F2572.

Garchzia, die kleine Echse war dann auch wirklich niedlich, aber auch so direkt, wie Kinder das nun einmal sind

Vorgeschichte: F2571. Hans Hermann von Katte: "Ich dachte du gehörst zu uns!"

Autor: Hans Hermann von Katte erzählt:
Ein Teil meiner Ausbildung bestand darin, daß ich das bisher gelernte als Mentor einem jüngeren Schüler beibringen und mit ihm üben sollte. Natürlich gab es außer mir noch einen richtigen Lehrer, aber indem ich mein Wissen weitervermittelte, konnte ich es selber üben und entlastete gleichzeitig den hauptverantwortlichen Lehrer. Mein Mentor war Prinz Friedrich gewesen, der auch jetzt noch mit mir übte, nur war inzwischen der Unterschied zwischen unseren Fähigkeiten nicht mehr so groß und ich kannte genug von den anderen Schülern, um nicht jedesmal denselben fragen zu müssen.

Kamiron fragte mich, ob mein Mentee eher ein Mensch oder eine Echse sein sollte und ob ich ein Kind oder einen Erwachsenen, der wie ich aus einer anderen Zeit kam, unterrichten wollte. Ich entschied mich für ein Echsenkind, weil mir das kulturell am interessantesten vorkam. Außerdem mag ich Kinder.

Garchzia, die kleine Echse war dann auch wirklich niedlich, aber auch so direkt, wie Kinder das nun einmal sind. Beispielsweise sagte sie mir irgendwann, daß sie einen Menschen als Mentor wollte, weil Menschen ja so dumm sind und sie nicht immer die schlechteste von allen sein wollte. Ich sagte erst einmal gar nichts dazu, weil ich mir meine Worte gut überlegt haben wollte. Am nächsten Tag kam ich dann noch einmal darauf zurück und erklärte ihr, daß sie das doch auch nicht mag, wenn sie sich dumm vorkommt und dann sollte sie solche Dinge auch nicht sagen, damit andere sich nicht so dumm vorkommen. Das sah sie dann auch ein.

Ich selber hatte eigentlich nicht den Eindruck, daß ich dümmer wäre als die Echsen, dachte aber eine ganze Weile darüber nach, wie sie denn auf den Gedanken gekommen ist. Schließlich kam ich zu dem Schluß, daß sie denselben Fehler machte, wie das ungebildete Leute oft machen, die nie aus ihrem Bauerndorf herausgekommen sind. Da sie im Schnitt so intelligent sind wie andere Leute auch, kennen die Intelligenteren von ihnen alles, was es in ihrem Dorf gibt, perfekt und bis ins Detail. Ich als Adeliger habe einen weiteren Horizont und muß mich mit ganz anderen Dingen befassen als sie, daher kann ich über ihre Dorfangelegenheiten nur sehr oberflächlich informiert sein. Aber wehe ich gebe zu erkennen, daß ich nicht alles, was sie wissen, ebensogut weiß wie sie, dann halten sie mich für dumm. Am stärksten ausgeprägt ist diese Haltung typischerweise bei Hoferben größerer Höfe, die nie den elterlichen Hof verlassen mußten, um auch mal woanders eine Stelle anzutreten.

Da Garchzia es mit mir zu tun hatte, würde ihr Horizont nicht so eng bleiben, schließlich war ich aus einer völlig anderen Kultur und Zeit gekommen und gehörte außerdem einer anderen Art an. Aber im Augenblick war sie noch fast ein Kleinkind und konnte noch keinen weiten Horizont entwickelt haben. Ich erzählte ihr aber immer wieder mal Geschichten aus meiner Kindheit, damit sie auch etwas anderes kennenlernt.

Als sie das nächste mal verblüfft reagierte, daß ich etwas so überhaupt nicht konnte, erklärte ich, daß ich in meinem bisherigen Leben völlig andere Dinge gelernt hatte als sie. Dann sagte ich ihr, daß wir beiden jetzt Freundschaftbänder machen würden und zeigte ihr, wie man aus ein paar Wollfäden, die ich mit vom Replikator hatte herstellen lassen, kleine Armbänder knüpft, die man dann verschenken kann und ich sagte daß es ganz wichtig wäre, daß man sie selbst von Hand gemacht hat, denn sonst wäre es kein Zeichen von Freunschaft. Ich gab ihr ein paar Wollfäden, nahm auch welche und zeigte ihr langsam und deutlich, wie es geht. Obwohl ich langsam vorging, geschah genau das, womit ich gerechnet hatte. Ich hatte im Laufe meines Lebens diverse kleine handwerkliche Dinge getan, daher war ich schnell fertig, obwohl ich mich gar nicht beeilte. Die kleine Echse wollte das natürlich auch hinkriegen aber sie brach sich ganz schön einen ab, obwohl ich ihr dickere Wolle gegeben hatte, damit es nicht so viel Arbeit ist für meinen größeren Arm ein Armband zu machen. Aber es hatte sie beeindruckt. Sie tat dann dasselbe nach und nach auch noch für all ihre Echsenfreunde. Meine Lektion, daß ich manche Dinge eben doch besser kann als sie, war danach angekommen.

Allerdings fand ich es doch schockierend, daß Garchzia keinen Monat brauchte, um sich mit ihrer Vorstellungskraft ein Zimmer einzurichten, während ich mit meinen Experimenten immer noch nicht annähernd zufrieden war. Ich fragte dann Kamiron, ob Menschen so etwas grundsätzlich nicht können.
"Typischerweise sind menschliche Kinder darin zuerst schlechter als die kleinen Echsen, werden aber mit etwas Übung schließlich schneller und genauer als Echsen, die genausoviel üben. Dir fehlen allerdings Jahrzehnte der Übung. Du hättest es als Kind lernen müssen, um darin wirklich gut zu werden." antwortete er mir.
Damit hatte er wahrscheinlich recht. Manche Dinge muß man von klein auf trainieren, um darin perfekt zu werden.

Am nächsten Tag brachte er mich zu einer hier aufgewachsenen Frau, die er mir als den größten bekannten Meister in der Kunst des geistigen Erschaffens vorstellte. Sie war der Ansicht daß Echsen das im Wesentlichen angeboren ist, während Menschen es von Grund auf lernen müssen. Daher können sie es beinahe sofort in einer brauchbaren Form, können aber danach bei weitem nicht so viel dazulernen. Menschen sind viel anpassungsfähiger als Echsen und entwickeln ihr Gehirn auf die Fähigkeiten, die sie trainieren und können deshalb mit ausreichend Motivation und Training beinahe alles ziemlich perfekt lernen. Natürlich kann nicht ein einzelner Mensch beliebig viele verschiedene Fähigkeiten lernen, aber wenn er sich auf eine spezialisiert, kann er darin sehr gut werden. 1.

Kersti

Fortsetzung:
F2573. Hans Hermann von Katte: Ich wurde ihm als Kamirons Schüler aus Preußen vorgestellt. Er erklärte mir, daß das Haus im Wald, wo wir ihn besuchten in Amerika stünde und daß es das Jahr 1962 in meiner Zeitrechnung sei
F2681. Kamiron: Von Jack erfuhr ich, weil mir Darril alle meldet, die von einen spirituellen Rang zugeordnet bekommen haben, der für mich interessant ist

Quelle

  1. Sie meinte wahrscheinlich den in folgendem Artikel beschriebenen Sachverhalt:
    VB179. Kersti: Anpassungsfähigkeit und Spezialisierung - Der Unterschied zwischen Mensch und Tier
Erinnerung an ein eigenes früheres Leben.
V12. Kersti: Hauptfehlerquellen bei Erinnerungen an frühere Leben