F1253.

Ich fand es gemein, daß ich nicht dabei sein durfte, als Gerta aus Michaela rausgekommen ist

Vorgeschichte: F1034. Khar: Als ich zuerst von Michaelas Schwangerschaft hörte, fragte ich, ob sie denn nicht aufgepaßt hätten

Khar erzählt:
Ich fand es gemein, daß ich nicht dabei sein durfte, als Gerta aus Michaela rausgekommen ist. Die haben einfach gesagt, das ist nichts für Kinder, dabei wollte ich doch sehen, ob das wirklich so funktioniert, wie es in dem Buch steht. Außerdem hätte ich gewußt, was man tun muß, wenn etwas schief geht und ich hätte helfen können.

Michaela hatte mir gesagt, daß Frauen ein Loch zwischen den Beinen haben, das normalerweise so zusammengezogen ist, daß da kein Baby durchpaßt aber bei der Geburt so weit wird, daß da ein Babykopf durchpaßt. Das ist genau wie daß man die Lippen zu und auf- und zumachen kann. Ich habe mir auch Bücher rausgesucht wo so etwas drin steht, aber das wollte mir die Lehrerin nicht geben. Die gönnt mir nämlich nur die langweiligen Bücher, die man gar nicht ausleihen muß, weil da nicht viel drin steht und man die gleich in der Bibliothek durchlesen kann. Und Papa hat mir gesagt, daß er die langweiligen Bücher auch nicht ausleihen will, weil da zu wenig drin steht. Aber die Lehrerin ist richtig gemein und sieht das einfach nicht ein. Also habe ich gewartet, bis sie nicht da war und das Buch einfach so mitgenommen. Ich habe es natürlich zurückgebracht, als ich es durchgelesen hatte. Ich wollte es ja nicht klauen sondern nur ausleihen und Darion war gerade auf einer Reise, so daß er nicht sagen konnte, daß ich mir das doch ausleihen darf. Ich verstehe auch nicht, warum die dove Lehrerin sich einfach nicht merken kann, daß ich mir jedes Buch ausleihen darf, was ich will. Papa sagt ihr das jedes mal und sie sagt trotzdem jedes mal, wenn ich ein Buch ausleihen will, daß das nichts für mich ist.

In dem Buch stand genau drin, wie das mit der Geburt funktioniert und was die Hebamme alles tun muß, damit das richtig klappt. Aber ich fand schon erschreckend, was dabei alles schief gehen kann. Als das Baby da war, hat Michaela im Bett gelegen und ausgesehen, als wäre sie krank, aber sie hat gelächelt und mit dem Baby gekuschelt.
Ich fragte sie, ob das Baby falsch rum im Bauch gewesen war.
"Nein, nein, das war schon alles richtig." antwortete sie.
"Hast du denn einen Dammriss gehabt?" fragte ich.
"Nein, die Hebamme hat das sehr gut gemacht."
"Ist die Nachgeburt vollständig gekommen?"
"Sag mal wo hast du das denn alles her?" fragte Michaela.
"Ich habe mir so ein Buch aus der Bibliothek geholt und da stand das alles drin." sagte ich. Sie wollte das dann ganz genau wissen, also sagte ich ihr, wer das Buch geschrieben hat und wie es heißt.
"Khar, das ist ein Buch für Ärzte. Die meisten Probleme, die bei der Geburt auftreten können, sind ganz schön selten. Das steht in dem Buch alles drinnen, weil die Ärztin jedes Problem wissen muß, das bei der Geburt auftreten kann, damit sie weiß, was sie tun muß, wenn es doch mal passiert. Aber bei mir hat alles geklappt und ich bin einfach nur müde, weil eine solche Geburt sehr anstrengend ist."
Sie fragte mich, ob die Lehrerin mir das Buch denn gegeben hatte.
"Nein, aber die gibt mir doch nie die Bücher, die ich haben will und Papa war nicht da, um ihr zu sagen, daß ich das doch haben darf." sagte ich.
"Khar, eine Geburt ist so anstrengend, daß man sich danach ein paar Tage ausruhen soll. Aber normalerweise ist danach wirklich alles in Ordnung, glaub mir. Und bei mir ist auch wirklich nichts schiefgegangen."

Ich fragte mich, wie anstrengend etwas eigentlich sein muß, daß man am nächsten Tag nicht richtig wach ist.

Wenn Michaela sagt, daß alles in Ordnung ist, dann ist wahrscheinlich wirklich alles in Ordnung. Trotzdem ging ich noch einmal zu der Ärztin und fagte sie, ob auch wirklich nichts schief gelaufen ist. Sie wollte auch wissen, aus welchem Buch ich das hatte und erklärte mir dann daß es Frauen gibt, die zwanzig Kinder bekommen und nachher immer noch gesund ist. Außerdem sagte sie mir, daß die erste Geburt, die eine Frau hat, normalerweise besonders anstrengend ist, weil dann alles noch so eng ist, weil vorher ja noch nie ein Baby aus dem Bauch rausgekommen ist und sich das alles erst einmal genug dehnen muß. Das ist aber nicht gefährlich, weil junge Frauen auch besonders gesund und stark sind.
"Kindchen, wenn du in solchen Büchern Dinge liest, die dir Angst machen, dann solltest du nachher mit mir oder einem anderen Arzt darüber reden. Die meisten dieser Komplikationen habe ich selbst nämlich noch nie gesehen, weil sie so selten sind. Damit ich möglichst viele davon schon mal sehe, wurde ich für ein Jahr in eine Klinik, die sich in Prag um die Geburten von armen Leuten kümmert, geschickt. Da gibt es nämlich häufiger schwere Geburten, weil die Leute oft vor der Geburt nicht genug Pause machen, weil sie häufiger krank sind und deshalb bei einer Geburt zu müde sind. Gesunde Leute haben selten schwere Komplikationen bei der Geburt." erklärte sie mir.

Ich sagte ihr, daß ich doch zu dem Arzt gegangen bin und ihm gesagt habe, daß ich die Geburtshilfeprüfung machen will und er hat gesagt, daß ich dazu aber noch zu klein bin.
"Also gut, dann mache ich jetzt die Geburtshilfeprüfung mit dir." sagte die Ärztin.
Zuerst stellte sie mir eine ganze Menge Fragen zur Geburtshilfe, die ich fast alle richtig beantwortet habe. Nur zwei Antworten hatten gar nicht in dem Buch gestanden und sie gab mir noch ein Buch über Geburtshilfe, wo das auch noch drin stand. Sie sagte daß ich aber jetzt schon genug Fragen richtig beantwortet habe und daß meine eigenen Ideen zu den Sachen, die nicht drin gestanden hatten, schon gut gewesen waren, sie würde mir die Papiere für die theoretische Prüfung ausstellen. Dann sagte sie mir, daß das aber nur die theoretische Prüfung wäre und um die praktische Prüfung zu machen, wäre ich noch viel zu klein, weil ich die Kraft von einem Erwachsenen brauche, um beispielsweise ein Kind im Bauch herumzudrehen, wenn es falsch liegt. Das wäre für sie teilweise schon anstrengend und sie wäre eine gesunde erwachsene Frau.
"Ich will aber nicht immer warten müssen, bis ich erwachsen bin ehe ich etwas machen kann!" protestierte ich.
"Das geht aber wirklich nicht anders. Schau mal, du hättest doch gar nicht in den Bauch deiner Mutter gepaßt, wenn du gleich so groß gewesen wärest, wie ein Erwachsener!"
"Ja aber das Fohlen, das Sternensaat letztes Jahr bekommen hat, ist jetzt schon groß genug, daß ich auf ihm reiten lernen darf! Das ist ungerecht!"
"Kindchen, das darfst du nur, weil du noch sehr klein bist, sonst währest du zu schwer für einen Jährling." meinte sie.
"Außerdem habe ich die ganzen Medizinbücher schon gelesen und der Arzt will mich einfach nicht prüfen. Der sagt immer, ich bin für so etwas noch zu klein."
"Also gut Kindchen, dann machen wir morgen die nächste Prüfung. Welche soll das denn sein?"
Ich zählte alle Bereiche auf, zu denen ich die Bücher schon gelesen habe und sie prüfte mich dazu im Laufe der nächsten Tage ab. Danach durfte ich ihr immer bei der Arbeit helfen, wenn jemand krank war und ich Lust dazu hatte.

Als Papa wiederkam, fragte ich ihn, ob es denn bei meiner Geburt Komplikationen gegeben hatte, weil meine Mutter aus dem Kinderheim gekommen ist. Er meinte, daß sie im Kinderheim schon darauf geachtet hatten, daß sie vor der Geburt genug Pause machen kann und daß sie nachher im Bett bleibt. Da wäre alles in Ordnung gewesen. Das beruhigte mich, aber er wollte auch wissen, woher ich denn das mit den ganzen Komplikationen hatte. Er wunderte sich darüber nur nicht so wie die anderen Erwachsenen und freute sich mit mir, daß die Ärztin mich geprüft hatte, ob ich wirklich alles weiß.

Kersti

Fortsetzung:
F1254. Khar: Ich fragte ihn, was er denn für ein Fisch ist, aber ich verstand seine Antwort nicht, also fragte ich Shiwa ober wir denn einen Kurs für die Knochenfischsprache hat