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O7.1 Kersti: Wissenschaftliche Forschungsergebnisse zu Nahtodeserfahrungen (Quellen hierzu)
O7.10 Kersti: Psychologie der Nahtodeserfahrung

ausgegliedert aus O7.10: 1/2009
letzte Überarbeitung: 1/2009

O7.48

Religiösität, Spiritualität und Nahtodeserfahrungen

Nahtodeserfahrungen führen dazu, daß die betroffenen nach dieser Erfahrung spirituelle Werte wichtiger nehmen als zuvor. Viele Menschen sind nach einem Sterbeerlebnis von der Existenz Gottes überzeugt und geben religiösen und ethischen Werten in ihrem Leben Vorrang vor allem anderen. Im Gegensatz dazu betrachten Menschen, die keine solche Erfahrung hatten, Situationen wo sie in Lebensgefahr schwebten hauptsächlich als ein körperliches Problem. 1.5, 1.8, 1.9, 1.10, 1.11, 2.1, 2.8

Oft beteiligt man sich vermehrt an den Aktivitäten der eigenen Religion. Während man sich im Amidha-Buddhismus beispielsweise nach einem Nahtodeserlebnis vermehrt den buddhistischen Praktiken zuwandte, engagieren sich bis zu einem Drittel der einer kristlichen Kultur entstammenden Menschen nach einem Nahtodeserlebnis wieder in der Kirche. 1.10

Zu den Wert- und Lebensveränderungen zählen bei den bisher untersuchten, meist christlichen Menschen die ein Nahtodeserlebnis hatten eine größere Liebe zu allen und allem, größere Verbundenheit und mehr Mitgefühl mit anderen Menschen. Die Beziehungen zu anderen werden wichtiger genommen als bisher und äußerlich-materialistischen Werten wird weniger Bedeutung beigemessen. Eine Hinwendung zu sozial-karitativen Tätigkeiten, eine höhere Wertschätzung von Sinnfragen, aber auch der eigenen Person und der Kürze und Kostbarkeit der Lebenszeit werden beschrieben. Damit geht ein erhöhtes Verantwortungsgefühl, eine Suche nach (Selbst-)Erkenntnis und Wissen und zuweilen eine Ästhetisierung von Natur- und Musikempfinden einher. Außerdem nehmen intuitive, präkognitive und außerkörperliche Erfahrungen zu. Gelegentlich kommt es auch zur Heilung psychischer Störungen, zuweilen gar zur völligen Kehrwendung von Verbrechern. 1.10

Während dem religiösen, sozialem und moralischen Bereich des Lebens nach einem Nahtodeserlebnis mehr Bedeutung beigemessen wird, handeln die Menschen in diesen Bereichen nicht klüger als vorher. Anders ausgedrückt: Mit Nahtodeserfahrungen ist es genauso wie mit jeder anderen Erfahrung auch: Man hat etwas erlebt und wie man es in sein Weltbild einbaut oder damit umgeht muß man sich selbst erarbeiten. 1.10

Entsprechend entwickeln Menschen die Nahtodeserfahrungen hatten vielleicht ein "Auserwähltheits-Bewußtsein" und werden zu Verkündern ihrer subjektiven Erfahrung und deren persönlicher Deutung. Dabei werden oft esoterische Spekulationen und bisher unbewiesene Ideen mit einer undifferenzierten Nahtodeserlebnis-Deutung vermischt und dann auf dem esoterischen Markt für teures Geld verkauft. Einige fühlen sich vielleicht nur in ihrer bisherigen Religion bestätigt. Andere mögen mit derselben Erfahrung sehr differenziert umgehen und sich dann in Wissenschaftlichen Artikeln weiterinformieren. 1.10

Zunahme innerer Religiosität besteht neben dem Wissen von der Existenz göttlicher und dämonischer Mächte. 1.10

Wer an einen gütigen Gott oder eine andere positive transzendente Kraft oder auch "nur" an einen tieferen Sinn im Leben glaubt, bewältigt Lebenskrisen, Stress und zwischenmenschliche Konflikte leichter: Glauben begünstigt effektive Strategien, um mit solchen Situationen zurechtzukommen. Gläubige Menschen sind deshalb weniger anfällig für stressbedingte und psychosomatische Krankheiten und bringen, falls sie dennoch erkranken, mehr Vertrauen auf den Heilungsprozeß auf und fördern ihn so: Glauben begünstigt die Genesung. Gläubige Menschen konsuumieren weniger Alkohol, Zigaretten und andere Drogen als Nicht-Gläubige und sind entsprechend weniger suchtgefährdet und weniger durch andere negative Folgen des Drogenkonsums gefährdet: Glauben beeinflußt den Lebensstil im Sinne von gesünderen Gewohnheiten. Gläubigen können das Sterben leichter akzeptieren und erleben die letzte Lebensphase als weniger angstvoll und verzweifelt. 1.5

All dies gilt besonders für alte Menschen, die durch ihre Religiosität vor Sinn- und Wertverlust geschützt sind und eine deutlich höhere (soziale) Lebensqualität aufweisen: Je religiöser ältere Menschen sind, desto intensiver nehmen sie am Gemeinschaftsleben teil, pflegen ihre zwischenmenschlichen Beziehungen in Ehe, Freundschaft, Nachbarschaft oder Gemeinde und kümmern sich um hilfsbedürftige Mitbürger oder Heimbewohner. Der Glaube hilft ihnen, den Gedanken an den Tod zu bewältigen oder mit Verlusten und Kummer im Dasein besser umgehen zu können. Der Glaube schafft gerade im Alter eine so umfassende existentielle Integration, daß er für viele Senioren eine Art leibseelischer Jungbrunnen zu sein scheint: So fanden die Gerontologen, daß religiöse Alte im Vergleich mit ungläubigen Altersgenossen hoffnungsvoller und optimistischer eingestellt sind, einen größeren Selbstwert besitzen, das Leben besser kontrollieren, sich nicht so einsam oder unglücklich fühlen, sehr viel weniger unter depressiven Erkrankungen leiden und Stress besser bewältigen. Kurz: Wer im Alter an Gott und die göttliche Liebe im Menschen glauben kann, lebt insgesamt sehr viel gesünder und glücklicher. 1.5

Religiosität hat einen stärkeren Einfluß als Einkommen, Bildung oder die Anzahl der Lebensjahre. Die Daten sind so deutlich, daß Psychologen und Soziologen Religiosität nicht mehr länger als Realitätsflucht interpretieren oder in unmittelbare Nähe zu neurotischen Verhaltensdispositionen rücken können. Dementsprechend scheint regelmäßiger Gottesdienstbesuch mit größerer Lebenszufriedenheit einherzugehen. 1.5

Andererseits neigen Menschen, die in der Furcht leben, für ihre Sünden von einem strengen Gott bestraft zu werden und die diese Strenge auch in ihrer Glaubensgemeinschaft als "emotionales Klima" erleben, stärker zu Depressionen, Ängsten und psychosomatischen Störungen als Nichtreligiöse. Umgekehrt fördert der Glaube an einen wohlwollenden, freundlichen Gott, der menschliche Schwächen nachsichtig beurteilt, in Verbindung mit emotionaler Geborgenheit in einer (Glaubens-) gemeinschaft das psychische und körperliche Wohlbefinden deutlich. Nur wer loslassen und sein Schicksal vertrauensvoll in die Hand Gottes (oder einer anderen höheren Macht) legen kann, profitiert von der gesundheitsfördernden Kraft des Glaubens. Typisch für diese Haltung sind Gebete des Typs "Dein Wille geschehe". Dagegen zeitigt ein berechnender, extrinsisch motivierter und auf Wirkung kalkulierter Glaube keine positiven Gesundheits-Effekte. Weit über 200 Studien haben dann auch gezeigt, daß intrinsische, also überzeugungsgeleitete Religiosität bessere Psychohygiene-Werte erzielt als eine extrinsische, mitläuferische und nutzenorientierte Religiosität. 1.5

Der Klinische Psychologe David Larson kam dementsprechend in einer Auswertung aller zwischen 1978 und 1989 erschienenen Studien der zwei wichtigsten amerikanischen psychiatrischen Fachzeitschriften zum Zusammenhangs zwischen Glauben und psychischer Gesundheit zu folgendem Ergebnis: Religiosität wirkt sich in 84 Prozent der Fälle positiv aus, in 13 Prozent neutral, und nur bei 3 Prozent erwies sich Gläubigkeit als gesundheitsschädlich. 1.5

All diese Ergebnisse erklären auch die Tatsache, daß die Auswirkungen der NDEs sehr den - im weitesten Sinne religiösen - Konzepten mancher Suchtgruppen (z.B. dem Zwölf-Punkte-Programm der Anonymen Alkoholiker) ähneln. Die bekannte NDe Forscherin Barbara Harns betrachtet das 12-Punkte-Programm gar als beste Ausdrucksform für die Konsequenzen der NDEs, womit sie besonders auch die negativen NDEs miteinbezieht. Insofern wäre in dem Zwölf-Punkte-Programm der Suchtgruppen eine erste konkrete und wegweisende Umsetzung der Mechanismen der NDE-Effekte in psychotherapeutische Strategien zu sehen. 1.5

Religiöse Krise

Nah-Todeserfahrungen sind mystische Erfahrungen

Nah-Todeserfahrungen weisen alle religions- und kulturunabhängigen Eigenschaften mystischer Erfahrungen auf: Einheits-Erleben, Transzendenz von Zeit und Raum, tief empfundene positive Stimmung, Gefühl der Heiligkeit, der Objektivität und Realität, Unaussprechlichkeit, Paradoxie und Flüchtigkeit des Erlebens sowie anhaltende positive Veränderung in Einstellung und Verhalten. Damit sind Nahtodeserlebnisse die häufigsten mystischen Erfahrungen überhaupt. 1.6, 1.9

Meditation

Kersti


O7.10 Kersti: Psychologie der Nahtodeserfahrung
O7.1 Kersti: Wissenschaftliche Forschungsergebnisse zu Nahtodeserfahrungen (Quellen hierzu)

Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, http://www.kersti.de/, Kersti_@gmx.de
Da ich es leider nie schaffe, alle Mails zu beantworten, schon mal im voraus vielen Dank für all die netten Mails, die ich von Lesern immer bekomme.
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