Eigene Erlebnisse in diesem Leben von mir - Wie ich zur Verschwörungstheoretikerin wurde und darüber hinauswuchs

F16.

Wenn das Weltbildverständnis der Autoritäten nicht ausreicht, um die Forderung des Kritikers nach Beweisen zu verstehen

E13. Kersti: Kindheit: Erste irritierende Erfahrungen
E14. Kersti: Wie ich zum Verschwörungstheoretiker wurde
E15. Kersti: Wie ich über Verschwörungstheorien hinauswuchs
E16. Kersti: Wenn das Weltbildverständnis der Autoritäten nicht ausreicht, um die Forderung des Kritikers nach Beweisen zu verstehen
E16.1 Kersti: Eigene Meinungsbildung versus das Übernehmen von Standartweltbildern
E16.2 Kersti: Vom Irrtümer verbieten
E16.2 Kersti: Sie können doch nicht allen Ernstes erwarten, daß man Allwissend zu sein hat?
E16.3 Kersti: Mündige Bürger werden bestraft
E16. Kersti: Quellen

 
Inhalt

1. Eigene Meinungsbildung versus das Übernehmen von Standartweltbildern

Letztlich kann man es folgendermaßen zusammenfassen: Ich habe als Kind beigebracht bekommen, daß man sich seine eigene Meinung bildet, indem man die einzelnen Argumente anderer Menschen gegeneinander abwägt und daraus ein neues Weltbild baut, das vorher noch niemand genau in dieser Form hatte. Da ich das von kleinauf als die normale Art, sich eine Meinung zu bilden kennengelernt habe und da man auch in den fundierteren Bücher nachlesen kann, daß man das so macht, dachte ich als Kind, jeder würde das so machen. Und selbstverständlich verband ich meine Meinungen zu verschiedenen Themen zu einem eigenen, sehr individualistischen Weltbild.

Die 80% der Menschen in Industrieländern wägt aber nicht die einzelnen Argumente gegeneinander ab, sondern übernimmt entweder das erste vorgegebene Weltbild fertig von den Eltern oder Lehrern oder wählt sich ein Weltbild als Ganzes aus dem üblichen Angebot an fertigen Weltbildern aus.

Da 80% der Menschen das so machen, und da sie erleben, daß die meisten Menschen im Wesentlichen eines der drei, vier Standartweltbilder haben, prüfen sie einfach welches dieser Standartweltbilder jemand hat - und meinen dann sein gesamtes Weltbild zu kennen.

Wenn ich nun mit meinem selbst gebauten Weltbild ankam, war das für diejenigen Menschen, die sich nie eine eigene Meinung gebildet haben, nicht klassifizierbar. Dennoch nahmen sie an, man müßte es als eines der üblichen drei, vier Standartweltbilder klassifizieren können, da sie sich nicht vorstellen konnten, daß sich jemand etwas Eigenes zusammenbaut.

Ich war, wenn so etwas passierte, jedes mal schockiert, weil mir unverständlich war, wie sie aus einer Bemerkung über meine Meinung, sagen wir mal, wie Schulunterricht ablaufen sollte, meinten schließen zu können, welche Ansicht ich zur Kriegsführung hatte. Ich verstand einfach nicht, wie sie darauf kamen, weil ich nie auf den Gedanken gekommen wäre, ein vorgegebenes Weltbild nahezu unverändert von anderen zu übernehmen. Noch mehr schockierte es mich, wenn solche Reaktionen von offiziellen Stellen kamen, weil das in meinen Augen nicht mit Demokratie vereinbar war.

 
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2. Vom Irrtümer verbieten

Wenn man sich eine eigene Meinung bildet, indem man die einzelnen Argumente der Fachleute gegeneinander abwägt, ist es dazu nötig, daß man die Beweisführung Schritt für Schritt nachvollzieht und prüft.

Meinungsbildung beginnt damit, daß man sich das schon Vorhandene zum Thema zusammensucht.

Danach teilt man alles, was man liest, logisch in drei Kategorien auf.

Danach prüft man:
Beispielgeschichte, Kersti:

Sie können doch nicht allen Ernstes erwarten, daß man Allwissend zu sein hat?

Bei Themen, die in unserer Gesellschaft sehr emotional diskutiert werden, stellte ich schon als Gymnasiastin fest, daß schon die Beobachtungen, von denen die verschiedenen Parteien berichteten, nicht miteinander vereinbar waren. Das heißt jede Partei hat die Beobachtungen, die ihnen nicht in den Kram paßten unterschlagen, obwohl man sich nicht die originalen Fakten ansehen kann, ohne auch das zu sehen zu bekommen. Und seltener wurde sogar regelrecht gelogen, dann aber leider manchmal so, daß nicht herauszukriegen war, wer von mehreren Parteien die Lügner waren. Damit war mir klar, daß es nicht möglich war, mit den mir damals erreichbaren Fakten zu zuverlässigen Schlußfolgerungen zu kommen. Ich konnte fundiertere Vermutungen abgeben, als diejenigen, die einfach blindlings eine der vorgegebenen Meinungen glauben, aber ich kann mir nicht sicher sein, daß meine augenblickliche Meinung so richtig ist.

Wenn ich das dann so sagte, wurde mir mitgeteilt, daß ich mir unsicher sei, sei eine falsche Meinung, und das müßte ich wissen! Ich war schockiert. Sie können doch nicht allen Ernstes erwarten, daß man Allwissend zu sein hat? Vor allen Dingen, da sie ja viel weniger wissen als ich? Sie müssen doch merken, daß ich mehr Ahnung habe!

Heute weiß ich aus der Entwicklungspsychologie, daß sie nicht merken konnten, daß ich mehr Ahnung hatte als sie, weil es grundsätzlich unmöglich ist, die Denkweise von Menschen zu verstehen, die einem in der Entwicklung um eine oder mehrere Entwicklungsstufen voraus sind.

Das heißt, sie konnten zwar merken, daß ich mehr Bücher gelesen habe als sie. Da sie aber nicht gelernt hatten, sich eine eigene Meinung zu bilden, indem sie die einzelnen Argumente gegeneinander abwägen, fehlte ihnen die Grundlage, um zu verstehen, was ich getan hatte und warum ich nicht sicher sein kann, was richtig ist. Sie dachten, man muß sich nur die richtige Autorität aussuchen und ihr glauben.

Ich dagegen dachte, jeder kann die einzelnen Argumente gegeneinander abwägen und damit von jedem Kind etwas dazulernen. Selbstverständlich ziehe auch ich die Meinung von Fachleuten vor, da sie normalerweise sorgfältiger belegt sind und logisch richtiger sind als die von Nichtfachleuten. Aber ich schaue nicht auf den Titel, sondern ich schaue ins Buch und erkenne die Fachleute daran, wie sie argumentieren. Daß die so gefundenen Fachleute meist auch den entsprechenden Titel haben, merke ich oft erst später, wenn ich mir das Buch längst ausgesucht habe. Außerdem suche ich gezielt Autoren mit möglichst gegensätzlichen Meinungen, um das, was der einen Fachautorität vielleicht an Argumenten und Beweisen durch die Lappen gegangen ist bei dem mit der gegenteiligen Meinung zu finden.

Man kann also sagen: Meine Mitschüler wollten mir sagen, ich hätte mir die falsche Autorität ausgesucht, um ihr zu glauben und da ich überhaupt nicht auf den Gedanken gekommen wäre von einer Autorität ein Weltbild als Ganzes zu übernehmen, dachte ich, sie wollten mir mitteilen, daß Irrtümer verboten sind.

 
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3. Mündige Bürger werden bestraft

Eine weitere Sache, die mich erschütterte war, daß gefordert wurde, man solle sich wie ein mündiger Bürger verhalten und wenn man es aber tut, wird man bestraft.

Kersti

 
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Quelle

Ich schildere, wann immer möglich, selbst erlebte Beispiele. Das tue ich nicht, weil es keine anderen gäbe, mit denen man dasselbe belegen kann, sondern weil ich die Literatur mit neuen, zusätzlichen Beispielen bereichern will.
VA272. Kersti: Wenn meine Beispiele alle von mir handeln - heißt das etwa, daß ich selbstbezogen bin?
Selbst erlebte Beispiele sind - da sie aus erster Hand sind - genauer beschrieben als Beispiele aus meiner Praxis, wo ich die Erklärungen meiner Patienten mißverstanden haben könnte und sie deshalb möglicherweise falsch wiedergeben könnte.
V175. Kersti: Kriterien zum Bau eines realistischen Weltbildes: Realitätsnähe
Und diese sind genauer und richtiger als aus der Literatur übernommene Beispiele, da ich bei diesen die betroffene Person nicht einmal persönlich kenne und das Beispiel deshalb möglicherweise in einen falschen Kontext einordne.

Weitere Quellen waren:


Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, https://www.kersti.de/, Kersti_@gmx.de
Da ich es leider nie schaffe, alle Mails zu beantworten, schon mal im Voraus vielen Dank für all die netten Mails, die ich von Lesern immer bekomme.
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