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erste Version: 7/2015
letzte Bearbeitung: 7/2015

Chronik des Aufstiegs: Weimarer Republik und Drittes Reich - xxx

F496.

Vorgeschichte: F495. Kersti: D

Georg erzählt:
Das nächste mal sah ich Karl als Lehrer beim Physikunterricht. Er machte das zum ersten mal, denn er bekam seine Aufgabe von Haushofer erklärt. Und er stellte sich dabei gar nicht schlecht an, denn er führte sich gar nicht so arrogant auf, wie viele der Neulinge, sondern er ließ sich zuerst von jedem erklären, woran er arbeitete, sagte oft, daß ihm eine Idee neu und interessant vorkam und wenn jemand ein Problem hatte, machte er sinnvolle Lösungsvorschläge, die er mit wenigen Strichen schnell auf ein Blatt Papier skizzierte. Ich spaltete ein kleines Vögelchen ab, das das alles beobachten sollte, während ich an meiner eigenen Aufgabe weiterarbeitete, bis er zu mir kam. Das war jemand, von dem man wirklich etwas lernen konnte.

Ich merkte auch, daß jeder von den Schülern danach konzentrierter arbeitete als vorher und mehr Spaß an der Arbeit zu haben schien. Ich mußte begreifen, wie er das machte.

Ich reagierte aber nicht freundlich, auf die nette Art, wie er mich ansprach, sondern erklärte ihm gleich, daß ich Große nicht mag, weil sie einen immer foltern.
"Das verstehe ich." sagte er, "Ich bin auch oft ziemlich sauer auf die Leute hier. Aber jeder hat eine Stelle in sich, wo er gut und liebevoll sein will. Und wenn man bei jedem guten Wort, das jemand sagt, liebevoll darauf eingeht, dann wird diese gute Stelle stärker und er wird ein wenig besser. Deshalb beantwortet man jedes gute Wort mit einem guten Wort, damit das Gute in den Menschen wachsen kann."
Das war eine interessante Antwort. Noch niemand hatte so etwas zu mir gesagt. Aber es klang sehr vernünftig.

Als er noch einmal fragte, was ich so mache erklärte ich ihm meine Aufgabe, und während ich das tat, stellte er immer genauere Fragen. Dabei fielen mir für die Dinge, wo ich vorher noch keine Lösung gewußt hatte, Lösungen ein. Er fand viele meiner Ideen sehr interessant und geradezu genial. Ich wußte danach genau, wie ich weiterarbeiten wollte und er wußte einige sehr spannende Bücher, die ich später dazu lesen konnte.

Während der Arbeit merkte ich, daß er viel Zeit mit Filou verbrachte, von dem die anderen Lehrer immer sagten, daß er unfähig und dumm sei. Karl sagte so etwas nicht, sondern er erklärte geduldig immer grundlegendere Dinge, bis auch Filou seine Arbeit schaffte. Und er lobte ihn für alles, was er richtig machte, obwohl nichts davon besonders großartig war, fand ich. Aber immerhin gelang es Filou zum ersten Mal, mit seiner Aufgabe so schnell weiterzukommen, wie es mindestens erwartet wurde. Darüber war ich richtig froh, denn ich mochte Filou, schließlich war er mein Halbbruder.

Als ich fertig war und meine Maschine genau betrachtete, um noch einmal zu überprüfen, ob ich jede Stelle richtig gelötet hatte, kam er wieder zu mir und fragte, wie ich zurecht komme. Ich erklärte ihm, daß ich fertig war und nachdem ich die letzte Stelle geprüft hatte, schloß ich das Gerät an und führte es ihm vor. Als er begeistert zusammen mit mir die verschiedenen Funktionen ausprobierte, sagte ich ihm:
"Du bist gar kein richtiger Lehrer!"
Er sah mich erstaunt an und fragte:
"Warum? Meinst du nicht, daß alle gut gelernt haben?"
"Doch, gelernt haben wir alle sehr viel. Aber du denkst dir keine fiesen Strafen aus und du machst keine gemeinen Prüfungen." erklärte ich meine Ansicht.
Als ich das sagte, sah er mich sehr entsetzt an. Ich verstand nicht warum.
"Ich hoffe doch, daß ich niemals so ein Lehrer werde!" sagte er.
Ich sagte ihm ,daß ich es gut fand, wie er sich um den unfähigen Filou gekümmert hatte.
"Filou ist nicht unfähig. Draußen haben mir Studenten dümmere Fragen gestellt. Studenten sind etwa 20 Jahre alt und er ist wie alt - 14?" antwortete er.
"Nein, sieben. Wir sehen hier alle älter aus, als wir sind." korrigierte ich.
"Dann seid ihr alle Genies, jedenfalls überhaupt nicht unfähig." meinte er.
So etwas hatte mir noch niemand gesagt.

Mir sagen sie immer ich wäre zu hochnäsig, ich würde mir zu viel auf meine Fähigkeiten einbilden und so weiter. Dabei steht in meiner Akte, daß ich der Beste aus meinem Jahrgang bin und auch schon weiter bin als die fast alle Siebenjährigen aus der Zucht, obwohl ich erst zwei bin. Ich dagegen weiß nur, daß das offensichtlich ja auch nicht ausreicht, um irgendjemandem zu helfen, dem ich helfen will. Also kann ich nicht genug oder nicht das richtige, um irgendetwas zu verbessern! Ich verstehe nicht, was das mit hochnäsig sein zu tun hat, denn hochnäsig ist ja, wenn man selber meint, man wäre toll und alle anderen wertlos, nicht wenn die anderen einen gut bewerten.

Kersti

Fortsetzung:
F257. Kersti: W

Quelle

Erinnerung an ein eigenes früheres Leben.
V12. Kersti: Hauptfehlerquellen bei Erinnerungen an frühere Leben

EGI. Kersti: Erinnerungen aus diesem Leben, aus früheren Leben und aus feinstofflichen Welten
V231. Kersti: Frühere Leben von mir
FI13. Kersti: Inhalt: Dämonenkind

Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, https://www.kersti.de/, Kersti_@gmx.de
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