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O7.1 Kersti: Wissenschaftliche Forschungsergebnisse zu Nahtodeserfahrungen (Quellen hierzu)
O7.10 Kersti: Psychologie der Nahtodeserfahrung

ausgegliedert aus O7.10: 1/2009
letzte Überarbeitung: 1/2009

O7.24

Nahtodeserfahrungen sind keine Depersonalisation oder Derealisation

Bei der Depersonalisation handelt es sich um eine Selbstwahrnehmung, bei der die betroffene Person den Eindruck hat, dem eigenen Bewusstsein fremd gegenüberzustehen und ohne eigene Anteilnahme zu agieren. Auch die Gliedmaßen werden dabei häufig als nicht zu einem selbst gehörig empfunden. Die Betroffenen fühlen sich unreal oder starr, und haben ein unangenehmes Gefühl. Man empfindet sich in einem traumartigen Zustand und ist dabei hyperwach. 40 bis 70% aller Studenten erleben eine Depersonalisation, da sie im Zusammenhang mit der so genannten Pubertätsneurose auftreten kann. Weitere mögliche Ursachen sind Gehirntumore oder eine Entzündung im Gehirn. 1.6, 1.11, 3.3 S.215

Gemeinsamkeiten

Es gibt einige Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen Außerkörperlichen Erlebnissen und Depersonalisations-/Derealisationsphänomenen, die auf einen kontinuierlichen Übergang zwischen diesen Phänomenen hinweisen. 1.6, 1.9, 2.25

Zu den Gemeinsamkeiten zählen die gefühlsmäßige Distanzierung von der Realität und eine Entfremdung vom eigenen Körper und der Umwelt. In 19-26% der Fälle treten auch im Rahmen der Depersonalisation außerkörperliche Erlebnisse auf. Wie das Außerkörperliche Erlebnis ereignen sich auch Depersonalisationen häufig bei sonst gesunden Menschen, bei cerebraler Aktivierung und in lebensbedrohlichen Situationen. 1.6, 1.11

Statistik

Nahtodeserlebnisse sind um so häufiger je jünger der Patient ist, kommen aber in allen Altersgruppen vor.
O7.75 Kersti: Vergleich der Häufigkeit von Nahtodeserfahrungen zwischen Kindern, Erwachsenen, älteren Menschen
Depersonalisationsphänomene fehlen im Gegensatz zu Nahtodeserlebnissen und Außerkörperlichen Erlebnissen bei Kindern und Menschen über 45 Jahren und sie chronifizieren oft. Auch psychometrisch fanden sich dementsprechend nur schwache Korrelationen zwischen beiden Erlebnisarten. 1.6, 1.8, 1.11, 2.25

Stimmung

Beim Außerkörperlichen Erlebnis und Nahtodeserlebnis ist die Stimmung sehr glücklich, friedvoll und von Liebe erfüllt und die Erfahrung hat einen geradeszu mystischen Charakter. Dagegen ist die Depersonalisation von negativen Gefühlen wie Empfindungslosigkeit, Angst, Panik, Fremdheits- und Krankheitsgefühl begleitet. 1.6, 1.9, 1.11, 3.3 S.215-216

Ich-Erleben

Bei Nahtodeserlebnissen und Außerkörperlichen Erlebnissen kommt es zu keinem Gefühl der eigenen Irrealität oder Entfremdung vom eigenen seelischen Erleben. Der Betroffene erlebt sich als völlig intaktes Ich. Handelndes und beobachtendes Selbst sind gewöhnlich eins, die Farben im Gegensatz zur Depersonalisation lebendiger als sonst, und das Selbst- und Realitätsgefühl sind beim Nahtodeserlebnis und Außerkörperlichen Erlebnis oft deutlich gesteigert. 1.6, 1.8, 1.9, 1.11, 2.25, 3.3 S.215

Außerkörperliches Erlebnis im Vergleich zur Distanzierung vom eigenen Körper in der Depersonalisation

Depersonalisation treten auch bei großer Angst auf. Das veränderte Zeitgefühl und das Austreten aus dem Körper wäre als Depersonalisation erklärbar, die dazu dient sich vor überwältigender körperlicher Gefahr zu schützen und sich davon zu distanzieren. 1.2

Zwar wird beim Außerkörperlichen Erlebnis der eigenen Körper manchmal nicht als der eigenen Körper erkannt, aber es ist ein nicht erkennen, weil man nicht damit rechnet, daß man sich außerhalb des eigenen Körpers befindet. In dem Augenblick wo man die Situation versteht, wird der eigene Körper auch als eigener Körper akzeptiert. 3.1 S.23
O7.65 Kersti: Der Körper ist wie ein Mantel, den man im Tod ablegt

Ein Mann, der durch einen schrecklichen Unfall zwei Gliedmaßen verloren hatte, erinnerte sich, er sei eine ganze Weile über seinem eigenen, auf dem Operationstisch liegenden Körper geschwebt und habe diese verstümmelte Person bedauert, bis er endlich erkannte, daß er selbst da lag! 3.1 S.23-24

Ähnliche Verwirrung kann auch auftreten, wenn man mit dem sehen selbst noch nicht vertraut ist.
Judy Taylor ist als Kind durch grauen Star erblindet. Als erwachsene Frau sah sie sich nach einer Star-Operation zum ersten mal um und entdeckte folgendes:
Als ich nach unten blickte, sah ich mehrere ganz helle Streifen, die alle in eine Richtung zeigten. Dazwischen lagen tiefe Schatten. Was konnte das sein, so nah bei mir und doch so fremd, daß ich keinen Namen dafür gewußt hätte? Unwillkürlich bewegte ich meine Hand, und die hellen Streifen verschwanden - ich hatte auf meine eigenen Finger geschaut. 4.16 S.226

Im Gegensatz dazu versteht eine Person die unter Depersonalisaton leidet, durchaus, daß ihre Glieder nach der allgemeinen Definition zu ihm gehören, er ist aber nicht bereit sie als eigene Glieder zu akzeptieren oder empfinden.

Kersti


O7.10 Kersti: Psychologie der Nahtodeserfahrung
O7.1 Kersti: Wissenschaftliche Forschungsergebnisse zu Nahtodeserfahrungen (Quellen hierzu)

Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, http://www.kersti.de/, Kersti_@gmx.de
Da ich es leider nie schaffe, alle Mails zu beantworten, schon mal im voraus vielen Dank für all die netten Mails, die ich von Lesern immer bekomme.
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