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VA268.

Warum mich Bücher über ADHS oft wütend machen

Schon die Titel!

Es gibt Bücher, die habe ich sofort zur Seite gelegt, als ich einen flüchtigen Blick auf ihren Titel geworfen habe. Beispielsweise: "Wackelpeter und Trotzkopf" von M. Döpfner, S. Schürmann und G. Lehmkuhl oder "Zwischen Zappelphillipp und Hans-Guck-in-die-Luft" von P. F. Schlottke, auch wenn "Träumsuse" im Titel vorkommt, möchte ich mir ein Buch über ADHS ganz bestimmt nicht mehr durchlesen. Und ich frage mich, was denken sich die Autoren eigentlich dabei, einem Buch einen solchen Titel zu geben? Und was denken sie sich dabei, wenn sie Eltern von hyperaktiven Kindern - die ziemlich oft auch ADHS haben ein solches Buch als Arbeitsbuch an die Hand geben?

Es ist in Ordnung, wenn ein solches Wort in einer Situation gebraucht wird, in der das Problemverhalten, das dazu gehört, auftritt, denn dann wird es erst einmal nur auf diese Situation bezogen. Aber es ist gar nicht angemessen, das als Buchtitel zu wählen. Niemand, der ADHS hat, ob nun diagnostiziert oder nicht, wird eines dieser Worte als liebevoll gemeinten Kosenamen auffassen, wenn es nicht mehr auf eine einzelne Situation bezogen ist, sondern wie ein Buchtitel als Kennzeichnung des ganzen Menschen interpretieren muß.

Ich betrachte Träumen eigentlich als etwas Positives. Doch das Wort "Träumsuse" habe ich nicht zu hören bekommen, wenn ich mich bewußt hingesetzt und mir Zeit genommen haben allein oder mit Freunden eine selbsterfundene Geschichte zuendezuspinnen. Niemand hat mich so genannt, wenn ich als Ergebnis meiner Träumereien eine fertige Geschichte oder ein Lied präsentiert habe. Das Wort Träumsuse bekommt man zu hören, wenn man sich bemüht hat aufzupassen, weil man weiß, daß es wichtig wäre sich das Gesagte zu merken - und wenn die Gedanken trotzdem abgeirrt sind, weil Aufpassen einfach nicht ging. Träumsuse erinnert mich an all die frustrierenden Situationen meines Lebens und wenn jemand ein Buch so nennt, das ein Problem behandelt, das ich habe, dann fühle ich mich abgewertet.

Auch "Hans-Guck-in-die-Luft" ist bei mir mit Erinnerungen an Frustrationen verbunden. Mit Erinnerungen an all die Zeiten, wo ich mich geschämt habe, weil ich schon wieder in einen Hundehaufen getreten habe. Geändert hat sich das erst, seit ich sehr viel barfuß laufe, und das deshalb sofort - und nicht erst zuhause - selbst merke und dadurch gelernt habe bei jedem Schritt zu schauen wo ich hintrete, auch wenn ich mit den Gedanken völlig woanders bin.

Zappelphillip hat mich niemand genannt, weil ich nicht zum hyperaktiven Typus gehöre.

Also bitte: Etwas mehr Respekt vor den Gefühlen der eigenen Patienten!

Fachleute haben dieselben Vorurteile wie Laien

Ein erheblicher Teil der Fachleute für ADHS haben selber nicht diese Veranlagung - und sie stellen Behauptungen über die Gründe von ADHS-Typischen Verhalten auf, die mich regelrecht wütend machen, weil sie Fehlinterpretationen meines Verhaltens so ähnlich sind, die ich als Kind oft zu hören bekommen habe. Beispiele hierfür habe ich in folgenden Artikeln richtiggestellt:
VB85. Kersti: 1. ADHS - Die Suche nach Nervenkitzel
VB88. Kersti: 2. ADHS - Das Problem mit den Routinearbeiten
VB87. Kersti: 3. ADHS und Kreativität: Erfolg ist nicht einfach Zufall
VB86. Kersti: 4. ADHS - Je nach Stimmung zeigen sich verschiedene Teile der Selbsteinschätzung
VA254. Kersti: ADHS: Du kannst ja, wenn Du willst!

Das Schlimme an diesen Büchern ist, daß die Sichtweisen von Fachleuten für ADHS keinen wesentlichen Schritt über das Verständnis hinausgehen, das auch Eltern und Lehrer zum Thema haben, bevor sie sich ernsthaft damit auseinandersetzen. Genau dieselben unreflektierten Vorurteile, die ich auch als Kind - obwohl ich widersprochen habe und erklärt habe was in mir vorgeht - immer wieder zu hören bekommen habe, werden auch da als Fachwissen über das Thema dargestellt.

Für mich klingen die meisten der Bücher über Kinder mit ADHS als hätten sich die Autoren kein einziges mal die Mühe gemacht, einem der betroffenen Kinder richtig zuzuhören und nach und nach aus ihm herauszufragen, was in ihnen vorgeht, während sie das tun, was sie tun. Schon 1972 kam das Buch " Buch: Familienkonferenz" von Autor: Thomas Gordon das erste mal heraus und dort ist beschrieben, wie man durch aktives Zuhören Kinder darin anleitet, daß sie ihr Innenleben und ihre Probleme differenziert beschreiben1. S.37ff. Warum Kinder diese Anleitung brauchen, habe ich hier beschrieben:
VB50. Kersti: 4. Lehren in unterschiedlichem Alter und auf unterschiedlichen Weltbildstufen
Trotzdem kamen erst in den 2000ern Bücher heraus, in denen mal die Innenperspektive bei ADHS deutlich dargestellt ist1.. Ohne diese Innenperspektive zu kennen, kann man aber das Verhalten eines Menschen, der anders ist als man selbst, nicht einmal ansatzweise verstehen. Nun sind diese Bücher mit anhand der Aussagen von Erwachsenen geschrieben, was viel weniger gesprächstechnisches Können erfordert als daselbe aus Kindern herauszufragen, aber immerhin! Sie hat zugehört!

Wenn Autor: Christa und Autor: Dirk Lüling sich, in der Beschreibung dazu, was ADHS sein soll nicht wiederfinden können, weil sie keinen Mangel an exekutiven Funktionen haben3. S.48ff, dann liegt das nicht daran, daß hochsensible Kinder mit dem typischen ADHS-Verhalten kein ADHS hätten, sondern daran, daß ADHSler völlig normale exekutive Funktionen haben, die sie nur, weil sie ständig bis Unterkante Oberlippe überreizt sind, nicht mehr sinnvoll nutzen können. ADHS ist ein Dauerstreßzustand, der sich in ungünstiger Umgebung bei Hochsensiblen aufbaut. Alle Probleme, die sie haben, sind Symptome von chronischem Streß oder Folgen von seelischen Verletzungen, die zu diesem Streß beigetragen haben4..
VA152.3 Kersti: ADHS: Studieren macht mich krank und ich hatte guten Grund, die Schule so zu hassen

Kersti

 
Inhalt

Quelle

Dieser Artikel beruht auf meinen eigenen Erfahrungen als Betroffene und Therapeutin.
VA248. Kersti: Wie funktioniert Psychotherapie?
Wenn ich therapeutisch arbeiten greife ich oft auf das Wissen meiner feinstofflichen Anteile zurück und integriere geistheilerische Methoden in meine Arbeit.
VA299. Kersti: Fragen beantworten: Das Wissen der eigenen feinstofflichen Anteile
VA131. Kersti: Heilung durch Arbeit an den feinstofflichen Körpern

Weitere Quellen waren:

VA1. Kersti: Sekteneigenschaften als Folge von Ausgrenzung
VA2. Kersti: Hoffnungslosigkeit und doch nicht aufgeben
VA14. Kersti: Wie es sich anfühlt ein Morgenmuffel zu sein...
VA37. Kersti: Die Schuld immer auf den Schwächsten schieben - die beste Methode, um Probleme unlösbar zu machen
VA50. Kersti: Denken verboten Schilder...
VA53. Kersti: Sind Schläge oder nicht Schläge in der Erziehung wirklich so wichtig?
VA107. Kersti: Gesundheit
VA108. Kersti: Ausgrenzung
VA109. Kersti: Geistige Gesundheit
VA112. Kersti: Geistige Freiheit
VA114. Kersti: Wie Denken funktioniert
VA158. Kersti: Kristallkinder
VA166. Kersti: Eine Schule für Indigokinder?
VA189. Kersti: Schule: Auslese oder Berufsfindungshilfe
VA197. Kersti: Entwicklungs- psychologische Trennung zwischen materieller Realität, Fantasie und Geistigen Welten
VA231. Kersti: Wenn man zu anders ist, besteht das halbe Leben aus Mißverständnissen - und die andere Hälfte aus Einsamkeit
VA232. Kersti: Wie entstanden die Verschwörungstheorien - und inwiefern sind sie realtistisch?
VA233. Kersti: Gedankenkristalldenken fühlt sich für mich eher wie sehen als wie denken an
VA234 Kersti: Aufstieg: Wie sich Menschen verändern müssen, um unsere Weltprobleme zu lösen
VA238. Kersti: Ist ADHS eine Krankheit?
VA246. Kersti: Der Unterschied zwischen Argumenten, Argumentationstricks und persönlichen Angriffen
VA254. Kersti: ADHS: Du kannst ja, wenn Du willst!
VA255. Kersti: Das Geschlossene-Anstalt-Phänomen
VA256. Kersti: Werden Indigokinder irrtümlicherweise auf ADHS behandelt?
VA260. Kersti: Leben mit der Fähigkeit zu vernetztem Denken
VA263. Kersti: Haben Kinder mit ADHS eine unrealistische Selbsteinschätzung?
VA264. Kersti: ADHS: Schwäche oder Dominanz der rechten Hirnhälfte?
VA265. Kersti: ADHS: Ein wenig ausgeprägtes Bestrafungs- und Motivationssystem im Gehirn?
VA267. Kersti: Die Spanne zwischen Dogmatismus, Kreativität und Chaos - oder - Ist Ritalin bei ADHS Doping?
VA271. Kersti: Gibt es Weltbilder, die an sich gefährlich sind?
VA272. Kersti: Wenn meine Beispiele alle von mir handeln - heißt das etwa, daß ich selbstbezogen bin?
VA274. Kersti: Sprachverwirrung durch ADHS-Wahrnehmung oder Langweilige Routineaufgaben sind nicht langweilig

Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, http://www.kersti.de/, Kersti_@gmx.de
Da ich es leider nie schaffe, alle Mails zu beantworten, schon mal im voraus vielen Dank für all die netten Mails, die ich von Lesern immer bekomme.