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erste Version zwischen: 16.5.01 und 29.08.01
letzte Überarbeitung: 3/2008

VA2.

Hoffnungslosigkeit und doch nicht aufgeben

Beispielgeschichte, Kersti:

Ich muß so etwa 18 gewesen sein, als ich herausfand, daß es keine Hoffnung gibt. Überhaupt keine. Eigentlich sind es zwei Szenen, die mir lebhaft im Gedächtnis geblieben sind.

Einmal wanderte ich durch die Felder in meinem Heimatort. Ich dachte nach und kam zu dem Ergebnis, daß ich ein dermaßen ungewöhnlicher Mensch sei, daß es unmöglich sei, den richtigen Partner zu finden.

Etwa aus derselben Zeit stammt auch die andere Erinnerung: Ich fuhr gerade mit dem Auto durch den Reinhardswald nach Hause und dachte über den Zustand der Welt nach: Ich kam zu dem Ergebnis, daß eh alles hoffnungslos sei. - Die Umwelt würde sowieso so weit zerstört werden, daß kein Mensch mehr leben könne. Unsere Kultur sei so marode, daß wir uns doch gegenseitig vernichten würden - eher nicht durch einen Krieg - unsere alltäglichen kleinen Gehässigkeiten reichen dazu völlig aus. Für mich persönlich gäbe es erst recht keine Hoffnung, weil ich mit meinem Idealismus sowieso nicht in diese Welt passe - und mit meiner Vergeßlichkeit... Und natürlich kann ein einzelner Mensch ja sovieso nicht viel bewirken. Aber ganz gleich wie gering die Hoffnung ist, damit Erfolgreich zu sein, so beschloß ich, würde ich immer nach meinem Gewissen handeln und Versuchen meine Probleme zu lösen und die Welt zu retten - denn an solchen Katastrophen wollte ich mich zumindest nicht mitschuldig machen.

Das merkwürdige daran ist, daß sich von da ab zumindest was meine persönlichen Angelegenheiten betraf, die Dinge gebessert haben. Plötzlich begann ich, Freunde zu finden, die mich verstehen, inzwischen bin ich auch verheiratet. An allen Arbeitsplätzen, die ich mir danach suchte herrschte ein ungewöhnlich positives Arbeitsklima. Seminare an denen ich teilnahm, hatten eine ungewöhnlich herzliche Athmosphäre.

Die Veränderungen der Welt waren eher subjektiv - ich stellte fest, daß für jedes Problem gleich welcher Art schon eine Lösung erfunden war, die nur darauf wartet, im großen Stil umgesetzt zu werden...

Mein Umgang mit Dingen, die mich beunruhigen allgemein ist ganz ähnlich. Ich gehe zuerst einmal davon aus, daß das schlechteste Denkbare eintreffen wird, versuche möglichst "Beweise" dafür zu finden. Dann stelle ich mir ganz plastisch vor, wie es sein wird, wenn diese Katastrophe dann eingetreten ist, wie ich damit umgehen würde. Und ich stelle fest: Damit käme ich auch zurecht. Dann bin ich beruhigt, gehe zum Alltag über und strebe in meiner praktischen Arbeit grundsätzlich die beste denkbare Möglichkeit an, halte mir aber, ohne dafür allzugroßen Aufwand zu treiben, möglicht viele andere erstrebenswerte Wege offen, falls ich es nicht erreiche.

Kersti

 VA5. Kersti: Gefährliche Formen der Aufklärung
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VA47. Kersti: Die verdrängte Wahrheit ist immer schlimmer, als die Deckerinnerung hinter der wir sie verstecken
VA51. Kersti: Es gibt drei Typen von Vorgesetzten
VA54. Kersti: Satire: Lauter nützliche Dinge, die ich dringend bräuchte
VA75. Kersti: Das Gefühl, daß die Welt in Ordnung ist
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VA283. Kersti: Sehr hohe Soziale Kompetenz von Kindern als Hindernis für das Verständnis des Sozialverhaltens weniger kompetenter Menschen
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Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, http://www.kersti.de/, Kersti_@gmx.de
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