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10/2015

VB179.

Anpassungsfähigkeit und Spezialisierung - Der Unterschied zwischen Mensch und Tier

Inhalt

VB179.1 Kersti: Einleitung
VB179.2 Kersti: Wer ist geschickter - Mensch oder Affe?
VB179.2.1 Kersti: Unglaublich geschickte Affen
VB179.2.2 Kersti: Bewegungen, zu denen kein Menschenaffe fähig ist
VB179.2.3 Kersti: Die Geschicklichkeit der Affen ist weitgehend angeboren, die des Menschen individuell erlernt
VB179.3 Kersti: Sind Tiere die besseren Menschen? - Über die Risiken der beinahe beliebigen Anpassungsfähigkeit
VB179. Kersti: Quellen

 
Inhalt

1. Einleitung

Der wesentliche Unterschied zwischen tierischer Kommunikation und menschlicher Kommunikation ist die Entwicklung der Grammatik, die es erst ermöglicht komplexe logische, räumliche und zeitliche Beziehungen darzustellen. Affen und Hunde lernen zwar einzelne Worte zu verstehen oder sie lernen ganze Sätze als Bedeutungseinheiten auswendig, sie sind aber nicht in der Lage Grammatik zu verstehen.
VA169.2.5.3 Kersti: Das Sprachverständnis der Tiere ist nicht gut genug, zur Produktion sprachlicher Träume
Durch Grammatik erst wurde eine geschichtliche Überlieferung möglich, dadurch wurden Planungen für die fernere Zukunft und die Organisation von großen Staaten möglich, die als Einheit handeln. Und eine echte Schrift wird erst sinnvoll, wenn man eine entsprechend komplexe Sprache hat.

Das wiederum gibt dem Bewußtsein erst genug Futter um die oberen Stufen der Entwicklungsreihen bei der Entwicklung von Religion und Moral, die die Entwicklungspsychlogie untersucht, zu erreichen.
VB50. Kersti: Entwicklungspsychologie: Weltbild-Stufen
VB136. Kersti: Der Unterschied zwischen Religion und Wissenschaft
O7.A7 Kersti: Entwicklungspsychologische Trennung zwischen materieller Realität, Fantasie und Geistigen Welten (=feinstoffliche Welten)

Die Hand des modernen Menschen wiederum unterscheidet sich in ihrer vielseitigen Verwendbarkeit ganz erheblich von der des Menschenaffen und ohne sie wären wir nicht in der Lage derart komplexe Werkzeuge, Handwerkstechniken und Industrie zu bauen. Die Hand der Menschenaffen ist nicht eigentlich ungeschickt, sondern ihr fehlen Sonderfunktionen, die nur die menschliche Hand hat. Das menschliche Leben besteht eben nicht nur aus Bananenschälen!

 
Inhalt

2. Wer ist geschickter - Mensch oder Affe?

2.1 Unglaublich geschickte Affen

Auf einen Bemerkung auf , die er wohl als eine Überhöhung des Menschen deutete, schrieb er über die beeindruckende Geschicklichkeit von Orang Utans:

(...)

Ich kann nur für Orang Utans sprechen, hatte mich über 30 Jahre in deren nahem Habitat aufgehalten und mich fünf, sechs Jahre intensiv mit ihnen befasst, mit stets physischem Kontakt (gefüttert, herum-getragen, gespielt, beschäftigt, medizinisch versorgt und eingehend beobachtet und, ja, geraucht, wenn jene wieder einmal schneller waren als ich), leider nicht/nie lange genug. Es waren stets 40 - 45 von Ihnen zugegen, in Summe, über Zeit etwa 60 - 65 kumulativ, rote und braune aller Altersgruppen, von gerade geboren bis hin zu "alten Herren".

(...)

Wenn ich mit der linken Hand eine Banane esse und mit der rechten eine Zigarette halte, und nebenbei noch ein Flugzeug steuern will, dann finde ich - bei starker Turbulenz - die Banane in meinem linken Auge wieder, die Zigarette im rechten, wie mir bereits passiert. Einem Orang Utan kann DAS nicht passieren, da seine Füße wie Hände ausgebildet sind, also langgliedriger als unsere Gehwerkzeuge, und fast so patent sind wie seine Hände.

Ob er den gezeigten Dreifinger-Gruß ausführen kann, mit den Händen oder Füßen, muss ich bei nächster Gelegenheit unbedingt überprüfen. Gefühlsmäßig würde ich sagen JA, da er auch sehr dünne Äste greifen kann, den Sack, mit dem er sich zum Schlafen zudeckt usw. usw.

Ein armer armloser Gibbon, den ich jahrelang mit frischen Früchten füttern durfte, als Schwanzloser ja auch zu den "Menschenaffen" gehörig, verspeiste diese unter Zuhilfenahme der ihm eben nur verbleibenden Füße. Und es sah immer noch geschickter und manierlicher aus als ich es bei vielen Hominiden beobachten muss.

Orang-Utan-Babies sind in ihren ersten zwei Lebensjahren den menschlichen in ALLEN Belangen weit überlegen, inklusive der Lernfähigkeit und des kognitiven Wissens bzw. dessen Umsetzung im praktischen Leben. Sie fallen auch nicht aus Fenstern oder vom Balkon.

Man muss die so grazile und dennoch kräftige Hand, gerade eines kleinen Orang-Utans, ergriffen haben, oder ein auch komplexes Spielzeug in diese gelegt haben, um dieses zu glauben.

Nochmals '''danke''' für die interessanten Hinweise! Gruß -- Welt: Benutzer:Semut23 23:50, 12. Jul. 2012 (CEST)

 
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2.2 Bewegungen, zu denen kein Menschenaffe fähig ist

Als ich Affen einfach so im Zoo beobachtet habe, ist mir keine wie auch immer geartete Ungeschicklichkeit aufgefallen. Besonders fasziniert hat mich als Kind mal ein junger Schimpanse - glaube ich zumindest, ich war noch ziemlich klein und bin mir deshalb nicht hundertprozentig sicher, ob ich die Art richtig im Gedächtnis habe - der Weintrauben hatte und jede einzeln geschält hat. Das Buch "Buch: Die Hand - Geniestreich der Evolution." von Autor: Frank R. Wilson, hat mir dann die Augen dafür geöffnet, daß ich bestimmte Handhaltungen, die jedes menschliche Kind beherrscht, noch nie bei einem Menschenaffen gesehen habe. Weder auf Fotos noch im Zoo.

Die menschliche Hand ist zu Bewegungen fähig, die den anderen Menschenaffen anatomisch unmöglich sind.


Schräger Preßgriff: Menschen können die Finger schräg zur Daumenwurzel hin biegen, wozu kein Menschenaffe in der Lage ist. Dadurch kann man einen Stock - oder in diesem Falle ein Schwert mit Kraft so halten, daß er zur Verlängerung des Armes wird.2.


Kraftgriff: Dieser Griff wäre beispielsweise auch einem Schimpansen möglich.2.


Bonobo: Man beachte, daß die Finger gerade zur Handfläche hin gebogen sind, nicht schräg zur Daumenwurzel hin, wozu Menschenaffen nicht in der Lage sind. Um den Stock in die gewünschte Richtung zu halten, klemmt der Bonobo ihn sich raffiniert zwischen die Finger.3.


Auch der Präzisionsgriff ist den Menschenaffen so nicht möglich.2.


Der Daumen des Menschen kann bis zum kleinen Finger rüber gebogen werden.4.


Der Gorilla hält den Stock, mit dem er sich kratzt zwar etwas schräg, aber nicht indem er die Finger zur Seite biegt, wie ein Mensch das bei einer vergleichbaren Handlung tun würde.5.

 
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2.3 Die Geschicklichkeit der Affen ist weitgehend angeboren, die des Menschen individuell erlernt

Bei menschlichen Babies ist das Nervensystem bei der Geburt noch nicht voll ausgebildet - die Nervenscheiden sind noch nicht myelinisiert - und das Kind kommt als physiologische Frühgeburt zur Welt, da sonst der Kopf nicht durch den Geburtskanal passen würde. Vom Entwicklungsstand her entspricht, nach dem was ich gelesen habe, ein ein Jahr altes menschliches Kind etwa einem neugeborenem Menschenaffen.11. Daher wundert mich Deine Beobachtung gar nicht.

Ich denke daß Deine Beobachtung daß Orang Utans so unglaublich geschickt wirken, wenn man ihnen ein kompliziertes Spielzeug in die Hand gibt, sogar geschickter als Menschen, uns durchaus etwas sagen will.

So weit ich weiß, würde sich ein Menschenaffe - gleich welcher - durchaus dafür interessieren, wenn man ihm eine Guitarre in die Hand geben würde. Er würde sicherlich auch ausprobieren wie man damit Geräusche machen könnte und ein wenig auf den Seiten herumschrummen. Wenn immer Guitarren vorhanden wäre könnte man sich vorstellen daß die Affen täglich damit spielen (wobei ich davon ausgehe, daß die Guitarren dabei zu Bruch gehen würden, aber vielleicht irre ich mich da). Aber so weit ich weiß, könnte man sie mit keinem Trick der Welt dazu animieren, jahrelang täglich einige Stunden Guitarre zu üben, um die Fähigkeiten eines Konzertguitarristen zu erwerben.

Vergleichbar wäre sicherlich das Ergebnis, wenn man einem Affen die Fähigkeiten eines Goldschmiedes vermitteln wollte.

Ich würde vermuten daß ein solcher Orang Utan auch nicht in der Lage wäre, auf 0,1 mm genau zu zeichnen, wie ich das als Bauzeichnerin gelernt habe, selbst wenn er das jahrelang üben würde.

Natürlich gibt es Fälle, wo ein Tier jahrelang für eine bestimmte Aufgabe ausgebildet wird - man denke an ein Dressurpferd oder einen Blindenhund. Doch in diesen Fällen ist derjenige mit der Motivation, täglich zu üben, der Mensch. Das Tier übt nur, wenn der Mensch dabei ist. Auf sich gestellt kehrt sowohl das Individuum als auch die Art zu dem Verhalten der wilden Vorfahren zurück - das Haustiere aber oft nicht so perfekt hinkriegen wie ihre wilden Vorfahren.

Ich würde also vermuten, daß die anfängliche Geschicklichkeit der Orang Utans letztlich bedeutet, daß ihre Bewegungen instinktiv stärker festgelegt und durch Übung nicht so stark änderbar sind wie die des Menschen und daß der Mensch erst im Vorteil ist, wenn er eine Spezialfähigkeit jahrelang gezielt geübt hat.

Das, worum es mir hier ging, ist bei Konrad Lorenz beschrieben. Er vergleich zunächst stark spezialisierte Tiere mit weniger spezialisierten Tieren. Spezialisten, also stark spezialisierte Tiere sind im allgemeinen wenig flexibel in ihrem Verhalten und die meisten ihrer Verhaltensweisen sind instinktiv vorgegeben und durch Lernen kaum zu verändern. Solche Tiere sind wenig neugierig. Generalisten, also wenig spezialisierte Tiere zu denen beispielsweise der Wolf zählt, aber auch die Menschenaffen, haben eine stark ausgeprägte Neugier und müssen einen größeren Anteil ihres Verhaltens erlernen. Sie können deshalb leicht zwischen unterschiedlichen Ernährungsweisen wechseln und sich an unterschiedliche Lebensweisen und Lebensräume anpassen, sie können aber mit stark spezialisierten Tieren in deren Spezialbereich nie mithalten. Nach dieser Aufteilung wäre der Mensch ein extrem ausgeprägter Generalist.6. S.231ff
VB2. Kersti: Lernen ist Spiel
VB5. Kersti: Spiel macht unser Lernen realitätsbezogen

Interessanterweise setzt der Mensch aber auf diese unspezialisierte Grundveranlagung einen Instinkt zum persönlichen spezialisieren auf. Das zeigt sich darin, daß wenn innerhalb einer Familie ein Kind eine bestimmte Fertigkeit und soziale Rolle besonders gut erlernt hat, die nachfolgenden Kinder sich auf andere Fertigkeiten spezialisieren und die vom ersten Kind erlernte Spezialisierung meiden.

 
Inhalt

3. Sind Tiere die besseren Menschen? - Über die Risiken der beinahe beliebigen Anpassungsfähigkeit

Wenn Sie einem Orang Utan tief in die Augen schauen, finden Sie ALL' das Gute, was auch beim Menschen zu sehen ist, jedoch niemals Überheblichkeit, materielle Gier, Geiz, Neid, Missgunst, Niedertracht, Hinterlist, kriminelle Energie oder gar Bereitschaft zum Morden. Niemals, und bei keinem von ihnen! Ich habe unter den 60 - 65 Individuen, die ich kennenlernen durfte, kaum neurotische oder anders psychisch gestörte getroffen, obwohl einige von ihnen extrem-traumatische Erlebnisse hatten, wie das Wegschießen ihrer Mutter seitens anderer zweibeiniger Tiere (der Sapiens-Art), nur um des Babys habhaft zu werden und dieses an irgendwelche Idioten zu verkaufen, die es, wie einen "Teddy", zuhause halten wollten. Natürlich konnte in so einem Fall nur eine besonders liebende Hand eine Wiedergutmachung (jedenfalls) versuchen und eine Heilung bewirken (was nur eine besondere Frau schaffen kann).--Welt: Benutzer:Semut2305:18, 15. Jul. 2012 (CEST)

Auszüge aus einem weiteren Beitrag:
(...) Das Problem liegt u.a. darin, dass der Orang Utan - leider! - zu den am wenigsten erforschten Großaffen gehört, es darum so wenig Literatur über ihn gibt. Alle stürzen sich auf den Schimpansen und Gorilla, wie auch Sie diese ständig anführen. Das geht so weit, dass der große Zoo in Jakarta ein Wahnsinnsgeld ausgegeben hat, um Gorillas aus England zu importieren und ein aufwendiges Spezial-Gehege zu bauen, statt sich mehr und besser um die heimische Art, den Orang Utan, zu kümmern. So traurig, das!

Orang Utans leben nicht in denselben Groß-Gruppen wie Gorillas und Schimpansen, und die Männer sind zumeist solitär. Sie fressen auch kein Fleisch (außer 'mal ein Kleininsekt, hie und da, und ganz selten: eine kleine Maus, DAS aber fast widerwillig). Morden, wie Schimpansen und wir, tun sie niemals! Und "nerven" lässt er sich aufgrund seines ausgeglichenen Temperaments auch nicht so leicht. ;-))

Der Wikpedia-Artikel [[Orang-Utans]] ist recht informativ. Vielleicht werden Sie schon dort feststellen, dass das Tier mit dem Schimpansen nicht vergleichbar ist, bzw., "menschlich gesprochen", zumeist nur unsere guten Eigenschaften hat (oder wir seine), er aber nicht unsere (vielen) schlechten.

(...)

--Welt: Benutzer:Semut23 15:53, 15. Jul. 2012 (CEST)

Mit dieser Aussage gibt er einen Eindruck wieder, den die meisten Menschen zunächst haben, wenn sie Tiere sorgfältig beobachten.

Im Wikipedia-Artikel "Orang Utan" steht, daß die Hälfte der Orang Utan-Kinder durch Vergewaltigungen gezeugt werden. Das würde ich nicht unbedingt zu "nur die positiven Eigenarten des Menschen haben" zählen. Die Vergewaltigungen dürften dort aber nicht die immense traumatische Bedeutung hat wie beim Menschen, wo ja das Überleben von Frau und Kind sehr oft davon abhing, ob der Vater die Verantwortung für sein Kind übernimmt und eine - in historischen Zeiten üblicherweise lebenswichtige - Ehe an einer solchen Vergewaltigung zerbrechen konnte. Gleichzeitig sollte man diese deutlich stärkere Bedeutung von Vergewaltigungen auch nicht als ein besonderes Zeichen der Boshaftigkeit des Menschen werten - es ist einfach eine logische Folge der Tatsache, daß Menschen meist - aber nicht immer - in Einehe leben und daß der Vater mit dafür verantwortlich ist, daß genug Recourcen für Leben und Ausbildung des Kindes vorhanden sind. Wenn ein Mann mehrere Frauen heiratet, handelt es sich entweder um ein System wo Männer erst sehr spät heiraten - und die Kinder nicht unbedingt vom Vater gezeugt sind - wie bei den Zulu. Oder es handelt sich um wohlhabende Männer. Wo mehrere Männer eine Frau heiraten, sind die Männer meist Brüder, sehr arm und könnten sonst Frau und Kinder nicht versorgen (Das gibt es in Tibet und China, so weit ich weiß).

Jane Goodall schrieb in ihrem Buch "Doch wenn ich nach zehn Jahren aufgehört hätte, hätte ich weiter daran geglaubt, daß Schimpansen, so ähnlich sie uns in ihrem Verhalten sind, letztlich viel besser sind. Schockierende schreckliche Erlebnisse belehrten mich eines Besseren."
Diese schockierenden schrecklichen Erlebnisse, bestanden darin, daß zunächst beobachtet wurde, wie zwei Schimpansinnen anderer Horden angegriffen und ihre Kinder getötet und gefressen wurden. Die hochrangige Schimpansin Passion tötete und fraß zusammen mit ihrer Tochter in drei aufeinanderfolgenden Jahren drei Kinder von Gilka einer Schimpansin derselben Horde. 1974-1978 wurden zehn Kinder in dieser Schimpansenhorde geboren und nur eines überlebte. In den darauf folgenden Jahren kam es zu einer Art Stammeskrieg. Die Schimpansenhorde hatte sich geteilt und die größere Horde tötete wahrscheinlich alle männlichen Mitglieder der kleineren Horde nacheinander grausam. In vier Fällen wurde es direkt beobachtet, in einen Fall wurde der tote Schimpanse gefunden, zwei verschwanden einfach.7.

Der Eindruck daß Tiere psychisch viel gesünder und "besser" seien als Menschen entsteht auch, wenn Forscher wildlebende Wölfe beobachten8., 9.. Auch hier haben langfristigere und tiefgreifendere Beobachtungen belegt, daß auch Wolfsverhalten unter Umständen entgleisen kann. Insbesondere stellte ich bei dem Buch von Zimen fest, daß die Wölfe die er in Gehegehaltung (jedes Gehege kann nur kleiner sein als ein Wolfsrevier und es handelt sich deshalb nicht um völlig artgerechte Haltung, außerdem bekamen die Tiere Fleisch und mußten deshalb nicht gemeinsam jagen) beobachtete sehr viel unfreundlicher miteinander umgingen, als das bei Freilandbeobachtungen beschrieben wurde10.. Aber auch bei den Freilandbeobachtungen der Wölfe im Yellowstone-Park, die über viele Jahre hinweg mehrere Wolfsrudel betraf, kamen grausame Handlungen wie der Mord an Rudelmitgliedern vor11..

Darüber ob sie nie morden, würde ich bei einem Affen der "schlecht erforscht" ist, schlichtweg keine Aussage machen. Offensichtlich trat das bei Goodalls Schimpansen ja auch erst nach über zehn Jahren intensiver Beobachtung auf - dann artete es aber in einen regelrechten Stammeskrieg aus. Für mich bedeutet das, daß so etwas sicherlich selten ist, daß aber nicht auszuschließen ist, daß Gorillas unter bestimmten Bedingungen auch andere Gorillas umbringen könnten.

Und bei den Zahlen fragt sich halt, ob Menschen da so anders sind. Wieviele Morde von Menschen an Menschen hast Du denn persönlich - also nicht über hörensagen, Radio und Fernsehen - mitbekommen? Ich keinen einzigen. Wieviele Morde würde ein hypothetischer Außerirdischer, der Menschen in Deutschland fünfzig Jahre lang erforscht mitbekommen? Inwieweit wäre er in der Lage die hintergründigen Gemeinheiten, mit denen Menschen einander oft traktieren, als solche zu erkennen, wenn ihm das instinktive Verständnis der menschlichen Kommunikation fehlt, das ein Mensch hat?

Den Eindruck, daß Tiere generell seltener psychisch krank werden als Menschen dagegen habe ich auch. Genauer gesagt: Wenn ich einen Hund und seinen Herrn vergleiche, erschein mir der Hund in den meisten Fällen psychisch gesünder als sein Besitzer. Und das ist aus meiner Sicht leicht dadurch zu erklären, daß Tiere sehr viel weniger frei darin sind, wie sie ihre Psyche organisieren. Das ist wie der Unterschied zwischen einem narrensicheren Computerprogramm, das wenig Konfigurationsmöglichkeiten für den Endnutzer bietet - aber auch praktisch keine Möglichkeit das Ding erfolgreich zum Absturz zu bringen und Programmen, wo man viel konfigurieren kann, aber wo man dadurch auch recht leicht eine Möglichkeit findet, das Ding so einzustellen, daß plötzlich gar nichts mehr geht.

Die Instinkte eines Tieres - egal welches Tieres - entsprechen eher dem narrensicheren Computerprogramm - das meiste ist so festgelegt, daß man kaum eine Chance hat, Neurosen oder ähnliches durch widersprüchliche Botschaften zu erzeugen. Die Tiere beachten das, wo eine Einstellung im Programm für vorgesehen ist, die restlichen Signale werden ignoriert.

Die Instinkte eines Menschen entsprechen dem Programm das beinahe beliebig konfigurierbar ist. Einerseits kann ein Mensch sich an Lebensweisen anpassen und Aufgaben übernehmen, die für einen Schimpansen oder Orang Utan unvorstellbar sind, andererseits ist es leicht möglich, einen Menschen mit so vielen widersprüchlichen Botschaften zu füttern, daß er psychisch krank wird - was dem Computerabsturz entsprechen würde.

Bei mir entsteht insgesamt der Eindruck, daß Tierverhalten allgemein stärker instinktiv festgelegt ist als das des Menschen. Dadurch geht seltener etwas schief, aber ein so tief gestaffeltes (Familie, Verein, Gemeinde, Staat, Weltweite Organisationen wie Wikipedia, Weltpolitik) und vielfältiges Sozialverhalten, wie das des Menschen wäre nicht möglich, wenn das menschliche Verhalten ebenso festgelegt wäre.

Kersti

 
Inhalt

Quellen

Dieser Artikel beruht auf einer Diskussion zwischen Welt: Benutzer:Semut23 von Wikipedia und mir (Welt: Benutzer:Kersti Nebelsiek auf Wikipedia) die wir zwischen dem 10. Jul. 2012 und dem 23. Jul. 2012 auf der Welt: Benutzerdiskussionsseite von Gerbil begonnen und auf meiner Benutzerdiskussionsseite beendet haben. Wie aller Text auf Wikipedia steht der Text unter der Lizenz Welt: CC BY 3.0, was für diesen Artikel deswegen auch zutrifft.

Dank noch mal an Semut23, daß er mir durch diese das Vergnügen bereitet hat, an seinen Erfahrungen mit Orang Utans teilzuhaben.

Die Diskussion enthielt auch einige Bemerkungen über den Humor von Tieren, dieses Thema habe ich aber in folgendem Artikel bereits behandelt.
VA144. Kersti: Hundehumor

Bei den Bildern habe ich jeweils die Lizenzbedingungen der CC-Lizenzen erfüllt. Der Hinweis auf die GNU-Lizenz dient nur der Information.

Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, http://www.kersti.de/, Kersti_@gmx.de
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