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erste Version: 2/2014
letzte Bearbeitung: 3/2015

VB152.

Sprüche, die fassungslos machen: "Mißbrauchsbeschuldigungen: Wahrheit oder Rache?"

Als die ehemalige Miß Amerika Marilyn Van Derbur mit der Information an die Öffentlichkeit ging, daß sie vom fünften bis zum achtzehnten Lebensjahr von ihrem Vater sexuell mißbraucht worden war, fanden sich viele Leute die einfühlsam und angemessen darüber berichteten und Berge von Post anderer Mißbrauchopfer stapelten sich in ihrer Wohnung.

Da schrieb ein Kolumnist der einen Artikel mit dem Titel:
"Mißbrauchsbeschuldigungen: Wahrheit oder Rache?"
Als ich das in ihrem Buch las, war ich fassungslos. Nicht weil sich jemand gefunden hatte, der die Realität des Mißbrauchs ableugnete. Damit war zu rechnen, denn wenn es viele Mißbrauchsopfer gibt, gibt es viele Täter, die ein Interesse daran haben, den Mißbrauch abzuleugnen.

Was mich meinen Augen beinah nicht trauen ließ war die Formulierung "Wahrheit oder Rache?" - Jeder geistig gesunde Mensch würde doch fragen: "Rache, wofür?" und zu dem Schluß kommen, daß in der Erziehung eines Kindes, nach der ein Kind auf diese Weise Rache üben will, obwohl es nicht sexuell mißbraucht worden ist, beinahe ebenso viel schiefgelaufen sein muß, als wäre das Kind tatsächlich sexuell mißbraucht worden. Da dem Kolumnist nicht der Gedanke gekommen ist, daß er wirres Zeug schreibt, muß in dessen Erziehung wohl etwas schief gelaufen sein, das ihm eine solche Rache nicht abwegig erscheinen läßt.

Natürlich hat man den meisten Streit, den man so im Leben hat, einerseits mit den Leuten mit denen man zusammenlebt - inklusive der eigenen Eltern - und andererseits mit denen, mit denen man arbeitet. Das liegt einfach daran, daß man so viel miteinander zu tun hat. Aber wenn die Verhältnisse einigermaßen in Ordnung sind, handelt es sich eben um harmlose Streits, die keinen Wunsch nach solcher Rache wecken.

Kersti

Quelle

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VA31. Kersti: Warum es unmöglich ist, bei vorurteilsgeladenen Themen auf Wörter zu verzichten, die als abwertend gelten
VA33. Kersti: Real ist, was nicht verschwindet, wenn man nicht mehr daran glaubt?
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VA47. Kersti: Die verdrängte Wahrheit ist immer schlimmer als die Deckerinnerung, hinter der wir sie verstecken
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Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, http://www.kersti.de/, Kersti_@gmx.de
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