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erste Version: 12/2003
letzte Bearbeitung: 2/2012

VA136.

Was ist eine Wissenschaft?

Sinn dieser Wissenschaftsdefinition

Der Zweck einer Wissenschaft ist es ein Gesellschaftliches Weltbild auch in den Bereichen die der Alltagserfahrung der meisten Menschen nicht zugänglich sind so zu verändern daß es der Realität möglichst nahekommt. Weil Wissenschaft dazu da ist das Weltbild zu VERÄNDERN, ist es ein logischer Zirkelschluß und deshalb falsch, das eigene augenblickliche Weltbild zu nehmen und nur diejenige Wahrheitssuche als "wissenschaftlich" gelten zu lassen, die dem eigenen Weltbild entspricht.

Wenn man wissen will, ob ein unbekanntes Wissensgebiet als Wissenschaft betrieben wird, muß man deshalb eine Wissenschaftsdefinition zugrundelegen, die weder die Forschungsmethoden noch die Forschungsergebnisse vorschreibt und dennoch fähig ist, wissenschaftliches Arbeiten von Alltagserfahrung und Religion zu unterscheiden.

Ein Mensch der wissenschaftlich arbeitet, macht noch keine Wissenschaft

Immer wieder wurde mir eine Definition für wissenschaftliches Arbeiten als Definition für Wissenschaft präsentiert - das allerdings ist irreführend: selbstverständlich gibt es keine Wissenschaft ohne wissenschaftliches arbeiten - aber wenn eine einzelne Persaon wissenschaftlich arbeitet, ohne ihr wissen an andere weiterzugeben, ist das lediglich persönliche Meinungsbildung. Zu einer Wissenschaft gehört eine wissenschaftliche Gemeinschaft, bei der jede Generation von Wissenschaftlern auf dem Wissen ihrer Vorgänger aufbauen kann.

Definition

Die folgende Definition geht auf die Überlegung zurück, was notwendig ist, damit Forschung über den Alltagsbereich hinaus reichen kann und ein ständiger Wissenszuwachs gewährleistet ist.

Vorgeschlagene Definition

Ein Wissenschaft ist ein Wissensgebiet mit folgenden Eigenarten:
  1. Wissenschaft hinterfragt und überprüft die eigenen Forschungs- und Auswertungsmethoden auf Zweckmäßigkeit.
  2. Es gibt einen Katalog von als für dieses Wissensgebiet als "wissenschaftlich" anerkannten Herangehensweisen und Forschungsmethoden. Dabei werden überprüfbare und widerlegbare Aussagen gemacht und versucht diese Aussagen zu prüfen.
  3. Es besteht eine einheitliche Fachsprache (Nomenklatur)
  4. Es besteht ein allgemein anerkannter Grundschatz an Wissen, der häufig in Form eines oder mehrerer Lehrbücher herausgegeben wird.
  5. Es gibt einen Katalog an fachtypischen Wissensvermittlungsmethoden.
  6. Es gibt akademische Abschlüsse, die im gesamten Wissensbereich als Grundausbildung für Fachwissenschaftler anerkannt sind.
  7. Es besteht ein reger Wissensaustausch zwischen einer großen Gruppe an Wissenschaftlern, bei dem die Forschungsarbeiten so gut dokumentiert sind, daß weitere Forschung auch dann darauf aufbauen kann, wenn sie die der Forschung zugrundeliegenden Weltbilder ändern.

Begründung der einzelnen Punkte

Wissenschaft hinterfragt und überprüft die eigenen Forschungs- und Auswertungsmethoden auf Zweckmäßigkeit

Jede Forschungsmethode hat ihre Stärken und Schwächen, ist für manche Untersuchungsgebiete sinnvoll und führt dort zu zutreffenden Ergebnissen während sie in andere Wissensgebieten ungeeignet ist und deshalb zu irreführenden Ergebnissen führt.

Wenn man forscht, ohne die eigenen Methoden immer wieder auf Zweckmäßigkeit zu überprüfen, führt das deshalb beinahe zwangsläufig dazu, daß man diese Methoden irgendwann auf Wissensgebiete anwendet wo sie nicht mehr zweckmäßig sind, ohne daß einem das auf Anhieb auffällt.

Es gibt einen Katalog von als für dieses Wissensgebiet als "wissenschaftlich" anerkannten Herangehensweisen und Forschungsmethoden. Dabei werden ueberprüfbare und widerlegbare Aussagen gemacht und versucht diese Aussagen zu prüfen.

Dieser Punkt ist das logische Ergebnis des vorhergehenden Punktes.

Es besteht eine einheitliche Fachsprache (Nomenklatur)

Wie jede lebende und sich entwickelnde Sprache kann auch eine Fachsprache nicht hundertprozentig vereinheitlicht und eindeutig sein, sondern nur in demselben Maße wie die Umgangssprache eines Dorfes für Alltagsdinge einheitlich und eindeutig ist.

Ohne eine solche Fachsprache ist es nicht möglich sich über Inhalte zu verständigen die deutlich außerhalb der Alltagserfahrung liegen. Diese Dinge zu erforschen ist jedoch Sinn der Wissenschaft. Also müßte ohne Fachsprache jeder Forscher mit seiner Arbeit bei Null beginnen, weil er nicht ausreichend Möglichkeit hätte, Wissen von seinen Vorgängern zu übernehmen.

Neben den Fachwörtern der Wissenschaft kann man auch die Formelsprache der Mathematik als eine solche Fachsprache betrachten.

Es besteht ein allgemein anerkannter Grundschatz an Wissen, der häufig in Form eines oder mehrerer Lehrbücher herausgegeben wird.

Dieser Punkt ist das logische Ergebnis der wissenschaftlichen Arbeit und notwendig, weil es ohne diesen Wissensgrundschatz keine Weiterentwicklung der Wissenschaften geben kann.

Es gibt einen Katalog an fachtypischen Wissensvermittlungsmethoden.

Ab einem bestimmten Punkt sind solche Wissensvermittlungsmethoden notwendig, damit das Niveau der wissenschaftlichen Forschung weiterhin steigen kann.

Es gibt akademische Abschlüsse, die im gesamten Wissensbereich als Grundausbildung für Fachwissenschaftler anerkannt sind.

Hiermit ist nicht unbedingt eine formale Anerkennung eines ausbildungsganges gemeint, es reicht auch, wenn diese Abschlüsse von den üblichen Fachwissenschaftler als geeignete Ausbildung anerkannt werden, weil sie bestimmten Kriterien genügen.

Es besteht ein reger Wissensaustausch zwischen einer großen Gruppe an Wissenschaftlern.

Wenn zu wenige Menschen in einem Bereich forschen, ist die Weitergabe des Wissens und gegenseitige Anregung nicht gewährleistet, so daß die Forschung kaum über den Alltagsbereich hinausgehen kann. Wenn das Wissen jeweils mit seinem Erfinder stirbt, ergibt sich daraus keine Wissenschaft, egal wie sorgfältig der Forscher arbeitet.

Die Qalität von Wissenschaft hängt zu einem erheblichen Teil eben auch von der Zahl der beteiligten Menschen ab. Erfindungen wie Buchdruck und Internet ermöglichen es uns, mit Wissenschaftlern Wissen auszutauschen denen wir nicht persönlich begegnen können weil sie schon tot sind oder zu weit weg wohnen und machen damit Wissenschaft in Themengebieten möglich, für die sich nur wenige Menschen interessieren.

Zentral wichtig ist aber auch die Qualität der Dokumentation der Forschung. Eine ausreichend dokumentierte Forschungsarbeit ist meist so langweilig, daß man sie nicht durchlesen mag, so lange keine Zweifel an der Richtigkeit der Ergebnisse aufkommen. Man liest oft nur die Zusammenfassung, die Diskussion und die Ergebnisse, weil der Rest zu detailliert ist, als daß sich das lesen wirklich lohnen würde. Wenn man jedoch Zweifel hat, sind gerade diese langweiligen Abschnitte zentral wichtig für die Wissenschaft - an ihnen kann man prüfen, ob die Arbeit eine Schwäche hat, die zu falschen Ergebnissen geführt haben könnte.

Beispiele zum Verständnis der Definition

Zu den allgemein anerkannten Wissenschaften erübrigt sich die Untersuchung, ob es sich um Wissenschaften handelt, weil jeder selbst normalerweise auch ohne professionelle Hilfe feststellen kann, daß alle anerkannten Wissenschaften diesen Ansprüchen genügen. Das trifft auch auf die Medizin zu, die ich hier auf meiner Internetseite so ausführlich kritisiere. Hier untersuche ich deshalb nur einige Grenzfälle daraufhin, ob es sich um Wissenschaften handelt.
VA137. Kersti: Esoterik ist keine Wissenschaft
VA138. Kersti: Homöopathie ist eine Wissenschaft

Kersti

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Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, Internetseite: http://www.kersti.de/     E-Mail an Kersti_@gmx.de