F1334.

Wann immer er zu viele Probleme sieht, delegiert Ehon das eine Problem an das andere und beide Probleme sind gelöst

Vorgeschichte: F1322. Ehon: Geron entschied eines Tages, daß es Zeit war, sein Krankenbett zu verlassen und dann wehte ein anderer Wind

Khar erzählt:
Ehon hatte zuerst gesagt, ich würde spinnen, als ich ihm sagte, daß es Zeit war, Geron zum Ritter zu schlagen. Ich fragte ihn dann, ob der Junge sich denn nicht verhalten hätte, wie man das von einem Ritter erwartet.
"Schon, aber er ist erst elf!" widersprach Ehon.
"Du hast mir selbst gesagt, daß er erst neun ist." gab ich zurück.
"Das unterstützt mein Argument doch nur." antwortete er.
"Nicht wirklich. Denn du hast mir auch gesagt, daß du es auch geglaubt hättest, wenn man behauptet hätte, daß er schon vierzehn ist."
"Das ist das Alter einen Knappen und nicht eines Ritters."
"Richtig. Und - benimmt er sich wie ein Knappe oder wie ein Ritter?" fragte ich.
"Er benimmt sich, als wäre er hier der Chef." behauptete Ehon in einem sehr wütenden und frustrierten Ton.
"Und - wie hast du das Problem gelöst?" fragte ich.
"Na ich habe mir überlegt, welches Problem ich noch nicht gelöst habe und ihn da hin geschickt, damit er es löst." antwortete er.
"Was ist dabei herausgekommen?" fragte ich.
"Die Leute haben sich beschwert, daß er sich aufspielt, als wäre er der Chef."
"Und dann?"
"Dann habe ich ihnen gesagt, daß er ein Kind ist und das nur spielt, aber sie würden Gott und er Welt einen Gefallen tun, wenn sie auf das Spiel eingehen und ihm beibringen, wie der perfekte Chef sein muß, denn der Junge ist so begabt, er würde später bestimmt der Vorgesetzte von irgendwem sein." antwortete Ehon und erzählte, daß es danach funktioniert hätte und alle ihm erzählt hätten wie süß dieser Junge doch ist.

Ehon glaubt, daß er als Anführer nicht besonders begabt ist und das alles nur, weil er meint, ein Anführer müßte so sein wie ich. Allerdings kann er das, was ein Anführer viel dringender können muß als alles Andere viel besser als ich - nämlich delegieren. Wann immer er zu viele Probleme sieht, delegiert er das eine Problem an das andere und beide Probleme sind gelöst. Ich frage mich nur, wenn er das so gut beherrscht, warum er sie dann als Probleme wahrnimmt und nicht als Lösungen.

Ich sagte ihm, daß ich ja verstehen würde, warum das seinen Trick etwas schwieriger machen würde, aber er könnte ja mal die Runde machen und sagen, daß ich so verrückt wäre, Geron unbedingt zum Ritter schlagen zu wollen und dann mal sehen, was sie dazu sagen. Ehon grinste mich daraufhin an und meinte, genau das würde er machen.

Wenn ich diese Fragen gestellt hätte, hätte ich nicht das erfahren, was ich wissen mußte, weil ich mir nicht sicher sein konnte, daß die Männer, die mich aufgrund meiner eigenen Krankheit immer noch kaum kannten, mir sagen, wenn sie Zweifel an meinen Befehlen haben. Indem Ehon naheliegende Zweifel äußerte und mit den Leuten besprach, sorgte er dafür, daß ich erfuhr, was ich wissen mußte. Einige Tage später meinte er, die Männer hätten keine Bedenken, sie meinten nur, wir dürften nicht vergessen, daß er immer noch ein Kind ist und auch so behandelt werden muß. Das war eine richtig gute Nachricht, die mir zeigte, daß sie etwas begriffen hatten, was zu viele Menschen, die mit hochbegabten Kindern umgehen, nicht begreifen.

Ganz so schnell ging es dann doch nicht, denn Geron war zu krank, um lange Feste oder anstrengende Aktivitäten durchzuhalten und letztlich hatte ja Ehons Trick mit dem Chef spielen die zwischenmenschlichen Probleme, die mir Sorgen gemacht hatten, abgebogen. Ein Jahr später, sobald Mira gesund genug war, schickte ich Mira und Geron zum Schmied, sie sollten mit ihm ihre Waffen besprechen.

Bei Geron hatte man den Eindruck, daß ihn der Ritterschlag nicht im Geringsten beeindruckte. Damit meine ich nicht, daß er es nicht ernst nahm, sondern daß seine Haltung dazu war "Ja ist doch klar das ich ein Ritter bin - wozu brauche ich da noch eine Zeremonie?" - nun ja, es war mir damals ähnlich gegangen. Das ganze Drumherum ist letztlich nur Klimbim, auf die richtige innere Einstellung kommt es an.

Tatsächlich war die offizielle Zeremonie sowieso nicht das Wichtigste, was wir taten. Geron war gesund genug, um eine längere magische Arbeit durchhalten zu können und er brauchte die zusätzlichen Einweihungen, da unser Versteckspiel nicht mehr funktionieren würde, sobald Geron nicht mehr innerhalb des Geheimgeländes eingesperrt sein wollte. Danach mußte er sich verteidigen können und zwar so gut wie möglich.

Kersti

Fortsetzung:
F1326. Wieland: Die magische Hilfe leisten Geister aus Freundschaft und nur für Freunde würden sie diesen Dienst erbringe