F2573.

Ich wurde ihm als Kamirons Schüler aus Preußen vorgestellt. Er erklärte mir, daß das Haus im Wald, wo wir ihn besuchten in Amerika stünde und daß es das Jahr 1962 in meiner Zeitrechnung sei

Vorgeschichte: F2572. Hans Hermann von Katte: Garchzia, die kleine Echse war dann auch wirklich niedlich, aber auch so direkt, wie Kinder das nun einmal sind
F2720. Jack: Ich erinnerte mich plötzlich, wie ich als kleines Kind immer mit meinem Freund Buda geredet hatte

Autor: Hans Hermann von Katte erzählt:
Während ich im ersten Jahr meiner Ausbildung in Zukunftsvarianten meines eigenen Lebens kurz nach meinem Tod geschickt wurde, um mit Leuten zu reden, ging es in der nächsten Phase darum, sehr unterschiedliche Kulturen kennenzulernen. Zunächst waren die Besuche kurz und privat bei Leuten, bei denen ich entweder als Schüler oder Diener vorgestellt wurde, je nachdem, mit welcher Variante man sich am wenigsten Ärger einhandeln konnte. In jedem Fall sollte ich wenig sagen, viel zuhören und nur reden, wenn ich direkt gefragt wurde, weil ich nicht einschätzen konnte, welche Worte meinerseits als Beleidigungen aufgefaßt werden könnten.

Es gab Ausnahmen zu dieser Regel und das waren Besuche bei Leuten, die wie Kamiron durch die Zeiten und Parallelwelten reisten. Er erklärte mir, daß man nur dann gut genug weiß, wie unterschiedlich Lebewesen die Welt verstehen können, um nichts sofort als Beleidigung aufzufassen. Je enger der Horizont eines Wesens ist, desto stärker ist es überzeugt, daß jeder das als Beleidigung sehen müßte, was es selber auch als Beleidigung versteht.

Er brachte mich zu einem Mann, der einsam im Wald lebte und Jack hieß. Der Mann hatte irgendwie eine seltsame Austrahlung von Schmerz, obwohl er auf den ersten Blick völlig gesund aussah. Ich hatte nach diesen Jahren immer noch Schwierigkeiten, alle Konsonanten auszusprechen, die Kamiron so in die Wörter seine Sprache packte, auch wenn ich nach und besser darin wurde. Der fremde Mann hatte die Sprache offensichtlich auch gelernt und schien sie besser zu sprechen als ich. Ich wurde ihm als Kamirons Schüler aus Preußen vorgestellt. Er erklärte mir, daß das Haus im Wald, wo wir ihn besuchten in Amerika stünde und daß es das Jahr 1962 in meiner Zeitrechnung sei.

Ich fragte ihn, was sich seit meiner Zeit in der Welt verändert hatte.
"Oh, das ist schwer zu erklären, wenn ich auf dem Wissen aus der Zeit Friedrichs des Großen aufbauen muß." leitete er ein und erklärte, er hätte aber ein paar Spielzeuge mit denen er mir einige Prinzipien vorführen könne. Er erzählte mir von Maschinen, mit denen man durch die Luft von Armerika nach Europa und zurück fliegen konnte und führte mir ein kleines Gerät vor, das tatsächlich durch die Luft flog und durch ein verdrehtes Gummiband angetrieben wurde. Er erklärte mir, daß es Flugzeuge gab, die Menschen transportieren, und wo die Schraube durch ein mit Feuer arbeitendes Gerät angetrieben wurde, was er Motor nannte. Er könnte mir ein Gerät vorführen, mit dem man auf der Erde fahren könnte und das einen Motor besitzt. Er brachte mich raus und ließ mich in eine Art Kutsche ohne Pferde steigen. Dann machte er etwas und das Dingen fing an zu knurren wie ein wütender Hund. Ich wollte aufspringen aber er lachte nur und sagte, ich solle mich entspannen, das wäre nur eine Maschine, die mir nichts tut. Ich versuchte mich also wieder zu entspannen, schließlich glaubte ich ihm, daß er nicht vorhatte, mir etwa zuleide zu tun. Jedenfalls fuhr die Kutsche tatsächlich, ohne daß Pferde sie ziehen mußten, aber sie war mir irgendwie trotzdem unheimlich. Nach einer kurzen Zeit kamen wir auf eine ausgesprochen glatte Straße, wo wir einige Meilen schneller fuhren, als Pferde einen Wagen ziehen können, dann im Wald Pause machten etwas aßen, wieder umdrehten und zu der Waldhütte zurückfuhren. Er erklärte mir unterwegs und in den drei Wochen, als wir zu Gast waren einiges zu den komischen Maschinen seiner Zeit, aber ich muß sagen, daß diese Zeit einfach nicht reichte, um alles zu verstehen, was er so erklärte. Man hätte halt wie es in seiner Kultur üblich war, einige Jahre an einer Universität lernen müssen, um wirklich zu begreifen, wie die Maschinen funktionieren oder aber eine Lehre bei jemanden machen, der es bereits beherrscht. Beides gab es auch in seiner Zeit. Ganz klar war jedoch, daß seine Technik der Denkweise meiner Heimat viel Näher lag als der von Technik von Kamiron und daß mein Studium durchaus gereicht hätte, um ihre Ausbildungen verstehen zu können, auch wenn ich das ein oder andere dazulernen hätte müssen, was sie typischerweise in der High-School, ihrem Gymnasium lernen.

Kamiron versuchte ihn zu überreden, daß er doch auch mal zu ihm in die Zukunft kommt, doch Jack erklärte, daß er, um sein Land zu schützen, so viel mit so vielen unterschiedlichen Kulturen und Rassen außerhalb seiner Zeit reisen muß, daß er gerne jede freie Minute in seiner eigenen Zeit und möglichst mit Freunden und Familie aus seiner eigenen Zeit verbringen will, weil er sich sonst völlig entwurzelt fühlen würde.

Mich berührte das seltsam und ich fragte mich, warum ich dieses Bedürfnis so gar nicht hatte, sondern wenn ich an meine Heimat dachte nur weg wollte. Ich sprach das auch aus.
"Du wirst etwas erlebt haben, was so schlimm war, daß es dich entwurzelt hat." sagte Jack.
Kamiron hatte so etwas gesagt. Nicht dasselbe, aber letztlich hatte er mich an diverse Stellen nach meinem Tod in unterschiedlichen Zeitlinien geschickt, damit ich meine eigenen abgespaltenen Anteile wieder einsammele und integriere. In meiner eigenen Zeit, war das etwas, wo ich öffentlich nicht drüber reden durfte, weil das politisch zu heikel war. Hier war das ganz anders, den Preußen existierte nicht mehr, daher konnte ich über das reden, was ich erlebt hatte, ohne daß das politische Folgen hatte, die die einfachen Leute eines ganzen Staates in Mitleidenschaft ziehen. Ich erzählte also wie der König mir zwischen die Beine gefaßt hatte und sich von mir eine Ohrfeige gefangen hatte. Da er weiter fragte, erzählte ich ihm, was daraus alles bisher gefolgt war, inklusive meiner Bekanntschaft mit dem Prinzen und was ich über verschiedene Zukunftsvarianten wußte.
"Ich habe in einem Buch über dich gelesen. Ein gewisser Theodor Fontane hat davon geschrieben, was in deiner Famile über die Hinrichtung überliefert ist." antwortete er. Davon daß der König mich damals sexuell belästigt hatte, wußte man allerdings aus der Geschichtsschreibung nichts, wie mir der Mann versicherte. Dann fuhr er fort, daß er sich dann aber fragte, warum er sich bei weitem nicht so entwurzelt fühlte und erzählte was er so in seinem Leben erlebt hatte und das war echt gruselig.
FI35. Jack: Inhalt: Der von den Nazis unterwanderte Geheimdienst
Ich fragte ihn, wie es eigentlich käme, daß er damit fertig werden konnte. Er erklärte mir daraufhin daß er eine Therapie gemacht hätte und daß er die Methoden auch gelernt hätte, um seinen Untergebenen zu helfen, wenn sie Schwierigkeiten hatten.

Während wir uns weiter unterhielten, wurde mir nach und nach klar, daß mein Eindruck, daß er im Wald lebt, falsch war. Eigentlich hatte er sein Haus woanders stehen, wo seine Familie lebte und hier hielt er sich nur auf, wenn er sich von seiner Arbeit erholen wollte. Manchmal tat er das auch, wenn er mit Menschen, denen er vertraut, über politsche Entscheidungen reden mußte oder wollte. Kamiron war für ihn jemand, von dem er öfter einen guten Rat bekommen hatte und der so wenig von dieser Welt wollte, daß er keine Gefahr darstellte, im Gegensatz zu einigen anderen, die er spontan benennen konnte.

Vielleicht war das Haus im Wald das was sein Leben am stärksten von meinem unterschied. Ich hatte ja lange überhaupt nicht den Palast verlassen dürfen und meine heimlichen Ausflüge in die Natur waren einfach zu kurz gewesen, um wieder zur Ruhe zu kommen.

Kersti

Fortsetzung:
F2294. Jack: Ich packte technische Spielzeuge in mein Auto, traf mich mit Kamiron und seinem Schüler aus dem historischen Preußen und stellte fest, daß ich ihn sehr mochte

Quelle

Erinnerung an ein eigenes früheres Leben.
V12. Kersti: Hauptfehlerquellen bei Erinnerungen an frühere Leben