Abrahams Werke tun. Nun aber sucht ihr mich zu töten, mich, der ich euch die Wahrheit gesagt habe, die ich von Gott gehört habe. Das hat Abraham nicht getan: Ihr tut die Werke eures VATERS. Da sagten sie zu ihm: Wir sind nicht unehelich geboren, wir haben nur einen Vater: Gott. Jesus antwortete ihnen: Wäre Gott euer Vater, so würdet ihr mich lieben; denn ich bin von Gott ausgegangen und komme von ihm; denn ich bin nicht von selbst gekommen, sondern er hat mich gesandt. Warum versteht ihr meine Sprache nicht? Weil ihr mein Wort nicht hören könnt! Ihr habt den Teufel zum Vater, und was eurem Vater gefällt, wollt ihr tun. Der ist von Anfang an ein Mörder gewesen und steht nicht auf dem Boden der Wahrheit, denn die Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er die Lüge redet, spricht er aus, was in ihm ist; denn er ist ein Lügner und der Vater der Lüge. Weil ich aber die Wahrheit sage, glaubt ihr mir nicht.»

Viele Leute fragen heute noch so naiv: Warum ging Hitler denn gerade gegen die Juden vor? Ich hoffe, daß dies Ihnen die letzten Zeilen verdeutlicht haben. Nach der Ansicht der THULE-GESELLSCHAFT, aus der später die DAP, die NSDAP, die SS usw. hervorgingen, war das jüdische Volk, das von dem alttestamentarischen Gott »JAHWE« beauftragt wurde, die »Hölle auf Erden zu stiften«, die Ursache, warum die Welt immer und immer wieder in Kriege und Zwiespalt verwickelt ist. Die Thule-Leute wußten ganz genau über die jüdischen Bankensysteme, sprich Rothschild und Genossen, und die Protokolle der Weisen von Zion Bescheid und fühlten sich berufen, in Übereinstimmung mit der Sajaha-Offenbarung, das Volk, doch ganz speziell das jüdische Banken- und Logensystem, zu bekämpfen und das Lichtreich auf Erden zu schaffen.

(Wie Sie sehen, waren diese Leute genauso unfähig, eine Ursachenbehandlung zu vollziehen, wie sie ihr Herr Jesus Christus selbst gelehrt hat - nämlich durch die Liebe zur Schöpfung, zu sich und zu seinem Nächsten (und der »Nächste kann nun eben auch einer anderen Rasse oder Religion angehören) die Welt zu verändern. Doch sie haben die Eigenverantwortung abgegeben und auf einen Schuldigen übertragen - einen SATAN. Sie waren in ihrem Haß so blind, daß sie nicht einmal gemerkt haben, daß sie die gleichen Waffen verwendet haben wie der angebliche satanische Gott JAHWE, den sie bekämpfen wollten. Daß man Frieden jedoch nicht durch Krieg erreichen kann, sollte diesen Leuten aber auch schon bekannt gewesen sein. Anmerkung des Verfassers.)

(Quelle: 4., In der Holocaustreferenz angesprochene Sätze von mir fett hervorgehoben, Helsings Distanzierungen von mir kursiv hervorgehoben)

 
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4. Helsing und Verschwörungstheorien aus rechtsextremer Propaganda

4.1 Hitlers Ratschläge zur Propaganda

In Mein Kampf gibt Hitler seinem Kapitel über Kriegspropaganda folgende üble Ratschläge:12. S.193ff

 
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4.2 Helsing ist auf die überlieferte Propaganda des dritten Reiches - und der Revisionisten hereingefallen

Wenn man die einschlägigen Artikel in Wikipedia anschaut wird eines schnell klar: Die meisten von Helsing aufgegriffenen Themen waren Thema der nationalsozialistischen Propaganda11. und wie Hitler es empfohlen hat, enthielt diese viele Lügen. Offensichtlich haben diverse Rechte diese Propaganda-Masche auf eigene Rechnung weitergeführt15.. Doch Helsing hat auch Themen aus Büchern aufgegriffen, die gegen die Nationalsozialisten gerichtet waren oder dazu keinen Bezug hatten12..

Das Übergewicht der nationalsozialistischen Propaganda ist wohl einfach darauf zurückzuführen, daß diese im Dritten Reich massenhaft verbreitet und beworben wurde. Wer damals von der Propaganda überzeugt wurde, glaubte vielleicht noch lange daran und gab diesen Glauben zusammen mit dem Propagandamaterial weiter.

 
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4.3 Wer sind die Verschwörungstheoretiker?

Zu den auffallendsten Merkmalen der mir bekannten und als Bücher frei käuflichen Verschwörungstheorien zählt, daß keine zwei Verschwörungstheoretiker dieselbe Verschwörungstheorie für wahr halten. Jeder von ihnen zeichnet ein völlig individuelles Bild der von ihm vermuteten Verschwörungen. Und es herrscht absolut keine Einigkeit darüber, wer den zu der Verschwörung zählt und wer nicht. Auch die Menschen die ich persönlich kennengelernt habe und die von Verschwörungstheorien überzeugt sind, hatten jeder ihr völlig individuelles Bild einer Verschwörungstheorie.

In der gelenkten Propaganda des dritten Reiches war das sicherlich völlig anders!

Über die heutigen Verschwörungstheoretiker sagt das eines recht deutlich aus: Sie sind Menschen, die fremde Weltbilder nicht als ganz ablehnen oder als ihr eigenes übernehmen, sondern es Punkt für Punkt prüfen und sich von unterschiedlichesten politischen Richtungen Informationen holen.

Und es ist immer ein logischer Fehler, wenn man aus einem Teil eines solchen individuell zusammengestellten Weltbildes, Schlußfolgerungen über einen völlig anderen Teil zieht.
V33. Kersti: Wie wird man zum Verschwörungstheoretiker?

 
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4.4 Warum Helsing für mich so schwer zu widerlegen war

Wenn ich ein Buch oder eine Internetseite lese - oder mit der Frage ob ich es kaufen oder lesen will anlese - prüfe ich immer so gut ich kann nach, ob diese Buch eine zuverlässige Quelle ist.

Helsings Buch kam dabei nicht besonders gut weg: Es enthielt logische Fehler und Lücken und ich kam deshalb zu dem Schluß, daß er zweifelhafte Quellen möglicherweise nicht als zweifelhaft erkennen würde, wenn ihm die logischen Gründe für ihre Zweifelhaftigkeit begegnen.

Doch fand ich keine Widerlegung zu Helsing, die mir besser erschien als Helsings Buch. Einer der wichtigsten Gründe dafür ist, daß ich normalerweise zuerst einen einfachen Test machte: Ich schaute nach, ob die Autoren über ein Themengebiet, über das ich mich gründlich informiert hatte, die Sichtweise und Argumente ihrer Gegner richtig wiedergaben.

Ich glaubte damals, ich würde damit Lügner aussortieren. Inzwischen weiß ich, daß ich damit nicht nur Lügner aussortiere, sondern auch Menschen, die nicht strukturiert genug denken, um erst die Argumentation des Gegners aus sich heraus zu verstehen, bevor sie sie zu widerlegen trachten. Häufig wird die Argumentation des Gegners im Kopf der Leute dadurch verfälscht, daß der Autor sie aus seinem eigenen Weltbild heraus verstehen will, statt sie aus dem Weltbild des Autors heraus zu verstehen16.. Nichtsdestotrotz stellen ihre Werke keine zuverlässige Quelle dar.

Mein damaliges Gesamtergebnis aus der Pro- und Contra-Literatur war also: Auf beiden Seiten der Diskussion gibt es so viele Lügner, daß sich keine zuverlässigen Ergebnisse zum Thema erarbeiten lassen. Wahrscheinlich gibt es eine Verschwörung aber höchstwahrscheinlich ist keine der genannten Verschwörungen die wahre Verschwörung.

Ich gehe davon aus, daß ich bessere Quellen gefunden hätte, wenn ich auf den Gedanken gekommen wäre, in der Unibibliothek danach zu suchen. Aber damals war ich auf diesen Gedanken noch nicht gekommen und suchte vergeblich nach zuverlässigen Quellen, anhand derer ich Helsings Theorien widerlegen konnte.

Interessanterweise besteht Wikipedia diesen Test bezüglich Helsing und Rothkranz10.. Ich finde die Darstellung zu Helsing nicht toll, aber sie enthält keine groben Fehler oder Lügen. Da hat sich die Informationslage für Nichtakademiker erheblich mit verbessert!

 
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4.5 Die scheinbaren Beweise für Verschwörungstheorien findet man auf der Straße

Was mich von den Verschwörungstheorien überzeugt hat, waren jedoch nicht die höchst wackeligen Beweise dafür, daß irgendeine dieser Theorien stimmen könnte, sondern der Gesamteindruck, den unsere Gesellschaft auf mich machte. Es wird behauptet, hier herrsche Meinungsfreiheit, doch Bücher wie Helsings werden mit einer Begründung verboten, die ganz offensichtlich nicht zutrifft. Das untergrub mein Vertrauen in die Demokratie, deren Grundlage die Meinungsfreiheit darstellt.
V165. Kersti: Meinungsfreiheit - ein Luxus ?
Es wird landauf landab behauptet, Hamer wäre Wunderheiler, tatsächlich vertritt er jedoch einen psychosomatischen Ansatz. Kurz: Unsere Demokratie wird ihrem eigenen Anspruch nicht gerecht.

Daneben findet man, sobald man eine gewisse Offenheit für diese Themen zeigt, die erstaunlichsten Bestätigungen für völlig abwegige Theorien. So erzählte mir eine zufällige Bekannschaft, als er noch ein Junge gewesen sei, wäre immer ein Mann in den elterlichen Laden gekommen, der ihnen Pläne für Ufos gezeigt hatte, die angeblich im dritten Reich gebaut worden sein sollen. "Wir dachten damals 'Der spinnt!'" sagte er. Auch die Freimaurersignale, die Rothkranz in der Presse vermutet, lassen sich dort tatsächlich finden. Allerdings ist keine finstere Verschwörung nötig, damit solche Signale gegeben werden und damit dabei Mist herauskommt, reicht es völlig aus, blind auf die unbelegte Meinung eines Menschen zu vertrauen, den man nicht persönlich kennt.

Also war mein damaliger Gesamteindruck: keine der mir genannten Verschwörungstheorien kann völlig richtig sein, dazu ist die Informationslage zu unsicher! - Aber irgendwie scheint es doch eine solche Verschwörung zu geben.
EI1: Kersti: Wie ich zur Verschwörungstheoretikerin wurde und darüber hinauswuchs

Inzwischen bin ich zu dem Ergebnis gekommen, daß die Intelligenz der heutigen Menschen einfach nicht ausreicht, um es besser zu machen. Die Probleme in unserer Politik, die ich früher der geheimen Weltverschwörung zugeschrieben habe, erkläre ich mir heute durch allgemeine Dummheit bei zu großen Teilen der Bevölkerung.

Da Intelligenz zu ungefähr gleichen Teilen von Anlage und Umwelt abhängt, besteht Hoffnung: Die Bildung und Ausbildung verbessert sich allmählich.

 
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5. Helsings Zielsetzungen

5.1 Welche Lösungen lehnt Helsing ab

 
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5.2 Was schlägt Helsing für Lösungen vor

 
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5.3 Schlußfolgerung: Helsing is politisch eher links als rechts einzuordnen

Definition aus dem Wikipedia-Artikel zu Rechtsextremismus:
Der Begriff Rechtsextremismus dient als Sammelbezeichnung, um faschistische, neonazistische oder ultra-nationalistische politische Ideologien und Aktivitäten zu beschreiben. Deren gemeinsamer Kern ist die Orientierung an der ethnischen Zugehörigkeit, die Infragestellung der rechtlichen Gleichheit der Menschen sowie ein antipluralistisches, antidemokratisches und autoritär geprägtes Gesellschaftsverständnis. Politischen Ausdruck findet dies in Bemühungen, den Nationalstaat zu einer autoritär geführten "Volksgemeinschaft" umzugestalten. Der Begriff "Volk" wird dabei rassistisch oder ethnopluralistisch gedeutet.14.
Daß Helsing selbst Rassist sei oder einem Volk oder einer Rasse mehr Rechte oder Wert zugestehen als einem anderen, läßt sich anhand seiner Aussagen widerlegen.

Ob ein Mensch als rechts oder links einzustufen ist, hängt definitionsgemäß nicht davon ab, welche historischen Lügen er fälschlicherweise für wahr hält oder ob sein Geschichtsbild realistisch ist. Es hängt davon ab, welche Ziele und Lösungsmöglichkeiten ein Mensch für sinnvoll hält und propagiert.
VB108.2.1 Kersti: Was heißt eigentlich "rechts"?

Die von Helsing vorgeschlagenen Maßnahmen stehen dem traditionellen linken Standpunkt näher als dem rechten, daher ist es - wenn man bedenkt daß er seinen Mund nicht halten kann und furchtbar provozierende Bücher schreibt - durchaus glaubhaft, wenn er behauptet mit RAF-Sympatisanten in Kontakt gewesen zu sein und in der Kartei für Linksextremisten geführt zu werden.

Tatsächlich stehen seine Vorschläge, was man tun solle, aber fest auf dem Boden unserer Demokratie und sind einfach eine Aufforderung zu einem mündigen Bürger zu werden, der daran mitarbeitet, daß die Welt besser wird.

Er ist weder rechts noch Extremist. Das heißt, kein Aspekt der Definition von Rechtsextremismus trifft auf ihn zu.

 
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6. Die Gefahren der Lügenpropaganda

6.1 Was der Aufklärung über das Dritte Reich fehlte, als ich eine Jugendliche war

Ich selber entschied in der neunten Klasse, daß das dritte Reich ein wichtiges Thema ist und daß ich mich sorgfältig darüber informieren will, um zu wissen, worauf man achten muß, wenn man verhindern will, daß so etwas je wieder geschieht. Daher kann ich ungefähr einschätzen, welche Art von Informationen ein Mensch seiner und damit auch meiner Generation findet, wenn er als Kind, Jugenlicher und junger Erwachsener eigenständig zum dritten Reich recherchiert.

So weit ich das weiß, war ich wohl die einzige in meiner Klasse, die in ihrer Gymnasialzeit eigenständig nach Informationen zum dritten Reich suchte. Das dritte Reich war jedoch nicht das einzige Thema über das ich mich gründlich informierte. Deshalb fielen mir einige Seltsamkeiten an dem Material auf, das das dritte Reich betraf.

Ich hatte im Elternhaus und in der Schule gelernt, daß man sich alle Standpunkte zum Thema anschauen muß, ehe man beurteilen kann, inwieweit welche Seite der Diskussion recht hat.
V94. Kersti: Eine Sammlung sämtlicher denkbarer Verrücktheiten
Zu anderen Themen, die mich interessierten war es problemlos möglich, das zu tun. Beim Thema drittes Reich fand ich einige Jahre lang nur das Material der Anti-Drittes-Reich-Fraktion.

Grundsätzlich ist es in Anbetracht der im dritten Reich verbreiteten Lügen und aufgrund der Tatsache, daß die meisten Menschen sich eben nicht eigenständig ihre Meinung bilden, durchaus sinnvoll, nur die eine Seite der Diskussion an Stellen verfügbar zu halten, wo Kinder und Jugendliche danach suchen könnten. Mich hat es gestört, weil ich als elfjährige angefangen habe, mir zu den verschiedensten Themen aktiv eine eigene Meinung zu bilden, in Industrieländern kommen aber höchstens ein Viertel der erwachsenen Bevölkerung auf einer intellektuellen Entwicklungsstufe an, wo sie zu eigener Meinungsbildung fähig sind und tatsächlich fähig wären, die verschiedenen Standpunkte sinnvoll und Punkt für Punkt gegeneinander abzuwägen17..

Mir fiel mir also auf, das mir die eine Hälfte des Materials fehlte, das nötig gewesen wäre, um mir eigenständig eine Meinung zu bilden. Das allein hätte sich jedoch noch nicht negativ ausgewirkt, wenn diese Hälfte des Materials mich nicht schon ohne das Vorhandensein einer Gegenmeinung mißtrauisch gemacht hätte. Die Begründung, daß man in der Schülerbücherei kein Propagandamaterial des Dritten Reiches verfügbar machen will, hätte mir durchaus ausgereicht, wenn das, was mir an Informationen zur Verfügung stand, in sich konsistent gewesen wäre. Ich wußte ja, daß ich immer weit gründlicher recherchiert habe als meine Klassenkameraden.

Ich hatte die in der Schülerbücherei vorhandenen Bücher über das dritte Reich gelesen und mit dem im Unterricht vermittelten Bild der Zeit verglichen. Da es sich bei diesen Büchern überwiegend um Berichte von Menschen gehandelt hatte, die aus unterschiedlichen Gründen durch die nationalsozialistische Regierung verfolgt wurden, war klar daß diese mehr negative Erfahrungen gemacht hatten, als der Durchschnitt der Bevölkerung und deshalb - auch dann, wenn sie sich bemühen ein sachliches und realistisches Bild dieser Zeit zu zeichnen - automatisch die negativen Aspekte der Zeit in diesen Erfahrungsberichten überbetont sein würden. Daher mußte eine ausgewogene Darstellung des Dritten Reiches ein wenig positiver erscheinen als diese Erfahrungsberichte. Die Darstellung im Schulunterricht stellte das dritte Reich aber wesentlich negativer dar, als die Erfahrungsberichte der durch Verfolgungen im Dritten Reich betroffenen Menschen das taten.

Ich beschloß also eigene Daten zu erheben und befragte jeden in meinem persönlichen Umfeld, der alt genug war, um sich an das dritte Reich zu erinnern, wie es denn damals gewesen war. Die Antworten ergaben ein Gesamtbild, das im Wesentlichen konsistent war mit den Berichten der von Verfolgung durch die Nationalsozialisten betroffenen Menschen aus der Schülerbücherei. Es gab eine Mehrheit von Leuten, die über die negativen Aspekte dieser Zeit meinte "Aber wir haben doch nichts gewußt!" und eine Minderheit, die eigene Erfahrungen von Verfolgung oder Beobachtungen darüber, wie andere verfolgt wurden berichtete, meinte: "Wer es wissen wollte, konnte es herausfinden!".

Es gab auch Beispiele, wo Bekannte von mir Verbrechen des dritten Reiches direkt beobachet hatten, so hatte jemand beim Einkauf in der Kleinstadt Hann Münden beobachtet, wie die dortigen jüdischen Geschäftsleute nackt auf Wagen verladen und abtransportiert wurden.

Ein anderes Beispiel:
VA239.1.1 Kersti: Konzentrationslagerüberlebende in Berlin: Es muß fließend Wasser sein

Inge Scholl, die Autorin des Buches "Die Weiße Rose" und überlebende Schwester von Hans und Sophie Scholl, die im Dritten Reich hingerichtet wurden, da sie über die Verbrechen der Regierung mit Flugblättern aufgeklärt hatten, berichtet von sehr positiven Erfahrungen in der Bund-Deutscher-Mädchen-Gruppe, in der sie als Kind war. Dazu gehörte auch, daß dort offen über Zweifel an der Regierung gesprochen werden konnte, ohne daß das negative Folgen hatte. Im privaten Umfeld habe ich sowohl Gutes als auch Schlechtes über Hitlerjugendzeiten von den direkt Betroffenen gehört. Dabei haben Menschen, die selbst im dritten Reich verfolgt wurden, eher offen über postive Erfahrungen geredet, während die "Aber wir haben doch nichts gewußt"-Fraktion solche positiven Erfahrungen höchstens andeutete. In der Schule wurden uns nur schlechte Erfahrungen und Aussagen über politische Indoktrination, die damals selbstverständlich durch die Regierung vorgeschrieben war, erzählt.

Dabei machte mir die einseitige Aufklärung über das dritte Reich zusehends Sorgen. Um verhängnisvolle Entwicklungen rechtzeitig erkennen und aufhalten zu können, ist es absolut notwendig, Fehlentwicklungen zu sehen, wenn die Lage noch weitgehend harmlos erscheint.

Furchterregend naiv klingt beispielsweise ein Ausschnitt aus einem Brief einer Lehrerin an ihre ehemaligen Klassenkameradinnen im Lehrerinnenseminar, in dem am 23. Oktober 1938 geschrieben wurde: welche Gnade doch ihrem (Mehrzahl) Führer vom Herrgott verliehen sei, daß er sie so führen könne. Alle seine Erfolge hätte er ohne Blutvergießen erreicht. Wie vieles hätten sie in der letzten Zeit erlebt und alles hätte letzten Endes zum Guten geführt. Was würde Hitler noch alles erreichen... Die Briefe ihrer Klassenkameradinnen aus diesem letzten Jahr vor Kriegsbeginn wirkten ähnlich naiv.18. Doch reale Warnungen hatte es schon gegeben: Die ersten Morde an Juden hatten vermutlich schon 1933 stattgefunden, ihre Diskriminierung war jedem bekannt. Der Röhm-Putsch, bei dem Hitler etwa 200 Personen, die überwiegend SA-Führer waren, ermorden ließ, mit dem erfundenen Vorwand, Röhm, sein langjähriger Verbündeter, hätte angeblich einen Putsch geplant, hatte schon 1934 stattgefunden. Für die Wachsamen hatte es genug Warnzeichen gegeben. Die meisten Menschen waren damals dennoch so ahnungslos, wie die erwähnte Frau und ihre ebenso naiven Klassenkameradinnen.

Eine ins Negative verzerrte Darstellung einer Zeit, wie sie das dritte Reich war, führt dazu, daß man heutige Gefahren erst erkennt, wenn es längst zu spät ist, wie auch damals die Gefahr, die vom Nationalsozialismus ausging, von den meisten viel zu spät erkannt wurde. Als ich meine Kritik in der Schule äußerte, führte das zu Mißverständnissen: Während ich mir aufgrund meiner Recherchen zum dritten Reich zunehmend Sorgen machte, weil ich die grundsätzlichen menschlichen Fehler und diese Naivität, die das dritte Reich erst ermöglicht hatten, auch heute noch beobachten konnte, wurde meine Kritik an einer Darstellung, die unsere Wachsamkeit gegenüber heutigen Fehlentwicklungen ähnlicher Art untergräbt und in die falsche Richtung lenkt, als Verharmlosung des dritten Reiches fehlinterpretiert.

In der elften Klasse des Gymnasiums bis zum Ende meiner auf das Abitur folgenden Lehre fand ich nach und nach auch die andere Hälfte der Informationen, die, die das dritte Reich guthieß. Sie waren für mich nicht besonders überzeugend, da meine Allgemeinbildung ausreichte, um darin viele Detailfehler nachzuweisen, die dazu führten daß insgesamt ein völlig anderes Bild entstand, als die rechte Propaganda für sich genommen zeichnete. Dennoch blieben sehr viele offene Fragen, die zu klären mir die Zeit fehlte und von denen ich der Ansicht bin, daß die Antwort in der Schülerbücherei hätte vorhanden sein müssen, wenn man eine halbwegs brauchbare Aufklärung über das dritte Reich hätte betreiben wollen.

Wer so intensiv wie ich damals über das dritte Reich recherchiert, bekommt spätestens, wenn er erwachsen ist, auch revisionistische Literatur und Original-Propagandamaterial aus dem dritten Reich zu sehen. Heute kann man in Wikipedia die Widerlegungen zu vielem davon nachlesen. Als ich eine Jugendliche und junge Erwachsene war, hätte man dazu eine Universitätsbibliothek aufsuchen müssen - und da ich damals noch nicht studiert hatte, es damals auch noch nicht üblich war, mit der Schulklasse eine Führung durch die Unibibliothek zu machen, war mir nicht bewußt, daß dort die Antworten auf meine Fragen zu finden gewesen wären. Stattdessen ging ich in jede Buchhandlung, die ich irgendwo fand, suchte dort nach interessanten Büchern und ich schrieb diverse Verlage an und bat sie mir Verlagsprogramme zuzusenden, um meinen Lesehunger zu stillen. Auf diese Weise fehlte mir die wissenschaftliche Literatur weitgehend, die ich aufgrund meiner inhaltlichen Qualitätsansprüche eigentlich hätte haben wollen.
Stattdessen stellte ich fest, daß sich die Wahrheit mit der geringerwertigen Literatur, die ich fand, nicht herausfinden ließ. Es schien als würde beide Seiten der Diskussion nur interessieren, ob das, was sie an wahren oder falschen Gerüchten irgendwo hören, in ihr Weltbild paßt oder nicht - ob es auch wahr war, schien sie nicht zu interessieren.
Die Holocaustreferenz, die ich als Beispiel für eine unredliche Agitation gegen Jan van Helsing alias Jan Udo Holey genommen habe ist also ein normales Beispiel für "Aufklärung" über das dritte Reich. Sie ist nicht ungewöhnlich schlecht!

 
Inhalt

6.2 Lügenpropaganda wirkt volksverhetzend

In Hitlers Propaganda-Ratschlägen stecken zwei Fehler:
  1. Zum ersten erwähnt er nur die unterste Ebene der Propaganda, die ein möglichst niedriges Niveau haben soll - diese Ebene ist notwendig, damit man jeden erreicht, aber wenn man ein ganzes Volk überzeugen will, braucht man auf jeder Ebene des Verständnisses auch Informationsmaterial und in jedem Informationsmaterial, muß auf Material mit gleicher Aussage der nächsthöheren Ebene verweisen.
  2. Zum zweiten führt eine Lügenpropaganda nicht etwa dazu, daß man das ganze Volk hinter sich hat, sondern, daß ein Teil der Menschen die Propaganda glaubt und ein anderer Teil mißtrauisch wird und alternativen Quellen glaubt. Das führt dazu, daß man das Volk unter sich und äußere Gegner gegeneinander aufhetzt und ebenso überzeugte Unterstützung wie heftigen Widerstand sowie Feindschaft von außen erntet. Das dritte Reich ist ein Lehrbeispiel dafür. Doch leider gibt es, neben der irreführenden Aufklärung über Helsing auch andere modernere Beispiele, wo Aufklärung nicht streng bei der Wahrheit geblieben ist und dadurch kontraproduktiv wurde:
    VA5. Kersti: Gefährliche Formen der Aufklärung

 
Inhalt

6.3 Helsings Bücher wurden zu recht, jedoch mit einer falschen und gefährlichen Begründung verboten

Jan van Helsing ist das Pseudonym von Jan Udo Holey, der am 22. März 1967 geboren wurde. Damit ist er zwei Jahre älter als ich, gehört also derselben Generation wie ich an. 1995, als seine "Geheimgesellschaften" erschienen, war Holey 28 Jahre alt.

Wenn man die hier durchdachten Punkte ansieht, wird klar, warum Helsings Buch verboten wurde. Helsing nahm unkritisch an, daß Teile der Lügenpropaganda des dritten Reiches wahr seien, weil ja auch für den oberflächlichen Betrachter glaubhaft erscheindende Beweise vorlagen. Eine tiefergehende Recherche ist jedoch schwierig, weil das Propaganda-Material und seine fiktionalen oder gesellschaftlich bedeutungslosen Quellen in öffentlichen Bibliotheken nicht öffentlich zugänglich, sondern in einem Giftschrank weggeschlossen sind. Zudem sind die meisten, die sich bemühen, vor rechten Tendenzen zu warnen, gleichzeitig selbst so oberflächlich in ihren Recherchen, daß sie sich jeden, der genug rechte Originalpropaganda kennt, als unzuverlässige Quelle outen.

Da Propaganda des dritten Reiches viele sehr bösartige Lügen enthält, ist es natürlich nicht hilfreich, wenn sie allzu leicht zugänglich ist. Und wenn ein Buch von jemanden, der weder aggressiv noch rechts ist, die Lügenpropaganda des dritten Reiches irrtümlicherweise für zutreffend hält und deshalb verbreitet, nimmt ihr das nichts von der volksverhetzerischen Wirkung. Diese entsteht nämlich dadurch, daß Lügen verbreitet werden, die nur für einen Teil der Leser als solche durchschaubar sind.

Der Wunsch, Helsings Geheimgesellschaften-Bücher zu verbieten war also richtig. Die Art, wie es gelaufen ist, war falsch. Statt Helsing eine rechtsradikale Gesinnung zu unterstellen, hätte man die Beschlagnahmung mit folgendem Sätzen begründen müssen

Helsing stellt in seinen Büchern irrtümlicherweise Teile der Propaganda des dritten Reiches als zutreffend dar. Die betreffenden Propagandawerke wurden damals benutzt, um den Holcaust gegen die Juden zu rechtfertigen und können deshalb auch heute noch volksverhetzerisch wirken, wenn sie durch Helsings Bücher bekannt gemacht werden.
Dann muß auf eine Broschüre verwiesen werden, die beschreibt, wo die Lügen in den Propagandawerken stecken, auf die Helsing zurückgriff, ohne Helsing selbst als Rechten zu bezeichnen oder ihm Absichten zu unterstellen, die er mit seinen problematischen Büchern nicht hatte und die niemand, der von ihm überzeugt wurde, dort vermuten würde. Diejenigen, auf die Helsings Bücher volksverhetzerisch wirken, die aus den Informationen also aggressive Handlungen ableiten, werden Helsing für einen Softie halten, aber niemals glauben, daß er irgendjemand gegen was auch immer aufhetzen wollte oder selbst rechts sei.

So wie das gelaufen ist, wirkt das Bücherverbot unbeabsichtigterweise selbst volksverhetzerisch, da es von Helsings Anhängern als Beweis für die Verschwörungstheorien gewertet wird.

Kersti

Quellen


Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, http://www.kersti.de/, Kersti_@gmx.de
Da ich es leider nie schaffe, alle Mails zu beantworten, schon mal im Voraus vielen Dank für all die netten Mails, die ich von Lesern immer bekomme.
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