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VB249.

Paßt der Aids-Virus durch die Poren im Kondom?

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Übergeordneter Artikel:
Dieser Text:
VB249.1 Kersti: Eingangsfrage: Hat ein Kondom wirklich Poren, durch die ein Virus passen könnte?
VB249.2 Kersti: Der Größenunterschied zwischen Wasser- und Luftmolekülen im Vergleich zu Viren
VB249.2.1 Kersti: So Pi mal Daumen ist der Virus tausend mal so groß
VB249.2.2 Kersti: Die Moleküle von Luft und Wasser bestehen aus zwei bis drei Atomen
VB249.2.3 Kersti: Die RNA des Aids-Virus
VB249.2.4 Kersti: Das Kapsid, in das die RNA verpackt ist
VB249.2.5 Kersti: Der Spike
VB249.3 Kersti: Ein Wabenmuster aus Poren im Kondom?
VB249.4 Kersti: Woher die Geschichte mit den Poren stammt: Wenn ein Kondom Löcher hat, durch die ein Virus durchkommt, dann weil er beschädigt ist
VB249.4 Kersti: Diese Poren sind keine Produktionsfehler, ...
VB249.4 Kersti: What condoms can't do
VB249.4 Kersti: Was Kondome nicht leisten können
VB249.5 Kersti: In der täglichen Praxis sind Kondome nicht völlig sicher
VB249.5 Kersti: "Damit ist ein Kondom vermutlich besser geeignet, vor einer HIV-Ansteckung zu schützen, als eine ungewollte Schwangerschaft zu verhindern"
VB249.5 Kersti: Die anteilige Verringerung der HIV-Serokonversion bei Verwendung von Kondomen, liegt bei etwa 80%
VB249. Kersti: Quellen

 
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1. Eingangsfrage: Hat ein Kondom wirklich Poren, durch die ein Virus passen könnte?

Die Ursprüngliche Formulierung aus dem Abschnitt "Paßt der Aids-Virus durch die Poren im Kondom?" des Artikels von 2003 enthielt folgende beide Absätze:
Irgendwann einmal las ich, daß ein Kondom keinen Schutz vor Aids bieten könne, da die Viren wesentlich kleiner wären, als die Poren im Kondom. Damals erschien mir das denkbar. Inzwischen frage ich mich ernsthaft, wie es passieren konnte, daß über ein Jahr brauchte, um darauf zu kommen, warum das so nicht stimmen kann.

Ich weiß nichts darüber, ob es im Kondom wirklich etwas gibt, was man zu recht als Poren bezeichnen könnte - was ich allerdings weiß, ist, daß man einen Kondom zu Not als Luftballon oder Wasserbombe mißbrauchen kann.

Ab 2019 ergänzte ich den Artikel um Bilder und weitere Überlegungen.
Bildquelle: 2.

Als Luftballon mißbrauchter Kondom - möglicherweise gab es deshalb ein Kind?

 
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2. Der Größenunterschied zwischen Wasser- und Luftmolekülen im Vergleich zu Viren

2.1 So Pi mal Daumen ist der Virus tausend mal so groß

Ich stellte 2019 zu den Größenverhältnissen zwischen Luft und Wassermolekülen, im Vergleich zur Größe des Aidsvirus eine sehr grobe Pi-Mal-Daumen-Überlegung an:

Luft und Wasser bestehen aus Molekülen die je aus nur 2 oder drei Atomen bestehen. Ein Aids-Virus besteht aus zwei einzelsträngigen identischen 9749 Basenpaare langen RNA-Bruchstücken, die zusammen in eine Eiweißhülle verpackt sind. Um diese Eiweißhülle herum ist Zytoplasma mit verschiedenen gelösten Eiweißen und dann noch einmal eine Membranhülle. - Alles in allem, ist der Viruspartikel im Durchmesser sicherlich tausend mal so groß wie ein Wassermolekül 1. S.1060ff - und wenn Wasser nicht durch einen Kondom hindurchgeht, dann tuts ein Virus sicher auch nicht.

Zu diesem Abschnitt bekam ich einen überraschenden Kommentar:
"Der Vergleich mit dem AIDS-Virus und dem Wassermolekül wird schlicht falsch geführt. Es geht hier nicht um die Masse der beiden kleinsten Teile einer Substanz, sondern um deren Größe. Ein AIDS-Molekül hat etwa 120 Nm, ein Wassermolekül 0,1Nm."
Ich hatte nämlich weder über Masse noch über Größe geredet, sondern nur über die Zahl der Atome nachgedacht und war dann zu dem Schluß gekommen, daß der Größenunterschied so enorm ist, daß ich keine weiteren Überlegungen anstellen muß. Richtig überraschend ist aus meiner Sicht nur, wie genau meine pi mal Daumen Schätzung mit dem "tausend mal so groß" zutrifft, denn so viel Mühe, daß ich es so genau hinkriege, hatte ich mir gar nicht machen wollen! Ich hatte mir nur das rausgeschrieben, von dem ich sowieso wußte, wo es steht.

 
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2.2 Die Moleküle von Luft und Wasser bestehen aus zwei bis drei Atomen

Für diejenigen, denen der enorme Größenunterschied nicht so klar ist hier nochmal die Bilder, die ich bei der Überlegung vor meinem inneren Auge hatte.
Bildquelle: 3.

Wasser, weiß Wasserstoff, rot Sauerstoff

Das Wassermolekül ist polar, das heißt der Sauerstoff im Wasser hat eine gringfügige negative Ladung (δ-) und der Wasserstoff im Wassermolekül hat eine geringfgügige positive Ladung (δ+). Diese elektrische Ladung bewirkt daß der Sauerstoff in einem Wassermolekül den Wasserstoff in einem anderen Wassermolekül anzieht, ähnlich die magnetische Ladung im Nordpol eines Magneten die magnetische Ladung im Südpol eines anderen Magneten anzieht. Wegen dieser gegenseitigen Anziehung der Wassermoleküle untereinander liegt Wasser bei Zimmertemperatur flüssig vor.

Bildquelle: 4.

Sauerstoffmolekül

Wenn also weder das polare Wasser noch die unpolare Luft durch einen Kondom kommen, kann ein viel größeres Ding als diese beiden Substanzen da nur hindurch, wenn es ein spezielles Messer besitzt.

 
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2.3 Die RNA des Aids-Virus

Kommen wir nun zur der Größe der Aids-Viren. In der folgenden Zeichnung ist ein Stäbchenmodell der DNA-Doppelhelix dargestellt. Links sind zwei Basenpaare herausgegriffen um die Anordnung der Atome in der DNA deutlicher zeigen zu können.
Bildquelle: 5.

Stäbchenmodell der DNA-Doppelhelix, weiß Wasserstoff, rot Sauerstoff, blau Stickstoff, grau Kohlenstoff, gelb Phosphor

10 Basenpaare bilden eine volle Umdrehung der DNA-Helix, die 3,4 nm lang ist und einen Durchmesser 2,37 nm hat. Das Genom des Aids-Virus hat 9749 Basenpaare, die in der Wirtszelle eine 3315nm lange DNA-Helix von 2,37 nm Dicke bilden. Im Viruspartikel liegen dagegen zwei ebensolange Stränge RNA vor, die aber sicherlich nicht weniger Platz wegnehmen, da sie fast gleich aufgebaut sind.

Bildquelle: 7.

RNA im Vergleich zur DNA, Thymin ist in der RNA durch Uracil ersetzt.

Wer das noch genauer verstehen will, findet hier eine ausführlichere Erklärung:
VB218.7 Kersti: DNA und RNA

Ab dieser Stelle habe ich nur grob überschlagen, was sonst noch alles dazu kommt und bin zu der Vermutung gekommen, daß ein Aids-Virus sicherlich einen tausend mal so großen Durchmesser hat wie ein Wassermolekül.

Darstellung:

Schemazeichnung des Virions vom Aidsvirus. Das konusförmige Kapsid der Viren enthält die Erbsubstanz des Virus in Form von RNA. Bei den Fortsätzen außen an der Hüllmembran handelt es sich um das Glycoprotein, mit dem der Virus an der Zellmembran andockt.9.

 
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2.4 Das Kapsid, in das die RNA verpackt ist

Die RNA ist nämlich zusammen mit etwas Flüssigkeit und einigen anderen Sachen, die nicht so genau bekannt waren, in ein Kapsid verpackt, das sich wiederum innerhalb von einer Membranhülle mit Spikes befindet. Die DNA befindet sich in einer Kapsel, das Kapsid, das aus diversen Exemplaren des Proteins P24 aufgebaut ist.

Proteine sind aus Aminosäuren aufgebaut. Wie die unterschiedlichen Aminosäuren aufgebaut sind ist unten dargestellt. Jede Ecke in der Darstellung stellt dein Kohlenstoffatom dar, das vier Bindungsmöglichkeiten hat. Jeder Strich stellt eine Bindung an ein anderes Kohlenstoffatom oder an das Atom das dort dargestellt ist dar, wenn ein Kohlenstoffatom weniger als vier Striche hat, ist an die übrigen freien Bindungsmöglichkeiten ein Wasserstoffatom gebunden.

Bildquelle: 13.

Die Aminosäuren

Diese Aminosäuren werden bei der Transskription von Genen zu langen Schlangen zusammengefügt. Proteine falten sich nachdem sie zusammengesetzt sind in diverse Sekundärstrukturen zusammen. Diese werden überlicherweise in Form eines Bändermodells räumlich dargestellt. Eine vollständige Erklärung zum Bändermodell und wie es zu verstehen ist, findet sich hier:
VB218.6.1 Kersti: Von der Aminosäure zum Proteinkomplex
Das Proteins P24 enthält diverse Alpha Helices, daher nehme ich das als Beispiel für eine der möglichen Sekundärstrukturen. Die Spiralen im Bändermodell sind Alpha Helices, die selber aus Aminosäuren aufgebaut sind. Um einen Eindruck zu bekommen, aus wie vielen Atomen diese aufgebaut sind, hier eine Darstellung der grundsätzlichen Struktur der Alpha Helix. Der Teil der allen Aminosäuren gemeinsam ist, ist hier eingezeichnet, für den Teil, der die Aminosäuren voneinander unterscheidet, steht das R.
Bildquelle: 12.

Alpha Helix

Wie man in der Abbildung unten erkennen kann setzt sich das Protein p24 aus diversen Alphahelices zusammen, die durch andere Sekundärstrukturen miteinander verbunden sind und insgesamt ein sechseckiges Protein bilden. Aus vielen Exemplaren diese Proteins und wenigen anderen fünfeckigen Proteinen wird das Kapsid zusammengesetzt.

Bildquelle: 10.

Kapsid des Aidsdvirus, links oben Bändermodell des Proteins p24 aus dem das Capsid zusammengesetzt ist, unten das raumfüllende Modell, rechts ist dargestellt, wie sich daraus das gesamte Kapsid zusammensetzt.

Im Vergleich zu einem Sauerstoff- oder Wassermolekül ist auch dieses Kapsid riesig!

Es ist zusammen mit diversen Proteinen in eine Matrixhülle und in eine Membranhülle verpackt, an der es Spikes gibt, die dazu dienen an die Wirtszelle anzudecken.

 
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2.5 Der Spike

Wie groß das Spike-Prottein des AIDS-Virus ist zeigt folgendes Bändermodell. Auch dieses ist riesig im Vergleich zu einem simplen Wassermolekül. Der Spike-Protein-Komplex setzt sich aus zwei Einzelproteinen zusammen , die GP setzt
Bildquelle: 22.

Bändermodell vom Spike-Protein des Aids-Virus. Grün ist das Spike-Protein selbst dargestellt. Um seinen Hals liegt gelb und rot ein Antikörper, der eine Infektion einer Zelle verhindern kann. Grau ist die Membranhülle des Virus dargestellt.

Der Spike-Protein-Komplex des Aids-Virus setzt sich aus zwei Einzelproteinen zusammen, die gp42 und gp120 heißen und spielt eine Rolle beim Eindringen in die Wirtszelle. Dabein dockt er spike zunächst an den Rezeptor CD4
Bildquelle: 23.

Eindringen des Virus in die Zelle

Das Spike-Protein spielt eine Rolle beim Eindringen des Virus in die Zelle. Es dockt an dem Rezeptor CD4 an,

 
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3. Ein Wabenmuster aus Poren im Kondom?

Ich habe mich schon länger gefragt, wie die Leute dazu gekommen sind, dem Kondom Poren zuzuschreiben.

Mir wurde geschrieben:
"Mit einem bloßen Kindermikroskop kann man die Struktur eines Kondoms sichtbar machen und man erkennt, dass es aus einzelnen Waben aufgebaut ist, durch die ein AIDS-Virus locker durchkommt."
Ich war verblüfft. Das paßte nicht zu dem, war ich bisher über Kondome gewußt hatte. Meines Wissens waren sie ganz ähnlich konstruiert wie Luftballons, auch wenn sie eine andere Form haben und sorgfältig darauf geachtet wurde, daß sie keine Löcher haben. Auch bei Wikipedia wurde ein Herstellungsverfahren beschrieben, bei dem nicht damit zu rechnen ist, daß ein Kondom nachher wie ein Fischernetz mit wabenförmigen Löchern aussieht.

Aus Seite „Welt: Kondom“ in Wikipedia6.:

Kondom

Die Produktion von Kondomen aus Naturkautschuklatex erfolgt meist in sieben Schritten:6.1
  1. Eintauchen des Formkörpers in flüssiges Naturkautschuklatex
  2. Austauchen der Form und Trocknen (Vulkanisieren) des anhaftenden Gummifilms
  3. Abziehen des getrockneten und verfestigten Gummifilms von dem Formkörper
  4. Spülen des Gummifilms und Puderbeschichtung
  5. Trocknen des gewaschenen und puderbeschichteten Gummifilms
  6. elektronische Einzelprüfung auf Dichtheit
  7. Aufrollen des Kondoms
  8. Verpackung nach Abschluss der Produktion des Produktes
Traditionelle Kondome bestehen aus Naturkautschuk, aber auch aus Polyurethan (PUR) oder Polyisopren (PI) und haben wenn man die Materialien und Herstellungsmethode betrachtet offensichtlich keine Wabenstruktur. Alle Materialien die für Kondome verwendet werden bestehen aus amorphen Material, das keine regelmäßige innere Kristallstruktur hat, daher sollten Kondome auch nicht Schäden in einem regelmäßigen Muster haben.

Ich googlete also, ob es Kondome mit Wabenstruktur gibt und wurde tatsächlich fündig. Die 2002 gegründete Firma Lelo hatte einen extra dünnen Kondom entwickelt, der seine Stabilität durch eine wabenförmige Verstärkung der Wand des Kondoms aufrecht erhält8.. Der Kondom hat allerdings keine Poren, sondern das innere der jeweiligen Wabe war durch eine besonders dünne Folie aus demselben Material verschlossen, das die Wände der Waben bildete. Das ist halt wie mit Vögeln und Fenstern: Durch die Fenster kann man zwar durchschauen, aber der Vogel wird nicht durch das Glas des Fensters hindurchkommen, wenn er er es versucht. Genausowenig wird der Virus es durch die dünne Folie schaffen, die das Innere der jeweiligen Wabe verschließt.

Ein weiteres googlen 2023 ergab, daß es im Netz Fotos von Kondomen gibt, die so aussehen, daß man es als ein regelmäßiges Muster an Unregelmäßigkeiten an der Kondomoberfläche oder als Löcher deuten könnte, für mich sah das aber eher wie ein Interferenzmuster aus, weil es mir zu regelmäßig erscheint, um aus Schäden am Kondom zu zeigen. Wegen ihrer amorphen Struktur sollten Kondome keine Schäden in einem regelmäßigen Muster haben. Solche Interferenzmuster können aus unterschiedlichen Gründen entstehen. Die größte Ähnlichkeit mit dem Bild, was ich dort gesehen habe, hatte ein Bild, das erstellt worden war, um Abbildungsfehler durch die Spiegel, die im James Webb Space Telescope durch die Form des Spiegels erzeugt worden war, zu erläutern. Lochblenden derselben Form erzeugen im Prinzip dieselben Interferenzmuster in Abhängigkeit von der Blendenform wie Spiegel. Die Fassungen der Linsen des Mikroskops sind letztlich eine Art Blende - also eine oft relativ kleine Öffnung, durch die das Licht hindurchfällt und die Interferenzmuster erzeugen kann.

Bildquelle: 11.

NASA's James Webb Space Telescope: Interferenzmuster, die durch die Form der Spiegel des Teleskops erzeugt werden, so wie nach einer theoretischen Brerechnung aussehen müßten. Die 18 einzelnen Spiegel des Teleskops sind sechseckig.

Bildquelle: 11.

NASA's James Webb Space Telescope: 18 Bilder von einem einzigen Stern durch die 18 einzelnen Spiegel des Teleskops dargestellt als Phase der Einstellung des Teleskops bei der Inbetriebnahme. Die Interferenzmuster in der Abbildung der einzelnen Spiegel sind deutlich zu erkennen und unterscheiden sich voneinander, da keiner der Spiegel bis jetzt so scharf wie möglich eingestellt ist.

Weitere Beispiele für andere Interferenzmuster zeige ich in folgenden Texten:
VB218.2.2 Kersti: Doppelspaltexperiment - Licht als Welle
VB201.2.3 Kersti: Chladnische Klangfiguren und was man daraus über Musikinstrumente lernen kann
VB234.Z.3 Kersti: Auflösungsgrenzen von Teleskopen und Abbildungsartefakte

Je teurer ein Mikroskop ist, desto mehr Mühe wurde darein investiert, Abbildungsfehler zu vermeiden. Schülermikroskope erfüllen im allgemeinen ihren Zweck, sind aber die billigsten Mikroskope, die man noch sinnvoll benutzen kann und haben sicherlich mehr Abbildungsfehler als wirklich hochwertige Mikroskope. Meine Schlußfolgerung ist daher, daß das mit dem Mikroskop gesehene "Wabenmuster von Löchern im Kondom" nichts mit realen Löchern im Kondom zu tun hat, sondern ein Interferenzmuster und damit ein Abbildungsfehler des Schülermikroskops ist.

 
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4. Woher die Geschichte mit den Poren stammt: Wenn ein Kondom Löcher hat, durch die ein Virus durchkommt, dann weil er beschädigt ist

Daß die Kondome mit Wabenstruktur keine Löcher haben, machte mir aber noch nicht verständlich, woher die Geschichte mit den Poren überhaupt gekommen ist. Ich googlete also Poren im Kondom und fand zwei Texte, die diese Formulierung enthielten. Leider hatte ich zuerst nur für eine Email die Links zu meinen Quellen herauskopiert. Nur einer der beiden enthielt eine Quellenangabe für die Behauptung mit den Poren und war offensichtlich auch die Quelle des anderen Artikels.

In dem Text "Kondomverbot und Aidsbekämpfung" findet sich folgende Behauptung:

Diese Poren sind keine Produktionsfehler, ...

"Kondome bestehen aus Latex und sind 0,04 bis 0,08mm dick. Bei genauen Untersuchungen lassen sich mikroskopisch kleine Löcher in der Wand eines Kondom nachweisen. Diese Poren sind keine Produktionsfehler, sondern aufgrund des Materials naturgemäß im Latexkondom, unabhängig vom Herstellungsverfahren. Der Durchmesser dieser „Löcher“ beträgt 5 bis 50 Mikrometer und ist damit 50 bis 500mal so groß wie das AIDS-Virus. Darum könne ein Kondom – so heißt es immer wieder – kein wirklicher Schutz gegen AIDS sein; die Viren würden einfach durch die „Latexporen“ durchwandern." 14.

Also mir ist unbekannt daß Gummi von Natur aus immer undicht wäre!

Während, der Text, den ich zitiert habe, keine Quellenangabe hatte, verwies der andere auf eine Quelle aus der Washington Post, von der ich die wesentliche Stelle hier zitiere.

The Washington Post. 3.7.1992

What condoms can't do

Die Originalstelle findet sich laut Quellenangabe hier:
"Moreover, there exists direct evidence of voids in condom rubber. Electron micrographs reveal voids 5 microns in size (50 times larger than the virus), while fracture mechanics analyses, sensitive to the largest flaws present, suggest inherent flaws as large as the 50 microns (500 times the size of the virus). When recourse is made to condoms for the prevention of HIV infection, at least two should be worn during sexual activity.
C. M. ROLAND Washington The writer edits Rubber Chemistry and Technology for the Naval Research Laboratory."

Voids ist offensichtlich das Wort, das der Autor von dem Tex darüber mit "Poren" übersetzt hat. Dies ist nicht völlig abwegig, aber auch nicht die bestmögliche Übersetzung. Andere Übersetzungen für voids sind: Hohlräume, Lücken, Fehlerstellen, Leerstellen, Leerräume, leere Räume.

Wenn also ein Kondom Löcher hat, durch die ein Virus durchkommt, dann weil er beschädigt ist.

The Washington Post. 3.7.1992

Was Kondome nicht leisten können

"Außerdem gibt es direkte Beweise für Löcher im Kondomgummi. Elektronenmikroskopische Aufnahmen zeigen Löcher mit einer Größe von 5 Mikrometern (50 Mal größer als das Virus), während bruchmechanische Analysen, die auf die größten vorhandenen Fehler ansprechen, auf inhärente Fehler hinweisen, die etwa 50 Mikrometer (500 Mal größer als das Virus) groß sind. Wenn zur Vorbeugung von HIV-Infektionen auf Kondome zurückgegriffen wird, sollten beim Geschlechtsverkehr mindestens zwei getragen werden.
C. M. ROLAND, Washington. Der Autor ist Redakteur für Kautschukchemie und -technologie beim Naval Research Laboratory."
Bruchmechanische Analysen klingt komisch, wenn man bedenkt, wie Kondome tatsächlich überprüft werden und daß es letztlich darum geht, ob sie reißen und nicht ob sie brechen. Gemeint sind die in den Bildern dargestellten Überprüfungen.
Bildquelle: 17.

Dichtigkeitsprüfung. Vorführung in einem Kondommuseum

Bildquelle: 18.

Kondome werden aufgeblasen, um ihre Reißfestigkeit zu prüfen. Vorführung in einem Kondommuseum

Ich verstehe das so, daß im englischen Original nicht Poren im Sinne von normalerweise vorhandenen kleinen Öffnungen, wie die Poren in einem Filterpapier, sondern Fehlerstellen oder Löcher gemeint sind, die im Unterschied zu Poren eben Fehler sind und nicht immer aber durchaus manchmal vorhanden. Wenn Löcher von 5 Mikrometern (5000 Nanometern) vorhanden sind, werden sie bei der Überprüfung von Kondomen nicht entdeckt, daher sollte man zwei Kondome übereinanderziehen, ist daher die Kernaussage des Textes. Der Autor ist offensichtlich kein Fachmann für medizinische Anwendungen, sondern für technische Anwendungen, denn er arbeitet bei der Marine.

Diese Annahmen darüber, daß die beobachteten Schäden in Kondomen theoretisch groß genug sind, um einen Virus durchzulassen obwohl sie zu klein sind, um solche Kondome durch die Tests fallen zu lassen, sagen natürlich nichts darüber aus, wie gut oder schlecht Kondome in der alltäglichen Benutzung schützen. Im Positiven könnte es sein, daß es diese Löcher zwar geben könnte, daß sich aber keine oder kaum Flüssigkeit mit Viren hindurchbewegt, weil beispielsweise die Zeit des Gebrauchs dazu zu kurz ist oder materialtechnische Gründe dagegen sprechen.

Wie man sich solche materialtechnischen Gründe vorstellen könnte, zeigt folgendes Beispiel: Das Wassermolekül ist polar, das heißt der Sauerstoff im Wasser hat eine gringfügige negative Ladung (δ-) und der Wasserstoff im Wassermolekül hat eine geringfgügige positive Ladung (δ+). Sauerstoff ist unpolar, daher ziehen sich die Moleküle nicht so sehr gegenseitig an und Sauerstoff ist bei Zimmertemperatur ein Gas, obwohl das unpolare Sauerstoffmolekül schwerer ist als das polare Wassermolekül. Wenn es sich um eine Flüssigkeit handelt, mischen sich Flüssigkeiten aus polaren Molekülen nicht mit Flüssigkeiten aus unpolaren Molekülen. Wenn man eine aus polaren Molekülen aufgebaute Flüssigkeit wie Wasser aus einem Zelt draußen halten will, tut man das, indem man den Baumwollstoff mit einer unpolaren Substanz wie Wachs imprägniert, die das Wasser abstößt, so daß es aufgrund seiner Oberflächenspannung oberflächlich abperlt. Luft kann durch so imprägnierten Stoff problemlos hindurchgelangen. Wenn man umgekehrt nicht imprägnierten Baumwollstoff naß macht, verschließt das Wasser die Poren des Stoffes für die Luft und sie kann nicht hindurchgelangen. Beispielsweise hatte meine Mutter aus Baumwolle kleine Kissen genäht, die dann naß machte und aufgepustet hat, einfach indem sie durch den Stoff durchgeblasen hat. Diese Kissen waren jeweils mit Stoffbändern so verbunden, daß man sie als Schwimmhilfe verwenden konnte und hielten bei diesem Gebrauch dicht.

Ähnliche Mechanismen könnten auch bewirken daß ein im prinzip undichter Kondom, trotzdem dicht halten kann.

 
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Wie gut schützen Kondome in der täglichen Praxis?

Daß also Kondome kleine unsichtbare Schäden haben können, macht keine Aussage darüber wie sicher oder unsicher Kondome bei typischem Gebrauch sind, denn weder gibt der Sexualverkehr dem Virus beliebig viel Zeit, den Kondom zu durchdringen, noch bewegt sich der Virus unabhängig von den Körperflüssigkeiten, in denen er sich befindet. Darüberhinaus sind normale Sexualpartner keine Krankenschwestern, die im sterilen Gebrauch von Utensilien geschult sind und selbst die bestmögliche Anwendung führt nicht zu absoluter Sicherheit, weil Kondome manchmal reißen, niemand unfehlbar ist und so fort.

Um mal nachzuprüfen, ob es bessere Angaben dazu gibt, habe ich das auch mal gegooglet.

Im Deutschen Ärzteblatt von 1994 findet sich unter folgender URL, die Aussage:

"Damit ist ein Kondom vermutlich besser geeignet, vor einer HIV-Ansteckung zu schützen, als eine ungewollte Schwangerschaft zu verhindern"

"Das Ergebnis: Obwohl alle, Infizierte und Partner, über das Risiko einer Ansteckung und die Möglichkeiten der Vermeidung informiert wurden, benutzte nur jedes zweite Paar regelmäßig Kondome bei Vaginal- oder Analverkehr. In dieser Gruppe kam es in keinem Fall zu einer Ansteckung. Die Autoren schätzen die Zahl der sexuellen Kontakte der Studienteilnehmer auf 15 000. Damit ist ein Kondom vermutlich besser geeignet, vor einer HIV-Ansteckung zu schützen, als eine ungewollte Schwangerschaft zu verhindern.

Etwa die Hälfte der heterosexuellen Paare benutzte niemals oder nur gelegentlich Kondome. Dies führte bei 12 von 256 Partnern zu einer HIV-Infektion. Die Serokonversionsrate lag aber bei 2,3/100 Personen/Jahr."19.

Die Autoren hielten den Kondom nicht für völlig sicher, aber aufgrund ihrer statistischen Berechnung für sicherer als er beim Schutz vor Schwangerschaften ist. Das ist zwar nicht völlig ausgeschlossen, denn Spermien können aktiv schwimmen und sehen, wo sie hinschwimmen müssen20., während Viren sich zu ihrem Ziel treiben lassen. Trotzdem wundert es erste einmal, weil Viren wesentlich kleiner sind als Spermien.

Die EU gab dann als Antwort auf das Gerücht mit den Poren im Kondom eine Presseerklärung heraus, daß Kondome bei sachgemäßem Gebrauch sicheren Schutz vor AIDS bieten.5. Dieser Aussage kann ich nicht so ganz zustimmen, denn so weit ich gehört habe, kommt es doch immer wieder mal vor, daß ein Kondom kaputt geht und ich glaube so etwas bezeichnet man eher als Pech als als unsachgemäßen Gebrauch.

Das kam mir aber doch zu gut vor, um wahr zu sein. Ich dachte daß die betroffenen Paare wahrscheinlich einfach Glück gehabt hatten und suchte weiter.

In einer Übersichtstudie kommt man zu einem nicht ganz so positiven Ergebnis. Danach verringert der Gebrauch eines Kondoms die Ansteckungsrate um etwa 80% und war damit immer noch sicherer als der Kondom zur Verhinderung von Schwangerschaften ist.

Die anteilige Verringerung der HIV-Serokonversion bei Verwendung von Kondomen, liegt bei etwa 80 %

Von den 4709 ursprünglich ermittelten Referenzen wurden 14 in die endgültige Analyse einbezogen. Es gab 13 Kohorten von "immer"-Konsumenten, die eine homogene HIV-Inzidenzschätzung von 1,14 [95% C.I.: .56, 2,04] pro 100 Personenjahre ergaben. Es gab 10 Kohorten von "Nie"-Konsumenten, die heterogen zu sein schienen. Die Studien mit der längsten Nachbeobachtungszeit, bei denen es sich hauptsächlich um Studien über Partner von Hämophilen und Transfusionspatienten handelte, ergaben eine geschätzte HIV-Inzidenz von 5,75 [95 % C.I.: 3,16, 9,66] pro 100 Personenjahre. Die Gesamtwirksamkeit, d. h. die anteilige Verringerung der HIV-Serokonversion bei Verwendung von Kondomen, liegt bei etwa 80 %.21.1
Das heißt, wenn man keinen Kondom verwendet, stecken sich fünf mal so viele der Partner an HIV an, wie wenn man einen benutzt. Ein fünftel der Ansteckungen ist aber nun wirklich nicht dasselbe wie gar keine Ansteckungen!

Kersti

 
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Quellen

  1. Autor: Michel Madigan, Autor: John M. Martinko, Autor: Jack Parker: Buch: B114.1 Brock Mikrobiologie (2002) Heidelberg, Berlin: Spektrum akademischer Verlag, ISBN: 3-8274-0566-1
  2. Bild VA08316.JPG: Welt: File:Fotojournalistendag 1949, Bestanddeelnr 903-6574.jpg und Welt: hier, Fotograph: Winterbergen
    Das Bild wurde durch das Nationaal Archief unter Welt: CC0 1.0, Verzicht auf das Copyright, hochgeladen. Vielen Dank! Thank you very much!
  3. Bild VB21825.PNG: Welt: File:3D model hydrogen bonds in water.svg von Welt: Wikipedista:Qwerter aus der Tchechischen Wikipedia, mit Anpassungen von Welt: User:Snek01 von Wikimedia Commons
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  4. Bild VB249.PNG: Welt: File:Oxygen molecule.png von Welt: User:Ulflund von Wikimedia Commons
    Welt: CC0 1.0 Verzicht auf das Copyright Vielen Dank! Thank you very much!
  5. Bild V0272.PNG: Welt: File:DNA Structure+Key+Labelled.pn NoBB.png von Welt: User:Zephyris (Richard Wheeler) von Wikimedia Commons
    Vielen Dank daß Du das Bild unter Welt: GNU 1.2, Welt: CC BY-SA 3.0 hochgeladen hast! Thank you very much!
  6. Seite „Welt: Kondom“. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: Welt: 27. März 2023, 14:14 UTC (Abgerufen: 11. August 2023, 12:04 UTC)
    • 6.1 Kondome – Made in Germany. In: Medizin Produkte Recht. Band 13, Nr. 2, 2013, S. 68–72, hier S. 68.
  7. Bild VB21805.PNG: Welt: File:Difference DNA RNA-DE.svg von Welt: User:Sponk von Wikimedia Commons
    Vielen Dank daß Du das Bild unter Welt: GNU 1.2, Welt: CC BY-SA 3.0 hochgeladen hast! Thank you very much!
  8. LELO HEX™-KONDOME, die hexagonale Revolution. (Welt: Volltext)
  9. Bild VA08301.JPG: Welt: File:HI-Virion Structure (5080768345).jpg oder Welt: HIV Virion Structure von Welt: NIAID Vielen Dank, daß Du das Bild unter Welt: CC BY 2.0 freigegeben hast! Thank you very much!

     

  10. Bild VB2491.PNG: Welt: File:P24 HIV-capsid.png von Thomas Splettstoesser (Welt: User:Splette von Wikimedia Commons)
    Welt: CC BY-SA 4.0 Vielen Dank! Thank you very much!
  11. Bild VB2492.PNG: Aussschnitte aus: Welt: File:Webb's Diffraction Spikes (3) (cropped).png aus dem Flickr-stream vom Welt: NASA's James Webb Space Telescope
    Welt: CC BY 2.0 Vielen Dank! Thank you very much!
  12. Bild VB21808.JPG: Welt: File:Antiparallell-beta-pleated-sheet.jpg von Welt: Användare:Vili der schwedischen Wikipedia
    Vielen Dank, daß Du das Bild unter Welt: GNU 1.2, Welt: CC BY-SA 3.0 hochgeladen hast! Thank you very much!
  13. Bild VB21809.PNG: Welt: File:Aminosaeuren.png von Welt: Benutzer:MarkusZi aus der deutschen Wikipedia
    Vielen Dank, daß Du das Bild unter Welt: GNU 1.2, Welt: CC BY-SA 3.0 hochgeladen hast! Thank you very much!
  14. Autor: Rüdiger Meyer: Kondomverbot und Aidsbekämpfung. Verhindert die Kirche mit ihrem Kondomverbot eine wirksame Bekämpfung von Aids? In: Zeitschrift: KiK (Katholisch im Kreuzfeuer) auf der Internetseite der Ordensgemeinschaft "Servi Jesu et Mariae" (Welt: Volltext)

  15. Welt: https://www.aktion-leben.de/details/artikel/aids-und-kondome.html
  16. What condoms can't do. In: The Washington Post. 3.7.1992 (Welt: Volltext)
  17. Bild VB249.JPG: Welt: File:Condoms leakage test condom museum.jpg von Welt: User:ClaudiaM1FLERéunion von Wikimedia Commons
    Welt: CC BY-SA 3.0 Vielen Dank! Thank you very much!
  18. Bild VB2491.JPG: Welt: File:Condoms inflate condoms museum.jpg von Welt: User:ClaudiaM1FLERéunion von Wikimedia Commons
    Welt: CC BY-SA 3.0 Vielen Dank! Thank you very much!
  19. Autor: Rüdiger Meyer: Wie sicher sind Kondome? In: Zeitschrift: Deutsches Ärzteblatt, 91, Heft 43 S.76, 28. Oktober 1994 (Welt: Volltext)

     

  20. Autor: Serafín Pérez-Cerezales, Autor: Sergii Boryshpolets, Autor: Oshri Afanzar, Autor: Alexander Brandis, Autor: Reinat Nevo, Autor: Vladimir Kiss, Autor: Michael Eisenbach: Involvement of opsins in mammalian sperm thermotaxis. In: Zeitschrift: Scientific Reports, volume 5, Article number: 16146 (2015) Welt: doi: 10.1038/srep16146, Welt: PMID: 26537127 (Welt: Volltext)
    Zu der Bedeutung der Opsine beim sehen, siehe:
    VB230. Kersti: Lichtwahrnehmung und Lichtnutzung
  21. Autor: Susan C. Weller, Autor: Karen Davis-Beaty: Condom effectiveness in reducing heterosexual HIV transmission. In: Zeitschrift: Cochrane Database of Systematic Reviews 2002, Issue 1. Art. No.: CD003255. DOI: 10.1002/14651858.CD003255. Accessed 26 September 2023. (Welt: Volltext)
    • 21.1 Original text: Of the 4709 references that were initially identified, 14 were included in the final analysis. There were 13 cohorts of "always" users that yielded an homogeneous HIV incidence estimate of 1.14 [95% C.I.: .56, 2.04] per 100 person‐years. There were 10 cohorts of "never" users that appeared to be heterogeneous. The studies with the longest follow‐up time, consisting mainly of studies of partners of hemophiliac and transfusion patients, yielded an HIV incidence estimate of 5.75 [95% C.I.: 3.16, 9.66] per 100 person‐years. Overall effectiveness, the proportionate reduction in HIV seroconversion with condom use, is approximately 80%.
  22. Bild VB2492.JPG: Welt: File:Protein Structure Diagram of Fusion Peptide Epitope on HIV Spike (41863579304).jpg (Welt: oder hier) von der NIAID
    Welt: CC BY 2.0 Vielen Dank! Thank you very much!